Archiv für die Kategorie 'Literatur'

Feb 11 2025

Seine Feigheit verstört den Herrn Staatsanwalt

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Literatur

“Weiheraum” gehört zu den spannendsten und eindringlichsten Büchern, die ich rezensiert habe. Geschrieben hat den Roman Klaus Marxen (geb. 1945), Jurist und Hochschullehrer, der u. a. als Richter tätig war. Angesichts der aktuellen Gefahr des Hineinschlingerns in immer mehr rechtslastige Politik erinnerte ich mich an den Protagonisten Friedrich Liedke, ein empfindsamer Staatanwalt, dessen Verstrickungen unter die Haut gehen … Ich will an dieser Stelle nichts vorwegnehmen – hier die Rezension:

Klaus Marxen lässt in seinem Roman „Weiheraum“ Zeitgeschichte in schicksalhaften Verstrickungen lebendig werden

Mit „Weiheraum“ legt Klaus Marxen einen Roman vor, der episodisch im Präsens zwei Personen in unterschiedlichen Sphären in die Katastrophe führt. Verdeutlicht werden Charaktere und deren Schicksale im zeitgeschichtlichen Kontext von 1901 bis 1950. Man ahnt, welche Wirren die Protagonisten vor heikle Fragen stellen, zumal ein Strang der Handlung in Berlin und der andere in Südmähren angesiedelt ist. Die Wege des tschechischen Mädchens Leuka und des Berliner Staatsanwalts Friedrich Liedke kreuzen sich im Wiener Landgericht. Das wird im Vorwort verraten, in dem es außerdem heißt, die Wirklichkeit tauge lediglich dazu, Spuren zu legen – dagegen müsse die Wahrheit erzeugt werden.


Der Weiheraum im Wiener Landgericht umfängt den Erzähler. Dort findet er die Namen jener, denen in diesem „Gebäude […] in nationalsozialistischer Zeit das Leben geraubt wurde“. So spornen Titel und Vorwort des Buches die Neugier an – der Weg zum tragischen Ende will nachvollzogen werden. Wo hätte es Möglichkeiten gegeben, die Geschichte in eine andere Richtung zu lenken? Was kann man davon für die Zivilcourage in heutiger Zeit ableiten? Autor Klaus Marxen, selbst Jurist – Geschichte und Philosophie hat er ebenfalls studiert –, erzeugt Wahrheit mittels ausführlicher Schilderungen, hat jedoch alle Personen, Begebenheiten und Orte frei erfunden.

Friedrich Liedke, an Kaiser Wilhelms II. Geburtstag 1901 geboren, ist eigentlich ein empfindsamer Mensch. Doch auch er will vorankommen, kein unnötiges Aufsehen erregen, das geregelte Leben nicht gefährden. Eigene Kinder sind ihm und seiner Frau Edith nicht vergönnt und der gewichtige Schritt zu einer Adoption fällt nicht gerade leicht, allerdings sind die Begleiterscheinungen für Friedrich umso qualvoller, weil er plötzlich nicht ausschließen kann, die Mutter des Kindes auf dem Gewissen zu haben. Schon lange bevor Liedkes die kleine Ingrid im Lebensborn-Heim abholen, ist dem Protagonisten Friedrich viel Zaudern auf den Leib geschrieben. Sein Vater, Konrektor an einem Realgymnasium, verkörpert ihm gegenüber eher den harten Preußen. Doch Adolf Hitler findet er anmaßend und verübelt seinem Sohn dessen Parteimitgliedschaft. Trotz stetig wiederkehrender Zweifel kann es sich der Jurist Friedrich jedoch nicht leisten, aus der Partei auszutreten und später beim Volksgerichtshof Anklagen jenseits der Konformität zu formulieren. „Was Friedrich Liedke verstört, das ist seine Feigheit.“ Dass die „Gefährdung des Staates im Krieg zu harten Abwehrmaßnahmen zwingt“, will er sich angesichts der Hinrichtungen in seiner unmittelbaren Nähe in Wien zwar beschwichtigend einreden, kann aber mit dem scharfen Wind, der in der Justiz weht, innerlich keine Übereinkunft finden. So besiegelt er 1943 schließlich das Schicksal der zum Tode verurteilten, hochschwangeren Helena Cermak, geboren 1918 in Südmähren, die ihrem schwer verletzen Bruder, einem „Staatsfeind“, geholfen hatte.

Natürlich fällt Friedrich Liedke dieser Fall immer wieder ein, denn er weiß nicht, wohin das Kind der Hingerichteten gebracht worden ist. Wie es sich gehört, wird das Geheimnis erst am Schluss gelüftet. Die locker skizzierte Auflösung wirkt nüchtern und knapp, was fast ein wenig schade ist, denn schließlich ist man an ausführlich erzählte Ereignisse und Schicksalswendungen mit fesselnden Untertönen gewöhnt. Doch mehr als der pragmatische Schluss hätte nicht in diesen Spannungsbogen gepasst, war doch der Roman nicht in erster Linie auf ein Familiendrama hin angelegt, sondern darauf, Zeitgeschichte lebendig werden zu lassen und dazu Fragen aufzuwerfen, die an Aktualität nicht verlieren.


Der Erzählstrang auf böhmischer Seite beginnt, als die Oma dieses im Gefängnis geborenen Kindes von Janek Cermak schwanger ist, der aber sein Junggesellendasein nicht aufgeben will. Mit etwas Nachhilfe kommt es dann doch zur Heirat, und letztlich hat Olga sechs Kinder von ihm großzuziehen. Als Familienvater taugt Janek Cermak jedoch nicht. Erst verdingt er sich als Heizer auf einer Lokomotive, später als Handelsvertreter für Textilien, zwischendurch leistet er sich – entsprechend seines Naturells – riskante Eskapaden. Trefflicher könnte man einen Kontrast zu der disziplinierten Familie Liedke nicht schaffen.

Olga Cermak betreibt eine Gastwirtschaft und kann sich außerdem auf ihre Eltern stützen, deren kleine Landwirtschaft ergänzend als Lebensgrundlage manche Engpässe abmildern hilft. Nach dem Ersten Weltkrieg wächst der Stolz der tschechischen Bevölkerung auf ihren Staat, dann werden Teile vom Deutschen Reich annektiert und vorbei ist es mit der friedlichen Atmosphäre. Wer dann – wie Tomas, einer der Söhne von Olga – während des Zweiten Weltkriegs gegen die herrschenden Deutschen intrigiert oder im Untergrund kämpft, wird gnadenlos verfolgt und bestraft. So wird Lenka (Helena) wegen ihrer familiären Fürsorge verraten und verurteilt.

Nach Kriegsende wird Friedrich Liedke verhaftet. Von nun an quält ihn nicht nur die Frage, ob er die Mutter seiner Adoptivtochter hat umbringen lassen, sondern wie sehr er in Verbrechen verstrickt war, die er als solche nicht erkannt oder im Anpassungsdruck verharmlost hat. Derweil umsorgt seine Schwester Elisabeth in Jüterborg das Kind und seine Frau, die 1948 stirbt. Ingrid liebt ihre Tante Lisa und hängt sehr an der Katze Jasmin. Auch Friedrich hatte als Kind ein Kätzchen bekommen, das er Jasmin nannte. Dieses Band zwischen einst und heute symbolisiert eine Verbindung zwischen Ingrid und ihrem Vater, an den sie keine Erinnerung mehr hat. Sie war zu klein, als Friedrich damals aus der Wohnung in Berlin abgeführt wurde. Ihre Mutter hatte ihr aufgetischt, der Vater sei im Krieg von den Russen verschleppt worden.

Liedke verbringt fünf Jahre im Lager Sachsenhausen, bevor er in Waldheim zum Tode verurteilt wird. Es nützt nichts, dass sein Verteidiger unterstreicht, Liedke habe lediglich in gutem Glauben gehandelt und sei als Mitläufer einzustufen. Marxen knüpft mit seinem Roman an tatsächliche Geschehnisse an und führt hier vor Augen, dass in der jungen DDR noch eine tödliche Justizmaschinerie wirksam war. „Unrecht im Gewand des Rechts“ – diese Worte gebraucht der Klappentext des Buches für die Praxis im Volksgerichtshof wie in den Waldheimer Prozessen. Natürlich handelt es sich nicht nur, wie eingangs komprimierend vorausgeschickt, um die Schicksalslinien zweier Personen, sondern immer ist mindestens das „System Familie“ betroffen, wenn das „System Staat“ die Entscheidung zwischen Recht und Unrechtsempfinden zu einem unlösbaren Dilemma werden lässt. Ja, ganze Generationen sind von dem Phänomen gezeichnet, sich mit etwas arrangiert zu haben, für das man nur auf Verständnis bei den unter anderen Verhältnissen Nachgeborenen hoffen kann. Gerade weil in beiden Handlungssträngen die Charaktere glaubwürdig und die Ereignisse im Grundansatz unspektakulär sind, zeigt der Roman besonders schmerzlich die Unbezwingbarkeit von Zwickmühlen in totalitären Systemen, in denen die Rechtspflege bekanntlich die herrschende Ideologie legitimieren soll.

Interessant ist der Aufbau des Romans, der sich in drei Teile gliedert, von Kapitel zu Kapitel jeweils die Perspektive wechselt (was der Wechsel zur Kursivschrift und zurück unterstreicht) und mit Rückblenden arbeitet, die nichts in die Ferne rücken lassen. Das Gefühl, immer unmittelbar dabei zu sein, reißt nicht ab. Und obwohl einerseits die Genauigkeit des ehemaligen Gerichtsberichterstatters Marxen manchmal an Geduldsproben erinnert, befördert die Kürze der Kapitel den Stoff flott und abwechslungsreich. Eine beeindruckende Lektüre.

Klaus Marxen: Weiheraum. Roman.
Bouvier Verlag, Bonn 2015.
260 Seiten, 19,99 EUR.
ISBN-13: 9783416033893

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Jun 17 2022

Online Reize setzen

Autor: . Abgelegt unter Kultur,Literatur

“Kunst darf wirken”, unterstreicht der aktuelle Newsletter der kkl-Redaktion und kündigt das nächste Thema an, zu dem Beiträge willkommen sind. Die drei Buchstaben stehen für „kunstkulturliteratur“, ein online-Magazin, gegründet von Martina Faber und Jens Faber-Neuling. Gestartet ist es im Januar 2021. Das Thema wechselt monatlich. „Der Inhalt darf Tiefe aufweisen um Spuren zu hinterlassen“, heißt es. Zu dem Projekt wollen wir Genaues erfahren.

Frage: 17 Themen bis jetzt. Welches Thema hatte die wenigsten Einsendungen, welches die meisten?

Jens Faber-Neuling: Die anfänglichen Ausschreibungen Januar und Februar 2021 am wenigsten. Das Thema „Nähe“ #kkl15 am meisten.

Wie viel Prozent der Einsendungen eignen sich nicht zur Veröffentlichung und was passiert mit diesen?

Jens F-N: Unterschiedlich, bis zu 30 Prozent. Die nicht veröffentlichten Einsendungen werden gelöscht.

Einige Texte erscheinen auch in der Facebook-Gruppe – wie werden die ausgewählt?

Jens F-N: Wir teilen hier jede Veröffentlichung und markieren die Künstlerin und Künstlern.

Veröffentlicht wird nur online – ist auch Print geplant?

Jens F-N: Derzeit nicht

Kennt Ihr Verlagslektoren, die in kkl nach AutorInnen suchen?

Jens F-N: Wir haben schon einige Verbindungen nach Anfragen hergestellt.

Habt Ihr schon früher Anthologien herausgegeben oder begleitet?

Jens F-N: Ja, aus unseren damaligen Verlegertätigkeiten.

„Kunst spiegelt, bewegt und setzt Ursachen!“ So der Untertitel Eures Magazins. Was meint Ihr mit „… setzt Ursachen“?

Jens F-N: Wir gehen davon aus, dass Kunst, Literatur auch auslöst. Das geschriebene Wort, sowie ein Bild kann gestalten, beeinflussen, Reize setzen, also Ursachen von Wirkungen darstellen.

Worauf zielt Ihr ab mit den Interviews auf YouTube?

Jens F-N: Wir stellen hier Künstlerinnen und Künstler vor und führen mit ihnen Gespräche über Kunst, Kultur und Literatur und über ihr Kunsterschaffen.

Womit finanziert Ihr das Projekt kkl?

Jens F-N: Nur durch die Leserschaft. Jeder, der unser Tun unterstützen und fördern möchte, kann dies tun. Somit bewahren wir unsere redaktionelle Freiheit und Unabhängigkeit. Wie die Leserschaft uns fördern und unterstützen kann, findet sie in unserer Rubrik „über #kkl“ in unserem Magazin.

Was habt Ihr langfristig mit den Beiträgen vor?

Jens F-N: Die veröffentlichten Beiträge in unserem Magazin bleiben online solange es #kkl Kunst-Kultur-Literatur ISSN  2751-4188  gibt. Die Rechte bleiben immer bei den Künstlerinnen und Künstlern.

https://kunstkulturliteratur.com/ Das Magazin ist ein Projekt der mf-media martina faber.

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Feb 23 2022

In fremde Blickwinkel schlüpfen

Autor: . Abgelegt unter Literatur

Mein Leben als Parkuhr. Eine Aufgabe im Schorndorfer Kurs “kreativ schreiben”, um ungewöhnliche Blickwinkel auszuprobieren. Erstaunliche Vielfalt kam dabei zutage! Die Reihe “Mein Leben als …” wird fortgesetzt. Die originellsten Texte werden in einem Kalender für 2023 präsentiert. Hier eine Kostprobe, die bereits durch mehrere Feedbacks verfeinert wurde:

Olala – heute ist hier wieder was los! Mit gefällt das, wenn um mich Bewegung ist. Ich selbst stehe starr und funktioniere immer gleich. Deshalb halte ich Ausschau nach Interessantem und liebe Abwechslung.

Gegenüber ist eine Spielothek. Manchmal zeigt sich dort ein Türsteher von massiver Statur. Nur selten weist er Besucher zurück. Sogar die auffälligsten Leute beobachtet er ungerührt. Wie neulich das Pärchen, das lautstark stritt, als es etwas derangiert aus der Tür kam. Ein Wort gab das andere. Und als SIE mit ihren roten Fingernägeln das Gesicht ihres Begleiters zu bearbeiten begann, pfefferte der ihr plötzlich ein Bündel Banknoten vor die Sneaker. Mit dem lief sie eilends davon. Der Mann sprühte sich etwas in den Rachen ging wieder rein.

Letzte Woche hatte ich Pech. Nicht nur, dass es regnete und deshalb keine der netten Politessen vorbeikam. Nein, mir fiel etwas auf den Kopf. Eine zähe Masse verklebte großzügig mein Oberteil. Während ich darüber rätselte, hörte eine Stimme von oben: „Saublöd, das war der Teig für den Hefezopf! Wenn Oma wütend ist, wirft sie wohl alles aus dem Fenster, was griffbereit steht.“ An die Qualen der Reinigung will ich mich lieber nicht erinnern.

Meine liebste Episode passierte letzten Sommer: Braut-Entführung. Nebenan ist ein Lokal. Da sollte die Neuvermählte wohl versteckt werden. Ihre Entführer freuten sich auf den Sekt, der bei solchen Anlässen üppig fließt. Doch die Braut musste mal kurz ein Steinchen aus ihrer linken Sandale entfernen. Dazu stützte sie sich auf mich. Und als sie den Männern wieder folgte, „vergaß“ sie eine Blume aus ihrem Haarkranz auf meinem Haupte – als dezenten Hinweis für ihren Bräutigam. Ich habe mich über diesen Schmuck sehr gefreut.

Ups, ein Einwurf. Jetzt muss ich ticken. Demnächst erzähle ich weiter.

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Feb 01 2022

Scheitern? Nur vorübergehend!

Autor: . Abgelegt unter Literatur

Kursnummer: R20125

Info: Da wähnt man sich mit allen Wassern gewaschen, und dann: das Vorhaben geht baden oder das Ergebnis kann man bestenfalls als „verwässert“ bezeichnen. Erfolge werden gerne erzählt, Niederlagen lieber versteckt, verschleiert, schöngeredet. Gar manch berühmter Lebenslauf wurde aber erst durch Brüche oder Rückschläge zu dem, was man am Ende als „geglückt“ bezeichnete. Gemäß dem Spruch „Ich bin nicht gescheitert – ich habe 10.000 Wege entdeckt, die nicht funktioniert haben“ (Thomas Alva Edison) weist ein Straucheln oft den Weg in neue Fahrwasser. Diesem Phänomen wollen wir Geschichten widmen (Recherchen inbegriffen). Wenn Begegnungen zu vermeiden sind, sehen wir uns über Zoom zu Online-Übungsstunden. Bei Bedarf können weitere Termine angehängt werden.

Individuelle Terminangaben: 

1. Termin: Mittwoch, 09.03.22, 18.30-21.00 Uhr, Raum 13
2. Termin: Mittwoch, 30.03.22, 18.30-21.00 Uhr, Raum 13
3. Termin: Mittwoch, 27.04.22, 18.30-21.00 Uhr, Raum 13
4. Termin: Mittwoch, 18.05.22, 18.30-21.00 Uhr, Raum 13

Mitzubringen: Papier und Stift; Gebühr 52,50 €

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Jun 09 2021

Wenn der Teppich schmollt statt fliegt

Autor: . Abgelegt unter Literatur

Ach du mein Teppich du. Fliegen sollst Du. Wie die Wörter. Überall surren sie umher, öffnen Fenster und Schränke. Neue Welten werden sichtbar. Ein Festival der Impulse, Fantasie & Kreativität! Und was machst Du statt dessen? Du streikst. Angeblich, weil ich Dich nicht geachtet habe. Wie kann ich jemanden achten, der sich mit Käfern abgibt und Läuse beherbergt. Du meinst, die würden längst das Weite gesucht haben, wenn wir öfter geflogen wären? Hätte, hätte, Fahrradkette. Alles Ausreden. Beleidigte Leberwurst!

Was war das eben? Du beklagst, dass ich Dir Deinen Partner weggenommen habe? Dass Du dem immer noch nachheulst. Nicht mal seine Farbe passte zu Dir. Und dann sein Zustand – zunehmend hochnäsig. Verwöhnt durch zu viele exotische Flugziele. Kam nicht mehr auf den Boden der Tatsachen. Rezitierte jeden Abend anstrengende Gedichte.

Waaas? Ich hätte ihn besser pflegen sollen? Ja womit denn? Gegen Shampoo war er allergisch, den Staubsauger hat er gehasst und fauchend vergrault. Mit Streicheleinheiten und gut zureden hatte ich es lange genug versucht. Selbst seine Fransen habe ich anfangs gekämmt. Ja, niedergekniet bin ich und habe mich um seine Schönheit und Fitness bemüht. Doch ich kriegte keine Verbindung zu ihm. Zuletzt waren wir beide frustriert. Jetzt ist er in guten Händen und hat ein luxuriöses Plätzchen mit Zuhörgarantie.

Und jetzt Du. Trittst Du womöglich in seine Fußstapfen? Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum, sagt man. Ja, schüttle Dich nur. Zeige Wellenbewegungen wie bei einem Orgasmus. Du machst mir nix vor. Du bist nicht flugbereit. Du schmollst lieber und hältst es mit dem Kleinvieh, das Dich in der Wolle krault.

Ich soll Dich davon befreien? Oh Schreck, bin ich allmächtig? Oder soll ich womöglich Umweltgifte einsetzen? Da kommen mir die Kinder auf den Hals. Die wollen eine Zukunft haben, keine Pestizide auf den Äckern und anderswo. Die demonstrieren sogar gegen Fleischverzehr. Der Klimawandel ist denen zu Kopf gestiegen!

Dir ist es auch zu warm und zu stickig? Wie bitte? Ist das Dein Argument, nochmal in luftige Höhen aufzusteigen? Schon wieder Wellenbewegungen. Ich versteh Dich nicht. Wir haben uns auseinandergelebt. Oh, Du hebst ab. Zwei Zentimeter, drei, vier, fünf … Ey, was soll das? Wenn ich jetzt aufspringe, wohin werden wir fliegen? Ahhh – Du siehst die Gruppe da vorne. Der willst Du hinterher? Also wenn es nicht zu lange dauert, komm ich mit, verzeihe Dir Deinen Streik. Aber es müssen nette Menschen sein, denen Du unsere Gesellschaft anbietest. Bis jetzt sehe ich nur eine mit Bubikopf, die emsig etwas notiert. Daneben fliegen zwei, die fangen Buchstaben ein. Dahinter noch vier, die jonglieren mit ganzen Worten. Meinst Du, die spielen „kreativ schreiben“? Komm, lass uns näher ranschweben …

*** “Wörter wie fliegende Teppiche” heißt mein aktueller Kurs an der VHS Schorndorf. Er gestaltet sich sehr abwechselungsreich und findet im Herbst seine Fortsetzung. https://www.vhs-schorndorf.de/ Sobald die Termine in “trockenen Tüchern” sind, stehen sie auch auf meiner homepage unter “Veranstaltungen”. Ein zweites Angebot ist das Experiment “Wir schreiben ein Buch”. Vorab-Informationen hierzu bitte anforden über info@memoreporting.com

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Nov 04 2020

Nachvollziehbare Bahn

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Literatur

„Haben Sie eine Kundenkarte?“ Die Kassiererin ist nicht sauer, als ich den Kopf schüttle, und zieht die Artikel über den Scanner. Ich möchte nicht, dass ein Konzern registriert, was ich konsumiere. Im Versandhandel kann ich allerdings nicht ausweichen, wenn gewisse Umstände zu Bestellungen dort Anlass geben. Oder haben Sie schon mal in einem Geschäft eine Nasenbrücke gesehen, die man unter die Mund-Nasen-Maske schiebt, damit die Brille nicht beschlägt? Wenn ja, kostete die dort ebenfalls nur 2,17 €? *

Allerdings verdichten sich nun ausgerechnet bei Amazon, dem vielkritisierten Konzern, die Anzeichen, dass ich im Moment eifrig auf kriminellen Pfaden unterwegs bin. Begonnen hat das mit dem Roman „Das Ding – Der Tag, an dem ich Donald Trump bestahl“ von Jürgen Neffe, gefolgt von „Tod und Irrtum“ (historischer Roman von Elke Weigel) und „Begegnungen mit einem Mörder“ von Steffen Schröder sowie jüngst „Unheil: Warum jeder zum Mörder werden kann“ von Josef Wilfling. Ich könnte diese Kette leicht erklären und auch darauf verweisen, dass ich parallel dazu andere Bücher aus der Bücherei entlieh und weitere in meiner örtlichen Buchhandlung kaufte (also nicht einseitig lese). Aber wen interessiert das? Allein die Tatsache, dass ich vor dem Einschlafen liegend einen Krampf in der Hand kriege, wenn ich gedruckte Bücher lange vors Gesicht halte, beschert Amazon jenen Umsatz, denn ich eigentlich dem Einzelhandel gönne. (Wobei man wiederum philosophieren mag, ob es nicht grundsätzlich „gesünder“ ist, sich etwas liefern zu lassen, anstatt vermeidbare Fahrten zu Einkäufen vor Ort zu unternehmen.)

Doch dieser Tage geht es sowieso um das Nachvollziehbare, weil Infektionsketten unterbrochen werden müssen. Man merke sich also (Achtung satirisch!), an wem man in der Fußgängerzone vorbei läuft und wer im Supermarkt zu nahe an das Regal herantritt, an dem wir gerade Preise vergleichen, Inhaltsangaben auf Verpackungen lesen etc. Wir sind also auf der Hut, falls wir nicht von den Zweifeln der Corona-Leugner infiziert sind.

Dieses ständige Aufderhutsein ist jedoch anstrengend und begünstigt Misstrauen: Warum hustet der Mensch in der Nachbarwohnung heute schon zum zweiten Mal laut und vernehmlich? Woher kommt Herr Müller von gegenüber, der gerade mit einem Rollkoffer einem Taxi entsteigt? Leben die zwei Händchenhaltenden an der Fußgängerampel wirklich im gleichen Haushalt? Grrr – die Anspannung ebbt an keinem Schauplatz ab! Vielleicht mag man sich bald selbst nicht mehr leiden mit all der Skepsis und dem Abgekapseltsein.

„Bleib negativ“ ist inzwischen ein vielgehörter Abschiedsgruß. Natürlich bezogen auf das Virus. Ein Wunsch mit Widerhaken, wenn man ihn erstmals hört. Möge er zum Gegenteil anstacheln, nämlich auf der Suche nach Positivem nicht nachzulassen, um dadurch das Bedrückende in den Hintergrund treten zu lassen. Dafür eignet sich besonders das Eintauchen in Literatur! In diesem Sinne darf auch die Lust auf Mord und Totschlag grassieren; der Krimi-Markt ist reichhaltig bestückt – unter anderem präsentiert  Schorlau eine neue Herausforderung für seinen Privatermittler Georg Dengler während „Ein abgezockter Sauhund“ (Cover siehe oben) von Roland Krause uns eintauchen lässt in die Szene von Münchner Kleinkriminellen bei der Jagd nach Diebesbeute & last but not least (Schwenk in ein anderes Genre und und in die Vergangenheit) lesen sich die „Spiegeljahre“ von Felix Huby fast wie ein Krimi.

* Preisfrage: Darf man überhaupt so billig einkaufen? Wer in der Produktionskette wird hierbei am meisten ausgebeutet? Unbeschwert konsumieren fühlt sich anders an.

PS.: Ungewöhnlich, aber lohnend-aufschlussreich fand ich Patrizias Schlossers „Der Arsch von Franz Josef Strauß, die RAF, mein Vater und ich“ (Cover siehe oben): Wer sind die letzten drei aktiven Mitglieder der RAF, die immer wieder bewaffnet Supermärkte und Geldtransporter überfallen? Wie überleben sie “im Untergrund”? Und gehören sie überhaupt wirklich zur RAF? Gemeinsam mit ihrem Vater, einem grantelnden bayerischen Polizisten in Rente, macht sich Patrizia Schlosser auf die Suche nach ihnen. Sie trifft Anwälte und Ermittler, ehemalige Weggefährten und RAF-Mitglieder und erhält so Einblick in eine verschwiegene Szene. 

>> Wer übrigens selbst einen Krimi schreiben und dazu Fachliteratur zu Rate ziehen will, ist gut bedient mit “An Arsen bis Zielfahndung – Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige” von Manfred Büttner und Christine Lehmann. Auf vergnügliche und spannende Weise entschlüsseln sie die Krimiwelt, entlarven Märchen und Vorurteile. Sogar die trockensten Aspekte der Polizeiarbeit fand ich einprägsam erklärt, zumal die Fakten mit süffigen Beispielen aus Literatur und Film aufgelockert sind.

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Jul 24 2020

Von Drachen, Viren und der Liebe

Autor: . Abgelegt unter Literatur

Schöpferische Pause und doch einiges los im Kopf? Flügellahm und gleichzeitig züngeln die Fühler nach neuen Ufern?

Viel gelesen – auch beglückendes – habe ich seit meinem letzten Post am 30. April, zum Schreiben fehlte mir der Kombinationsimpuls, Ideen zusammenzuspannen, so dass sie unter dem Stichwort „Alleinstellungsmerkmal“ hätten segeln können. Es wird so viel Text in die Welt posaunt – wer auf sich hält, trachtet danach, geneigte Leser*innen nicht mit dem ewig Gleichen zu langweilen. Umso freudiger berichte ich von Erfolgen, die Kursteilnehmerinnen gelungen sind.

Erfolg Nr. 1: Alexandra Fauth-Northdurft kam mit dem Kinderbuch „10 kleine Gören“ auf den Markt. Die Idee dazu entwickelte die Illustratorin Anke Dammann. Es wendet sich an die Kleinsten, die damit spielend erste Zahlen lernen können.  „Normalerweise“, sagt die Autorin, die auch als Lektorin im Kinder- und Jugendbuchbereich arbeitet, „unterstützen die Bilder den Text. Hier beim Pappbilderbuch war es nun andersherum, und ich konnte mit meinem Text die Bilder unterstützen.“ https://windy-verlag.com/10-kleine-goeren/

Erfolg Nr. 2: Fast zeitgleich mit den Gören bekam „Bandit Corona auf der Flucht“ jede Menge Aufmerksamkeit. Nina Siegle zeichnet dafür verantwortlich. Erschienen ist er unter dem Dach des DRK Waiblingen, wo man ihn auch kostenlos herunterladen kann. > https://rb.gy/dsqjax Die spritzige Aufklärungskampagne für Kinder lockte sogar das Fernsehen (Landesschau Baden-Württemberg) mit Kamerateam zu der Autorin. Respektvoll wurde gewürdigt, dass an dem Werk Frauen aus drei Generationen mitgewirkt haben – Nina, ihre Mutter sowie ihre Tochter. Zuletzt entstand ein Film, der kindgerecht Vorsichtsmaßnahmen erklärt, mit denen das Virus ausgebremst werden kann >> shorturl.at/bpBX5

Erfolg Nr. 3: „Wer bist du, dass ich dich immer noch liebe?“ heißt der Roman, den Marie Bazas verwirklichte. https://tredition.de/autoren/marie-bazas-32408/ Spannung erzeugt die Konstellation, dass die Powerfrau Bea, die seit 30 Jahren ihre große Liebe Paul betrauert, plötzlich mit einem Doppelgänger konfrontiert ist und ihm nachspürt, was bedeutet, dass sie ihren Schutzpanzer sprengen muss.

Was hat der Kurs „kreativ schreiben“ bewirkt, werden die Teilnehmerinnen bei Lesungen regelmäßig gefragt. Eine Antwort hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt: „Seither bleibe ich dran und es werden Texte wirklich fertig.“ Und natürlich beflügelt es, wenn Werke öffentlichkeitsreif werden und nicht nur die Schublade daheim erfreuen, sondern im kulturellen Geschehen sich ins Generieren von Aufmerksamkeit einreihen.

Selbstverständlich sind wegen der Corona-Pandemie in diesem Frühjahr die meisten Kurstermine ausgefallen, die Lesung am 23.9.2020 wurde abgesagt und unser Buch, das Zeugnis von der Vielfalt unserer Themen und Ausdruckweise hätte geben sollen, ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Unabhängig davon haben wir festgestellt, dass „Kontakt halten“ in schwierigen Zeiten bedeutet, „Oberwasser zu behalten“ – auch wenn das Virus ziemlich viel durcheinander gebracht hat.

Herbst-Termine demnächst.

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Jan 02 2020

Ministerium für Einsamkeit

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Literatur

Zum Jahresauftakt eine positive Information über England: Dort gibt es das weltweit erste Ministerium für Einsamkeit. Darüber las ich in dem Buch „Der Kampf um die Würde: Was wir vom wahren Leben lernen können“ von Michael Steinbrecher (Nachwort: Martin Müller). Eine empfehlenswerte Lektüre übrigens! Der Deutschlandfunk berichtete über das Ministerium http://bit.ly/2QgfK3n am 23.12.19 (abgerufen am 2.1.20)

Es freut mich, dass das Thema langsam nach vorne rutscht, haben doch längst namhafte Wissenschaftler wie zum Beispiel Manfred Spitzer darauf aufmerksam gemacht. (Einsamkeit – die unerkannte Krankheit: schmerzhaft, ansteckend, tödlich. Droemer Verlag) Apropos ansteckend: Auch Gesundheit kann ansteckend sein. Da wir uns alle unserer Umwelt mehr oder weniger angleichen, ist es nicht egal, womit bzw. mit wem wir uns umgeben. So hoffe ich, dass es sich für alle einrichten lässt, positive Einflüsse zu wählen. Es gibt sie – wie man sieht sogar in England, das uns ja im letzten Jahr vornehmlich mit Brexit-Nachrichten gequält hat.

Positive Einflüsse sichert man sich unter anderem durch vielfältige Vernetzung. Oder aber man hat ein Hobby wie „kreativ schreiben“, wozu ich 2020 wieder einlade. In der Volkshochschule Unteres Remstal heißt das Motto:  Kreativ schreibend durch den Dschungel des Lebens und beginnt am 1.4.2020, gefolgt von zwei Terminen im Sommeratelier ab 1.8.2020.

Fest etabliert hat sich der Kurs in Schorndorf, der angesichts erfolgreicher Lesungen eine erste Buchveröffentlichung plant. Das neue Programmheft der VHS Schorndorf https://cutt.ly/IryRhTc kündigt auf Seite 8 unsere Lesung am 23.9.2020 an: Poesie im Herbst – vielstimmig und bunt. Darunter: Kurs 20134 > Wege & Zweifel – selbige erkunden wir ab 25.3.2019

Vielstimmig, bunt und gut vernetzt starte ich ins Jahr 2020 und wünsche allen Gesundheit, Erfüllung und frohen Mut!

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Okt 09 2019

Widerspenstiges zähmen

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Literatur

„Vive la Freundschaft“ ist dieses Semester in der VHS Schorndorf überschrieben. Was fiel mir dazu ein? Charles de Gaulle (1890-1970) und Konrad Adenauer – lange her. Als Kinder haben wir in der Schule gehört, dass die deutsch-französische Freundschaft nun mit besonderem Augenmerk aufgebaut und gepflegt werde, nachdem die Epoche der „Erbfeindschaft“ endlich überwunden sein müsse. 1963 strahlten die ehemaligen Feinde über dem Èlysée-Vertrag.  

Doch „Vive la Freundschaft“ in heutigen Zeiten strahlt weiter. Schließlich haben wir neue Verteilungskämpfe rund um die Welt. Und es gibt Streit, wo Flüchtlinge an Land gehen dürfen und wo sie unterkommen können. Dazwischen diese Greta, die geliebt und gehasst wird, weil sie mahnt, was man seit Jahrzehnten verschlafen hat.

Also geht es um die Abwehr von Fremdem ganz allgemein, denn das Versäumte ist uns ja seither auch fremd gewesen. „Wo die Angst ist, da ist der Weg“ – ein alter Psychologen-Spruch, an dem viel Wahres ist. Damit begann mein Kopfzerbrechen, was ich in diesem Semester als Thema im Kurs „kreativ schreiben“ in Schorndorf anschneiden soll.

Nun starten wie heute Abend damit >> Widerspenstiges zähmen. Wenn aus Gegnern Freunde geworden sind, erklingt ein neuer Ton. Beim Tagebuchschreiben ist er zu hören, sobald die Einsicht in die zwei Seiten einer Medaille wächst. Plus und Minus, Geben und Nehmen werden sichtbar – fesselnd und dennoch freischwebend.

Die Literatur ist voll von Widersachern und Widerspenstigem. Das schafft Spannung auf dem Weg zu neuen Horizonten. Wir experimentieren damit, trainieren Sprachgefühl und Textstärke, gönnen uns Lockerungsübungen und lernen, unserem Ton zu vertrauen und Grenzen spielerisch zu überwinden. (Text-Ende)

Es geht also im Grunde um Gefühle. Je genauer man die bei sich selbst und anderen identifizieren kann, desto sicherer kann man sie sortieren und gewichten. Ich bin sehr gespannt, was bei unseren Übungen herauskommt. Denn wir arbeiten bereits wieder auf unsere nächste Lesung hin. Die findet am 23.9.2020 statt.

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Aug 03 2019

Die Musenkussmaschine

Autor: . Abgelegt unter Literatur

Die Musenkussmaschine steht bei mir im Bad. Sie beansprucht wenig Platz, hat aber immer ein Auge auf mich. Gott sei Dank ist die Kamera nie an. Ich mag nicht beobachtet werden. Aber ich könnte sie in Betrieb setzen. Doch dazu später.

Die Teilnehmer*innen aus „kreativ schreiben“ haben mir zum Semesterabschluss diese Maschine geschenkt, damit mir weiterhin famose Schreibspiele einfallen. Ich bin zunächst erschrocken, weil sie doch ein wenig aussieht wie ein kostbarer, altertümlicher Fotoapparat. Allerdings ist dieser auf zwei Röhren aufgeschraubt. Und seitlich hängt ein kleiner Hut mit Feder an einem Haken.

Alles ist etwas unförmig zusammengefügt, aber die Maschine erfüllt ihren Zweck. Sie steht im Bad, weil sie nur nach dem Händewaschen benutzt werden darf. Natürlich müssen die Hände sorgfältig abgetrocknet sein. Und beim Abtrocknen entscheide ich dann, ob ich die Hilfe der Musenkussmaschine in Anspruch nehmen will. Manchmal laufen meine Ideen auch selbständig weiter und brauchen keine Hilfe. Der kurze Weg zum Computer reicht dann gerade aus, damit sich die Formulierungen in meinem Kopf festsetzen können. Sie bleiben aber beweglich, können bei Bedarf noch verschoben und ergänzt werden.

Mein Ziel ist klar umrissen: Ich will in meinen Kursen gerne helfen, dass die Teilnehmer*innen unterhaltsame wie packende Texte zustande bringen, so dass sie mit sich zufrieden sind und immer wieder Fortschritte feiern können. Ich sollte also Impulse aussenden und motivieren können, damit alle das Glück des Schreibens erfahren. Dazu habe ich einiges Handwerkszeug, brauche aber auch den Kuss der Muse.

Wenn dieser nicht auf Zuruf kommt, lege ich meine Hände in die Röhren, schließe die Augen und zähle bis elf. Dann durchläuft mich ein Glücksgefühl, und die Arbeit am PC beginnt. Wenn dies nicht von Erfolg gekrönt ist, nehme ich den kleinen Hut vom Haken und setze ihn auf meine Tastatur. Nützt das immer noch nichts, bleibt mir nichts anderes übrig, als dessen kleine Feder zu nehmen und mir damit über alle zehn Finger zu streichen, bis diese von selbst lostippen.

Mit der Kamera könnte ich nun festhalten, wie ich vor dem Inspiriertsein aussah und wie nach erfolgter Arbeit. Aber ich sagte ja schon: darauf verzichte ich. Dazu bin ich einfach zu eitel.

„Die Musenkussmischmaschine“ ist ein Buch, das ich bis jetzt noch nicht gelesen habe. Aber der Titel „bleibt hängen“ und inspiriert. Das Buch von Gerd Herholz und Bettina Mosler erschien 2003 und enthält mehr als 100 Schreibspiele.

Ein mitreißender Titel, eine flotte Schreibe und viele Tipps – dieser Ratgeber kann die Lust aufs Schreiben fördern und über etwaige Klippen hinweghelfen!

Cornelia Jönsson. Der Sprung ins weiße Blatt. Okt. 2017, 220 Seiten, Autorenhaus-Verlag, € 12,80, ISBN 978-3866711440

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