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Jul 03 2012

Fotos: Kleider privat und im Beruf

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Kultur

Kleider machen Leute – Uniformen auch. Doch wer hat sich noch nie die Frage gestellt, wie ein Bischof oder eine Ordensschwester in Zivil aussieht? Der Clown wird dank seines Kostüms auf Anhieb erkannt. Trägt er lieber Jeans oder Bügelfaltenhosen seiner Freizeit?

Diese Art Neugier befriedigt die Foto-Ausstellung „Kleider machen Leute“ noch bis 29. Juli 2012 in Dresden. Im Hygiene-Museum werden etwa 70 Bildpaare gegenüber gestellt.  Hier der Fleischer mit weißer Schürze und Mütze, mehrere Messer griffbereit in einem “Köcher“ um den Bauch gebunden – und dort derselbe Mann daheim, wo man ihm seinen Beruf nicht ansieht. Welche Kluft bringt nun welche Aspekte der Persönlichkeit zur Geltung? Ähneln sich der Berufs- und der Privatmensch oder legt sich ein Hebel um, sobald die Berufskleidung abgestreift wird?

Herlinde Koelbl ging mit ihrer Kamera diesen Fragen nach. Die vielfach preisgekrönte Dokumentarfilmerin und Fotografin ist ein Garant für überzeugende Fotoserien. 1980 verblüffte sie ihr Publikum mit einem Blick in „deutsche Wohnzimmer“, machte „Haare“ zu einem spannenden Thema und porträtierte „Männer“ sowie „Starke Frauen“. 1999 trat sie ins Rampenlicht mit der Serie „Spuren der Macht – die Verwandlung des Menschen durch das Amt“. Dazu hat sie jahrelang Politiker begleitet, darunter unter anderem Joschka Fischer und Gerhard Schröder, einst Außenminister bzw. Bundeskanzler. Je weiter sie sich in ihre Spitzenpositionen hinein entwickelten, desto tiefer wurden die Furchen in ihrem Gesicht.

Nun also wirft Herlinde Koelbl die Frage auf, was Uniformen bewirken. Beim Träger und beim Betrachter. Welche Uniformen beispielsweise den Platz in der Hierarchie markieren wie beim Chefarzt oder Respekt einflößen wie beim Security Guard. Macht Berufsbekleidung selbstbewusster wie bei der Kaminkehrerin Pia Behnisch? Sie sagt, sie trete lockerer und entspannter auf. Privat sei sie eher ein schüchterner Mensch.

Kleider beeinflussen das eigene Körpergefühl, das Verständnis von sich selbst im Gefüge des Alltags. Kleider beeinflussen auch den Bezug zu anderen Menschen. Nicht immer ist uns das gegenwärtig, aber in dieser Ausstellung können wir es erleben. Zum Beispiel wenn wir Peter Sturzenegger gegenüberstehen. Früher war er Bodyguard. Der Schweizer ist stolz darauf, Standesweibel zu sein. Die schmucke Uniform strahlt förmlich gutes Benehmen im Dunstkreis der Macht aus. Die Tätigkeit hätte ich aber nicht erraten können: Der Standesweibel, selbstverständlich politisch neutral, ist bei offiziellen Anlässen des Bundespräsidenten immer an dessen Seite. Seine Aufgaben reichen vom Knöpfe annähen bis zum Schirm halten. Ich trete einen Schritt zurück und gestehe, dass ich mich von Peter Sturzenegger auch gerne beschirmen lassen würde!

Die 70 Bildpaare sind nicht nur jedes für sich eine Augenweide, sondern auch von der Mischung her interessant: Hier die Richterin und Generalinspekteur der Luftwaffe. Dort der Putzmann aus Japan, das Schulkind in Südafrika, der McDonalds-Angestellte aus Deutschland. Bei jedem Bildpaar gibt ein kurzes Statement Auskunft darüber, wie sich die Fotografierten selbst interpretieren und fühlen. Philippa Rath, Ordensschwester in Deutschland, trägt nur im Urlaub zivil und sagt: „Es ist erholsam und befreiend, einmal nicht als Seelsorgerin in Anspruch genommen zu werden.“ In ihrer Tracht allerdings fühle sie sich wohler und hübscher. Betnesan Bal, Mongolei, ist der einzige weibliche Officer in einer Anti-Terror-Einheit macht die Erfahrung, dass die Männer sie in ihrer Freizeitkleidung attraktiver finden: „Sie haben mehr Distanz und sind eingeschüchtert, wenn ich die Uniform trage.“

Das Vergnügen, diesen unterschiedlichen Porträts zu begegnen, wirkt auch nach dem Besuch der Ausstellung lange nach. Wer sich eingehender mit Herlinde Koelbl beschäftigen möchte, findet sie im Internet unter www.herlindekoelbl.de / Das Hygienemuseum ist unter www.dhmd.de anzuklicken.

PS.: In KW 28 läuft dieser Text auch unter http://germanradioshow.blogspot.de/ (ab ca. 39′ auf der Skala)

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Apr 24 2009

Mütter sind vielschichtig, Töchter auch

Autor: . Abgelegt unter Kultur

Susanne Nielsens Ausstellung „Mothers, Myths & Memories“ wird ergänzt durch Erinnerungen aus aller Welt. Zu sehen in Largo Public Library, Florida, vom 1. bis 31. Mai 2009. Einige der Exponate sah ich bereits in Wiesbaden und fand sie sehr beeindruckend.

Die Künstlerin macht jeden Sonntag in West-Florida eine deutsche Radio-Sendung >> www.germanradioshow.com

Für ihre Kulturbeiträge recherchiert sie auch immer wieder in Deutschland, zum Beispiel in einer Besenwirtschaft in Strümpfelbach oder im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart.

Der Ausstellung wünsche ich viele Besucher und anregende Gespräche!

PS.: Die Kollegin bat auch mich um eine Erinnerung an eine prägende weibliche Person in meiner Kindheit. Spontan schrieb ich etwas über Kittelschürzen, nächtliches Röckekürzen (heimlich) und ungeliebte Steghosen …

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