{"id":853,"date":"2012-07-03T19:41:45","date_gmt":"2012-07-03T17:41:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=853"},"modified":"2017-09-18T20:47:39","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:39","slug":"gegenuberstellung-kleider-privat-und-im-beruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/853","title":{"rendered":"Fotos: Kleider privat und im Beruf"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #ff00ff;\">Kleider machen Leute<\/span><\/strong> \u2013 Uniformen auch. Doch wer hat sich noch nie die Frage gestellt, wie ein Bischof oder eine Ordensschwester in Zivil aussieht? Der Clown wird dank seines Kost\u00fcms auf Anhieb erkannt. Tr\u00e4gt er lieber Jeans oder B\u00fcgelfaltenhosen seiner Freizeit?<\/p>\n<p>Diese Art Neugier befriedigt die <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #ff00ff;\">Foto-Ausstellung<\/span> \u201eKleider machen Leute\u201c <strong><span style=\"text-decoration: underline;\">noch bis 29. Juli 2012<\/span><\/strong> in <span style=\"color: #ff00ff;\">Dresden<\/span>. Im Hygiene-Museum werden etwa 70 Bildpaare gegen\u00fcber gestellt.\u00a0 Hier der Fleischer mit wei\u00dfer Sch\u00fcrze und M\u00fctze, mehrere Messer griffbereit in einem \u201cK\u00f6cher\u201c um den Bauch gebunden \u2013 und dort derselbe Mann daheim, wo man ihm seinen Beruf nicht ansieht. Welche Kluft bringt nun welche Aspekte der Pers\u00f6nlichkeit zur Geltung? \u00c4hneln sich der Berufs- und der Privatmensch oder legt sich ein Hebel um, sobald die Berufskleidung abgestreift wird?<\/span><\/p>\n<p>Herlinde Koelbl ging mit ihrer Kamera diesen Fragen nach. Die vielfach preisgekr\u00f6nte Dokumentarfilmerin und Fotografin ist ein Garant f\u00fcr \u00fcberzeugende Fotoserien. 1980 verbl\u00fcffte sie ihr Publikum mit einem Blick in \u201edeutsche Wohnzimmer\u201c, machte \u201eHaare\u201c zu einem spannenden Thema und portr\u00e4tierte \u201eM\u00e4nner\u201c sowie \u201eStarke Frauen\u201c. 1999 trat sie ins Rampenlicht mit der Serie \u201eSpuren der Macht \u2013 die Verwandlung des Menschen durch das Amt\u201c. Dazu hat sie jahrelang Politiker begleitet, darunter unter anderem Joschka Fischer und Gerhard Schr\u00f6der, einst Au\u00dfenminister bzw. Bundeskanzler. Je weiter sie sich in ihre Spitzenpositionen hinein entwickelten, desto tiefer wurden die Furchen in ihrem Gesicht.<\/p>\n<p>Nun also wirft Herlinde Koelbl die Frage auf, was Uniformen bewirken. Beim Tr\u00e4ger und beim Betrachter. Welche Uniformen beispielsweise den Platz in der Hierarchie markieren wie beim Chefarzt oder Respekt einfl\u00f6\u00dfen wie beim Security Guard. Macht Berufsbekleidung selbstbewusster wie bei der Kaminkehrerin Pia Behnisch? Sie sagt, sie trete lockerer und entspannter auf. Privat sei sie eher ein sch\u00fcchterner Mensch.<\/p>\n<p>Kleider beeinflussen das eigene K\u00f6rpergef\u00fchl, das Verst\u00e4ndnis von sich selbst im Gef\u00fcge des Alltags. Kleider beeinflussen auch den Bezug zu anderen Menschen. Nicht immer ist uns das gegenw\u00e4rtig, aber in dieser Ausstellung k\u00f6nnen wir es erleben. Zum Beispiel wenn wir Peter Sturzenegger gegen\u00fcberstehen. Fr\u00fcher war er Bodyguard. Der Schweizer ist stolz darauf, Standesweibel zu sein. Die schmucke Uniform strahlt f\u00f6rmlich gutes Benehmen im Dunstkreis der Macht aus. Die T\u00e4tigkeit h\u00e4tte ich aber nicht erraten k\u00f6nnen: Der Standesweibel, selbstverst\u00e4ndlich politisch neutral, ist bei offiziellen Anl\u00e4ssen des Bundespr\u00e4sidenten immer an dessen Seite. Seine Aufgaben reichen vom Kn\u00f6pfe ann\u00e4hen bis zum Schirm halten. Ich trete einen Schritt zur\u00fcck und gestehe, dass ich mich von Peter Sturzenegger auch gerne beschirmen lassen w\u00fcrde!<\/p>\n<p>Die 70 Bildpaare sind nicht nur jedes f\u00fcr sich eine Augenweide, sondern auch von der Mischung her interessant: Hier die Richterin und Generalinspekteur der Luftwaffe. Dort der Putzmann aus Japan, das Schulkind in S\u00fcdafrika, der McDonalds-Angestellte aus Deutschland. Bei jedem Bildpaar gibt ein kurzes Statement Auskunft dar\u00fcber, wie sich die Fotografierten selbst interpretieren und f\u00fchlen. Philippa Rath, Ordensschwester in Deutschland, tr\u00e4gt nur im Urlaub zivil und sagt: \u201eEs ist erholsam und befreiend, einmal nicht als Seelsorgerin in Anspruch genommen zu werden.\u201c In ihrer Tracht allerdings f\u00fchle sie sich wohler und h\u00fcbscher. Betnesan Bal, Mongolei, ist der einzige weibliche Officer in einer Anti-Terror-Einheit macht die Erfahrung, dass die M\u00e4nner sie in ihrer Freizeitkleidung attraktiver finden: \u201eSie haben mehr Distanz und sind eingesch\u00fcchtert, wenn ich die Uniform trage.\u201c<\/p>\n<p>Das Vergn\u00fcgen, diesen unterschiedlichen Portr\u00e4ts zu begegnen, wirkt auch nach dem Besuch der Ausstellung lange nach. Wer sich eingehender mit Herlinde Koelbl besch\u00e4ftigen m\u00f6chte, findet sie im Internet unter www.herlindekoelbl.de \/ Das Hygienemuseum ist unter www.dhmd.de anzuklicken.<\/p>\n<p>PS.: In KW 28 l\u00e4uft dieser Text auch unter http:\/\/germanradioshow.blogspot.de\/ (ab ca. 39&#8242; auf der Skala)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleider machen Leute \u2013 Uniformen auch. Doch wer hat sich noch nie die Frage gestellt, wie ein Bischof oder eine Ordensschwester in Zivil aussieht? Der Clown wird dank seines Kost\u00fcms auf Anhieb erkannt. 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