{"id":661,"date":"2011-06-07T09:24:04","date_gmt":"2011-06-07T07:24:04","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=661"},"modified":"2017-09-18T20:47:40","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:40","slug":"bin-ich-zu-weit-gegangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/661","title":{"rendered":"Bin ich zu weit gegangen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sprach-Schnitzer im Alltag und andere Kostbarkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Es muss wohl bei einem Besuch in Dresden gewesen sein, denn deutsch-deutsche Telefonverbindungen gab es Anfang der 80er Jahre f\u00fcr Privatleute so gut wie nicht. Meine Tante erz\u00e4hlte gewitzt Ungereimtheiten und Fallstricke aus dem DDR-Alltag. K\u00fcrzlich war sie beim Betreten eines Rasenst\u00fccks erwischt worden. Ein Vopo (Volkspolizist) hatte sie gestellt: <span style=\"color: #ff0000;\">\u201eB\u00fcrger, kommen Sie sofort zur\u00fcck!\u201c<\/span> Mangels Schild \u201ebetreten verboten\u201c war sie sich zwar keiner Schuld gewusst, aber offensichtlich f\u00fcr die Obrigkeit <span style=\"color: #0000ff;\"><em>zu weit gegangen<\/em>.<\/span><\/p>\n<p>Daran erinnerte mich eine Kritik, die ich 2007 am Telefon erntete. \u201eIch rufe Dich zur\u00fcck\u201c, hatte ich zum anderen Ende gesagt. Schlagfertig erwiderte mein Gespr\u00e4chpartner: \u201eWieso? Bin ich denn zu weit gegangen?\u201c Wir einigten uns darauf, dass ich nicht <strong><em>ihn<\/em><\/strong> zur\u00fcck rufe, sondern lediglich \u201ezur\u00fcck rufe\u201c. Ich versuche da nun schon mehrere Jahre einzuhalten, gebe aber zu, dass diese Sprachdisziplin schwer ist. Denn die Gepflogenheit, JEMANDEN zur\u00fcckzurufen, hat sich tief eingefr\u00e4st. Sie t\u00f6nt von zig Anrufbeantwortern und wurde auch schriftlich schon mannigfach verfestigt.<\/p>\n<p>Obwohl so viele Ambitionierte Wohl und Wehe der Sprache h\u00e4tscheln, bleibt manche Alltagsredewendung davon unbehelligt. Eine schmerzende Einsicht. Gegen diese Kritikresistenz l\u00e4sst sich keine Sprachbereinigung durchf\u00fchren. Womit wir beim n\u00e4chsten Sprachschnitzer w\u00e4ren: \u201edurchf\u00fchren\u201c: Wir f\u00fchren ein Zeltfest durch \u2013 warum feiern wir nicht einfach im Zelt? Wen schickt der Chef zum Kunden? \u201eDie Arbeiten werden durch unseren Kundendienst-Techniker A. M\u00f6glichmann durchgef\u00fchrt.\u201c. Das geht einem doch durch und durch, oder nicht? Mein Kopfkino sieht den Techniker durchbohrt, ein schwarzes Loch verunziert seinen Leib. Achten Sie mal drauf, wie viele Leute mit \u201edurch\u201c so ein Loch provozieren!<\/p>\n<p>Am Ende versichert man sich gegenseitig: \u201eAlles klar!\u201c Ist das heutzutage so unverzichtbar, weil man endlich reinen Tisch haben will? Wehe, jemand widerspricht, weil er ein Fragezeichen phantasiert hat, wo ein Ausrufungszeichen einen bekr\u00e4ftigenden Schlusspunkt setzt! Sympathisch soll er wirken dieser Schlusspunkt. Motto: Wir sind unkompliziert, alles ist easy (leicht), beehren Sie uns mit Ihren Unklarheiten bald wieder! Sollte unverhofft doch noch eine Frage auftauchen \u2013 kein Problem! W\u00e4re ja noch sch\u00f6ner, wenn f\u00fcr unseren elastischen Denkapparat ein Problem ein Problem w\u00e4re. <em><span style=\"color: #ff0000;\">Alles klar?<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprach-Schnitzer im Alltag und andere Kostbarkeiten Es muss wohl bei einem Besuch in Dresden gewesen sein, denn deutsch-deutsche Telefonverbindungen gab es Anfang der 80er Jahre f\u00fcr Privatleute so gut wie nicht. Meine Tante erz\u00e4hlte gewitzt Ungereimtheiten und Fallstricke aus dem DDR-Alltag. K\u00fcrzlich war sie beim Betreten eines Rasenst\u00fccks erwischt worden. 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