Archiv für die Kategorie 'Allgemein/Politik'

Mrz 16 2019

Gelingt genial sein an kurzer Leine?

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Wieder einmal ist mir zu einem Wort die deutsche Übersetzung nicht eingefallen. Auf google translate kommt „schrecklich“. Ich bin zufrieden und lese weiter in dem Artikel, der von der Phantasie in der amerikanischen Filmindustrie handelt. Dann taucht das gleiche Wort wieder auf. Diesmal passt die Übersetzung „schrecklich“ ganz und gar nicht. „awsome“ hatte ich beim Translater eingetippt und dabei ein „e“ unterschlagen. Awesome = GENIAL und diese Eigenschaft passt besser.

Wie inspirierend, dass „schrecklich“ und „genial“ so eng beieinander liegen! Wenn jemand „schrecklich genial“ ist, bedeutet das so viel wie unfassbar einfallsreich, nicht wahr? Der Einfallsreichtum in Deutschland bleibt hinter dem amerikanischen zurück. Davon handelt der Artikel. Unsere Fernseh-Serien seien dröge, die der Amerikaner spritzig. Das ist nichts Neues. Aber warum ist das so?

Das soll uns hier nicht weiter kümmern. (Interessierte werden hier fündig > https://kurzelinks.de/2yld – 16.3.2019) Denn für mich schließt sich hier das Thema „Leidenschaft“ an, zu dem ich neulich ebenfalls einen sehr aufschlussreichen Artikel gelesen habe. Es ging um die Begeisterung für den Job, den man sich erträumt und evtl. sogar ergattert. Stimmen die Entfaltungsmöglichkeiten und lassen Erfolge die Spannkraft wachsen, dann bläht sich die Tätigkeit oft genug bis zur Selbstausbeutung auf. Ständige Verfügbarkeit steht hoch im Kurs, wird allseits goutiert. Dazu fiel mir dann spontan ein Zitat von Helmut Kohl ein: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ (1984) Die Frage ist: FÜR WEN? Der Ausgebeutete steht eines Tages blutleer da, während für seine Abnehmer bzw. Weiterverwerter ein erklecklicher Gewinn herausgesprungen sein mag (oder auch nicht).

So viel ist gewiss: das Haushalten mit den eigenen Kräften liegt in der Verantwortung des Einzelnen. Die Verführung durch Lob und Anerkennung hat schon manchen Journalisten dazu verführt, seine berufliche Leidenschaft querzufinanzieren: um die schlecht bezahlte Zeit für Reportagen auszugleichen, sitzt manche/r an der Supermarktkasse, fährt Taxi oder geht in einen Großkonzern Büros & Klos putzen. Auch in anderen Branchen gibt es das Ausweichen auf Parallel-Jobs, die die Balance zwischen Sinnstiftendem und Broterwerb sichern (helfen sollen).

Bisher kommen wir hierzulande so über die Runden – doch ist das ein guter Nährboden für Einfallsreichtum und zündende Zukunftsideen? Wir sind Gott sei Dank ein sicheres Land, aber müssen wir wirklich jede Kleinigkeit absichern und kontrollieren, statt längere Leine zu lassen und größere Freiheiten einzuräumen? Wie oft rauben uns Vorschriften den Nerv, deren Notwendigkeit schwer einzusehen ist. Ob nun im Baugewerbe, bei der Stromversorgung und Müllentsorgung oder in der Steuerbürokratie. Man hat vereinzelt sogar schon Bürokratieabbaugesetze erlassen, von denen jedoch keine flächendeckende Signalwirkung ausging. Auch kuriose EU-Vorschriften wurden schon oft und lauthals angeprangert – mit welchen Konsequenzen?

Ich muss diesem Blog-Beitrag einen offenen Ausgang lassen. Ich habe keine Idee zur Abhilfe dieser Schwerfälligkeit.

Aber es freut mich, dass Schülerinnen und Schüler anfangen zu streiken und dass die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg so viel Medien-Echo erntet. Jugend stößt Zukunft an, rüttelt uns wach! Das kann nur ansteckend sein …

PS.: Ich selbst habe unzählbar viele Nächte journalistisch durchgearbeitet, bin jobmäßig überwiegend mehrgleisig gefahren, deshalb fühlte ich mich von dem ZEIT-Artikel von Merle Schmalenbach (3.1.2019) inspieriert > https://kurzelinks.de/i3xb

Kommentare deaktiviert für Gelingt genial sein an kurzer Leine?

Jan 29 2019

Verbrechen aus zwei Ansichten

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Literatur

Für mich ist immer interessant, welche Bücher zu Anfang des Jahres meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Diesmal waren es zwei, die einen guten Eindruck hinterließen. Eines ist aus 2018 und eins aus 1984. Beide haben mit Kriminalität zu tun, aber auf sehr unterschiedliche Art.

Wer sich dafür interessiert, wie Menschen im Gefängnis leben, kann sich den „Tatsachenbericht“ von Tilmann Schäfer vornehmen (incl. Glossar 228 Seiten). Er gewann seine Einblicke, als er zwei Jahre lang als Arbeitstherapeut Tag für Tag mit Gefangenen zu tun hatte. Der Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf spendierte ihm zwar ein sensationsheischendes Cover, doch der Autor hat seine 32 Kapitel sehr solide verfasst und widerspricht damit auf angenehme Weise dem „lauten“ Outfit.

„Knastfrauen“ schildert nicht nur die Arbeitstherapie, sondern den ganz normalen Alltag, viele Hintergründe, Zusammenhänge und Entwicklungen. Dabei betont Schäfer immer wieder, dass Verbrechen verwerflich bleiben, auch wenn sie herleitbar sind aufgrund von Umständen, die die Menschen davor geprägt haben. In keinem Abschnitt wird das System „Knast“ kritisiert. Vielmehr bringt der Autor auch die Aufgaben der Bediensteten näher sowie die Regeln, nach denen alles funktionieren muss – Arbeit, Freizeit, Einkauf, Besuch usw. Über niemanden wird der Stab gebrochen. Es handelt sich schlicht und ergreifend um Lebensläufe, die anders sind als bei den meisten Menschen.

Natürlich gilt es, sperrige Gefangene, Quertreiberinnen, Intrigantinnen so zu lenken, dass ihr Einfügen in die Gemeinschaft nach und nach immer besser gelingt. Es gibt aber auch sehr viel Schüchternheit im Knast, mangelndes Selbstbewusstsein – und das nicht selten versteckt hinter einen großen Klappe oder betonter Kratzbürstigkeit. Das Eingesperrtsein gibt den Rahmen vor, indem Sozialisation nachgeholt werden kann und sollte. Auflehnung ist da nur kontraproduktiv. Und die meisten Gefangenen begreifen, dass es hier um mehr geht als nur Strafe.

Tilmann Schäfer schildert das sehr eingängig, so dass man sich seriös informiert fühlt. Man mag darüber streiten, ob die eine oder andere Straffung dem Stoff gut getan hätte. Manches Einfühlen bedarf aber das Umkreisen des zu Schildernden. So geht der Stil Hand in Hand mit einer fundierten Gewissenhaftigkeit, die diesem Report seine anerkennenswerte Qualität verleiht.

Buch Nummer zwei ist ein Krimi, von dem ich schon im letzten Jahrhundert begeistert war. „Nachtanschluss“ von John Lutz ist gute Unterhaltung und lässt Gefühle aus dem Zeitalter von Telefonzellen und sonstigem Gerät der 80er Jahre wieder ein wenig aufflackern. Nudger, der klamme Privatdetektiv, kaut ständig Magentabletten und hat diverse Morde aufzuklären, die möglicherweise zusammenhängen. Er könnte es sich leicht machen, indem er einem Bestechungsversuch nachgibt, was aber für ihn nicht in Frage kommt. Statt dessen stolpert er sogar in eine Liebesgeschichte, bei der in der Schwebe bleibt, ob es sich um Augenwischerei mit Enttäuschungspotential handelt.

Das Tempo der Szenen ist nicht allzu rasant. Man hofft ständig, dass der Detektiv nicht allzu viel einstecken muss (denn er wird teilweise beschattet), nichts Wichtiges übersieht, keiner falschen Fährte erliegt. Selbstverständlich geht es um zweifelhafte Zwischenwelten, unheimliche Konstellationen, Handgreiflichkeiten und Gemeinheiten. Doch Nudger hat einen guten Instinkt und einen Freund bei der Polizei, wo er früher selbst tätig war. Die Auflösung ist mit Raffinesse gewürzt.

Vergessen hatte ich, dass früher gelegentlich auch in gedruckter Unterhaltung Werbung die Lektüre unterbrach. Als die Spannung auf höchstem Niveau ist, kommt eine halbleere Seite, überschrieben mit „zwischendurch“. Ein freundliche/r Verfasser*in meint sehr fürsorglich im unten angesetzten Text, dass es erholsam sein könnte, „eine Mahlzeit für den kleinen Appetit zwischendurch zuzubereiten“. Auf der Rückseite wird die 5-Minuten-Terrine angepriesen. Funny!

Tilmann Schäfer. Knastfrauen: Der Tatsachenbericht eines Insiders – ein Arbeitstherapeut erzählt, wie es im Gefängnis wirklich ist. TB, 228 Seiten, Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2018, 9,99 €, ISBN 978-3862657025 // John Lutz. Nachtanschluss. Heyne, Blauer Krimis Nr. 02/2269 (Dtl. 1989), nur noch in Antiquariaten erhältlich.

Kommentare deaktiviert für Verbrechen aus zwei Ansichten

Dez 25 2018

Wissen, was in den Köpfen vorgeht

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Die Grundstimmung ist nicht einheitlich. JedeR von uns begegnet Menschen, die ganz unterschiedlichen Prägungen und Einflüssen unterliegen. Einer jener Vordenker, deren Impulse ich sehr schätze, möchte seine Gedanken verbreitet wissen, auf die er in seinem Weihnachts-Newsletter hinweist: Gerald Hüther fasst unter der Überschrift >> Die frohe Botschaft ist doch längst verkündet. Warum nur harret sie ihrer Wahrhaftigwerdung so furchtbar lang? << zusammen, was ihm am Herzen liegt. Nachzulesen hier: https://www.gerald-huether.de/free/Weihnachtsbotschaft_2018.pdf

Auf der anderen Seite gibt es BILD. Das Blatt füttert uns nach wie vor mit fragwürdigen „Wahrheiten“ und legt irrige Schlüsse nahe. Seine Verkaufszahlen gehen zwar zurück, und Rügen vom Deutschen Presserat gab es auch wieder. Doch sollte sich niemand täuschen: diese „Botschaften“ finden sehr leicht Einlass in Gehirne, die das gesamte Wirrwarr unserer Republik satt haben und nach Vereinfachung streben.

BILD-Denkschemata durchleuchtet der BILD-Blog, dessen Beobachtungen man abonnieren kann. Über das Jahr 2018 haben die BloggerInnen einiges herausgefunden, das man einfach wissen sollte für den Fall, dass man Leuten diskutiert, die BILD regelmäßig konsumieren: https://bildblog.de/105347/muslimische-woelfe-sofort-abschieben-das-jahr-in-bild/

Dass ich auch auf Facebook (fb) vertreten bin, habe ich an dieser Stelle schon einmal erwähnt. Am Jahresende finde ich es lohnend, nachzusehen, was ich des Postens für wert befunden habe. (fb kann man auch als eine Art „Archiv“ nutzen.) In meinem Tätigkeitsbereich wichtig ist das Projekt „Frauen zählen“, für das u. a. die Schriftstellerin Nina George in einer Vielzahl von Medien warb – beispielsweise in NDR > https://www.ndr.de/kultur/Nina-George-ueber-Projekt-Frauen-zaehlen,journal1556.html?fbclid=IwAR1SZZVAleVmSfw32iIo02ikU0THGH3nKdoVbVKBTU_ADL5HsBVpiuqytl8

Es geht um die Sichtbarkeit von Frauen im Literaturbetrieb, die mein Kurs „kreativ schreiben“ in Schorndorf bei seiner Lesung am 17.10.2018 „Mit Texten zum Olymp – Nobelpreise an Frauen“ ebenfalls zum Thema machte. Unterstützt wird das Projekt von der Universität Rostock, wo man sich leicht einen Überblick über die Leitfragen und Ergebnisse verschaffen kann > http://www.xn--frauenzhlen-r8a.de/ (Einen Auszug aus meiner Begrüßungsrede dokumentiere ich unten.)

Kurse 2019 sind hier online > http://journalismus-und-mehr.com/lesehimmel.php

Auf fb bin hier hier anzutreffen > https://www.facebook.com/renate.schauer.94

Bleiben Sie weiterhin in Auseinandersetzung

mit den widerstreitenden Elementen der Gesellschaft!

Das wünsche ich mir / Ihnen / Euch für 2019!

 

Auszug aus der Begrüßungsrede > Lesung am 17.10.2018

Mit Texten zum Olymp – Nobelpreise an Frauen   

Wie sichtbar sind schreibende Frauen in unserer Gesellschaft? Welche Rolle spielten und spielen Literaturnobelpreisträgerinnen?

Mir fiel Doris Lessing ein. Lag nicht in den 80ern ihr „Goldenes Notizbuch“ auf meinem Nachttisch? Hatte sie nicht den Nobelpreis erhalten? Ebenso Pearl S. Buck, deren Roman „Die gute Erde“ mich in meiner Jugend begeisterte?

Ich holte mir das „Goldene Notizbuch“ aus der Bücherei und konnte nichts mehr damit anfangen. Die Euphorie von damals wollte sich nicht wieder einstellen. 37 Jahre waren vergangen. Und in der Summe ganze 56 Jahre, seit das Original auf den Markt kam.

Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen. Das ist Merksatz Nr. 1!

Doch vor ca. drei Jahren packte mich Lessings Roman „Das fünfte Kind“, der gleichwohl 30 Jahre auf dem Buckel hat. Ein auswegloses Familiendrama, das mich nicht aus den Klauen ließ. Obwohl hier ein unglaubliches Monster die Nerven strapaziert, fand ich diesen Stoff weniger düster als „Die Atemschaukel“ von Herta Müller. Ich quälte mich durch dieses Buch und hatte hinterher das Gefühl, etwas Wichtiges gelesen zu haben – mehr nicht.

Um beim Tragischen zu bleiben: Die dokumentarische Prosa von Swetlana Alexijewitsch überzeugt durch eine hohe Präsenz, die mich sofort für diese literarische Form einnahm. Erreicht wird das mit einer Vielfalt von Perspektiven und Facetten, was zum Beispiel in „Gespräche mit Lebenden und Toten“ zum Ausdruck kommt. Dieses Hörspiel handelt von dem Reaktorunglück 1986 in Tschernobyl. Die weißrussische Preisträgerin ist auch Journalistin.

Vielleicht erklärt das meine Nähe zu ihr. Sie transferiert Katastrophen und gesellschaftliche Umwälzungen auf eindringliche Art und Weise. Keine leichte Kost!

Als Merksatz Nr. 2 formiert sich: Wertvolle Literatur muss nicht immer gefallen.

Merksatz Nr. 3 lautet: Es gibt wenig Literatur, die ihre Faszinationskraft über viele Epochen hinweg behält. Und diese Literatur muss nicht immer preisgekrönt sein.

Denn viele andere Schriftsteller*innen hätten den Literaturnobelpreis ebenfalls verdient gehabt. Man denke nur Leo Tolstoi – „Krieg und Frieden“ – oder an Simone de Beauvoir usw.

Es gibt Preise, zu denen wird man vorschlagen. Und Preise, um die man sich bewerben muss. Weitreichende Recherchen ergaben, dass Frauen bei all diesen Preisen bisher zu kurz kamen. Auch beim Literaturnobelpreis, für den die Jury Vorschläge aus aller Welt einholt. Eine schwierige und langwierige Prozedur, die man im Internet nachlesen kann.

1901 wurde der Preis erstmals vergeben. Seither erhielten ihn 99 Männer und nur 14 Frauen. Trotzdem: Wie sich die Zeiten ändern, lässt sich an den Jahreszahlen ablesen: seit 1991 – also in den letzten 27 Jahren – haben acht Frauen diese noble Auszeichnung erhalten, im Zeitraum zuvor, der mehr als dreimal so lang war (nämlich 89 Jahre), erhielten ihn nur sechs.

Die 14 Literaturnobelpreisträgerinnen nun ein wenig ins Rampenlicht zu holen, ist unser Plan für diesen Abend. (…) Der Nobelpreis an sich soll ja „denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“. So wollte es Alfred Nobel. Der Literaturnobelpreis ist mit etwa 775.000 € dotiert.

Vom verflossenen Jahr ist hier die Rede. Doch jeder Preis wirkt länger.

Er ermöglicht das Weiterschreiben unter besseren Bedingungen.

Viele Bücher hätten ohne Stipendien oder sonstige finanzielle Zuwendungen nicht entstehen können. Doch um eine Auszeichnung zu erhalten, muss man nicht nur gut, sondern auch präsent bzw. bekannt sein.

Es ist also entscheidend, wie viele Bücher von Autorinnen veröffentlicht und entsprechend beworben und rezensiert werden. Sind die Entscheidungsebenen in Verlagen und Feuilletons noch immer männerdominiert? Ein Kritiker soll mal öffentlich geäußert haben: „Ein Frauenbuch ist ein Buch, das ich als Mann nicht verstehe.“ Wird Literatur von Frauen als „Gedöns“ von vorn herein in die zweite Reihe gestellt? Verlagsvertreter schwärmen aus, um Buchhändler zu überzeugen, welche Werke sie sich auf Lager legen sollen. Es gibt eine große Anzahl an Beteiligten, die an den Schrauben im Literaturbetrieb drehen!

„Frauen zählen“ heißt die Pilotstudie, die die “Sichtbarkeit von Frauen im Literaturbetrieb“ untersucht. Erste Ergebnisse wurden letzte Woche auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

2036 Buchbesprechungen in 69 deutschen Medien wurden im März 2018 ausgewertet.

Von Männern verfasste Bücher werden häufiger rezensiert als jene von Frauen. Das Verhältnis ist 2 zu 1. Fest steht: Männer schreiben am liebsten über Männer!

Nun zurück zum Literaturnobelpreis. Selbstverständlich gibt es immer wieder Kritik an den Entscheidungen. Manche Vergaben heben besonders anspruchsvolle Texte bzw. Werke oder Lebenswerke hervor, andere scheinen politisch konnotiert zu sein.

Wir meinen, es kommt auf den Zeitgeist an und darauf, wie die Jury zusammengesetzt ist. Wenn wir die 580 Literaturpreise in Deutschland nehmen, sind die Jurys nur zu 23 Prozent mit Frauen besetzt, sagt PEN-Zentrums-Mitglied Nina George.

Es beginnt also schon weit unter dem Level des Nobelpreises, dass die Präsenz von Frauen und damit die Aufmerksamkeit für Frauen zu wünschen übrig lässt.

Kommentare deaktiviert für Wissen, was in den Köpfen vorgeht

Mai 03 2018

Einen Pudding an die Wand nageln und Wahlfreiheit zwischen Qualitätssegmenten

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Von einem Extrem ins andere – kennen Sie das? Kaum hatte ich über die missliebigen grünen Socken geschrieben, konnte ich sie entsorgen. Und eine ganze Reihe weiterer dazu. Festhalten und loslassen – dies charakterisiert viele Prozesse im Leben. So auch das Schreiben. Juli Zeh definiert das auch in „Treideln“. Diesen wirklich mitreißenden Briefroman erwähnte ich bereits im Posting am 15. März. Unter dem Titel TREIDELN sprach die Schriftstellerin im Sommersemester 2013 an der Frankfurter Goethe-Universität als Gastdozentin über Bedingungen und Grundlagen ihrer literarischen Arbeit – und versuchte dabei, eine »Anti-Poetologie« zu entwerfen.

Gekonnt lotet sie sowohl Alltägliches als auch Extreme aus – und liefert damit nicht zuletzt eine scharfe Satire auf den Literaturbetrieb. Das Thema „Qualität“ kocht auch dort häufig hoch – doch auf welche Definition mag man sich dafür einigen? Was passt in welches der gängigen Bezugssysteme,  welchen Wandlungen sollte dieses unterzogen werden, um sie dem Zeitgeist anzupassen? „Treideln“ lehrt, neu nachzudenken über die Welt der Schriftstellerei und Veröffentlichungen und allem, was damit zusammenhängt. Mich erinnert dieser Anstoß im positiven Sinne an die Metapher „einen Pudding an die Wand nageln“, die gerne für Qualitätssicherung im Journalismus gebraucht wird. Obwohl das Sujet schwer zu fassen ist, muss man sich immer wieder neu nähern, es beleuchten und neuen Horizonten eine Chance geben.

Apropos Horizonte. Ich habe meiner Sparsamkeit ein Schnippchen geschlagen und neue Socken in der Schweiz gekauft. Das schlagende Argument war: Qualität. Und sofort drängt sich die Frage auf, warum ich im benachbarten Alpenstaat grundsätzlich mehr Qualität voraussetze als in Deutschland. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass die Schweizer nicht nur einzigartig leckere Schokolade zu kreieren verstehen, sondern auch der abgepackte Salat dort wesentlich frischer ist und besser schmeckt als unsere Grün-Mischungen in der Tüte. Auf diese beiden Beispiele will ich mich beschränken, obwohl ich noch mehr anführen könnte.

Mit dem höheren Verdienst und den höheren Preisen kann das nichts zu tun haben. Denn auch in Deutschland gibt es Besserverdienende, die vor dem gleichen Salat- und Schokolade-Regal im Supermarkt stehen wie ich und keine Wahl haben, jene stolze Qualität wie in der Schweiz zu erwerben. (Vielleicht im Exquisit-Geschäft, aber das zeugt nur davon, dass die Allgemeinheit nicht so bedient wird wie die Basis-Kundschaft in der Schweiz.)

Die Wahl haben“ – das scheint mir ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal. Ich meine jetzt nicht zwischen 25 und 50 Müsli-Sorten (90 % mit ähnlich fragwürdig hohem Zuckeranteil), sondern zwischen echten Qualitätssegmenten. Ich brauche nicht zehn Zeitungen nach dem gleichen Muster, sondern bevorzuge es, mich zwischen fünf (sehr) unterschiedlichen entscheiden zu können. Oder nehmen wir das Gesundheitswesen. Aktuell ärgern sich viele Menschen darüber, dass sie nicht von dem 4-fach-Impfstoff gegen Grippe erfuhren, der bei uns  normalerweise Privatpatienten vorbehalten ist. Es ist nicht zu quantifizieren, wie viele Kassenpatienten gerne etwas zugezahlt hätten, um sich die schlimme Grippe zu ersparen. Aber wer nicht weiß, dass ihm etwas vorenthalten wird, kann danach auch nicht fragen.

Stellen Sie sich vor, Sie gehören zu den Bescheidwissern über die Unterschiede, die Sie gegenüber der Kundschaft verschweigen, schönreden oder gar abstreiten (müssen) – wie kämen Sie mit ihrem Gewissen zurecht? Was sagt Ihr Qualitätsbewusstsein und Ihre Menschenfreundlichkeit dazu? Sie müssen doch vorausschauend wissen, dass Sie eines Tages auffliegen – wie zum Beispiel die Verantwortlichen von VW, die jetzt wegen des Abgasschwindels angeklagt werden – und gefragt werden, warum Sie ihr Herrschaftswissen nicht für die Verbraucher, sondern lediglich zugunsten einer schmalen Elite eingesetzt haben.

Tja, das ist dann ebenfalls wie einen Pudding an die Wand nageln, wenn man hier auf Antworten besteht. Denn im Ausweichen müssen diese Menschen mit dem verheimlichten Wissensvorsprung ja geeicht sein, immer bemüht, ihre Haut zu retten. Es widerspricht der Achtung vor der Menschenwürde, ihnen gegenüber Nachsicht walten zu lassen. Was sie uns zugemutet, ja angetan haben, hat Spuren gezeitigt. Loslassen sollten wir in diesem Fall die Bescheidenheit und die Trägheit, mit der wir schon eh viel zu lange vieles hinnehmen, das einer Änderung bedarf. Nur darüber klagen, dass niemand mehr protestierend auf die Straße geht, hilft nicht. GEHEN!

Kommentare deaktiviert für Einen Pudding an die Wand nageln und Wahlfreiheit zwischen Qualitätssegmenten

Mrz 15 2018

2 Bücher, 1 Ausstellung und Neugier auf Jennifer

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Kultur,Literatur

Spannend fand ich die Frage, welches Buch ich mir 2018 als erstes bestellen würde. Nun ist es entschieden: Treideln von Juli Zeh – also Theorie. Ich kam durch eine Empfehlung der Kollegin Isa Schikorsky via Twitter drauf: https://stilistico.wordpress.com/2018/03/14/juli-zeh-treideln/ und bin jetzt sehr gespannt, was mich erwartet. Laut Isa Schikorsky soll es das „witzigste Buch über das Schreiben und das Leben“ sein und handelt von Eitelkeiten und Dogmen im Literaturbetrieb.

Ja, Bücher sind eine Empfehlungssache! Als erstes möchte ich ein Nachschlagewerk empfehlen, das ich sehr gerne zur Hand nehme und dessen „Mehrwert“ eigentlich unbezahlbar ist: DAS WÖRTERBUCH DES KREATIVEN SCHREIBENS ist wirklich sehr gut gelungen! Es besteht aus zwei  Bänden und ist 2017 im Schibri Verlag, Strasburg/Uckermark, erschienen. Es erklärt Begriffe & Textsorten, tischt Schreibtheorien in verständlicher Form auf, vermittelt durch Schreibspiele vielfältige Anregungen und widmet sich auch Schreibtherapien und der Schreibpädagogik. 25 Autorinnen von Rang und Namen haben daran mitgewirkt. Ein themenorientiertes Stichwortverzeichnis macht es „arbeitsfreundlich“. Wir verdanken es Lutz von Werder & Friends.

Nun der Schwenk zur Praxis >> 2018 wird es unter anderem darum gehen, den Roman „Jennifer“ in der Gruppe „kreativ schreiben“ an der Schorndorfer VHS fertigzustellen. Es ist ein Übungsroman, bei dem es allen Beteiligten sehr viel Spaß macht, das Schicksal unserer Jennifer immer wieder mit neuen Facetten zu versehen bzw. es zu würzen und zu wenden: Eine junge Frau, die eigentlich im Luxus lebt, aber mit ihren Lebensumständen kreuzunglücklich ist. Dabei geht es turbulent zu. Einige technische Recherchen müssen wir noch anstellen – zum Beispiel wie man auf hoher See mit den Angehörigen zu Hause in Verbindung tritt. Damit will ich andeuten, dass auch „Herz & Schmerz“ nicht so ohne weiteres zu arrangieren ist, dass auch Unterhaltungsstoff häufig die Aneignung von einigem Fachwissen erfordert, um glaubwürdig zu sein.

„Jennifer“ passt nicht zuletzt im Hinblick auf das Herbstsemester gut ins Bild, in dem „Frauen“ von selbiger VHS zum Schwerpunktthema erhoben werden. Bei dieser Gelegenheit geht mein Blick zurück ins Jahr 1988. Damals wohnte ich in Schwäbisch Gmünd und gehörte dem Frauenforum an. Wir wollten die Kommunalverwaltung davon überzeugen, wie notwendig eine Frauenbeauftragte für uns ist. Dazu veranstalteten wir – alle Frauengruppen der Stadt – Frauen-Projektwochen. Natürlich ehrenamtlich. Als Dokumentation konnten wir zwei Broschüren vorlegen.

In anderen Städten hatten sich Frauenbeauftragte längst etabliert. Doch Baden-Württemberg war diesbezüglich alles andere als federführend. Und es gab auch Kritik ob der Funktion der Amtsinhaberinnen.  Waren sie mehr Feigenblatt als politische Akteurin? Hatten sie vornehmlich die Gleichberechtigung der städtischen Bediensteten ins Visier zu nehmen? In wie weit sollten und durften sie die Frauengruppen vor Ort unterstützen, Interessen bündeln und Initiativen mit vorantreiben?

Gehen wir nochmal 20 Jahre zurück. Dann landen wir bei den sogenannten 68ern. Dieses Schlagwort hat inzwischen viele Klänge. Man kann 1968, dieses Schicksalsjahr, in dem Rudi Dutschke niedergeschossen wurde, nicht isolieren. Die 60er Jahre bedeuteten insgesamt „Aufbruch“. Beleuchtet wird das derzeit speziell in Bezug auf Baden-Württemberg im Haus der Geschichte in Stuttgart. „… DENN DIE ZEITEN ÄNDERN SICH“ heißt die Ausstellung, die noch bis zum 24.6.2018 ihre Pforten geöffnet hat. Auf die BesucherInnen warten wirklich markante Erinnerungsstücke, die  gleichermaßen witzig sind wie nachdenklich stimmen. „Geschlechterverhältnisse“ und „Die Rolle der Frau“ waren der Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger jeweils ein eigenes Kapitel im Katalog wert. Prädikat: Sehr empfehlenswert!

Aus dem Rückblick, aus der Geschichte kann man sich immer Anregungen für das eigene Schreiben holen. Wodurch bin ich geprägt, was wäre anders gekommen, wenn …? Das Jahr 2018 ist noch jung, es kann noch vieles hochkochen – zumal die Jubiläen noch zu feiern anstehen!

Hier zunächst der Link zu einer >> Diskussion „Mythos 1968 – Was bleibt?“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg https://www.youtube.com/watch?v=TFg2END7pE0

Kommentare deaktiviert für 2 Bücher, 1 Ausstellung und Neugier auf Jennifer

Dez 10 2017

facebook: Der Überblick über das Gespeicherte gelingt nie vollständig!

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag

Interview ? Mein Ausstieg vom Ausstieg auf Facebook ?

Hans-Dirk Reinartz ist Palliativarzt und unterstützt als „Lebenslotse“ Menschen mit Krebserkrankungen „ihrer Zukunft mehr Leben zu geben“. Viele seiner Beiträge auf Facebook (fb) vermitteln Eindrücke von dem Schönen und den Nöten in der Ukraine, wo er seit 2012 lebt. Vor dem Jahreswechsel 2016/17 kündigte er seinen Ausstieg aus fb an, wollte dort seine Spuren löschen und nicht mehr über diese Plattform erreichbar sind. Dieser Ausstieg war nicht von Dauer. Über diese doppelte Wende unterhielt ich mich via Skype mit ihm.

Warum wolltest Du den Ausstieg aus fb?

Ich nutzte und nutze kein Pseudonym, war also erkennbar und habe toleriert, dass fb, google & Co. eine riesige Datenkrake sind. Ich dachte, ich nutze die Vorteile und muss deshalb auch die Nachteile in Kauf nehmen, fühlte mich fast wie zu Hause auf fb. Doch dann merkte ich, die wissen viel mehr über mich, als ich jemals geglaubt habe. Es kommt dazu, dass ich in einem politisch instabilen Land lebe und mich sehr eindeutig auf Seiten der Ukraine positioniere für eine demokratische Entwicklung in eine europäische Richtung. Fanatiker quittierten dies mit Hasstiraden.

Das spitzte sich zu?

Ja. Deshalb wollte ich nicht länger ungeschützt auf dem Präsentierteller sein. Erstens, weil nicht absehbar ist, wer diesen Kampf hier gewinnt und mir womöglich irgendwann am Zeug flicken will. Zweitens möchte ich in meinem Beruf arbeiten und auf meine online Beratungen konzentrieren, anstatt als politische Person wahrgenommen zu werden. Deshalb wollte ich zum 31.12.2016 einen Schnitt machen. Mein Ausstieg war sauber geplant, ich hatte mich aus allen Gruppen verabschiedet, meine eigenen Gruppen und Seite gelöscht und nichts mehr geliked usw.

Wie lange warst Du inaktiv?

Etwa den ganzen Dezember 2016. Zum 31.1.2017 wollte ich mich abmelden. Doch mir kam zu Bewusstsein, wen alles ich über fb kennengelernt und wiedergefunden hatte. Als Beispiel möchte ich eine Jugendfreundin nennen. Sie hatte ich aus den Augen verloren und konnte dank fb an unsere frühere Verbindung anknüpfen. Und kurz nach unserer virtuellen Wiederbegegnung stirbt ihr Mann innerhalb einer Woche. Ich konnte ihr mit meiner Erfahrung als Palliativarzt und darüber hinaus beistehen, denn die psychologische Seite kommt bei so einem Schicksalsschlag in der herkömmlichen medizinischen Versorgung eher zu kurz.

„… eher zu kurz“ ist zurückhaltend formuliert. Aber auf diese Seite Deines Wirkens kommen wir in einem gesonderten Interview zu sprechen. – Was hat sich seither für Dich auf fb geändert?

Ich blieb, weil ich das Verbindende von fb nicht missen möchte, zog jedoch angesichts der Nachteile, die auf der Hand liegen, Konsequenzen: Meine politischen Äußerungen habe ich zu 99,9 Prozent zurückgeschraubt. Zurückliegende Äußerungen tilge ich.

Wie geht das?

Ich bekomme jeden Tag eine Erinnerung, was ich vor einem oder vor zwei, drei usw. Jahren gepostet habe. Das ist eine Funktion von fb. So kann ich meine politischen Postings aus der Vergangenheit löschen. Ich like auch kaum noch, denn das kann man nicht mehr rekapitulieren.

Große Zurückhaltung?

Ich verkrieche mich nicht, agiere aber mit einer anderen Wachsamkeit. Wenn Du fb verlässt, weißt du nicht, was fb über dich gespeichert hat. Du kannst z. B. ein halbes Jahr nach einem Ausstieg dein Profil wieder reaktivieren und schwupps ist alles wieder da. Das heißt: die löschen es nicht. Es existiert noch irgendwo. Kein Mensch weiß, was die damit machen.

Betrifft das auch die Chat-Nachrichten?

Ja, die werden – soweit ich weiß – auch gespeichert. Eine Unterhaltung darüber, dass man verschlafen hat aufgrund nächtlichen Hundegebells wird wohl weltweit wenig Echo hervorrufen, aber wenn mir jemand schreibt, er habe an einem bestimmten Ort 1000 russische Soldaten stationiert gesehen, wird das unter Umständen auf beiden Seiten als brisant registriert.

Verstehe. Was ist geblieben?

Die Haltung, dass der Überblick über das Gespeicherte keine Vollständigkeit erlangen kann. Mehrere Seiten über private und politisch/kulturelle Projekte habe ich gelöscht. Ich habe für mich innerlich einen RESET gemacht und beschlossen, mit dem alten Profil bei fb zu bleiben – trotz weiter vorhandener Datenschutzrisiken. Ich habe meine alten Kontakte behalten, jedoch lösche ich jene, mit denen ich keine irgendwie geartete Übereinstimmung habe. Privat und beruflich wird mehr getrennt, der Fokus liegt auf medizinischen Themen, um als Arzt wahrgenommen zu werden. Private Infos aus dem politischen Leben teile ich so gut wie nicht mehr.

Und beruflich? Ist das nicht heikel über fb?

Über fb kann ich Menschen erreichen und sie können mich erreichen. Das war einer der Gründe auf fb zu bleiben. Beruflich bin ich sowieso „öffentlich“ unterwegs und das ist gut so! Neue Seiten und neue Gruppen von mir werden kommen, allerdings nur noch im beruflichen Umfeld. Meine Gruppen mit privaten und politischen Themen bleiben gelöscht.

Wir unterhalten uns jetzt über Skype. Wie sicher ist das?

Ich bin Arzt, kein Fachmann für Aussagen in diesem Bereich. Wobei wir uns darüber im Klaren sein müssen: wenn ein Geheimdienst etwas abhören will, wird er es schaffen – egal wo. Für meine beruflichen Leistungen prüfe ich Webinar-Plattformen auf ihre Abhör-Sicherheit.

Wie waren die Reaktionen zum Wiedereinstieg?

Wesentlich positiver, als ich gedacht hatte. Ich bekam viele Likes und die Rückmeldung, dass viele meine Postings über die Ukraine vermissen würden.

Was ist die Quintessenz der Selbsterfahrung?

Datenschutztechnisch war das Löschen ein gutes Gefühl. Mutmaßlich war ich nicht mehr so angreifbar. Aber es stellte sich auch das Gefühl ein, es würde schwieriger, über e-mail, über Skype, über Telefonate Kontakte zu halten, zu pflegen oder erst aufzubauen. Sorge über mangelnden Datenschutz und gläserne Menschen auf der einen Seite und Wunsch nach privater / beruflicher Kontaktpflege auf der anderen Seite waren ein unhaltbarer Spagat. Die Entscheidung fiel zugunsten der Kommunikation mit Toleranz der Datenschutzprobleme. Im Endeffekt bin ich froh über den Prozess meiner Entscheidungen. Meine jetzigen persönlichen Vorteile wiegen eindeutig mehr als die Nachteile.

Gibt es jetzt eine ausgefeilte Selbstzensur?

Der Begriff ist für mich interessant. Ich würde es für mich aber als „Schreibdiät“ bezeichnen. Im Sinne von „Ich halte Maß“. Weiterhin will ich über die Situationen hier vor Ort schildern, aber im Vergleich zur früher, überlege ich mir heute bei jedem Posting, ob dies es wert ist, mich auf diese Weise zu zeigen.

Vieles bewegt Dich, Du bist auf vielen Themenfeldern zu Hause.

Ja. Ich äußere mich zukünftig bevorzugt zu medizinisch-psychologischen Themen und zu Fragen um Leben und Tod, Lebensplanung, Philosophie etc.  Beschäftigung mit Sterben gehört in die Mitte des Lebens! Das Berufliche wird sich auf meiner Webseite abspielen: https://hansdirkreinartz.com/

Danke für das Gespräch. Zu Deiner Tätigkeit als Lebenslotse planen wir ein separates Interview.

(Auf fb duzt man sich. Wir haben das darüber hinaus beibehalten.)

Kommentare deaktiviert für facebook: Der Überblick über das Gespeicherte gelingt nie vollständig!

Feb 03 2017

„Es reicht nicht, den Verstand zu füttern“

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Die Sehnsucht, sich als Teil des Universums zu begreifen, macht neugierig auf den Einfluss der Planeten-Konstellation. Die Astro-Lebensberaterin Tina Peel kann aus dem Zusammenspiel von  Planeten und sog. Aspekten Informationen zur Orientierung gewinnen. Was muss man für eine Analyse angeben? Genügt der Geburtstag?

Tina Peel: Zur Berechnung eines Horoskops braucht es Geburtsdatum, exakte Geburtszeit, den Geburtsort – zusätzlich den Wohnort fürs aktuelle Solarhoroskop.

Tierkreiszeichen, Häuser, Aspekte & Co. Das klingt irgendwie kompliziert. Wie lange hast Du gebraucht, um das alles zu studieren und Vorhersagen machen zu können?

Die Ausbildung beanspruchte bis zum Diplom zwei Jahre – jeweils einen Abend pro Woche und immer wieder ganze Wochenenden.  Nach drei Monaten begann ich jedoch begeistert am Subjekt zu üben – und merkte rasch, dass es nicht reicht, sich den Mund fusselig zu reden und den Verstand zu füttern. Also besuchte ich parallel dazu die Lebensberaterausbildung. Die komplette Aus- und Weiterbildung dauerte rund zehn Jahre. Doch am meisten lernte ich, als ich nach etwa sieben Jahren selbst begann, Menschen in Kursen und Ausbildungen über längere Entwicklungsphasen zu begleiten.

Auf Deiner homepage https://goo.gl/6EHymA sprichst Du von Lektionen, die in jedem Leben aufgetischt werden.

Es sind zwölf Hauptthemen, die jedem von uns im Alltag im Laufe des Lebens immer wieder begegnen, die uns herausfordern und schulen. Jeder, der sich mit dem Leben befasst, kommt auf diese Themen, auch wenn er mit Astrologie nichts am Hut hat. Es sind die Archetypen, die Carl Gustav Jung entdeckt, beziehungsweise wiederentdeckt hat, denn sie waren immer da, seit es Menschen gibt.

Etwa zehn Prozent gaben in einer repräsentativen Umfrage des Offenbacher Marplan-Instituts an, dass sie sich ein Horoskop von einem professionellen Astrologen erstellen ließen. Bearbeitest Du überwiegend Einzelanfragen?

Es ist eine Mischtätigkeit. Phasenweise sind es mehr Beiträge für Printmedien, dann wie jetzt wieder mehr Beratungen und Analysen.

Gelegentlich veröffentlichst Du auch Bücher – zuletzt einen spirituellen Fantasyroman.

Genau! Mein jüngster Titel „Ohne Beipackzettel fürs Leben“ befasst sich mit verschiedenen Metamorphosen, die ein Mensch im Laufe seiner seelischen Entwicklung durchmachen kann.

Die Wochen- oder Monatsprognosen, die ich in einer Zeitschrift finde, umfassen nur wenige Zeilen. Wahrscheinlich computergenerierte Texte. „Handarbeit“ ist sicher exklusiver?

Ich persönlich verwende diese kleinen Texte gern dazu, mit ein paar treffenden Worten den Leser zu motivieren, zum Nachdenken und Lachen zu bringen. Und das ist für mich definitiv ein gutes Gefühl.

Würdest Du Deine Hauptaufgabe im Motivieren sehen?

Hauptaufgabe ist es, die Leute nach innen zu führen, zu ihren Lösungen und Erkenntnissen. Ich bin eine Art Reiseleiterin ins unsichtbare Innere.

Du hilfst darüber hinaus Leuten, die aus ihren Träumen Erkenntnisse ziehen wollen – ein ganz anderer Zweig Deiner Lebensberatung.

Ja, die Traumdeutung verwende ich ebenfalls seit Jahrzehnten als spannendes und nützliches Werkzeug zur Selbsterkenntnis. Seit kurzem biete ich online ein Selbstcoaching zur Traumdeutung als Direktdownload an > http://astro-lebensberatung.ch/lebenshilfe/1018-traumdeutung-to-go.html

Ergänzung: Unsere Unterhaltung fand großenteils auf facebook statt. Dort duzt man sich – ohne Ausnahme. Tina Peel und ich haben verabredet, dies beizubehalten. Persönlich kennen wir uns (noch) nicht. Tina Peel ist 56 Jahre alt und lebt im Kanton Bern  in der Schweiz.

Keine Kommentare

Jan 19 2017

Vom Eiferertum und der Informationsauswahl, für die laut Thomas Kliche jede/r selbst verantwortlich ist

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Deutschland arbeitet sich ab am gewählten US-Präsidenten. Politische Beobachtung und Einschätzung sind wichtig. Aber hier ist nicht nur Eifer im Spiel, sondern es schwingt Eiferertum zwischen den Zeilen mit. Wovon zeugt das?

Wenige Tage vor Amtsantritt dieses US-Präsidenten sagt der scheidende deutsche Präsident Gauck in seiner Abschiedsrede „Demokratie ist kein politisches Versandhaus“. https://goo.gl/GqZhZI (1) Was mich natürlich sofort daran erinnert, dass bei fast jeder Debatte um journalistische Sorgfaltspflicht und Qualitätssicherung danach gefragt wird, wie Hol- und die Bringschuld verteilt sind. Ist es an der Zeit, diese Frage auch in der Politik zu diskutieren?

Um in dem Bild zu bleiben: im Versandhaus bestellt der Endverbraucher, was man haben will. Das Management kann durch Werbung Bedarf wachkitzeln, neue Produkte einführen und so mit der Zeit Schritt halten. Es wird aber immer nur das im Sortiment haben, das sich rentiert. Anders als die Medien. Sie müssen mehr tun, als das Erwartete zu liefern. Sie halten möglichst umfangreich vor, was passiert, fassen zusammen, gewichten, erklären und kommentieren. Das Sortiment an Vorkommnissen ist unkalkulierbar. Im Journalismus sind die Speicher immer übervoll.

Die Fülle in der Politik ist ebenfalls kaum übersehbar. Lobbyisten bedrängen sowohl Politiker als auch Journalisten. Ihr Fachwissen ist willkommen, ihr Drängen auf Einfluss muss uns „Politikkunden“ in dauerhaftes Misstrauen bugsieren. (siehe dazu > A) Aufgabe der Politik ist, nicht nur die Musik zu spielen, die bestellt wird. Antennen, die über den Tellerrand hinaus ragen, sind oft schwierig zu vermitteln, ungeliebt, aber unverzichtbar. Unabhängigkeit zu beweisen ist mag schwierig, darf aber nicht unmöglich sein. Das gilt auch für die Verpflichtung, laufend Transparenz herzustellen.

Politik- und Medienkunden stehen diesen Prozessen gegenüber und haben die Qual der Wahl. Denn Dunstkreise trennen sich ab. Die Macht tritt nicht einheitlich auf, auch wenn alles Gesagte oft wie ein Einheitsbrei wirken mag. Wie sich informieren? Einige markige Worte dazu möchte ich empfehlen. Sie sind dem Interview zu entnehmen, das Neon (Stern) mit dem Politikpsychologen Thomas Kliche führte: „Jeder hat eine Verantwortung für den Scheiß, den er liest!“ Er ging auf die Entwicklung ein, dass ein Medienmix die Basis ist, aus der sich die Rezipienten ihre Informationen herauspicken. goo.gl/mIehw9 (2) Hierzu würde ich gerne noch mehr Theorien/Ansichten lesen!

Obwohl ich in der Regel für „nah ran“ plädiere, kann ich vor diesem Hintergrund nicht empfehlen, die Rede des AfD-Funktionärs Björn Höcke am 17.1.17 in Dresden nachzuhören, auch wenn Sascha Lobo viele Links dazu in seiner Kolmne bei Spiegel-Online setzt. https://goo.gl/58fbLe (3) Man dreht auch hier zum x-ten Mal am altbekannten Rad – sowohl Lobo als auch Höcke. Und warum soll man sich die Zeit mit Sätzen totschlagen wie: „Wir müssen nichts weniger als Geschichte schreiben, wenn es für uns Deutsche und für uns Europäer noch eine Zukunft geben soll. Wir können Geschichte schreiben, tun wir es.“ (Höcke) Den Widerkäuern etwas Neues entgegensetzen hilft m. E. mehr, als das Widergekäute ständig zu betrachten und zu bekritteln. Ladenhüter mögen sich kurzfristig gut verkaufen, aber die Zukunft haben sie nicht gepachtet.

Und dass Politik kein Versandhaus mit herkömmlichen Kundenservice ist, sondern von unserem Input lebt sowie hinaus gehende Visionen zur Zukunftsgestaltung prüfen muss, kann man nicht oft genug in Erinnerung rufen. Es ist nicht damit getan, Politik zu delegieren und dann allenfalls ihre Defizite zu monieren. Vielleicht sollten dazu noch mehr Menschen das Buch „Das hohe Haus“ von Roger Willemsen lesen (S. Fischer Verlag – siehe dazu > B). Dabei befällt einen sehr leicht das Verlangen, den VolksvertreterInnen substanziell beizustehen. Wer dabei noch an „Geschichte schreiben“ denkt, ist nicht ausgelastet, hat sich nicht tief genug eingelassen auf die vielfältige Materie. Er bleibt wohl anfällig für das anfänglich erwähnte Eiferertum.

A > Die Lobbyarbeit zu kontrollieren hat sich www.lobbycontrol.de vorgenommen, eine Initiative für Transparenz und Demokratie e.V. – Interessenten können deren aufschlussreichen Newsletter beziehen!

B > »Man denkt, alle Welt schaut auf dieses Haus. Und dann findet man so viel Unbeobachtetes.« Roger Willemsen (1955 – 2016) Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament. ISBN: 978-3-10-092109-3, € 19,99 – Aus dem Klappentext: Ein Jahr lang sitzt Roger Willemsen im Deutschen Bundestag – nicht als Abgeordneter, sondern als ganz normaler Zuhörer auf der Besuchertribüne im Berliner Reichstag. Es ist ein Versuch, wie er noch nicht unternommen wurde: Das gesamte Jahr 2013 verfolgt er in jeder einzelnen Sitzungswoche, kein Thema ist ihm zu abgelegen, keine Stunde zu spät.

1 > http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/gaucks-letzte-rede-als-bundespraesident-der-mutmacher-nimmt-abschied/19271376.html /1.17

2 > http://www.stern.de/neon/wie-dem-postfaktischen-begegnen–thomas-kliche-im-interview-7279744.html / 17.1.17

3 > http://www.spiegel.de/netzwelt/web/bjoern-hoecke-rede-offenbart-gesinnung-kolumne-von-sascha-lobo-a- html#spRedirectedFrom=www&referrrer=http://m.facebook.com /18.1.17

Keine Kommentare

Dez 11 2016

Postfaktisch / MEZIS / Kurse 2017

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag,Literatur

Für dieses Jahr ist der letzte Kurs gehalten – neue Termine 2017 siehe unten. Damit ist zwar rein faktisch die Luft etwas raus, wenn auch postfaktisch die Ideen sprießen (ja sogar „wuchern“), weil viele Impulse mich erreicht und bereichert haben. Allein: die Zeit drängt, das Jahr zu Ende zu bringen. Mit manchem Kopfschütteln zwar, worüber ich mich hier eigentlich ausschütten möchte, was aber wiederum aus Zeitnot unterbleibt. Nur mit LINKs kann ich „wuchern“, immer in der Hoffnung, dass meinen LeserInnen die Zeit reicht, diese aufzurufen.

Zum Auftakt einer zum Wort des Jahres > postfaktisch. Hier kann man sich über diverse Ansichten und Erklärungen dazu informieren: https://www.perlentaucher.de/9punkt/2016-12-10.html?nle_id=6916 Und weil es im letzten Posting um Bettelbriefe und Unterstützungswürdiges ging: Ja, den „Perlentaucher“ kann man unterstützen, er leistet nützliche Arbeit, ich lasse mich darüber via Newsletter informieren.

Sehr nützlich ist auch die Arbeit von MEZIS. Das ist die Abkürzung für „Mein Essen zahl‘ ich selbst“, ein Zusammenschluss unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte, von deren Aktivität ich in diesem Blog schon berichtete. Nun hat MEZIS zum Thema „Leben – Eine Kostenfrage?!“ getagt und ein Manifest für bezahlbare Medikamente und eine bedarfsgerechte Arzneimittelforschung beschlossen, hier nachzulesen: https://www.mezis.de/

EIN Kopfschütteln möchte ich aber doch ausbreiten: als ich Mitte November bei einem Facharzt anrief und um einen Termin fürs Frühjahr bat, erhielt ich zunächst die Antwort: „Wir sind 2017 aber schon ausgebucht.“ Wenn ich schlapp gewesen und schockiert geschwiegen hätte, wäre ich also leer ausgegangen. Das scheint so zu sein wie bei Betrieben, die die festen Wartungstermine ihrer Stamm-Kundschaft im Kalender stehen haben und darüber hinaus eigentlich Kundenabwehr betreiben. Womöglich, um auf Notfälle reagieren zu können? Nein, sagte mir ein anderer Facharzt: Wenn Sie akut was haben, müssen sie ins Krankenhaus. Dazu passt dann die Debatte um das Verhalten in den Notfallpraxen der Krankenhäuser – sowohl das der PatientInnen als auch das des diensthabenden Personals. Es ist überall schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen, und genau hinsehen (differenzieren!) macht Mühe!

Kreativ Schreiben > KURSE 2017:

Aichwald: 11.3. (Sa); Kurs: 22.3. / 17.5. / 5.7.2017 (Mi)

Nördlingen: 25.3. / 6.5.2017 (Sa)

Ostfildern: 16.3. / 27.4. (Do)

Schorndorf: 8.3. / 29.3. / 10.5. / 31.5. / 28.6. (Mi)

Keine Kommentare

Nov 25 2016

Geldbeutel, geh auf für Wissenspflege

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Kultur

Wie zahlreiche Absender von sog. Bettelbriefen, die ab Mitte November in unsere Haushalte schneien, appelliert Wikipedia derzeit an die Wohltätigkeit. Die Wissenspflege müsste den Usern doch etwas wert sein?! Man verbindet mit ihr „Ehrenamt“, eine aufrichtige Freiwilligen-Community, die sich dem Allgemeinwohl verschrieben hat. Jedem einzelnen kostenfrei zugänglich und meistenteils nützlich. Da geht einem doch das Herz auf, oder? Und der Geldbeutel dazu …

Dass es sich nicht ganz so verhält mit der Selbstlosigkeit des Wikipedia-Konstrukts hat nun die FAZ recherchiert und veröffentlicht > http://url9.de/XSf Zwar werden wir lediglich um Unterstützung in der Größenordnung von einer Tasse Kaffee gebeten, aber es nimmt sich schon merkwürdig aus, wenn diesem Ansinnen gegenüber ein Vermögen von 92 Millionen Dollar steht, mit dem die Wikimedia Stiftung in Amerika, Wikipedias Muttergesellschaft, wirtschaften kann.

Kurzum – wie bei jedem Spenden-Begehren ist es gut, wenn man sich mit einem Blick hinter die Kulissen vergewissern kann, ob das, was man wirklich unterstützen möchte, auch wirklich dringend ein Geschenk braucht. Und vor allem: wofür. Denn bekanntlich fördert eine sorgsame Umverteilung die wünschenswerte Gerechtigkeit, den Ausgleich zwischen Habenden und Nichthabenden. Das Zauberwort heißt auch hier „Transparenz“. Dafür steht ein vielfältig qualitätsgesicherter Journalismus. Für dessen Erforschung und Entwicklung man übrigens an anderer Stelle Spenden einbringen kann.

Keine Kommentare

Ältere Einträge »