{"id":577,"date":"2011-01-20T06:39:17","date_gmt":"2011-01-20T04:39:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=577"},"modified":"2017-09-18T20:47:41","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:41","slug":"auf-der-spur-der-lebensmelodie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/577","title":{"rendered":"Auf der Spur der Lebensmelodie"},"content":{"rendered":"<p>Ankn\u00fcpfend an \u201eDer Trommler\u201c vom 12. Januar 2011 sind noch weitere Einstiegsvarianten in Memoiren vorstellbar. Der Trommler stand am Anfang einer Assoziationskette, die \u00fcber Grass in Zeiten f\u00fchrte, in denen niemand an Flatrate oder Handy dachte. Er h\u00e4tte aber auch Erinnerungen an Begegnungen mit <strong><em>Rhythmen und Musik<\/em><\/strong> ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Bleiben wir bei der Musik und verdichten auf dieser Linie m\u00f6gliche Mosaiksteine des Gestern:<\/em><\/p>\n<p>Gab es Hausmusik im Elternhaus, wurde gerne gesungen, h\u00f6rte man gezielt Radio \u2013 zum Beispiel \u201eMusik zur Kaffeestunde\u201c oder \u201eVom Telefon zum Mikrofon\u201c? War die \u201eHitparade\u201c mit Dieter Thomas Heck im Fernsehen ein Zankapfel oder toleriert?<\/p>\n<p>Welche Rolle spielten Musikinstrumente praktisch im eigenen Leben? Geh\u00f6rte man einem Orchester oder einem Musikverein an? Mussten die eigenen Kinder ein Instrument lernen, weil einem selbst dies verwehrt geblieben ist?<\/p>\n<p>Von der Trommel zum Schlagzeug ist es nicht weit: Welcher Schlagzeuger gab in der Jugend bevorzugt den Ton an? Welche Pop-Gruppe imponierte einem besonders? Sind Episoden aus der Tanzstunden-Zeit erinnerlich? Dienten Disko-Besuche der Entgrenzung? In welcher Kleidung und mit welcher Frisur zeigte man, dass man \u201ein\u201c ist? Wie f\u00fchlte es sich beim Brautwalzer an oder hat man den gemieden?<\/p>\n<p>Abgesehen davon verkn\u00fcpft eine Szene im Film \u201eDie Blechtrommel\u201c Musik mit Politik. Oskar Matzerath sitzt unter einer Trib\u00fcne und bringt die Marschmusik einer NS-Veranstaltung mit seiner Trommel aus dem Takt. So kann es auch im eigenen Musik-Erleben Ankl\u00e4nge an den Zeitgeist geben. Es gab wehm\u00fctige Lieder, die Heimatvertriebene gerne h\u00f6rten und sangen. Es gab in den 50er\/60er Jahren Gesangvereinsfeste mit Festumzug, wo schmissige Marschmusik zum guten Ton geh\u00f6rte. Im Bayerischen Rundfunk durften einzelne Titel \u2013 zumindest zeitweilig \u2013 nicht gesendet werden, weil sie angeblich zu \u201eanz\u00fcglich\u201c waren.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens spricht man ja auch von der &#8220;Lebensmelodie&#8221;. Bei einigen Menschen \u00fcberwiegen die helleren T\u00f6ne, bei anderen die Moll-F\u00e4rbung. Das muss nicht in allen Phasen gleich sein. Genau dies kann zum Aufh\u00e4nger f\u00fcr Erz\u00e4hlungen werden: Wann dominierten Fl\u00f6tent\u00f6ne, Tommeln oder Chor, wann war Polka oder Beat angesagt und wann wechselte das Lebensgef\u00fchl zu Jazz, Hardrock oder Opern &#8230;<\/p>\n<p>Manchmal schl\u00e4gt das Schicksal \u00fcberraschende Kapriolen. Bei den Recherchen zu diesem Thema erfuhr ich bei \u201ewikipedia\u201c, dass Dieter Thomas Heck als Sechsj\u00e4hriger in Hamburg nach einem Bombenangriff drei Tage lang versch\u00fcttet war und aufgrund dieses Traumas anschlie\u00dfend stotterte. Eine Gesangsausbildung half ihm dar\u00fcber hinweg und \u201ef\u00fchrte auch zu seiner F\u00e4higkeit als Schnellsprecher\u201c. (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dieter_Thomas_Heck\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dieter_Thomas_Heck<\/a>)<\/p>\n<p>In jedem Lebenslauf gibt es Wendungen, die aufhorchen lassen, Mut machen, Orientierung bieten. Deshalb: <strong>Jedes Schicksal ist einmalig und es wert, festgehalten zu werden.<em><strong> <\/strong><\/em><br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ankn\u00fcpfend an \u201eDer Trommler\u201c vom 12. Januar 2011 sind noch weitere Einstiegsvarianten in Memoiren vorstellbar. Der Trommler stand am Anfang einer Assoziationskette, die \u00fcber Grass in Zeiten f\u00fchrte, in denen niemand an Flatrate oder Handy dachte. Er h\u00e4tte aber auch Erinnerungen an Begegnungen mit Rhythmen und Musik ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. 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