KREATIV-Telegramm

Schlagwort: kreativ schreiben

Kultur

Sahne und andere Bedürfnisse

Der Blog machte Pause. Dank einer emsigen Stubenfliege erwachte er voller Themen, die ans Licht drängen. Es wäre aber ein Wirrwarr, alle nachzuholen. So befasse ich mich mit dem, was meinen Tag einläutete, nämlich Axel Hacke mit „Heiterkeit“. Wir können sie nicht greifen, obwohl sie oft zum Greifen nah wäre. Gelegentlich mache ich mir Vorwürfe, weil ich sie vernachlässige in meinem Alltag.

Grund genug, neue Vorsätze zu fassen und diese einigermaßen humorvoll zu verfolgen. Das Verdienst der Heiterkeit ist, dass sie alles leichter erscheinen lässt. Zu Schwermut gibt es genügend Anlass. Deswegen bin ich froh, wenn ich auf Facebook immer wieder Beiträge finde, die Zuversicht verbreiten. Die Ansichten und Erläuterungen von Robert Habeck zählen dazu, der Esprit von Zeitschriften wie „Experimenta“ und Postings von Surréalisme Artistica: humoristique

In Vorbereitung ist wieder ein Kalender der Gruppe 7punkt3 (diesmal Thema „Tiere“), die immer noch das Kreative Schreiben an der Volkshochschule Schorndorf mit mir pflegt. Eine Teilnehmerin feiert bereits das zehnjährige Jubiläum ihrer Kursbesuche. Die nächste ist nah dran. Zuverlässigkeit und Treue sind Tugenden, die selten und hoch wertzuschätzen sind.

Im Moment stellen wir Begriffe wie „Impuls“ und „Bedürfnis“ in den Raum: wie unterscheiden sie sich, was haben sie miteinander zu tun? Wir bleiben aber nicht abstrakt, sondern haben uns auch mit dem „Dicksein“ beschäftigt, das beim Bachmann Preis 2026 ins Rampenlicht rückte. Anlass dazu gab das Semesterthema „Aber bitte mit Sahne!?“ Unterzeile: Gesund und munter älter werden. Udo Jürgens kam als munterer Zeitgenosse in den Sinn, der mit kritischen Liedern genauso punktete wie mit heiteren und sogar beides zu kombinieren verstand.

Da ist sie wieder – die Heiterkeit, die wir brauchen, um beschwingt zu sein und alle bedrohlichen, komplizierten und heiklen Themen gut verdauen zu können. Belastend sind unter anderem Diskriminierung und Ausgrenzung. Mit „Was wir Tragen“ zeigte Lena Schätte diese Pein bei Jugendlichen und gewann so den 1. Preis beim Bachmannwettbewerb 2026. Die Diskussion darüber kann man hier nachlesen > https://short-url.cc/1zq9J Nicht umsonst gründete sich die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung > https://short-url.cc/1FfMK Diese geriet auch dank Facebook in mein Blickfeld.

Überhaupt: Die Medien. Sie werden heiß diskutiert. Und KI sowieso. Diesen Dienst stellte ich mehrfach auf die Probe und weiß, dass er erfreulich funktionieren kann, aber man muss ihn dennoch mit Verstand hinterfragen. Aufheben werde ich mir, wie er unser Kurs-Thema „Mein Leben als Türklinke“ bearbeitete. Erst lieferte er einen Allerweltstext, der keine Begeisterung auslöste. Dann bat ich um eine Version, wie Thomas Mann sich hierzu äußern würde. Das gelang KI durchaus überzeugend. Noch besser gefiel mir, was KI als Betrachtung von Rainer Maria Rilke dazu präsentierte. Man kann also mit KI auch „Spaß“ haben und nicht nur nach passenden Augentropfen oder Empfehlungen bei Rheuma fragen. Dass sich oft einsame Menschen mit Kummer von KI trösten lassen, steht auf einem anderen Blatt.

Spaß: In der ZEIT vom 12.2.2026 erregte eine ungewöhnlich lange Überschrift meine Aufmerksamkeit > Wir behaupten, etwas habe Spaß gemacht – etwa ein Treffen mit Freunden oder ein Ausflug. Aber hatten wir wirklich Spaß? Oder war es einfach nur nett? (Ressort „Entdecken“, S. 54) Autor Francesco Giammarco ging der Frage ausführlich nach und inspirierte mich erneut, inflationär verwendete Worte unter die Lupe zu nehmen, was ich ohnehin praktiziere, seit ich mich in den 1990ern in das Thema „Mobbing“ vertiefte und viel dazu publizierte.

Danke also für den Impuls, mich mit Spaß zu befassen und – siehe oben – mit Heiterkeit. Daraus lassen sich hervorragend Aufgaben für die „kreativ schreiben“ ableiten! Von anderer Beschaffenheit wird das schriftliche Nachdenken über „Mein Leben als Stubenfliege“ sein. Die kam trotz Fliegengitter in die Wohnung und verursachte gemeinsam mit Axel Hacke das Bedürfnis, den Blog wieder zu beleben! (Oder war das ein Impuls?)

PS.: Axel Hacke. Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte.

  • https://experimenta.de/ Magazin für Literatur, Kunst und Gesellschaft
  • Roman-Empfehlung: Alexandra Fröhlich. Gestorben wird immer
  • Meine nächste Lektüre: Gabriala Heins. Patient Pflege. Ansichten von Innen. Edition Maya

Literatur

Wenn der Teppich schmollt statt fliegt

Ach du mein Teppich du. Fliegen sollst Du. Wie die Wörter. Überall surren sie umher, öffnen Fenster und Schränke. Neue Welten werden sichtbar. Ein Festival der Impulse, Fantasie & Kreativität! Und was machst Du statt dessen? Du streikst. Angeblich, weil ich Dich nicht geachtet habe. Wie kann ich jemanden achten, der sich mit Käfern abgibt und Läuse beherbergt. Du meinst, die würden längst das Weite gesucht haben, wenn wir öfter geflogen wären? Hätte, hätte, Fahrradkette. Alles Ausreden. Beleidigte Leberwurst!

Was war das eben? Du beklagst, dass ich Dir Deinen Partner weggenommen habe? Dass Du dem immer noch nachheulst. Nicht mal seine Farbe passte zu Dir. Und dann sein Zustand – zunehmend hochnäsig. Verwöhnt durch zu viele exotische Flugziele. Kam nicht mehr auf den Boden der Tatsachen. Rezitierte jeden Abend anstrengende Gedichte.

Waaas? Ich hätte ihn besser pflegen sollen? Ja womit denn? Gegen Shampoo war er allergisch, den Staubsauger hat er gehasst und fauchend vergrault. Mit Streicheleinheiten und gut zureden hatte ich es lange genug versucht. Selbst seine Fransen habe ich anfangs gekämmt. Ja, niedergekniet bin ich und habe mich um seine Schönheit und Fitness bemüht. Doch ich kriegte keine Verbindung zu ihm. Zuletzt waren wir beide frustriert. Jetzt ist er in guten Händen und hat ein luxuriöses Plätzchen mit Zuhörgarantie.

Und jetzt Du. Trittst Du womöglich in seine Fußstapfen? Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum, sagt man. Ja, schüttle Dich nur. Zeige Wellenbewegungen wie bei einem Orgasmus. Du machst mir nix vor. Du bist nicht flugbereit. Du schmollst lieber und hältst es mit dem Kleinvieh, das Dich in der Wolle krault.

Ich soll Dich davon befreien? Oh Schreck, bin ich allmächtig? Oder soll ich womöglich Umweltgifte einsetzen? Da kommen mir die Kinder auf den Hals. Die wollen eine Zukunft haben, keine Pestizide auf den Äckern und anderswo. Die demonstrieren sogar gegen Fleischverzehr. Der Klimawandel ist denen zu Kopf gestiegen!

Dir ist es auch zu warm und zu stickig? Wie bitte? Ist das Dein Argument, nochmal in luftige Höhen aufzusteigen? Schon wieder Wellenbewegungen. Ich versteh Dich nicht. Wir haben uns auseinandergelebt. Oh, Du hebst ab. Zwei Zentimeter, drei, vier, fünf … Ey, was soll das? Wenn ich jetzt aufspringe, wohin werden wir fliegen? Ahhh – Du siehst die Gruppe da vorne. Der willst Du hinterher? Also wenn es nicht zu lange dauert, komm ich mit, verzeihe Dir Deinen Streik. Aber es müssen nette Menschen sein, denen Du unsere Gesellschaft anbietest. Bis jetzt sehe ich nur eine mit Bubikopf, die emsig etwas notiert. Daneben fliegen zwei, die fangen Buchstaben ein. Dahinter noch vier, die jonglieren mit ganzen Worten. Meinst Du, die spielen „kreativ schreiben“? Komm, lass uns näher ranschweben …

*** “Wörter wie fliegende Teppiche” heißt mein aktueller Kurs an der VHS Schorndorf. Er gestaltet sich sehr abwechselungsreich und findet im Herbst seine Fortsetzung. https://www.vhs-schorndorf.de/ Sobald die Termine in “trockenen Tüchern” sind, stehen sie auch auf meiner homepage unter “Veranstaltungen”. Ein zweites Angebot ist das Experiment “Wir schreiben ein Buch”. Vorab-Informationen hierzu bitte anforden über info@memoreporting.com

Kultur, Literatur

Sternstunden

Es gibt sie noch: Sternstunden im Miteinander beim Ringen um die Worte, die verzaubern wie eine Sternschnuppe, wobei sie gleichzeitig sitzen wie ein Maßanzug. Das zeigte der gestrige Abend, die Vorprobe zur Generalprobe zu unserem Abend „Stimme der Poesie. Gedichte angestimmt im Grünen“ (Näheres siehe unten).

Die Gruppe findet seit einigen Jahren unter dem Dach der Volkshochschule Schorndorf zusammen, um gemeinsam „kreativ schreiben“ zu üben. Das hat den Effekt, sich immer wieder in geschütztem Rahmen auf neue Felder wagen zu können. Diesmal also Gedichte.

Das Abenteuer beginnt schon bei der Idee: Wieso soll ein und dasselbe Gedicht mehrmals gelesen werden? Immer wieder von einer anderen Person. Damit die Poesie leichter eingeht in Geist & Herz der ZuhörerInnen, die bei jeder Stimme andere Nuancen hören. Und dann womöglich neue Aspekte oder andere Bilder auftauchen lassen.

Die Idee funktioniert tatsächlich, man kann sich gut einlassen auf die Variationen des Gleichen. Ähnlich funktionieren Adaptierungen bei Schlagern oder bei den Chansons – wie oft fand „My Way“ von den unterschiedlichsten InterpretInnen Anklang bei einem breiten Publikum, auch wenn die ursprüngliche Version von Frank Sinatra unvergesslich ist. Sämtliche Akteurinnen unserer Gruppe, die diese Art von Wort-Vortrag zum ersten mal ausprobieren, sind begeistert von der Methode des Wiederholens, vom Erlebnis der unterschiedlichen Stimmen und der Wandlung durch Betonungen.

Es ist ein Privileg, immer wieder dazulernen zu können und dem Publikum von Zeit zu Zeit Neues zu bieten. Dieser Spaß an der Erweiterung des Repertoires lässt den Funken überspringen auf die Zuhörerschaft. Schon bei der Vorprobe gestern zeigten sich Ernsthaftigkeit und Begeisterung in guter Balance,  was die Fähigkeit zu überzeugen überaus günstig beeinflusst.

So sieht die Gruppe 7punkt3 ihrem Auftritt am 10. Juli 2019 mit Spannung und Vorfreude entgegen, „verliebt in leichtfüßige Gedichte, verbündet mit zeitkritischer Lyrik, auf gutem Fuß mit Versen, Reimen, Balladen“.

10. Juli 2019 > 19 – 21.30 Uhr / Gärtnerei Benz, Burgstraße 25, 73614 Schorndorf, Gewächshaus rechts vom Haupteingang / Eintritt: 8 € > https://shorturl.de/ZiA4

Allgemein/Politik, Kultur, Literatur

2 Bücher, 1 Ausstellung und Neugier auf Jennifer

Spannend fand ich die Frage, welches Buch ich mir 2018 als erstes bestellen würde. Nun ist es entschieden: Treideln von Juli Zeh – also Theorie. Ich kam durch eine Empfehlung der Kollegin Isa Schikorsky via Twitter drauf: https://stilistico.wordpress.com/2018/03/14/juli-zeh-treideln/ und bin jetzt sehr gespannt, was mich erwartet. Laut Isa Schikorsky soll es das “witzigste Buch über das Schreiben und das Leben” sein und handelt von Eitelkeiten und Dogmen im Literaturbetrieb.

Ja, Bücher sind eine Empfehlungssache! Als erstes möchte ich ein Nachschlagewerk empfehlen, das ich sehr gerne zur Hand nehme und dessen „Mehrwert“ eigentlich unbezahlbar ist: DAS WÖRTERBUCH DES KREATIVEN SCHREIBENS ist wirklich sehr gut gelungen! Es besteht aus zwei  Bänden und ist 2017 im Schibri Verlag, Strasburg/Uckermark, erschienen. Es erklärt Begriffe & Textsorten, tischt Schreibtheorien in verständlicher Form auf, vermittelt durch Schreibspiele vielfältige Anregungen und widmet sich auch Schreibtherapien und der Schreibpädagogik. 25 Autorinnen von Rang und Namen haben daran mitgewirkt. Ein themenorientiertes Stichwortverzeichnis macht es „arbeitsfreundlich”. Wir verdanken es Lutz von Werder & Friends.

Nun der Schwenk zur Praxis >> 2018 wird es unter anderem darum gehen, den Roman „Jennifer“ in der Gruppe „kreativ schreiben“ an der Schorndorfer VHS fertigzustellen. Es ist ein Übungsroman, bei dem es allen Beteiligten sehr viel Spaß macht, das Schicksal unserer Jennifer immer wieder mit neuen Facetten zu versehen bzw. es zu würzen und zu wenden: Eine junge Frau, die eigentlich im Luxus lebt, aber mit ihren Lebensumständen kreuzunglücklich ist. Dabei geht es turbulent zu. Einige technische Recherchen müssen wir noch anstellen – zum Beispiel wie man auf hoher See mit den Angehörigen zu Hause in Verbindung tritt. Damit will ich andeuten, dass auch „Herz & Schmerz“ nicht so ohne weiteres zu arrangieren ist, dass auch Unterhaltungsstoff häufig die Aneignung von einigem Fachwissen erfordert, um glaubwürdig zu sein.

„Jennifer“ passt nicht zuletzt im Hinblick auf das Herbstsemester gut ins Bild, in dem „Frauen“ von selbiger VHS zum Schwerpunktthema erhoben werden. Bei dieser Gelegenheit geht mein Blick zurück ins Jahr 1988. Damals wohnte ich in Schwäbisch Gmünd und gehörte dem Frauenforum an. Wir wollten die Kommunalverwaltung davon überzeugen, wie notwendig eine Frauenbeauftragte für uns ist. Dazu veranstalteten wir – alle Frauengruppen der Stadt – Frauen-Projektwochen. Natürlich ehrenamtlich. Als Dokumentation konnten wir zwei Broschüren vorlegen.

In anderen Städten hatten sich Frauenbeauftragte längst etabliert. Doch Baden-Württemberg war diesbezüglich alles andere als federführend. Und es gab auch Kritik ob der Funktion der Amtsinhaberinnen.  Waren sie mehr Feigenblatt als politische Akteurin? Hatten sie vornehmlich die Gleichberechtigung der städtischen Bediensteten ins Visier zu nehmen? In wie weit sollten und durften sie die Frauengruppen vor Ort unterstützen, Interessen bündeln und Initiativen mit vorantreiben?

Gehen wir nochmal 20 Jahre zurück. Dann landen wir bei den sogenannten 68ern. Dieses Schlagwort hat inzwischen viele Klänge. Man kann 1968, dieses Schicksalsjahr, in dem Rudi Dutschke niedergeschossen wurde, nicht isolieren. Die 60er Jahre bedeuteten insgesamt „Aufbruch“. Beleuchtet wird das derzeit speziell in Bezug auf Baden-Württemberg im Haus der Geschichte in Stuttgart. „… DENN DIE ZEITEN ÄNDERN SICH“ heißt die Ausstellung, die noch bis zum 24.6.2018 ihre Pforten geöffnet hat. Auf die BesucherInnen warten wirklich markante Erinnerungsstücke, die  gleichermaßen witzig sind wie nachdenklich stimmen. „Geschlechterverhältnisse“ und „Die Rolle der Frau“ waren der Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger jeweils ein eigenes Kapitel im Katalog wert. Prädikat: Sehr empfehlenswert!

Aus dem Rückblick, aus der Geschichte kann man sich immer Anregungen für das eigene Schreiben holen. Wodurch bin ich geprägt, was wäre anders gekommen, wenn …? Das Jahr 2018 ist noch jung, es kann noch vieles hochkochen – zumal die Jubiläen noch zu feiern anstehen!

Hier zunächst der Link zu einer >> Diskussion „Mythos 1968 – Was bleibt?“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg https://www.youtube.com/watch?v=TFg2END7pE0

Kultur, Literatur

Von grünen Socken und der Lesung am 7. März

Ich habe Socken in einem Grün, das ich nicht mag. Und anfangs war überdies der Gummi zu streng. Keine Frage: ein Fehlkauf! Also weg damit? Nein! Solange ich diese anziehe, schone ich andere. Das ist ein zugkräftiges Argument. Denn irgendwie muss ich ja meinen Ärger darüber besänftigen, dass ich von diesem Paar nicht loskomme. Hier geht es aber nicht um Sparsamkeit. Sachen, in die von vielen Leuten Energie gesteckt wurde, verdienen Respekt. Was können die Socken dafür, ein Fehlkauf zu sein?

Es ist ja nicht so, dass ich mich mit Neuem nicht anfreunden könnte. Im Gegenteil! Ich habe zuweilen sogar Lust darauf. Jüngster Beweis dafür ist „Postkarten Poesie“ – ein neuer Kurs, der am 15. April in Schorndorf startet. Eine Geschichte verdichten und 20 Karten davon drucken lassen. Nicht Schwelgen in Sprachvirtuosität gibt hier den Ton an, sondern die unschlagbare Kürze mit Pfiff.

 

Geschichten kann man nämlich so und so oder noch ganz anders erzählen. Die von den Socken zum Beispiel könnte in einem Krimi münden. Übersprungshandlung: Statt die Socken zu entsorgen, muss der autoritäre Chef dran glauben, nachdem er mich vor dem gesamten Team ungerecht getadelt hat und mich danach mit einer grünen Götterspeise wieder versöhnen will. Zwei oder drei raffinierte Winkelzüge, und schon ist neben der tropfenden Stichwunde in der Herzgegend auch noch ein wenig Umweltschutz und Lebensmittelchemie untergebracht. Und dann an Tante Frieda schicken, die Götterspeise genauso wenig mag wie ich. Da es eine Postkarte ist, hat die Zustellerin auch noch ihren Spaß damit.

Diese überraschende Vielfalt, die mehrere Texte zum gleichen Thema ans Tageslicht befördern können, ist immer wieder erstaunlich. Das wollen Teilnehmerinnen von „kreativ schreiben“ in einer Lesung am 7.3.18 in Schorndorf der Öffentlichkeit zeigen.

Der Abend beginnt mit einer Buchpremiere. Denn einige Teilnehmerinnen ergriffen die Chance, sich an der Anthologie „365 Tage Liebe“ zu beteiligen. Und das mit Erfolg! Die Autorinnen holen aber weiter aus, berichten über das Geschehen im Kurs und tragen Kostproben vor. Da geht es unter anderem ganz reell um „Mut & Tapferkeit“ oder die Übersetzung von Märchen ins Hier und Jetzt, um Ambivalenz, Berührendes und Überraschendes.

Näheres zu diesen Veranstaltungen ist zu finden unter > http://www.vhs-schorndorf.de/

„365 Tage Liebe“, Hrsg. Rüdiger Heins, erschienen im Wiesenburg Verlag, 2017. Mangels Inhaltsverzeichnis sei hier auf die Beiträge auf den Seiten 150, 158, 168, 242, 299 und 306 verwiesen. Die anderen Texte der Lesung werden in einem Reader zusammengefasst. Für die Veranstaltung ist eine Pause vorgesehen, um lebhaften Gesprächen gebührend Raum zu geben.

Die Spannung zwischen Gewohntem & Bewährtem einerseits und Unbekanntem & Risiko andererseits befeuert kreative Prozesse. Somit kann die Ambivalenz gegenüber missliebigen Socken vom Alltagsgeschehen in die Philosophie entführen. Nicht die Socken verdienen die Aufmerksamkeit, sondern das, was sie in Gang bringen, in Schwung setzen. Somit könnte man Socken, um die man sich keinerlei Gedanken macht, eigentlich eher wegwerfen als die grünen, hässlichen, deren Gummi übrigens inzwischen so ausgeleiert ist, dass sie zu ärgerlichen Falten neigen.

Allgemein/Politik, Alltag, Literatur

Postfaktisch / MEZIS / Kurse 2017

Für dieses Jahr ist der letzte Kurs gehalten – neue Termine 2017 siehe unten. Damit ist zwar rein faktisch die Luft etwas raus, wenn auch postfaktisch die Ideen sprießen (ja sogar „wuchern“), weil viele Impulse mich erreicht und bereichert haben. Allein: die Zeit drängt, das Jahr zu Ende zu bringen. Mit manchem Kopfschütteln zwar, worüber ich mich hier eigentlich ausschütten möchte, was aber wiederum aus Zeitnot unterbleibt. Nur mit LINKs kann ich „wuchern“, immer in der Hoffnung, dass meinen LeserInnen die Zeit reicht, diese aufzurufen.

Zum Auftakt einer zum Wort des Jahres > postfaktisch. Hier kann man sich über diverse Ansichten und Erklärungen dazu informieren: https://www.perlentaucher.de/9punkt/2016-12-10.html?nle_id=6916 Und weil es im letzten Posting um Bettelbriefe und Unterstützungswürdiges ging: Ja, den „Perlentaucher“ kann man unterstützen, er leistet nützliche Arbeit, ich lasse mich darüber via Newsletter informieren.

Sehr nützlich ist auch die Arbeit von MEZIS. Das ist die Abkürzung für „Mein Essen zahl‘ ich selbst“, ein Zusammenschluss unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte, von deren Aktivität ich in diesem Blog schon berichtete. Nun hat MEZIS zum Thema „Leben – Eine Kostenfrage?!“ getagt und ein Manifest für bezahlbare Medikamente und eine bedarfsgerechte Arzneimittelforschung beschlossen, hier nachzulesen: https://www.mezis.de/

EIN Kopfschütteln möchte ich aber doch ausbreiten: als ich Mitte November bei einem Facharzt anrief und um einen Termin fürs Frühjahr bat, erhielt ich zunächst die Antwort: „Wir sind 2017 aber schon ausgebucht.“ Wenn ich schlapp gewesen und schockiert geschwiegen hätte, wäre ich also leer ausgegangen. Das scheint so zu sein wie bei Betrieben, die die festen Wartungstermine ihrer Stamm-Kundschaft im Kalender stehen haben und darüber hinaus eigentlich Kundenabwehr betreiben. Womöglich, um auf Notfälle reagieren zu können? Nein, sagte mir ein anderer Facharzt: Wenn Sie akut was haben, müssen sie ins Krankenhaus. Dazu passt dann die Debatte um das Verhalten in den Notfallpraxen der Krankenhäuser – sowohl das der PatientInnen als auch das des diensthabenden Personals. Es ist überall schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen, und genau hinsehen (differenzieren!) macht Mühe!

Kreativ Schreiben > KURSE 2017:

Aichwald: 11.3. (Sa); Kurs: 22.3. / 17.5. / 5.7.2017 (Mi)

Nördlingen: 25.3. / 6.5.2017 (Sa)

Ostfildern: 16.3. / 27.4. (Do)

Schorndorf: 8.3. / 29.3. / 10.5. / 31.5. / 28.6. (Mi)

Literatur

Von einer Trostliste & vom Schreiben zur Selbstentfaltung

Verkannte Bestseller: Eschbachs Trostliste

Gut vernetzt zu sein hat Vorteile. Einen davon will ich schnell weitergeben: Dank des Autorenbriefes von Autorenhaus.de erfuhr ich von der Liste der „Abgeblitzten“, die Andreas Eschbach veröffentlicht. Er selbst ist Bestseller-Autor und nennt es „Trostliste für Verlagssuchende“ > http://url9.de/Xoz

Dass Harry Potter fast nicht das Licht der großen weiten Welt erblickt hätte, ist inzwischen hinlänglich bekannt, dass es Astrid Lindgren mit ihrer Pippi Langstrumpf 1944 ähnlich erging, ist wahrscheinlich nicht (mehr) im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Auch „Schlafes Bruder“ befindet sich auf der Liste, womit Robert Schneider nach 27 Absagen schließlich internationalen Erfolg einheimste. Auch Stephen King und Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing sind schon mit Manuskripten bei Verlagen abgeblitzt.

Natürlich kann sich niemand, der eine gründliche Überarbeitung seiner Texte scheut, auf diese Trostliste berufen und nur von der Hoffnung allein ausgehen, dass sein Werk schon noch von Erfolg gekrönt wird. Aber zu viele Selbstzweifel sind fehl am Platz. Man kann aber immer dazulernen. Auch hierbei erweist sich der Internetauftritt von Andreas Eschbach als Fundgrube.

Wer das Schreiben als Ausdruckform für sich entdeckt hat, tut gut daran, sich dieser Tätigkeit täglich zu widmen. Alle Schreibratgeber ermuntern dazu und nennen Methoden, wie der „innere Schweinehund“ zu überwinden sei. Es gibt sie natürlich – die „ewigen Ankündiger“. Bei jeder Gelegenheit wiederholen sie die Absicht ein Buch zu schreiben, aber wenn das Gegenüber nachhakt, ist noch kein Strich in der Richtung geschehen, steht kein Gerüst, die Antwort bleibt nebulös.

Mir als Berufsschreiberin fällt es oft schwer, mir Hemmnisse zu vergegenwärtigen, die vom Schreiben abhalten. Bei mir ist der „innere Schweinehund“ höchstens mit dem verbunden, was man in meiner Jugend „Leibesübungen“ nannte und worin ich immer schlechte Noten hatte. Sprich: Körperliche Ertüchtigung – ob nun joggen, Gymnastik oder Ergometer. Inzwischen sprang mich schon mehrfach der Satz an: „Sitzen ist das neue Rauchen!“ Man kann es auch übertreiben mit dem Angstmachen – auch wenn Bewegungsarmut wirklich das Gegenteil von gesund ist. Dennoch: Der Satz zeugt von pfiffiger Kreativität!

Selbstentfaltung: Schreibend Co-Autor des eigenen Lebens werden

Schreiben kann aber auch mit heilender Wirkung verbunden sein und zu neuen Lebensmustern verhelfen. Dies hat Liane Dirks dokumentiert in ihrem Buch „Sich ins Leben schreiben – Der Weg zur Selbstentfaltung“, erschienen 2015 im Kösel-Verlag und absolut empfehlenswert. Auch jene in meinen Schreibkursen, die es sich angeschafft haben, sind davon begeistert.

„Schreibend kann man frei für Neues werden“, steht im Klappentext. Darauf kriegt man auch richtig Lust angesichts der Sprache, die die Seele freundlich streichelt. Die Autorin ist ausgebildete Gesprächstherapeutin und nimmt ihre LeserInnen auf überzeugende Weise mit auf die Reise zum eigenen Selbst, setzt Impulse und hat dieses kreative Konzept sehr gut durchdacht. Man erfährt, wie man sich rüstet („Mut, Vertrauen, Offenheit – die besseren Seiten der Angst“) und welche Rückschläge es geben kann. Allein das lohnt schon die Lektüre, von ihr angestiftet zu werden, ist dann die Krönung! Wie ein vom Veralg veröffentlichtes Feedback anmerkt, ist „ein Quantum Abenteuerlust ist dabei durchaus hilfreich!“ Letztlich steckt Versöhnung zwischen den Zeilen, wenn man sich traut, sich ein wenig zu riskieren.

Liane Dirks. Sich ins Leben schreiben. Der Weg zur Selbstentfaltung. Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 240 Seiten, 19,90 €, ISBN: 978-3-466-34615-8

http://www.randomhouse.de/Buch/Sich-ins-Leben-schreiben/Liane-Dirks/Koesel/e481430.rhd#buchInfo5

Kultur, Literatur

Schuhe – ein ergiebiges Thema

SAMSUNG CAMERA PICTURES SAMSUNG CAMERA PICTURESWer hätte gedacht, dass Schuhe die Phantasie so üppig sprudeln lassen! Die Teilnehmer der Schreibwerkstatt “Schreiben wollte ich schon immer” in Schorndorf freuen sich  zur Zeit über vielfältige Ideen. Es entstehen lustige, unterhaltsame sowie tiefergehende Geschichten mit der Option auf “mehr”. Als Kursleiterin bin ich neugierig, was sich hieraus noch alles entwickeln lässt.

Der Herbstkurs ist in Schorndorf für 28.10., 18.11. und 9.12.15, jeweils 18.15 – 20.30 Uhr eingeplant.

Nördlingen: Sprachgefühl und Textstärke kann man hier an zwei Samstagen trainieren/verbessern: 14.11. und 12.12.15. Die Themen kommen aus dem Alltag, aus der Biografie oder dürfen fiktiv sein – je nach Bedürfnis der Teilnehmenden.  “Schreiben heißt anfangen, dem eigenen Ton zu vertrauen, dabei zwar einige Regeln zu beherzigen, aber dennoch immer wieder Experimente zu wagen. ”

IM NETZ: Ein zwangloser online-Kurs mit viel Zeit zwischen Abgabe- und Feedback-Terminen ist im Aufbau. Interessenten können sich dazu noch melden. Möglicherweise muss ich ab 2016 dafür eine Gebühr erheben, aber vorerst kann ich meine Begleitung noch gratis anbieten.

Kultur, Sonstiges

Verirren, twittern und “kreativ schreiben”

„Das Verirren hat zu Unrecht ein schlechtes Image. Man sollte es frohen Herzens zulassen, ja es sich sogar vornehmen. Und staunen, welcher Zugewinn sich daraus ergibt.“ So beginnt meine Rezension des Buches „Verirren. Eine Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene“, die seit gestern auf  www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14654 nachzulesen ist.

Und weil Verirren so schön ist, komme ich nicht umhin, mich mit Web 2.0 zu befassen. Den entsprechenden Mut erzeugte ein Webinar der Friedrich-Ebert-Stiftung. Praktisch, so ein Webinar! Man muss nicht außer Haus, lernt am heimischen PC. Die Impulse waren für meinen Berufsstand konzipiert. Klar, als JournalistIn kann man es sich schlecht leisten, den Zug der Zeit zu verpassen. So bin ich neuerdings auf „Twitter“. Es wird noch einige Wochen dauern, bis ich mich dort hinreichend auskenne. Lernen braucht Zeit.

Beim Thema „Zeit“ ist festzustellen, dass Seminare stets schlecht zu planen waren/sind, weil es jede Menge Kurzentschlossene gibt, die sich am liebsten erst vormittags anmelden, wenn das Seminar am Nachmittag stattfindet. Niemand mag mehr langfristig planen, sich länger im Voraus festlegen. Ganz gleich, wie die Veranstalter oder Referenten damit zurecht kommen.

Nun habe ich speziell für KURZentschlossene einen Kurz-Workshop „kreativ Schreiben“ entwickelt. Nähere Beschreibung und Anmeldung unter www.memo-reporting-service.com. Am 10. August starten wir auf www.virtueller-campus.net. Den Campus pflegt Petra Leutbecher, die mir auch anderweitig bei diesem Workshop zur Seite steht > http://www.sunlife-coaching.de.

Die Teilnehmer können einen Zeitaufwand von etwa sechs bis zwölf Stunden kalkulieren für die Bearbeitung der vier Aufgaben, zuzüglich Chat zum Auftakt und am Ende (23.9.2010). Hinzu kommen noch – je nach Wunsch – die individuellen Rückmeldungen.