{"id":902,"date":"2012-10-29T01:17:12","date_gmt":"2012-10-28T23:17:12","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=902"},"modified":"2017-09-18T20:47:38","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:38","slug":"ich-weis-nicht-was-soll-es-bedeuten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/902","title":{"rendered":"Ich wei\u00df nicht, was soll es bedeuten &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #800080;\"><em><strong>\u00a0\u2026 dass ich so nachdenklich bin.<\/strong><\/em><\/span> Das Lied von der Loreley* ist mir zwar im Zug nicht eingefallen, aber die Melodie summe ich jetzt beim Tippen, damit die Widerspr\u00fcchlichkeiten lieblicher werden. Es geht um <strong>Egoismus, Zivilcourage, Provokation<\/strong>. Diese Stichworte fallen mir als erstes zu folgender Szene ein:<\/p>\n<p>Sonntagabend, viele Reisende auf dem Bahnsteig. Der Zug \u2013\u00a0 es ist ein \u201eDoppeldecker\u201c \u2013 kommt zehn Minuten zu sp\u00e4t und scheint voll zu sein. Manche Fahrg\u00e4ste ziehen es vor, gar nicht erst nach einem Sitzplatz zu suchen, sondern setzen sich auf die Treppe. Mit r\u00fccksichtsvollem Balancieren kann man \u00fcber sie hinwegsteigen. <em>Freude:<\/em> auf dem oberen Deck sind vereinzelt noch Pl\u00e4tze frei. <em>Doch gef\u00fchlte 85 Prozent davon sind mit Gep\u00e4ckst\u00fccken belegt.<\/em><\/p>\n<p>Die Eigent\u00fcmer der Gep\u00e4ckst\u00fccke nehmen die Fahrg\u00e4ste nicht wahr, die durch die Reihen gehen, um sich an geeigneter Stelle niederzulassen (geschweige denn jene, die mit der Treppe vorlieb genommen haben). Man m\u00fcsste sie schon direkt ansprechen, ob der Platz frei ist. Aber halt! <strong>Ist das nicht eine Farce?<\/strong> Du fragst, obwohl du siehst, dass der Platz von R\u00fccksack oder Tasche besetzt ist. Kann man das wagen? Oder ist man angesichts dieser Situation gehalten, sich nach einem Platz ohne thronendes Gep\u00e4ckst\u00fcck umzusehen?<\/p>\n<p><em>Die Fragen purzeln in dieser Situation nur so durcheinander:<\/em><\/p>\n<p>Ist es so <strong>asozial<\/strong>, wie ich es empfinde, dass die Gep\u00e4ckabsteller die Wahlfreiheit zwischen den wenigen Sitzpl\u00e4tzen willk\u00fcrlich und unn\u00f6tig einschr\u00e4nken, obwohl auf der Ablage \u00fcber ihrem Kopf noch jede Menge Stauraum ist? Oder ist es <strong>normal<\/strong>, erst Platz zu schaffen, wenn man darauf angesprochen wird? Oder f\u00fchlt man sich <strong>provoziert<\/strong>, dass ausgerechnet jener Platz begehrt wird, auf dem die Tasche steht, wo doch anderswo sicherlich auch noch frei w\u00e4re? Ist es ein <strong>Risiko<\/strong>, indirekt die R\u00e4umung des Platzes mit der unschuldigen Floskel \u201eIst hier noch frei?\u201c zu verlangen (im Hinblick auf verbale Entgleisungen oder Schlimmeres)?<\/p>\n<p>Ist es ein \u201eGenerationsproblem\u201c (&#8220;jugendlicher Leichtsinn&#8221;), sich unbek\u00fcmmert so viel Platz zu nehmen, wie es gerade m\u00f6glich ist? Wird erwartet, in die Schranken verwiesen zu werden, wenn dies der Gemeinschaft abtr\u00e4glich ist bzw. dies jemandem nicht passt? <span style=\"color: #800080;\">Hei\u00dft das, dass Selber-Denken und Umsichtig-Sein nicht freiwillig und aus innerer Haltung heraus geschieht, sondern nur aufgrund von R\u00fcckmeldungen oder Reklamationen?<\/span><\/p>\n<p>Fr\u00fcher h\u00e4tte ich gefragt, h\u00e4tte etwas gesagt. Heute bin ich vorsichtig. Obwohl ich den Slogan \u201eNicht wegsehen\u201c vom Wei\u00dfen Ring unterschreibe und unterst\u00fctze. Sie kennen das Symbol von dem Vogel namens Strau\u00df, der den Kopf in den Sand steckt. Genau damit tut man niemandem einen Gefallen!<\/p>\n<p>Bescheiden ziehe ich mich zur\u00fcck auf einen Platz, auf dem es viel enger ist als gegen\u00fcber dem P\u00e4rchen, das harmlos aussieht und ein bisschen turtelt und die Bank gegen\u00fcber mit Gegenst\u00e4nden besetzt h\u00e4lt. Ein wenig nagt die Frage: <span style=\"color: #800080;\"><em><strong>Ist meine Vorsicht klug oder bin ich feige geworden? <\/strong><\/em><span style=\"color: #0000ff;\"><span style=\"color: #000000;\">Denn wenn ich mein Ausweichen als<\/span> Geste der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit <span style=\"color: #000000;\">empfinden w\u00fcrde, br\u00e4uchte ich weder gr\u00fcbeln, geschweige denn so viele Worte \u00fcber die Angelegenheit verlieren. Es bleibt dabei: Ich wei\u00df nicht was soll es bedeuten &#8230;<\/span><\/span><em><strong><br \/>\n<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p><em>* Bei der Lorely hei\u00dft es freilich &#8220;&#8230; dass ich so trauaurig bin&#8221;.<\/em> Traurig f\u00fchle ich mich aber nicht, sondern ratlos und &#8211; wenn ich es sehr kritisch nehme &#8211; unbeholfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u2026 dass ich so nachdenklich bin. Das Lied von der Loreley* ist mir zwar im Zug nicht eingefallen, aber die Melodie summe ich jetzt beim Tippen, damit die Widerspr\u00fcchlichkeiten lieblicher werden. Es geht um Egoismus, Zivilcourage, Provokation. Diese Stichworte fallen mir als erstes zu folgender Szene ein: Sonntagabend, viele Reisende auf dem Bahnsteig. 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