Apr 30 2020

Wenn wir in einigen Monaten zurückblicken …

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Will mal hören, wie du die Zeit so erlebst, da es scheint, man dümpelt so vor sich hin im „social distancing“.

Diese WhatsApp schreckte mich hoch. Ich erkannte: ich weiß nichts zu sagen. Wer nichts erlebt, wird langsam leer. Höchstens kommen Erinnerungen an das frühere Jagen nach dem vermeintlich Unabdingbaren. Und es keimt Ärger, dass das Virus so viel Vorsicht und Geld locker macht, während es die Erderwärmung nur zu Lippenbekenntnissen brachte. Ganz blöde Stimmung. Lieber niemand damit behelligen!

Aus NICHTS Vielsagendes zu schöpfen – im Moment ist mir das nicht gegeben. Wie gut, dass ich trotzdem antworten konnte auf die WhatsApp. Als ich die Leere – zugegeben etwas notdürftig – beschrieben hatte, fiel mir auf, dass ich sie weder mit Lob noch mit Tadel zu würzen weiß. Lediglich ein wenig Wehmut unterströmte meine Worte.

Doch ich konnte mit etwas Erfreulichem enden, was ich auch hier gerne empfehle. Es ist die Corona-Rückwärts-Prognose des Zukunftsforschers Matthias Horx: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist. https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/ (Mit Hinweis auf die Quelle darf der Text verbreitet werden.) Der Einsicht, dass wir nicht mehr zur gewohnten Normalität zurückkehren werden, wird hier die Schwere genommen, die Zukunft als lohnendes Experiment skizziert.  

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Mrz 15 2020

Nur Mut!

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Ist der Mut, die Meinung zu sagen, geschrumpft? Dies wird häufig behauptet. Man habe Angst, in die falsche Ecke gestellt zu werden. So die Begründung.

Wie kann jemand, der im Gespräch bleibt, seine “Ecke” nicht erklären können? Oder bleibt man nicht im Gespräch? Liefert ein Statement ab, erklärt, wovon man es ableitet – und dann ist das Gespräch vorbei. Der andere soll es “fressen”, sich damit zufrieden geben, glauben? Höre ich dem anderen wirklich auch zu, setze ich mich mit dessen Meinung auseinander? Oder stehen sich zumeist zwei MeinungsträgerInnen gegenüber, die sich nicht austauschen, sondern gegenseitig plakatieren und dann wieder auseinandergehen? Vielleicht mit einem Schulterzucken > “Soll er/sie doch mit ihrer Meinung glücklich werden. Mal sehen, wer recht behält!”

Wenn ich eine Malerin wäre und dazu ein Bild malen könnte, würde ich „eingeschlossen in der eigenen Meinung“ in eine Mauer um ein Individuum umsetzen. Es dringt nichts herein und nichts hinaus. Kein Austausch, keine Inspiration …

Diese Situation wird nun an die Wand gemalt mit dem aktuellen Fürchte-Virus. Wir alle in Quarantäne. Vorher noch tüchtig einkaufen! Raffen, was geht! Wer sich in den Weg stellt, wird beschimpft, wer rationiert auch. Ich – Ich – Ich. Erkennen wir die Spiegelung? Weltweit vernetzt sein und trotzdem abgeschnitten? Wie viele Widersprüche werden uns bewusst? Corona fordert uns heraus. Wir können nicht entrinnen. Aber nur die vielen Risiken und möglichen Opfer unaufhörlich zu beschwören, verstellt den Blick, bildet eine Sackgasse. Wie kreativ sind wir wirklich? Die nächsten Wochen werden es zeigen!

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Mrz 06 2020

Noch ein Ministerium

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Das Ministerium für Einsamkeit – siehe Beitrag zuvor – ließ mich nachsinnen: Wofür könnte man noch Ministerien gründen? (Achtung! Vielleicht wird das eine Satire!)

Heute wurde ich fündig. Ich stand an der Kaffeemaschine – eine altmodische, nicht vollautomatisch. Da fiel mir ein, dass ich eigentlich zu viel arbeite. Auf zu vielen Baustellen. Meist unter einem gewissen Druck. Von einer Bekannten hörte ich Ähnliches. Sie hatte letzte Woche PC-Verbot. Keine Ahnung, wo sie sich befand, aber ich fantasierte mir einen Wohnwagen dazu, eine schöne Lichtung und viel In-die-Luft-starren.

Doch zurück zur Kaffeemaschine. Als ich sie in Gang setzte, blitzte vor meinem geistigen Auge das “Ministerium für Leistung” auf. Es könnte dazu dienen, endlich Leistung zu definieren. Heutzutage gilt ja fatalerweise die Definition “IMMER-MEHR”. Man freut sich, wenn man diese Norm erfüllen kann. Aber ich will mehr! Morgen hänge ich mir mir ein gerahmtes Blatt an die Wand: “Dies ist der vernünftige Rahmen für Leistung” soll darauf stehen. Den Rest des Tages bin ich nun mit Grübeln beschäftigt. Ist Grübeln eine Leistung?

Bevor ich eine Antwort auf diese Frage finde, denke ich mir bereits Arbeitsbegrenzungsmaßnahmen aus. Und natürlich eine vernünftige Relation zwischen Leistung und Ertrag. Zuletzt behalte ich das aber alles für mich und stelle es dem nächsten Kurs “kreativ schreiben” anheim, sich über Leistung usw. eine Geschichte auszudenken. Damit ich nicht alleine grüble. Denn das könnte mich einsam machen, wozu ich zwar das Ministerium für Einsamkeit anrufen könnte, aber das ist in England. Und jetzt, bei all den Wirren um den Brexit …

Also verabschiede ich mich nun erst mal mit einem grüblerischen Lächeln und hoffe, ich habe einen leistungsschwachen Tag!

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Jan 02 2020

Ministerium für Einsamkeit

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Literatur

Zum Jahresauftakt eine positive Information über England: Dort gibt es das weltweit erste Ministerium für Einsamkeit. Darüber las ich in dem Buch „Der Kampf um die Würde: Was wir vom wahren Leben lernen können“ von Michael Steinbrecher (Nachwort: Martin Müller). Eine empfehlenswerte Lektüre übrigens! Der Deutschlandfunk berichtete über das Ministerium http://bit.ly/2QgfK3n am 23.12.19 (abgerufen am 2.1.20)

Es freut mich, dass das Thema langsam nach vorne rutscht, haben doch längst namhafte Wissenschaftler wie zum Beispiel Manfred Spitzer darauf aufmerksam gemacht. (Einsamkeit – die unerkannte Krankheit: schmerzhaft, ansteckend, tödlich. Droemer Verlag) Apropos ansteckend: Auch Gesundheit kann ansteckend sein. Da wir uns alle unserer Umwelt mehr oder weniger angleichen, ist es nicht egal, womit bzw. mit wem wir uns umgeben. So hoffe ich, dass es sich für alle einrichten lässt, positive Einflüsse zu wählen. Es gibt sie – wie man sieht sogar in England, das uns ja im letzten Jahr vornehmlich mit Brexit-Nachrichten gequält hat.

Positive Einflüsse sichert man sich unter anderem durch vielfältige Vernetzung. Oder aber man hat ein Hobby wie „kreativ schreiben“, wozu ich 2020 wieder einlade. In der Volkshochschule Unteres Remstal heißt das Motto:  Kreativ schreibend durch den Dschungel des Lebens und beginnt am 1.4.2020, gefolgt von zwei Terminen im Sommeratelier ab 1.8.2020.

Fest etabliert hat sich der Kurs in Schorndorf, der angesichts erfolgreicher Lesungen eine erste Buchveröffentlichung plant. Das neue Programmheft der VHS Schorndorf https://cutt.ly/IryRhTc kündigt auf Seite 8 unsere Lesung am 23.9.2020 an: Poesie im Herbst – vielstimmig und bunt. Darunter: Kurs 20134 > Wege & Zweifel – selbige erkunden wir ab 25.3.2019

Vielstimmig, bunt und gut vernetzt starte ich ins Jahr 2020 und wünsche allen Gesundheit, Erfüllung und frohen Mut!

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Nov 01 2019

Trauer & Erinnerung

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Kultur

Schwarzgekleidete entfernen sich vom Friedhof. Völlig klar, wer zum „engsten Kreis“ gehört und zu einem Kaffee eingeladen ist. Auch jene, die Geburtstage wegen „Terminschwierigkeiten“ versäumten, haben jetzt Zeit. Die Angehörigen haben vorläufig genug geweint. Die Trauer kommt sowieso später.

Doch was bleibt von der/dem Verstorbenen? Welche Bilder setzen sich endgültig fest, welche Episoden überleben? War die Trauerrede aufschlussreich? Hat sie Erinnerungen der Gäste aufgefrischt, diese vielleicht sogar ergänzt oder enthielt sie womöglich eine Korrektur alter Spekulationen? Was würde der oder die Verstorbene dazu sagen?

Wechseln wir sie Szene. Eine Freundin kündigt an, sie schickt mir den Text, der an ihrem Grab vorgelesen werden soll. Auch ihr Bestatter weiß davon. In einem „Vorsorge-Gespräch“ hatte sie mit ihm alles geregelt, da aufgrund ihrer unheilbaren Krankheit möglicherweise nicht mehr viel Zeit bliebe. Ihrem Sohn sollten im Sterbefall leidvolle Entscheidungen erspart bleiben. Wenig später staune ich, dass dieses Leben nicht mehr als ein DIN-A-Blatt beansprucht. „Mehr muss man von mir nicht wissen“, so meine Freundin, zu der diese Art von Minimalismus passt. Keinerlei Ehrgeiz, anderer Leute Erinnerungen beeinflussen zu wollen.

Abermaliger Szenenwechsel. Das Geburtstagskind bittet die fröhliche Tischrunde um Aufmerksamkeit: „Früh habe ich Vater und Mutter verloren, ohne sie genügend über ihr Leben ausgefragt zu haben. Ich will, dass Ihr überliefert bekommt, was mir wichtig war und ist, was mich geformt hat, wovon ich mich freigeschwommen habe, welchen Werten und Visionen ich folgte. Dank der Rente habe ich jetzt Zeit und Muße, alles aufzuschreiben. Und wenn ich 100 Jahre alt werde, entsteht keine Ratlosigkeit über meinen Nachruf, weil möglicherweise keiner von meinen Weggefährten mehr Auskunft geben kann.“

Sein Neffe will das forsch abtun, weil ja „immer jemand da ist, der Daten rekonstruieren kann.“ „Um Daten geht es nicht“, fällt ihm eine Cousine ins Wort. „Anekdoten geben Auskunft über Haltung, Brüche und Richtung eines Lebens. Und die müssen notiert sein, denn Erinnerungen sind vage, manchmal auch lückenhaft.“  

Zugegeben – diese Montage von Szenen steuert absichtsvoll auf den Punkt zu, dass Gedanken um die Endlichkeit des Lebens unbeliebt sind und somit Vorausschauendes unterbleibt. Gemeint ist, sich beizeiten die Hoheit darüber zu sichern, was von einem in der Welt bleibt, wenn man diese verlassen hat. Ob das nun Memoiren sind oder einfach Stichpunkte bzw. Skizzen von einzelnen Lebensstationen – die Nachgeborenen werden zu schätzen wissen, im O-Ton das zu erfahren, was sie nicht erfragt oder vergessen haben.

Freilich können jene, die die Beisetzung ausrichten, Auskunft über den Verstorbenen geben, wenn eine Trauerrede erstellt werden soll. Doch was macht die Trauerrednerin, wenn die Perspektive eines langjährigen Ehepartners fehlt, weil dieser zuvor gestorben oder aufgrund einer Trennung nicht mehr greifbar ist? Kinder haben Vater oder Mutter erst kennengelernt, als diese bereits erwachsen waren, und noch später erst begreifen gelernt. Somit ist ihr Blickwinkel ein anderer als der der Generation davor. Zudem ist es nicht selten, dass sich Kinder widersprechen – der eine hat die Mutter zaudernd erlebt, der andere als dominant.  

Wobei die Trauerrede nur eine Augenblickssache ist. Sie ist das Nadelöhr, durch das man sich beim Abschied auf dem Friedhof zu schlängeln hat. Sie dient der Balance zwischen Aufgewühltsein und der Vernunft, die die sterblichen Überreste dem Friedhof übereignet. Sie soll zur Ruhe führen, dem inneren Frieden mit dem Schicksal den Weg bereiten.

Weitreichender ist die Spur, die ein Mensch hinterlässt. Er war zweifelsohne mehr als die Summe aller Worte, die man über ihn verliert. Er wird unweigerlich in Mosaiksteinchen erinnert. Die Schwester erinnert andere Momente als die Angetraute oder der Sohn, der Blickwinkel der einstigen Schulkameradin unterscheidet sich von dem der Nachbarin oder dem des Hausarztes. Das alles zusammenzubinden, wäre eine große Aufgabe, bei der dennoch niemand gewährleisten könnte, dass das Ergebnis dem Erinnerten gerecht würde. Dieser selbst verleiht sich Authentizität, indem er allen Hinterbliebenen an die Hand gibt, was aus seiner Sicht im Gedächtnis behalten werden soll.

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Okt 09 2019

Widerspenstiges zähmen

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Literatur

„Vive la Freundschaft“ ist dieses Semester in der VHS Schorndorf überschrieben. Was fiel mir dazu ein? Charles de Gaulle (1890-1970) und Konrad Adenauer – lange her. Als Kinder haben wir in der Schule gehört, dass die deutsch-französische Freundschaft nun mit besonderem Augenmerk aufgebaut und gepflegt werde, nachdem die Epoche der „Erbfeindschaft“ endlich überwunden sein müsse. 1963 strahlten die ehemaligen Feinde über dem Èlysée-Vertrag.  

Doch „Vive la Freundschaft“ in heutigen Zeiten strahlt weiter. Schließlich haben wir neue Verteilungskämpfe rund um die Welt. Und es gibt Streit, wo Flüchtlinge an Land gehen dürfen und wo sie unterkommen können. Dazwischen diese Greta, die geliebt und gehasst wird, weil sie mahnt, was man seit Jahrzehnten verschlafen hat.

Also geht es um die Abwehr von Fremdem ganz allgemein, denn das Versäumte ist uns ja seither auch fremd gewesen. „Wo die Angst ist, da ist der Weg“ – ein alter Psychologen-Spruch, an dem viel Wahres ist. Damit begann mein Kopfzerbrechen, was ich in diesem Semester als Thema im Kurs „kreativ schreiben“ in Schorndorf anschneiden soll.

Nun starten wie heute Abend damit >> Widerspenstiges zähmen. Wenn aus Gegnern Freunde geworden sind, erklingt ein neuer Ton. Beim Tagebuchschreiben ist er zu hören, sobald die Einsicht in die zwei Seiten einer Medaille wächst. Plus und Minus, Geben und Nehmen werden sichtbar – fesselnd und dennoch freischwebend.

Die Literatur ist voll von Widersachern und Widerspenstigem. Das schafft Spannung auf dem Weg zu neuen Horizonten. Wir experimentieren damit, trainieren Sprachgefühl und Textstärke, gönnen uns Lockerungsübungen und lernen, unserem Ton zu vertrauen und Grenzen spielerisch zu überwinden. (Text-Ende)

Es geht also im Grunde um Gefühle. Je genauer man die bei sich selbst und anderen identifizieren kann, desto sicherer kann man sie sortieren und gewichten. Ich bin sehr gespannt, was bei unseren Übungen herauskommt. Denn wir arbeiten bereits wieder auf unsere nächste Lesung hin. Die findet am 23.9.2020 statt.

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Aug 03 2019

Die Musenkussmaschine

Autor: . Abgelegt unter Literatur

Die Musenkussmaschine steht bei mir im Bad. Sie beansprucht wenig Platz, hat aber immer ein Auge auf mich. Gott sei Dank ist die Kamera nie an. Ich mag nicht beobachtet werden. Aber ich könnte sie in Betrieb setzen. Doch dazu später.

Die Teilnehmer*innen aus „kreativ schreiben“ haben mir zum Semesterabschluss diese Maschine geschenkt, damit mir weiterhin famose Schreibspiele einfallen. Ich bin zunächst erschrocken, weil sie doch ein wenig aussieht wie ein kostbarer, altertümlicher Fotoapparat. Allerdings ist dieser auf zwei Röhren aufgeschraubt. Und seitlich hängt ein kleiner Hut mit Feder an einem Haken.

Alles ist etwas unförmig zusammengefügt, aber die Maschine erfüllt ihren Zweck. Sie steht im Bad, weil sie nur nach dem Händewaschen benutzt werden darf. Natürlich müssen die Hände sorgfältig abgetrocknet sein. Und beim Abtrocknen entscheide ich dann, ob ich die Hilfe der Musenkussmaschine in Anspruch nehmen will. Manchmal laufen meine Ideen auch selbständig weiter und brauchen keine Hilfe. Der kurze Weg zum Computer reicht dann gerade aus, damit sich die Formulierungen in meinem Kopf festsetzen können. Sie bleiben aber beweglich, können bei Bedarf noch verschoben und ergänzt werden.

Mein Ziel ist klar umrissen: Ich will in meinen Kursen gerne helfen, dass die Teilnehmer*innen unterhaltsame wie packende Texte zustande bringen, so dass sie mit sich zufrieden sind und immer wieder Fortschritte feiern können. Ich sollte also Impulse aussenden und motivieren können, damit alle das Glück des Schreibens erfahren. Dazu habe ich einiges Handwerkszeug, brauche aber auch den Kuss der Muse.

Wenn dieser nicht auf Zuruf kommt, lege ich meine Hände in die Röhren, schließe die Augen und zähle bis elf. Dann durchläuft mich ein Glücksgefühl, und die Arbeit am PC beginnt. Wenn dies nicht von Erfolg gekrönt ist, nehme ich den kleinen Hut vom Haken und setze ihn auf meine Tastatur. Nützt das immer noch nichts, bleibt mir nichts anderes übrig, als dessen kleine Feder zu nehmen und mir damit über alle zehn Finger zu streichen, bis diese von selbst lostippen.

Mit der Kamera könnte ich nun festhalten, wie ich vor dem Inspiriertsein aussah und wie nach erfolgter Arbeit. Aber ich sagte ja schon: darauf verzichte ich. Dazu bin ich einfach zu eitel.

„Die Musenkussmischmaschine“ ist ein Buch, das ich bis jetzt noch nicht gelesen habe. Aber der Titel „bleibt hängen“ und inspiriert. Das Buch von Gerd Herholz und Bettina Mosler erschien 2003 und enthält mehr als 100 Schreibspiele.

Ein mitreißender Titel, eine flotte Schreibe und viele Tipps – dieser Ratgeber kann die Lust aufs Schreiben fördern und über etwaige Klippen hinweghelfen!

Cornelia Jönsson. Der Sprung ins weiße Blatt. Okt. 2017, 220 Seiten, Autorenhaus-Verlag, € 12,80, ISBN 978-3866711440

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Jul 05 2019

Die Realität hat Pause

Autor: . Abgelegt unter Kultur,Literatur

Es gibt Antworten zum Stirnrunzeln. Beispiel: „Das Leben ist kein Wunschkonzert.“ Trotzdem träumen wir, hegen Wünsche, machen uns Hoffnungen … Das alles haben wir früher festgehalten im Tagebuch. Heute bestückt man damit facebook und dergleichen. Doch darüber hinaus gibt es noch Ausgefeilteres, um die Feder schweifen zu lassen. Und nicht selten fließt Überraschendes heraus, wenn man sie nur walten lässt. Deshalb habe ich mir den Workshop „Wir schreiben uns das Leben schön“ ausgedacht.

Der Realität ein Schnippchen schlagen und fantasieren, was wäre (gewesen) wenn … Neue Perspektiven ausprobieren und spielerisch neue Welten erschaffen – unter dem Einfluss verschiedener Tageszeiten:

Mittags – “High Noon”: Wir spitzen zu, überzeichnen, atmen Höhenluft.

Morgens – “Early bird”: Wir räkeln uns leisen Themen entgegen, reflektieren Träume.

Abends – “Lazy Afternoon”: Wir schreiben uns das Leben schön!

Kreativ schreiben will geübt sein – Lockerungsübungen inbegriffen. In diesem Sinne widmen wir uns Handwerklichem wie Ausdruck & Spannungsbogen, verdichten & zoomen usw.

Samstag, 27.07.2019, 12.00-13.45 Uhr

Samstag, 03.08.2019, 09.15-11.00 Uhr

Donnerstag, 08.08.2019, 19.00-20.45 Uhr, 3-mal

Waiblingen, Bürgermühlenweg 4, vhs, R. 2.17

Gebühr: 48,00 € (max. 11 Teiln.)

Anmeldung zu Kurs-Nr. 19F25005 direkt bei der vhs unter www.vhs-unteres-remstal.de oder per Telefon 07151 95880-0 möglich.

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Jun 16 2019

Sternstunden

Autor: . Abgelegt unter Kultur,Literatur

Es gibt sie noch: Sternstunden im Miteinander beim Ringen um die Worte, die verzaubern wie eine Sternschnuppe, wobei sie gleichzeitig sitzen wie ein Maßanzug. Das zeigte der gestrige Abend, die Vorprobe zur Generalprobe zu unserem Abend „Stimme der Poesie. Gedichte angestimmt im Grünen“ (Näheres siehe unten).

Die Gruppe findet seit einigen Jahren unter dem Dach der Volkshochschule Schorndorf zusammen, um gemeinsam „kreativ schreiben“ zu üben. Das hat den Effekt, sich immer wieder in geschütztem Rahmen auf neue Felder wagen zu können. Diesmal also Gedichte.

Das Abenteuer beginnt schon bei der Idee: Wieso soll ein und dasselbe Gedicht mehrmals gelesen werden? Immer wieder von einer anderen Person. Damit die Poesie leichter eingeht in Geist & Herz der ZuhörerInnen, die bei jeder Stimme andere Nuancen hören. Und dann womöglich neue Aspekte oder andere Bilder auftauchen lassen.

Die Idee funktioniert tatsächlich, man kann sich gut einlassen auf die Variationen des Gleichen. Ähnlich funktionieren Adaptierungen bei Schlagern oder bei den Chansons – wie oft fand „My Way“ von den unterschiedlichsten InterpretInnen Anklang bei einem breiten Publikum, auch wenn die ursprüngliche Version von Frank Sinatra unvergesslich ist. Sämtliche Akteurinnen unserer Gruppe, die diese Art von Wort-Vortrag zum ersten mal ausprobieren, sind begeistert von der Methode des Wiederholens, vom Erlebnis der unterschiedlichen Stimmen und der Wandlung durch Betonungen.

Es ist ein Privileg, immer wieder dazulernen zu können und dem Publikum von Zeit zu Zeit Neues zu bieten. Dieser Spaß an der Erweiterung des Repertoires lässt den Funken überspringen auf die Zuhörerschaft. Schon bei der Vorprobe gestern zeigten sich Ernsthaftigkeit und Begeisterung in guter Balance,  was die Fähigkeit zu überzeugen überaus günstig beeinflusst.

So sieht die Gruppe 7punkt3 ihrem Auftritt am 10. Juli 2019 mit Spannung und Vorfreude entgegen, „verliebt in leichtfüßige Gedichte, verbündet mit zeitkritischer Lyrik, auf gutem Fuß mit Versen, Reimen, Balladen“.

10. Juli 2019 > 19 – 21.30 Uhr / Gärtnerei Benz, Burgstraße 25, 73614 Schorndorf, Gewächshaus rechts vom Haupteingang / Eintritt: 8 € > https://shorturl.de/ZiA4

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Mai 22 2019

Stallgeruch, Systemzwänge & mehr

Autor: . Abgelegt unter Alltag

Manchmal sitze ich vor Menschen, die nicht wissen, dass ich ihren Stallgeruch entschlüssle. Stallgeruch ist etwas, das man mitbringt und nicht abwaschen kann. Wenn zwei den gleichen Stallgeruch haben, gibt es kein Nachdenken darüber. Wenn aber der persönliche Code sich unterscheidet, entsteht eine Grauzone: Wer erkennt den anderen wie weit?

Seinen besonderen Reiz hat es in einem Abhängigkeitsverhältnis, wenn Sender und Empfänger einander zu durchschauen versuchen. Wenn zum Beispiel der Arzt einer Schmerzgeplagten erklärt, dass ihr Zustand nicht lebensbedrohlich ist. Dann weiß die Patientin, dass an ihn nicht ranzukommen ist – zumindest nicht mit dem Ansinnen, das sie hat. (Und er denkt vielleicht, er hat ihr eine Entlastung beschert, der Kluge!)

Beschwichtigen, herunterspielen, begrenzen – nicht nur der Medizinbetrieb funktioniert so, anstatt sich ganzheitlicher Denke zu befleißigen und entsprechend weitsichtig zu agieren. Es mag in der Natur des Menschen liegen, sich erst mal dem Naheliegenden zu widmen. Aber wo dies System hat und nichts weiter folgt, schmilzt das Verantwortungsbewusstsein auf Bierdeckelgröße. Sprich: Der Mediziner, der seine Maske der Autorität („ich weiß mehr als du und wie es langzugehen hat“) demonstrativ hochhält, übernimmt sich nicht in seinem Job. Die Risiken, die in sein Ressort passen, verteilt er auf möglichst viele Schultern – budgetsparend. Die anderen außerhalb seines Ressorts überlässt er seinen Kollegen. Arbeitsteilung würde man organisationstechnisch dazu sagen.

Es gibt auch die andere Sorte – die, die Angst macht, indem sie Gefahren drastisch hochspielt. (Die kann genauso borniert sein wie jene der „Versachlicher“.) Mich erinnert sie immer an meine Schulzeit. Jeder Lehrer erachtete sein Fach als das Wichtigste und forderte entsprechenden Fleiß und Engagement. Im Umgang mit solchen Menschentypen kann man üben, die eigenen Antennen für Signale und Verhältnismäßigkeit zu schärfen.

Ich gebe zu: Stallgeruch ist ein altes Wort (siehe unten). Heutzutage spricht man von „Codes“, die unauffällig die closed shops klassifizieren. Wir tun allerdings so, als seien wir eine aufgeklärte und „durchlässige“ Gesellschaft, vielseitig orientiert und vornehmlich mit nüchternem Blick unterwegs. (Für Doppelbödigkeiten ist eh keine Zeit, denn die bedürfen des Nachdenkens, Innehaltens.)

Vorurteile verschaffen vermeintliche Sicherheit. Doch täuschen kann man sich in jeder Hinsicht.  Von wegen erster Eindruck oder Stallgeruch. Eine Bankangestellte schilderte mir diesbezüglich ihr Aha-Erlebnis: Vor etwa 25 Jahren kam sie morgens kurz vor Öffnung ihrer Filiale an einem Mann vorbei, der abgerissen und ungepflegt wirkte. Tendenz „Penner“, möglicherweise sogar kriminell. Sie staunte nicht schlecht, als er 15 Minuten später bei ihr an der Theke (damals nannte man das noch „Schalter“) stand, sich auswies und eine beträchtliche Summe auf sein Konto einzahlte.

Seither nehme ich gelassen zur Kenntnis, wenn ich verkannt werde. Wenn ich den Code des anderen lesen kann, er aber meinen nicht. Leider gibt es häufig festzementierte Rollen, die keine Auflösung zulassen. Das nennt man entweder „Scheuklappen“ oder „Systemzwänge“. Wir haben jede Menge davon. Immer noch und wider die Erfahrung: Ihr Nutzen ist schwach – verglichen mit den Vorteilen, die das Gegenteil brächte.

* * * * *

Apropos alte Worte: Mühsal & Drangsal gehören auch in die Kategorie. Nicht nur ich grabe hin und wieder aus der Mode gekommene Worte aus. Auch im Netz werden sie gesammelt und aufgetischt – zum Beispiel hier: https://www.kunst-worte.de/archaismen/ Im Lexikon der alten Wörter werden selbige sogar erklärt: https://ewnor.de/lexikon/lex-b.php

Zu Eliten & Stallgeruch gibt es hier Erhellendes: https://www.zeit.de/studium/uni-leben/2013-02/eliten-forscher-hartmann-stipendium-exzellenzinitiative

Ebenso lesenswert: https://www.sueddeutsche.de/karriere/aufstieg-der-elite-der-stallgeruch-macht-s-1.55133

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