Archiv für die Kategorie 'Alltag'

Apr 29 2009

Verführung pur!

Autor: Schauer. Abgelegt unter Alltag

Wann gab's zuletzt Salat aus jungem Löwenzahn?

Wann gab's zuletzt Salat aus jungem Löwenzahn?

Das Rezept “Disteln mit Schinken” kannte ich noch nicht. Überhaupt erwarte ich viel Wissenszuwachs aus “Wildplfanzen aus dem Garten auf den Tisch”. Das Buch könnte sogar mich verführen zu mehr Zeitaufwand für Zutaten aus der Natur. Nahe bringt uns die Feinheiten Kerstin Schröder, die dazu kooperiert hat mit dem vhs-Ökogarten im Stuttgarter Wartberggelände. Erschienen bei Thorbecke, 2009.

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Mai 05 2009

Ehrlichkeit, Eile

Autor: Schauer. Abgelegt unter Alltag

Der Kunde läuft mit seiner Brötchen-Tüte von der Bäcker-Theke weg. Ich rufe ihm nach: “Da liegt noch ein Euro!” Er kommt zurück und während er die Münze einsteckt, schaut er mich an, als wäre ich von einem anderen Stern. War er überrascht, dass ich sein Wechselgeld nicht selbst genommen habe?

Die Verkäuferin blickt mich fragend an, doch ich verweise auf den Mann neben mir: “Er war eher hier.” Auch er guckt mich verwundert an als wäre ich nicht ganz zeitgemäß. Vordrängeln immer und überall? Zeitnot oder schlechtes Benehmen?

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Jun 28 2009

Treffend skizziert

Autor: Schauer. Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag,Kultur

Kennt den noch jemand

Kennt den noch jemand?

Die East-Side Galery in Berlin wird restauriert. Hier sind Kunstwerke verblasst, die einst die Annäherunge zwischen Ost und West feierten. Es gibt Jüngere, die keinen blassen Schimmer mehr haben, dass es eine DDR gab bzw. die drei Buchstaben für ein Kürzel halten, hinter dem sich eine angesagte Band oder eine “In”-Curry-Wurst verbirgt. Aber der Mann war echt! Wie das System, dessen Schlusslicht er verkörperte. Er machte nicht das Licht aus, denn er war nicht der Letzte. Aber das Abdanken seiner Majestät ist hier gut auf die Schippe genommen! Wer den antikapitalistischen Schutzwall vor 1989 nachts am gespenstigen Potsdamer Platz einen Besuch abstattete, wird den dramatischen Blick über den Todesstreifen nie vergessen …

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Jul 24 2009

Dschungel braucht Lotsen oder: wenn die Telekom plötzlich den Vertrag kündigt …

Autor: Schauer. Abgelegt unter Alltag

„Ärzte und Krankenschwestern sind immer häufiger Mangelware“, darauf hat die Geschäftsführerin der … hingewiesen. > Die Vielzahl der Mangelware ließ mich schmunzeln. Das Zusammentreffen der Worte “häufig” und “Mangelware” wirkt komisch, auch wenn sprachlich die Aussage logisch ist. Bei Pressemitteilungen passiert das in der Eile schon mal …

Newsletter, Pressemitteilungen, Werbebriefe – sie alle berühren nicht nur unser Sprachempfinden, sondern lösen auch darüber hinaus noch etwas bei uns aus. Dieser Tage lernte ich beispielsweise ein neues Wort: Präsentismus. Es „bezeichnet ein Verhalten, bei dem Beschäftigte krank zur Arbeit gehen“. Danke! Wieder um ein Wort reicher. Hoffentlich kann ich es mir merken! Es gibt schon so viele Fremdwörter, die ich mir schwer merken kann. Trotzdem sind sie da. Niemand kann sie ungeschehen machen.

Jedenfalls muss man auf der Hut sein, wenn Post kommt. Von meiner Zahnzusatzversicherung schneien ständig Briefe scheinbar alarmierenden Charakters herein. Die Überschrift will mir immer glauben machen, die seitherigen Vereinbarungen seien dem Verfallsdatum zum Opfer gefallen und ich müsse dringend auf Neuerungen reagieren. Bei näherem Betrachten handelt es sich um Werbung – ich könnte meinen Vertrag erweitern. Also brauche nichts zu unternehmen, denn alles ist so, wie ich es für mich einst als passend gewählt habe und entspricht immer noch meinem Bedarf. Ärgern tut mich, dass ich dies ständig neu überprüfen muss, bevor ich den Brief erleichtert dem Papierkorb anvertrauen kann.

Zu überprüfen hatte ich allerdings nichts, als mir die Telekom unlängst die Kündigung für meinen Tarif schickte. Dieses Auslaufmodell wollte sie nicht länger bedienen. Den Widerspruch per Einschreiben mit Rückschein hätte ich mir sparen können, denn er wurde schlichtweg ignoriert. Es kam noch mal eine Erinnerung, dass mit 31.7.09 mein Vertrag ende und man ohne mein Zutun keine neue Vertragsbasis aktivieren könne. Um nicht ohne telefonische Verbindung zur Außenwelt zu sein, bequemte ich mich schließlich zum Telekom-Laden in der Innenstadt, um einen neuen Tarif auszusuchen. Ich konnte nur darauf achten, dass er jederzeit kündbar wäre, denn ich fühlte mich meiner Sache keineswegs sicher. Wurde ich hier über den Tisch gezogen? Was würde in einem halben Jahr an Möglichkeiten offen stehen, die zu nutzen ich mir nicht verbauen wollte?

Der Dschungel an Informationen & Möglichkeiten – wohl dem, der gute Lotsen hat!

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Aug 09 2009

Sensibel – bist du es oder wirst du es?

Autor: Schauer. Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag

„Du bist Deutschland“ – diese Kampagne fiel mir gestern spontan in einem großen Warenhaus ein. Ich musste mit meinem Einkaufswagen stehen bleiben, denn ein Pärchen beriet sich vor den Drucker-Patronen, welche denn daheim passen würde. Die Frau war nicht das Problem, der Mann war in die Hocke gegangen und blockierte damit mein Durchkommen mit dem Einkaufswagen.

Ich überlegte, ob ich zurück rangieren und die nächste freie Bahn nehmen sollte. Aber mich begann zu interessieren, wie lange es wohl dauern würde, bis der Mann merkte, dass er ein Hindernis darstellte. Er hätte nur einen Schritt vorwärts zu hoppeln brauchen. Aber mit Abstand betrachtet sich die Patronen-Auswahl natürlich besser.

Er merkte seine Rolle nicht. Er erhob sich erst, als er fertig war mit der Betrachtung des Warenangebots. Sein Blick fiel auch dann keine Sekunde auf mich. Mein höfliches stilles Warten drang zu seinem Bewusstsein gar nicht vor.

Darum die Erinnerung an die Kampagne. Man könnte eine neue starten: „Du bist sensibel“. Mit entsprechendem Aufwand könnte man verdeutlichen, was damit gemeint ist. Sensibel nicht nur, wenn es um die eigenen Pfründe geht. Sondern sensibel für das Miteinander, das Gemeinwohl.

Denn der kauernde Mann ist nur symptomatisch dafür, wie sehr sich viele abgeschottet haben und nicht mehr wahrnehmen, was um sie herum vor sich geht. Folglich haben sie auch keine Bringschuld dem Miteinander gegenüber. Das mit „Reizüberflutung“ zu entschuldigen, ist ungeheuer praktisch. Aber man müsste dies ja nicht auf sich beruhen lassen, wenn es einen Sponsor für die Sensibel-Kampagne geben würde.

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Aug 10 2009

Harmlose Schlager auf dem Index

Autor: Schauer. Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag,Kultur

Suchen – wer kennt das nicht – kann ganz schön nerven. Es war mir jedenfalls nicht vergönnt, eine Liste all dessen zu finden, was schon mal auf dem Index des Bayerischen Rundfunks gestanden hat. Vom „Scheibenwischer“ (Einzelsendungen) ist es mir aus meiner Jugendzeit bekannt. Aber dass auch der Bossa Nova …

Was ist eigentlich ein Bossa Nova? Ein dunkelhaariger gut aussehender Mann, besungen von Manuela (1948 – 2001), die damit 1963 quasi übernacht als Schlagerstar bekannt wurde? Nein, es ist ein Tanz, der jungen Mädchen einst gefährlich werden konnte. Diese Gefahr wurde diskret in der Liedzeile ausgedrückt: „Doch am nächsten Tag fragte die Mama: ‚Kind, warum warst du erst heut’ morgen da?‘“

Tja, wie leicht hätte das in Bayern auf dem Tanzboden zur Nachahmung animieren können! Deshalb durfte das Lied im BR nicht mehr auf den Plattenteller. Wie gut, dass man dank der Wiederholung eines Manuela-Porträts im NDR heute daran erinnert wird, wie fürsorglich man damals Gefährdendes in der Schublade verschwinden ließ.

Drafi Deutscher (1946 – 2006) erging es 1965 mit seinem Hit „Marmor, Stein und Eisen bricht“ nicht besser als Manuela. Doch der Grund war hier ein anderer: Sprachsensible wollten keine falsche Grammatik verbreiten. Denn es waren mehrere Gegenstände, die als bruchsicher besungen wurden. Und da hätte es „Marmor, Stein und Eisen brechen“ heißen müssen.

Solchermaßen Standpunkt zeigen, sensibel reagieren – heute ist das längst aus der Mode, wird belächelt.

Um so herziger wirkt ein Ausrutscher wie dieser Satz: Wer hat sich so was ausdenkt? Das fragte sich am Samstag Katja Bauer in der Stuttgarter Zeitung angesichts der Kanzler-U-Bahn. Der Satz stand da ganz ohne Anführungszeichen und wirkte wie ein Seufzer aus tiefster Seele. Der Autorin war diese (mutmaßlich schwäbische) Redewendung entwischt, was sicher Kritiker auf dem Plan ruft. In ihr pulsierte aber noch das Herzblut, das die tragische Geldverschwendung für den U-Bahnstummel hervorquellen ließ. In korrekter Sprache hätte man dies nie und nimmer so brühwarm transportieren können!

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Aug 17 2009

Keine Nächstenliebe jenseits des Ehrenamts?

Autor: Schauer. Abgelegt unter Alltag

Das Ehrenamt ist eine hochwohllöbliche Angelegenheit. Ob man unent-geltlich Kindern bei Hausaufgaben hilft, Senioren die Angst vorm PC nimmt, im Blindenheim vorliest – der Nächstenliebe sind keine Grenzen gesetzt. Es mangelt auch nicht an Initiativen, die für solches Engagement werben – Preisverleihungen inbegriffen.

Man sollte also meinen, wir geben aufeinander liebevoll und rücksichtsvoll acht, fördern und unterstützen uns gegenseitig, niemand ist dem anderen gleichgültig. Weit gefehlt! Allein das skrupellose Fahrverhalten in Spielstraßen oder sogenannten 30er Zonen spricht eine andere Sprache!

Noch deutlicher wird der Kontrast zwischen öffentlich goutiertem Ehrenamt und mangelnder Hilfsbereitschaft im Privaten an jenem Beispiel: Eine Freundin, soeben nach 20 Ehejahren unfreiwillig Single geworden, muss ihre Einrichtung ergänzen. Höflich fragte sie bei zwei von fünf Nachbarn im Haus, ob sie denn anklopfen dürfe, wenn sie etwas Sperriges oder Schweres in ihre Wohnung in den 3. Stock zu schleppen hätte. „Nein“, lautete unumwunden die Antwort.

Dies erschien mir mehr als fremd, zumal gerade jene Freundin weithin als Mensch von großer Hilfsbereitschaft bekannt ist. Da mir Vergleichbares noch nie zugestoßen ist, fragte ich querbeet und hörte auch von anderen: Ein NEIN ist bei Hilfebedarf wahrscheinlicher als ein JA. Offenbar ist diese Verweigerungshaltung salonfähig. Man geniert sich dafür ebenso wenig wie für unreflektierte Geschwindigkeitsübertretungen.

Vielleicht stiftet das pfiffige Strategen an, die Werbung für ehrenamtliches Engagement entsprechend zu ergänzen: Es ist kein Luxus, jemanden auch dann zu helfen, wenn der Lichtkegel der Öffentlichkeit nicht auf die gute Tat und die Haltung dahinter fällt!

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Nov 17 2009

Schwäche und Fehlbarkeit zulassen!

Autor: Schauer. Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag

Bewegende Trauerfeier im Fußballstadion, viele Tränen zum Abschied von Nationaltorwart Robert Enke am Volkstrauertag. Dazu meinte eine Passantin in ein Radio-Mikrofon (SWR): “Da sind die Menschen so, wie sie sein sollten!” Das spricht Bände!

Endlich war es legitim, den Gefühlen freien Lauf zu lassen, Schulterschluss zu üben, das Maskenspiel in unserer Gesellschaft für einige Stunden auszusetzen. Viele weinten nicht zuletzt um ihre eigene Verletzlichkeit und dass diese im Alltag keinen angemessenen Platz beanspruchen darf. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff erreichte die Herzen mit dem Gegenentwurf: „Wir brauchen keine fehlerfreien Roboter, wir brauchen Menschen mit Ecken und Kanten.“

Mobbing-Opfer wüssten darauf einiges zu erwidern. Aber wenn die Trauerreden eine Wende zu mehr Menschlichkeit einleiten – dann trage ihre Substanz bitte mindestens durch das nächste Jahr, das ein sehr schwieriges werden dürfte (Entlassungen, Kaufkraftschwund etc.). In Hannover konnte letzten Sonntag das Erlebnis der anderen Stimmungsqualität schon greifen: „… es ist auch warm geworden, weil die Stadt ganz eng zusammengerückt ist“ (Oberbürgermeister Stephan Weil).

Den Umgang mit Schwäche diskutieren wir schon lange – es ist überfällig, Ängste und Labilitäten bei jederfrau und jedermann zu akzeptieren und zu integrieren. Dann sind sie auch nicht länger ein Störfaktor. Der Traum von der Unverwundbarkeit sollte den Legenden vorbehalten bleiben. Blindes Erfolgsstreben ist keine Kunst! Mehrdimensionalität trägt zu entschieden größerer Reife und – trotz Zweifeln, Schwachpunkten, Rückschlägen usw. – zu mehr Lebensfreude bei. Weise Alte haben das in allen Gesellschaften immer wieder bestätigt.

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Nov 23 2009

Niggemeier erinnert an Werther-Effekt

Autor: Schauer. Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag,Literatur

Das Ulmer Münster ist ein imposanter Bau. Leider verleitet der Turm Lebensmüde immer wieder zum tödlichen Sprung. Ob dies der Öffentlichkeit zu berichten sei, war in der Südwestpresse entschieden, bevor ich dort während meiner Ausbildung zur Redakteurin drei Ressorts der Mantelredaktion durchlief: NEIN, man wolle keine Nachahmer auf den Plan rufen.

Das Abwägen zwischen Informationspflicht und Verantwortung des Risikos, mit dem Verbreiten von bestimmten Nachrichten verbunden ist, war ein wichtiger Diskurs in meiner Ausbildung und auch bei vielen Gelegenheiten danach. An die daran geknüpften ethischen Fragen erinnert Kollege Stefan Niggemeier am 16.11.2009 in seinem Blog: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ueber-enke-und-werther/ Die Beschäftigung der Medien mit dem Selbstmord des Nationaltorwarts Enke gab Anlass zu diesen Ausführungen, die ich jeder und jedem empfehle.

Das Thema ist freilich nicht journalismusspezifisch, denn schon in der Schule nahmen wir Goethes Werther durch und erstaunt zur Kenntnis, dass sich damals nach der Lektüre viele junge Menschen umbrachten. Seither hat sich das Stichwort „Werther-Effekt“ eingebürgert.

Andererseits gibt es aber – dem Himmel sei Dank! – auch Phänomene, von denen man sagen kann, dass da jemand „mit gutem Beispiel vorangegangen“ ist: 1) Niggemeier selbst zählt zu den positiven Erscheinungen im Medienjournalismus, der sich zuverlässig-kritisch zu Wort meldet. Und obwohl er nicht unumstritten ist, verlieh ihm 2) der Südwestrundfunk (SWR) in Stuttgart am 18.11.2009 den Hans-Bausch-Media-Preis.

Bleibt nur noch, dem Qualitätsjournalismus unermüdlichen Aufwind zu wünschen und darüber hinaus zu appellieren, dass Querdenkern in dieser Medienlandschaft immer angemessen Platz an prominenter Stelle eingeräumt wird! “Mit gutem Beispiel vorangegangen” erfährt in diesem Blog in loser Folge Fortsetzungen und ist als Rubrik in den gedruckten und gesendeten Magazinen dieser Rupublik sicherlich ein so aufmerksamkeitsziehendes Element wie Leserbriefe oder Karikaturen!

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Dez 08 2009

Vom grünen Eisbär und der Holschuld

Autor: Schauer. Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag

Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar hat vor zwei Stunden einen grünen Eisbären mit Geweih gesehen. Keine 30 Meter von seinem Grundstück entfernt. Ihnen ist der Anblick entgangen, denn Sie waren zu diesem Zeitpunkt beim Einkaufen. Nun kommen Sie nach Hause, haben ihrem Nachbarn ein Kilo Äpfel mitgebracht und klingeln bei ihm.

Was geschieht? Es gibt mehrere Möglichkeiten. Entweder der Nachbar erzählt, was er gesehen hat oder er schweigt. Wenn er schweigt, würden Sie dann fragen: „Hast Du heute einen grünen Eisbären gesehen?“ Nein! Wie kämen Sie darauf, dass so etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein könnte? Sollte der Gesichtsausdruck des Nachbarn vermuten lassen, dass etwas Ungewöhnliches geschehen ist, würden Sie allenfalls fragen: „Wie war Dein Tag? Ist was passiert?“

Die Nachrichtensprecherin im Fernsehen weiß immer mehr, als sie sagt, Zeitungsmacher müssen ebenfalls eine Nachrichtenauswahl treffen. Was in der Sendung oder in der Zeitung nicht unterkommt, danach fragt schließlich auch kaum ein/e Mediennutzer/in. Redaktionen sind Gatekeeper. Nur sie können im Auge behalten, was nicht an die Öffentlichkeit gelangt und ggf. nachhaken, was daraus geworden ist.

In diesem Sinne haben Medien eine Bringschuld. Die Holschuld des Bürgers besteht darin, sich die Informationen zugänglich zu machen, die auf dem Markt kursieren. Also die Zeitung zu kaufen oder das Radio bzw. den Fernseher einzuschalten.

Neuerdings wächst die Holschuld. Es gibt kaum mehr einen Beitrag im Radio oder im Fernsehen, der nicht aufs Internet verweist, wo weiter führende Informationen abrufbar sind. Printmedien machen es ebenso. Entlastet das die Redaktionen von dem Druck, eine Auswahl treffen zu müssen? Für ihre Bringschuld gibt es sozusagen ein „Schlupfloch“: Wer mehr erfahren möchte, kann sich ja des Internets bedienen …

Wer ist in diesem System der “grüne Eisbär”. sprich die Außergewöhnlichkeit schlechthin? Richtig: der Mensch ohne Internetzugang. Ja, es gibt ihn! Hoffentlich behalten die Medienschaffenden diese Spezies im Auge! Beispielsweise jene, die sich im vorgerückten Alter an keinen PC mehr gewöhnen möchten. Oder jene, die schlicht die Kosten für die Nutzungsgebühren nicht aufbringen können. Sie alle werden ausgespart, wenn es um die schnell dahin gesagte Verfügbarkeit des großen Informationenpakets im WWW geht, das die Massenmedien als Fundgrube anpreisen.

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