Mai 19 2009

Juttas Nudeln aus dem Rosinenbomber

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Vor 60 Jahren endete die Luftbrücke. In Berlin wurde gefeiert und mir fiel Jutta wieder ein. Sie lebt in Florida und hat noch ein Glas Nudeln, das aus einem „Rosinenbomber“ stammt. Sie trägt sich mit dem Gedanken, ihr Leben aufzuschreiben – deshalb kamen wir miteinander in Kontakt. Auch ist zu überlegen, wo sie die historischen Nudeln letztlich lassen soll, die sie über viele Umzüge gerettet hat. Die Nachkommen könnten deren Bedeutung nicht würdigen, würden den „Schatz“ womöglich entsorgen.

Schon ein grober Überblick über ihr wechselreiches Leben hat ein Telefonat von fast zwei Stunden gedauert. Eindrücklich schilderte Jutta auch die Spätfolgen der Entbehrungen aus der „schlimmen Zeit“. Doris Lessing lässt grüßen: „Ein Krieg ist nicht mit dem Waffenstillstand zu Ende.“ Die Literaturnobelpreisträgerin ist 1919 geboren und formuliert dies in ihrer Autobiografie „Unter der Haut“. Und sie findet: „… wir hatten aus diesem Krieg nichts gelernt.“ Gemeint ist der 1. Weltkrieg, Jutta ist ein Kind des 2. Weltkriegs …

Ein Kommentar

Ein Kommentar to “Juttas Nudeln aus dem Rosinenbomber”

  1. Susanneam 20. Mai 2009 um 07:29 1

    Die Maccaronidose und der gemahlene Kaffee aus der Luftbrueckenration erinnern an die Zeit des nackten Ueberlebens im Berlin der gerade muehsam im Aufbau begriffenen Nachkriegszeit. Loewenzahnsalat war sicherlich noch auf dem Mittagstisch, und wer eine Dose aus dem CAREpaket nicht aufmachte, der hatte gewisslich besondere Gruende, die idealistisch und langzeitorientiert waren. So sagte mir Jutta zu ihren Souveniers im deutschen Radioprogram (www.germanradioshow.com), wo auch Kundenservice und so manche Erinnerung am Muttertag zur Sprache kommt. Das 60jaehrige Jubilaeum der Luftbruecke mag am 12 Mai 2009 zuende gegangen sein, aber noch lange ist diese Erinnerung an schlechte Zeiten nicht zuende. Auch nicht,wenn die noch lebenden Piloten bis zum naechsten grossen Jubilaeum nicht mehr dabeisein werden. Berliner Kinder, auch schon zwischen sechzig und siebzig, wissen es ganz genau.
    Noch andere Erinnerungen werden mit weit groesserem Aufwand per Denk-mal ueberall in den USA gebaut, 6 millionen Dollar soll ein neues Holocaust Memorial , das man auf dem Atlantic City Boardwalk aufstellen will, kosten. Ob man auch das von den Deutschamerikanern, der sog. largest minority group in den USA, der mit ueber 60 millionen Deutschamerikanern groessten Minderheit ( mehr noch als Spanischsprechern obwohl kaum mehr einer der „Germans“ Deutsch sprechen kann) geplante Deutsche Haus in Washington D.C. solchermassen, also mit Millionen, unterstuetzen wird?
    „Friends always“ lautete der Slogan des German Information Centers, das diesen Spruch fuer die Luftbrueckenjubilaeumsinitiative erfunden hat.
    Ob es so ist, zeigt einzig die Erfahrung, in den USA (Ueber-)leben zu muessen, weil man auf diese Freundlichkeit und ein positives Aufeinanderzugehen gehofft hat, als man dahin aus den verschiedensten Gruenden auswanderte. Der Alltag und die Notsituation stellen den Mythos auf die Feuerprobe.
    Dabei ist „friendship“ nicht immer was man sich darunter erhofft hat. besonders nicht in einer Rezession. Friendship always ist jedoch positiv gedacht, ein guter Zug und typisch Amerikanisch, muss man sagen. wollen hoffen,dass Juttas Vermaechtnis dies Haltung an wuerdigem Ort erhalten bleibt.
    ich haette da noch einen von Elbfeuerwehrleuten gestifteten Helm, mir nach dem Elbhochwasser mitgegeben um ihn und die Erinnerung an die Retter auf beiden Kontinenten zu erhalten. Auch der helm sucht noch ein passendes Pendent zum Tausch und ein wuerdiges Zuhause in den USA.

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