{"id":303,"date":"2010-04-11T23:13:35","date_gmt":"2010-04-11T21:13:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=303"},"modified":"2017-09-18T20:47:43","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:43","slug":"das-spiel-der-unverfrorenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/303","title":{"rendered":"Das Spiel der Unverfrorenen"},"content":{"rendered":"<p>Tue B\u00f6ses und verdiene daran! Das funktioniert\u00a0und\u00a0ist momentan angesagt.\u00a0Sich dar\u00fcber zu emp\u00f6ren ist\u00a0uncool. \u201eAlles klar\u201c ist der Schlachtruf und: \u201eImmer sch\u00f6n locker bleiben!\u201c<\/p>\n<p>Man kann sich beispielsweise anma\u00dfen, mit gef\u00e4lschten Papieren als angeblicher Arzt Patienten zu behandeln und wird anschlie\u00dfend in Talkshows eingeladen. Wo niemand zu Schaden kam, liegt der Schluss nahe, um das Medizinstudium wird viel zu viel Trara gemacht. Arzt-Sein ist gar nicht so schwer. Wissensl\u00fccken lassen sich kaschieren, weil die Kollegen in der Klinik eh immer mit im Boot sind. Und wer wei\u00df, wer alles eine Zulassung als Landarzt bekommt, wenn die d\u00fcnne medizinische Versorgung in l\u00e4ndlichen Gegenden noch besorgniserregender wird?<\/p>\n<p>Man kann aber auch nach einer aktiven Gewaltphase abwarten, bis alle Straftaten verj\u00e4hrt sind, und dann ein Buch \u00fcber sein Doppelleben schreiben, was ebenfalls die T\u00fcren von Talkshows \u00f6ffnet. Gut verkauft sich die Kombination \u201ePolizist\/Hooligan\u201c. Ich kann mir aber auch Priester\/Porno-Fotograf vorstellen.<\/p>\n<p>Man kann auch als F\u00fchrungskraft ungeniert Gier und Unzul\u00e4nglichkeiten ausleben \u2013 die Konsequenzen tragen andere. Die Welt ist vergesslich, der Bonus bleibt gewiss, arbeitslos werden immer nur die schw\u00e4chsten Glieder in der Kette.<\/p>\n<p>Speziell als Frau muss ich nat\u00fcrlich eine Nische in diesem Spiel der Unverfrorenen finden. W\u00e4hrend ich noch emsig nach ihr suche, erfahre ich von einer Nachbarin, dass\u00a0sie unverhohlen klaut.\u00a0\u00a0Sie br\u00fcstet sich damit, eine gekaufte CD zu kopieren und anschlie\u00dfend bei Ebay wieder zu verh\u00f6kern.<\/p>\n<p>Von \u00fcberall her kommen also Anregungen, wie man sich illegal Vorteile verschafft und damit hoff\u00e4hig wird. Medien sollen das eigentlich anprangern, dar\u00fcber <em>zur Abschreckung<\/em> berichten.\u00a0Sch\u00f6n ist auch, wenn es den T\u00e4tern leid tut, was sie verbrochen haben. Da sch\u00f6pft man Hoffnung, denn es ist eine Entwicklung ablesbar.<\/p>\n<p>Aber nein, Reue ist auch nicht mehr garantiert! Der Polizist\/Hooligan empfindet jedenfalls keine, denn er ist ja in sein Doppelleben \u201ehineingeschlittert\u201c, was er in einem Buch der breiten \u00d6ffentlichkeit offeriert. Er macht von sich nicht zuletzt deshalb reden, weil er einen guten Dreh fand, sich aus seiner Vergangenheit herauszuwinden. Nahezu schmerzfrei herauszuwinden \u2013 wie wir glauben sollen.<\/p>\n<p>So hasten wir von Erschrecken zu Erstaunen, alles wird niedlich und bedarf kaum einer S\u00fchne. Soll hier die gerne zitierte Sensationslust bedient werden? Man kann zusehen, wie sie sich abnutzt. Der andere Effekt: Diese Kavaliersdelikte, die in Wirklichkeit keine sind, verwischen das Unrechtsbewusstsein schlechthin. Nur deshalb muss man sie beachten, diese laue Berichterstattung von Machenschaften, die entschieden bestraft geh\u00f6ren! Und \u00fcber Gegenstrategien nachdenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tue B\u00f6ses und verdiene daran! 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