Aug 06 2015

Intermezzo > Hitze, Nachbars Garten & Co.

Autor: . Abgelegt unter Alltag

35 ° C nach 21 Uhr im Arbeitszimmer – in Florida würde die Klimaanlage kühlen, in Deutschland gibt so etwas selten in Wohngebäuden. Vom Sommer hingestreckt zu werden, ist kostbar hierzulande. Man kann dies nicht zuverlässig erwarten. Es kommt auch kaum jemandem gelegen. Komisch! Erst lässt der Sommer auf sich warten, dann nimmt er einen missglückten Auftakt, weil nicht nur nachts Regen fällt – und dann erlaubt das Klima sich auch noch schwindelerregende Temperaturen.

Es ist jedes Jahr das Gleiche: kaum bremst die sogenannte Hitze die Vitalität (etwas) aus, setzt das große Bedauern ein. Dieses Funktionierenmüssen ist aber auch im Winter auffällig: Kann das Auto nur langsam und mit Risiko über glatte Straßen schleichen (man kommt ggf. zu spät!), wird das als unbillige Härte identifiziert. Taut es wochenlang nicht, ist dieses Schicksal mit Eiskratzen und Gehsteig/Straße streuen beklagenswert. Alles zehrt Energie, die man gerne anderweitig eingesetzt hätte. Gibt es dann endlich mildere Temperaturen, dann schimpft man über Matsch und Dreckspitzer …

Die Kirschen in Nachbarsgarten sind immer süßer als die eigenen. Schon Peter Alexander hat das besungen. Die Ziege, festgebunden an einem Pflock, zerrt am Strick, weil auf dem Grundstück nebenan das würzigere Gras wächst. Kommt jetzt der Einwand: „Alles Allgemeingut und nicht vieler Worte wert …“??

Anscheinend nicht gut genug bedachtes Allgemeingut! Sonst würde man sich doch vor jedem Jammern fragen: Wäre jetzt das Gegenteil besser? Warum kann ich nicht genießen oder mich wenigstens anpassen? Habe ich verlernt, mich einzulassen? Muss ich alle Gegebenheiten unter Kontrolle haben und woran wachse ich dann? Ist das Wetter nur ein willkommenes Ersatzthema, weil ich grundsätzlich zum Hadern neige?

Ich lasse das mal so offen stehen. Das ist dem Thema angemessen.

PENTAX Image

PENTAX Image

Keine Kommentare

Jul 18 2015

Das innere Korsett – Wie Frauen dazu erzogen …

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Literatur

Dem Interview zum „Inneren Korsett“ möchte ich – mit Erlaubnis des C. H. Beck Verlages – eine Textpassage nachschieben, die uns in dem Buch von Gabriela Häfner und Bärbel Kerber ins Gehirn entführt. Dort hat man mittels bildgebender Verfahren tatsächlich Unterscheide zwischen männlichen und weiblichen Verschaltungen festgestellt – und zwar ab ca. dem 13. Lebensjahr (Seite 83/84). Warum so spät?
„Mit jeder Erfahrung, die wir machen, verbinden sich (…) neue Schaltkreise in unserem Oberstübchen. Werden dieselben Erfahrungen wieder und wieder gemacht, ergeben sich daraus im Laufe der Zeit dauerhafte neuronale Verbindungen.“
Die Fachsprache nennt das „Neuroplastizität“. Unser Gehirn wandelt sich, im Rentenalter sieht es folglich anders aus als während der Schulzeit. Die beiden Autorinnen berufen sich u. a. auf die Neurobiologin Lise Eliot. Von deren Erkenntnissen lässt sich ableiten: „…dort, wo es anfangs noch lediglich kleine Unterschiede gibt, werden diese immer größer, und zwar dadurch, dass man Mädchen und Jungen andere Angebote zum Einüben von Fertigkeiten macht. Klischees sind also alles andere als nur ein harmloser oder unterhaltsamer Zeitvertreib, sondern machtvolle Bilder, die unser Verhalten lenken können, ohne dass wir dies wollen oder ihnen etwas entgegensetzen könnten.“ ZITAT ENDE
Wie also wegkommen von den Bildern? Das Werbefernsehen versuchen schon andere Engagierte zu beeinflussen – das ist eine langwierige Angelegenheit. Auch Rollenstereotype in Unterhaltungsfilmen werden immer wieder reklamiert. Im persönlichen Umfeld im Alltag bieten sich kleine Schritte an – zum Beispiel „rollenunspezifische“ Stärken zu entdecken und zu fördern.

Bibliografisches Angaben siehe am Ende des Interviews mit Bärbel Kerber vom 21.6.2015

Keine Kommentare

Jun 21 2015

Unbemerkt bremst das Korsett: Denkmuster der Selbstverständlichkeit entreißen

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Kultur

“Frauen dürfen heute alles – und kommen dennoch nicht voran. Was ist da bloß los, haben wir uns gefragt und uns intensiv mit dem Phänomen befasst.” >> Dr. Bärbel Kerber ist als Journalistin auf vielen Themenfeldern unterwegs. Im Dezember 2006 gründete sie das Internet-Magazin misstilly.de, wo ihr die Politikwissenschaftlerin Gabriela Häfner redaktionell zur Seite steht. Nun haben die beiden Frauen jene unauffälligen „MiterzieherInnen“ untersucht, die auf das Verhalten von Jungen und Mädchen Einfluss nehmen. Herausgekommen ist das Buch „Das innere Korsett: Wie Frauen dazu erzogen werden, sich ausbremsen zu lassen.“ Ein Auszug daraus ist hier http://url9.de/WAv zu finden. Ich fragte Bärbel Kerber nach Hintergründen und Ausblicken:

Was hat Sie bei Ihren Recherchen am meisten überrascht?

Obwohl ich mit dem Thema schon relativ lange unterwegs bin, hat mich eine Langzeit-Studie alarmiert, die zutage brachte, dass Mädchen im Teenager-Alter plötzlich ihr Selbstbewusstsein verlieren. Es hat mich völlig überrascht, weil ja das Bild von den sogenannten Alphamädchen stark in den Vordergrund getreten ist, gepaart mit den Berichten darüber, dass die Mädchen in der Schule mit ihren guten Noten die Jungs abhängen. Da stieg ich mit Gabriela Häfner, meiner Co-Autorin, in die Recherche ein. Je mehr Material wir in die Hände bekamen, desto erstaunter waren wir. Zuvor dachten wir, wir wären schon weiter.

Was steckt dahinter?

Das Rollenbild der Frau ist heute immer noch sehr traditionell: Du sollst schön und hilfsbereit sein, dich nicht so in den Vordergrund drängen, deinen Platz der zweiten Reihe suchen.

Das umfangreiche Quellenstudium ist beeindruckend. Auf den Seiten 181 bis 217 ist in dem Buch aufgelistet, woraus Ihr Euch gespeist, was Euch inspiriert hat.

Wir hätten sogar noch sehr viel mehr Quellen anzapfen können. Aber irgendwann mussten wir uns beschränken. Es war uns wichtig, untermauern zu können, was wir beobachtet und herausgefunden haben. Wir haben uns nichts ausgedacht.

Es liest sich sehr interessant …

Das freut uns! Wir wollten keine wissenschaftliche Abhandlung schreiben, sondern aufrufen: Leute, guckt genau hin. Es ist noch so viel zu tun. Man muss immer wieder darauf hinweisen, wo es mit dem Rollenverständnis im Argen liegt.

Das ist aber schon länger bekannt. Warum also noch mal ein Buch?

Die Gefahr besteht, dass Debatten über Frauenquote oder Kita-Plätze blenden. Natürlich sind solche Forderungen bzw. Errungenschaften wichtig. Doch die Annahme, dass man Strukturen ändert und damit die Gleichberechtigung durchbricht, hat sich nicht bewahrheitet.

Also zurück zur individuellen Ebene?

Nicht anstelle der Struktur-Verbesserungen! Aber solange Frauen sich selbst nicht als intelligent wahrnehmen, sozusagen ihr Licht unter den Scheffel stellen, wird es keine Erfolgsgeschichte. Beredtes Beispiel sind die T-Shirts, mit denen Schülerinnen bekunden: „In Mathe bin ich Deko“.

Wir berühren Klischees!

Leider. Das ist nicht zu vermeiden. Weil es eben nicht abwegig ist, dass selbst eine emanzipierte toughe Frau dennoch auf einer unterschwelligen Ebene voller althergebrachter Denkweisen ist, die ja von außen immer wieder bestätigt oder gar verstärkt werden – etwa durch die Erwartungen des Umfelds, durch die Medien oder die Werbung. Frauen, die undifferenziert als die lieben, netten Wesen gesehen, ja darauf reduziert werden. Wenn sie mal laut werden, spricht man von „Zicken“; werden Männer laut, gelten sie als durchsetzungsfähig.

Aber es gibt doch Gegenwehr!

Ja, ich finde es ganz toll, dass jüngst auch immer wieder Schauspielerinnen in Hollywood Rechte reklamieren. Sie wollen nicht länger hinnehmen, dass Frauen weniger verdienen als die Männer, dass viel weniger Spielfilme von Frauen gedreht werden, unter anderem weil die Fördermittel nicht in gleichem Maße an Filmemacherinnen verteilt werden usw.

Okay, die Prominenz wird zur Kenntnis genommen …

Unser Part in dem Buch ist es, auf die Denkmuster hinzuweisen, sie der Selbstverständlichkeit zu entkleiden. Denn die Zuweisung von Rollenmustern ist schlimmer geworden. Man denke nur an Spielwarengeschäfte. Die Angebote für Mädchen und Jungs sind strikt getrennt und meist auch farblich sehr deutlich gekennzeichnet. Für Jungen ist es tabu, sich in der Rosa-Abteilung umzusehen! In unserer Kinderzeit gab es viel mehr Spiele, die für beide Geschlechter geeignet waren.

Um die Zeichen kommt man nicht herum?

Nein, es trifft ja ein Alter, in dem man unbedingt dazu gehören will. Für Kinder ist es wichtig, sich daran zu orientieren, wie machen es denn die anderen. Es wäre beschämend, in der „falschen“ Gruppe zu landen. Der Rahmen, was möglich und was falsch ist, ist viel enger gezogen als früher. Die Stereotypen werden deutlicher präsentiert und damit fast diktiert.

Gibt es nicht genügend alternative Angebote?

Man orientiert sich an dem, was da ist, was als Normalität auf einen einströmt. Facettenreiche Vorbilder weiten natürlich den Horizont. Doch geprägt werden wir ja zuerst als Heranwachsende. Der Einfluss der eigenen Eltern – sollten die von den Stereotypen abweichen oder gar ein Gegengewicht verkörpern – nimmt aber mit zunehmendem Alter ab. Es gibt eine Menge „heimliche Erzieher“, die wir bewusst machen wollen.

Wie wirke ich denen entgegen?

Ich kann meine eigenen Schubladen und mein Verhalten kontrollieren. Also nicht das Typische fördern bei meinen Kindern. Beispielweise Mädchen nicht automatisch ins Ballett schicken, sondern eine breitere Gestaltung des Lebens aktiv präsentieren. Nicht das unsichtbare Korsett unterstützen, indem man unreflektiert Äußerlichkeiten fördert, was man schon mit unbedachten Komplimenten tut. Wer immer hört „Du bist aber hübsch“, lernt das Hübschsein wichtig zu nehmen …

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Kerber!

Foto: Autorinnen

Foto: Autorinnen

Kurzvita: Bärbel Kerber ist promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin und arbeitet als freie Journalistin und Buchautorin. Gemeinsam mit Gabriela Häfner betreibt sie das Frauenonlinemagazin Miss Tilly.de, das überholte Geschlechterklischees infrage stellt. Gabriela Häfner ist studierte Kultur- und Politikwissenschaftlerin und arbeitet als freie Journalistin und Übersetzerin. www.baerbel-kerber.de / http://www.misstilly.de

bärbel_cover

 

“Das innere Korsett – Wie Frauen dazu erzogen werden, sich ausbremsen zu lassen”, Bärbel Kerber und Gabriela Häfner, C.H.Beck-Verlag, 2015, 217 Seiten, ISBN 978-3-406-67529-4

Keine Kommentare

Jun 15 2015

STN+STZ-Fusion macht uns ärmer!

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Zwei Redaktionen gehen auf in einer. Wirklich große “Marktbeschicker”. Das passiert in Stuttgart. “Zukunftssicherung” muss als Argument dafür herhalten. Tja, wenn die Abo-Preise sich nur noch Gutverdienende leisten können und die Anzeigenpreise auch nicht nachgeben …

Hier kann man sich einem Protest anschließen:

http://www.kontextwochenzeitung.de/medien/219/wir-fordern-pressevielfalt-2943.html – “David kämpft für Goliath” heißt die Kampagne der Kontext:Wochenzeitung. Die Unterschriftenliste wächst!

Nicht vergessen: Medienvielfalt hilft Demokratie sichern!

Obermylau Spaz Mauer

Wie komme ich darauf, dieses Foto für dieses Thema als passend zu empfinden?

Bin gespannt auf Ideen dazu!

Interview mit Bärbel Kerber über”DAS INNERE KORSETT” Wie Frauen dazu erzogen werden, sich ausbremsen zu lassen” in Kürze!

Keine Kommentare

Mai 29 2015

Schuhe – ein ergiebiges Thema

Autor: . Abgelegt unter Kultur,Literatur

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESWer hätte gedacht, dass Schuhe die Phantasie so üppig sprudeln lassen! Die Teilnehmer der Schreibwerkstatt “Schreiben wollte ich schon immer” in Schorndorf freuen sich  zur Zeit über vielfältige Ideen. Es entstehen lustige, unterhaltsame sowie tiefergehende Geschichten mit der Option auf “mehr”. Als Kursleiterin bin ich neugierig, was sich hieraus noch alles entwickeln lässt.

Der Herbstkurs ist in Schorndorf für 28.10., 18.11. und 9.12.15, jeweils 18.15 – 20.30 Uhr eingeplant.

Nördlingen: Sprachgefühl und Textstärke kann man hier an zwei Samstagen trainieren/verbessern: 14.11. und 12.12.15. Die Themen kommen aus dem Alltag, aus der Biografie oder dürfen fiktiv sein – je nach Bedürfnis der Teilnehmenden.  “Schreiben heißt anfangen, dem eigenen Ton zu vertrauen, dabei zwar einige Regeln zu beherzigen, aber dennoch immer wieder Experimente zu wagen. ”

IM NETZ: Ein zwangloser online-Kurs mit viel Zeit zwischen Abgabe- und Feedback-Terminen ist im Aufbau. Interessenten können sich dazu noch melden. Möglicherweise muss ich ab 2016 dafür eine Gebühr erheben, aber vorerst kann ich meine Begleitung noch gratis anbieten.

Keine Kommentare

Apr 24 2015

Feststecken – und dann zum Coach

Autor: . Abgelegt unter Alltag

Petra Leutbecher hilft Leuten, die feststecken. Wir fragten sie nach ihren Begegnungen und was ihre Arbeit reizvoll macht.
Frage: Was muss ich mitbringen, wenn ich mich an Sie wende?
Petra Leutbecher (PL): Mut zur Veränderung. Neugier auf das Danach, wenn die Hürden, die jetzt noch blockieren oder abschrecken, überwunden sind.
Sie coachen auch Schüler. Kommen die aus eigenem Antrieb oder werden die von den Eltern gebracht?
PL: Kinder sind von Natur aus wissbegierig. Wenn es mit dem Lernen nicht klappt, ist das eine Störung. Das empfinden sie sehr wohl. Ich nehme niemand ins Coaching, der nur fremdbestimmt anklopft, aber nicht wirklich selbst weiterkommen will. Das würde auch gar nicht funktionieren.
Was fragen Sie beispielsweise einen Schüler, den Mathe anödet?
PL: Ziele sind wichtig. Will er die Erfahrung machen, dass Mathe auch spannend sein kann? Was hält ihn davon ab, diese Erfahrung einzuleiten? Stimmt die Chemie zwischen ihm und dem Lehrer nicht? Oder haben ihn Misserfolge entmutigt?
Sie sind IPE-Kinder- und Jugendcoach. Wofür steht das IPE?
PL: Ich verwende die Methoden des Instituts für Potential-Entfaltung. Entwickelt hat sie Daniel Paasch, selbst Vater von vier Kindern. Mittels verschiedener Techniken wird versucht, die beiden Hirnhälften so zu beeinflussen, dass sich die Blockade löst und die Tür aufgeht für Neues.
Also nicht nur analysieren und motivieren mit Worten?
PL: Stimmt. Es müssen tiefere Schichten stimuliert und neu ausgerichtet werden.
Gilt das auch für Erwachsene?
PL: Ja.
Warum wollen sie gecoacht werden?
PL: Das ist sehr unterschiedlich: Burnout, Mobbing, Work-Life-Balance, Lebensumbrüche, Unzufriedenheit und Antriebslosigkeit, Eheprobleme …
Wie findet man den richtigen Coach?
PL: Ich rate grundsätzlich, sich mehrere Coaches anzusehen und dann nach dem Bauchgefühl die Wahl zu treffen.
Ist es nicht manchmal strapaziös, ständig mit frustrierten Menschen zu arbeiten? Was macht Ihre Arbeit reizvoll?
PL: Die Lernerfahrung. Als Coach muss man sich selber einschätzen lernen und seine Energie einteilen können. Daher ist es auch nicht möglich, den ganze Tag Coachings – sozusagen eines nach dem anderen – durchzuführen. Man muss lernen, eine professionelle Distanz im Gespräch zu wahren.
Welche Erfahrung sollte sich möglichst nicht wiederholen?
PL: Ich erlebe öfter, dass Kinder oder Jugendliche das Coaching gut annehmen, aber die Eltern eigentlich auch mal einige Stunden kommen sollten, es aber leider nur in den seltensten Fällen tun. Das finde ich manchmal frustrierend. Die Kinder sollen geändert werden oder sich ändern, aber die Eltern bleiben in der „alten“ Schiene.
Welche Begegnung hat Sie am meisten beeindruckt?
PL: Beeindruckende Begegnungen habe ich immer wieder. Gerade mit Jugendlichen, die schon mit 13, 14 oder 15 ausgeprägt reflektiert sind und die Dinge rasch auf den Punkt bringen können. Da macht Arbeit Spaß, und wir Erwachsenen können uns davon oft eine Scheibe abschneiden.
Was wäre für sie der „Stein des Weisen“?
PL: Wenn man auch im Coaching sofort wüsste, was „1-2-3“ hilft, denn manchmal braucht es ein wenig, um wirklich herauszufinden, wo die Uhrsache liegt und wie man diese lösen kann.
Danke für dieses Gespräch!
Wie angekündigt setzten wir die Reihe der Interviews in unregelmäßiger Folge fort.

N ä c h st e   T h e m e n :

>> Recht & Gesetz – auch Autoren müssen sich absichern

>> Wie funktioniert das innere Korsett, das Frauen bremst?

Keine Kommentare

Mrz 30 2015

Flugzeug zerschellt – Seele als Mysterium

Autor: . Abgelegt unter Alltag

Da steuert einer ein Flugzeug gegen eine Felswand und nimmt zig Menschen mit in den Tod. Als erstes fragt man, ob es einen terroristischen Hintergrund gibt. Dann taucht man in die Vergangenheit des Mannes. Und siehe da, man findet psychische Auffälligkeiten bis hin zu Suizid-Absichten. Und wieder stehen wir vor einem Rätsel, weil in unserer perfektionistischen Welt die Seele ein Mysterium ist, die zwar DichterInnen besingen, die aber nicht krank sein darf.

Bei aller Erschütterung über die Flugzeugopfer hoffe ich, dass nicht hängen bleibt: psychisch labil, also gefährlich für die Allgemeinheit! Wie in diesem Blog immer wieder geschrieben, muss man psychisches Leiden immer noch verstecken. Trotz des großen Schreckens angesichts prominenter Selbsttötungen (wie z. B. der von Robert Enke 2009). Was tabuisiert wird, verunsichert, macht Angst. Den Depressiven wäre auch ein Beinbruch lieber. Sie würden mit weniger Misstrauen kämpfen müssen.
Machen wir also Schluss mit dem Unterschied zwischen körperlichem und psychischem Leiden. Vielleicht verhindert auch das Katastrophen.

Zu dem erschütternden Flugzeugunglück haben sich viele Menschen Gedanken gemacht. Darunter die Expertin für Hochsensibilität, Mona Suzann Pfeil. Hier der Link zu ihrem Blickwinkel:
http://monasuzann.blogspot.de/2015/03/mehr-offenheit-im-arbeitsleben-meine.html

Zum Umgang der Presse mit Katastrophen fand ich dieses Bekenntnis, das die Schwächen der Zunft sehr eindringlich darstellt: http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/209/ich-bin-die-ratte-2810.html

N A C H T R A G :    Die “Stellungnahme zum Absturz von Flug 4U9525” der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ließ nicht lange auf sich warten. Am 2. April warnte sie unter anderem: >>Die stigmatisierende Wirkung der Meinungsbildung über die möglichen Gefährdungen durch Menschen mit psychischen Erkrankungen wird in den letzten Tagen durch Stimmen aus der Politik noch verschärft. Führende Politiker fordern, die ärztliche Schweigepflicht für den Fall zu lockern, dass Patienten mit psychischen Erkrankungen in verantwortungsvollen Positionen sind.<< Die vollständige Erklärung ist hier zu finden:  >hier klicken<

Wichtig: Die Entwicklung dieses Themenfeldes weiter beobachten!

Keine Kommentare

Mrz 08 2015

Honig im Kopf – Mama federt das ab

Autor: . Abgelegt unter Alltag

„Honig im Kopf“ macht seit 25.12.2014 in deutschen Kinos darauf aufmerksam, dass Menschen mit Alzheimer-Erkrankung viel Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen, anstatt lieblos abgeschoben und ruhig gestellt zu werden. (Für welchen Kranken trifft das nicht zu?) Wikipedia bezeichnet den Film als Tragikomödie, ich finde, er ist ein modernes Märchen.

Ich solle Taschentücher ins Kino mitnehmen, wurde ich im Vorfeld instruiert. Doch so anrührend vereinzelte Sequenzen auch sein mögen: Abwechslungsreichtum ist das Plus des Films, der langsames Erzählen gut mit flott inszenierten Ereignissen kombiniert. Insgesamt lebt der Film von originellen Übertreibungen zum Amüsement des Publikums. Schließlich hat ihn ja Till Schweiger produziert, der auch Regie führte, am Drehbuch mit schrieb und eine der Hauptrollen spielte. Die schauspielerischen Leistungen von Emma Schweiger (Tochter von Till; im Film spielt sie die Enkelin, die intuitiv und klug alles richtig macht) und Dieter Hallervorden (vollendet Anfang September 2015 sein 80. Lebensjahr) verdienen wirklich Applaus, denn sie überzeugen auf eindringliche Art, ohne dabei auch nur im Mindesten angestrengt zu wirken. Das ist schon viel für einen Unterhaltungsfilm, der so viele Leute anzieht.

Dennoch fiel bei der „Moral von der Geschicht“ viel Begeisterung von mir ab: Um die Herausforderung zu meistern, mit einem Alzheimer-Erkrankten unter einem Dach ohne größere Katastrophen (einmal Kuchenbacken und fast wäre das Haus in Brand geraten) über die Runden zu kommen, beschloss die Gattin, Mama und Schwiegertochter, ihren Job, an dem sie hängt, zu kündigen und sich um die Lieben daheim zu kümmern. Besonders schnuckelig ist der Umstand, dass sie sich angesichts dieser Weichenstellung mit ihrem Mann versöhnt (incl. tönend lustvoll vereinigt) und neun Monate später einem Sohn das Leben schenkt.

Ich will mich jetzt nicht darüber verbreiten, dass mit dem Wort „Liebe“ manchmal einfach zu dick aufgetragen wird in diesen fast 140 Minuten oder dass Sex-Anklänge in witziger Form zwar einerseits nett sind und entkrampfen können, die Nähe zum Klischee aber offenbar niemanden gekümmert hat. All das Ausgesparte, das zwischen Job-Entsagung der einst erfolgreichen Werbe-Fachfrau und dem Tod des Großvaters liegt, unterstreicht ja, dass es sich gewollt und augenzwinkernd lediglich um ein weich zeichnendes Märchen im weitläufigen Umfeld von neurodegenerativer Demenz handeln kann. Doch wenn es schon ein Märchen ist, dann hätte ich auch gerne den Sohn mit im Boot, der nämlich selbständig ist und souverän über sein Zeitbudget bestimmen kann – im Gegensatz zu seiner Frau, die per Arbeitsvertrag gebunden ist und kündigen muss, wenn sie ihre Zeit flexibler einteilen will.

Also wenn schon MÄRCHEN, dann bitte doch so, dass Mann und Frau sich die Backstage-Arbeit teilen. Mit der Konsequenz, dass Arbeitgeber das mittragen – in welcher Form auch immer, aber keinesfalls ein Anstellungsverhältnis aufgelöst werden muss.

Und wenn ich gelegentlich ein Märchen über die Alzheimer-Erkrankung erzähle, führe ich als Gegenpol zu diesem leidvollen Schicksal an, dass wir alle der zeitgenössischen Norm entsprechen müssen und wollen, uns entsprechend verhalten und kontrollieren, um in jeder Sekunde perfekt zu sein. Und dass diese Erkrankung, benannt nach ihrem Entdecker Alois Alzheimer, dieser vorordneten und angestrebten „Unfehlbarkeit“ ein Schnippchen schlägt, gegen das Betroffene und deren Umfeld machtlos sind. Als würde die Natur – wie immer – für einen Ausgleich sorgen.

Ein Kommentar

Feb 10 2015

Kinderbücher immer einschlägiger: Zartes für Mädchen, Hartes für Jungs

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Kultur,Literatur

Klischees im Kinderbuch: Börsenblatt-Spezial analysiert Zunahme von Stereotypen *+
PM.* Die Gleichberechtigung in Sachen Kinderbuch scheint auf dem Rückzug zu sein. “Seit mehreren Jahren beobachte ich, dass das Angebot der Verlage, aber auch die Nachfrage durch Kunden mehr und mehr den Geschlechtertypen entspricht”, bestätigt Susanne Lux von der Mainzer Buchhandlung Nimmerland im Gespräch mit dem Börsenblatt. In der aktuellen Spezial-Ausgabe zum Thema Kinder- und Jungendbuch betreibt die Redaktion Ursachenforschung. Lektorin Katja Massury aus dem Fischer Verlag bringt das Ergebnis mit einem Hinweis auf die Doppeladressierung von Kinderbüchern auf den Punkt: “Natürlich versucht man, mit der Aufmachung eine Kundschaft zu bedienen, die sich stark an Rollenbildern orientiert. In der Kinderliteratur kaufen ja nicht die Leser das Buch, sondern ihre Eltern, Tanten und Großeltern.”

Um die Entwicklung des Trends zu verstehen, hilft ein Blick zurück in die 1980er Jahre. Im Zuge der Emanzipation sorgten damals viele sensibilisierte Verlage und Autoren für mehr Gleichberechtigung im Kinderbuch. “Nachdem der Ruf nach starken Mädchengestalten laut wurde, wurden neue Charaktere wie Christian Bienieks “Karo Karotte” bewusst für Mädchen geschaffen”, erinnert sich Susanne Lux. Das hätte allerdings zur Folge gehabt, dass nach zehn Jahren die spannenden, aufregenden Hauptfiguren alle Mädchen waren. “Und das Erstaunen war groß, dass die Jungen das Lesen quasi einstellten, weil es nichts Interessantes für sie gab. “Wir brauchen Jungenliteratur!” war die Antwort, so die Buchhändlerin.

Heute stehen die Buchhändler mit ihren Kunden oftmals vor geteilten Kinderbuchregalen: Blau für die Jungs, rosa für die Mädchen. “Käufer fühlen sich oft auf der sicheren Seite, wenn sie in der Buchhandlung nach einem Lesetipp für einen Jungen fragen und dann ein Buch in die Hand gedrückt bekommen, das deutlich zuzuordnen ist” berichtet Katja Massury. Allerdings rege sich auch bei den Eltern mehr und mehr Widerstand gegen die typische Zuordnung nach Prinzessin oder Ritter, wie Lektorin Tatjana Kröll von Knesebeck zu bedenken gibt. Deshalb lege man laut Britta Kierdorf, Sprecherin von Ars Edition, Wert auf einen Programmmix mit neutralen Titeln und Büchern, die Rollenklischees bewusst brechen. Jenseits aller konzeptionellen Überlegungen sind aber vor allem die Verkaufszahlen ein entscheidendes Kriterium, an dem Verlage nicht vorbeikommen, erklärt Kathy Heyer, Programmleiterin für das Coppenrath Kinderbuch: “Die letzten Jahre haben gezeigt, dass im Abverkauf insbesondere in der Altersstufe bis elf Jahre vermeintlich stereotyp gestaltete Titel gewinnen.”

Mit einem Anteil von 17,4 Prozent am Gesamtumsatz bildete das Kinder- und Jungendbuch laut GfK Entertainment im vergangenen Jahr das zweitstärkste Segment des deutschen Buchhandels. (*PM ist die Abkürzung für Pressemitteilung. Diese kommt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. )

*+ Dieser Blog ist weiterhin journalistisch unabhängig und niemandem verpflichtet, kann gelegentlich jedoch interessanten Presse-Mitteilungen nicht widerstehen – zuletzt zum Beispiel am 27.9.2013 > Mezis-Ärzte gegen Korruption – Gesetzgebung wachsam beobachten! von >> Mezis. Die Abkürzung steht für „Mein Essen zahl ich selbst – Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte“.

In naher Zukunft werden hier auch Experten zu Wort kommen – Interviews sind verabredet, Statements wie das von Jutta Bender, Psychologin und Trauerrednerin, bleiben vorerst die Ausnahme.

Keine Kommentare

Dez 27 2014

Pillen eckig, länglich, rund – Hauptsache, sie unterscheiden sich deutlich!

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag

Die Pharma-Industrie ist kein rundum verlässlicher Partner. Es geht zwar nur um „Äußerlichkeiten“, aber die können schnell eine unliebsame Wirkung haben. Wie sehen Pillen aus? Farbe, Form, Größe? Nie hätte ich gedacht, dass mich das mal interessieren würde!
Aber von vorn. Man ist ja bei dauerhaftem Medikamentenbedarf so einiges gewöhnt. Wenn man zufrieden ist mit der medikamentösen Einstellungen durch den Arzt oder die Ärztin des Vertrauens, ist schon mal eine gute Basis erreicht. Dankbar für das Versicherungssystem, das in Deutschland die zugelassenen Wirkstoffe bezahlt, die vor einem frühen Siechtum oder Tod bewahren. Da darf die Krankenkasse (sprich die Versichertengemeinschaft) auch erwarten, dass man beim Sparen mithilft und sich flexibel zeigt, wenn günstige Verträge mit den Pillenherstellern den Abschied vom gewohnten Pillenproduzenten bedeuten. Ein bisschen Flexibilität des Einzelnen bedeutet großen Vorteil für alle. So dachte ich bisher.
Lange klappte das hervorragend. Dann plötzlich ähnelten sich zwei der Pillen. Meine Brille war aber noch gut genug. Trotzdem: Risiko-Potential! Bald löste sich die Konstellation aber wieder auf, weil andere Verträge wieder ein anderes Pillen-Outfit bedeuten.
Zwischendurch hatte ich eine herzchenförmige, eine längliche (mit zwei Rillen bequem in drei Teile spaltbar) und eine runde, rosa Pille zu nehmen. Weil abends nur ein halbes Herzchen fällig war, nahm ich es für selbstverständlich, dass sich diese Pille gut brechen ließ. Mit dem übernächsten Rezept wurde leider alles anders: kein Herzchen mehr, dafür eine weiße Mini-Pille, die sich bei der notwendigen Teilung widersetzte und häufig in mehrere Splitter zersprang. Splitter wegwerfen? Hat die Sparpolitik das beabsichtigt? Oder schlampige Einnahme, weil da mal ein Eck fehlt und dort was zu viel ist?
„Aut-idem“ wähnte ich als Zauberwort, gab also in der Arztpraxis an, welcher Hersteller bisher das „umgänglichste“ Präparat hatte. Zurück zum Herzchenhersteller, auch wenn der nicht mehr der billigste war. Ironie des Schicksals: er hatte die Form umgestellt: weiß, klein, aber wenigstens nicht mini.
Nicht nur dem Herzchen trauere ich nach. Die längliche Pille gibt es von dem Hersteller mit der neuen Vertragsbindung nur noch rund. Damit sieht sie jener zum Verwechseln ähnlich, die bisher rosa war und nun weiß ist. Ingesamt stehe ich vor drei weißen Pillen. Die kleinste verlangt mir das Kunststück ab, sie zu teilen (s. o.), die größere sieht ihr zum Verwechseln ähnlich und die große kann ich nur noch halbieren und nicht mehr in drei Stücke teilen. Geht man so mit mündigen Patienten um?
Fazit: es gibt zu viele Pharma-Firmen, die den gleichen Wirkstoff anbieten, die immer neue Vertriebsformen wählen und mit ihrer Wettbewerbspolitik alles andere als günstig auf den Markt einwirken.

Keine Kommentare

« Aktuellere Einträge - Ältere Einträge »