{"id":278,"date":"2009-12-08T10:05:48","date_gmt":"2009-12-08T08:05:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=278"},"modified":"2017-09-18T20:47:44","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:44","slug":"bringschuld-oder-holschuld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/278","title":{"rendered":"Vom gr\u00fcnen Eisb\u00e4r und der Holschuld"},"content":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar hat vor zwei Stunden einen gr\u00fcnen Eisb\u00e4ren mit Geweih gesehen. Keine 30 Meter von seinem Grundst\u00fcck entfernt. Ihnen ist der Anblick entgangen, denn Sie waren zu diesem Zeitpunkt beim Einkaufen. Nun kommen Sie nach Hause, haben ihrem Nachbarn ein Kilo \u00c4pfel mitgebracht und klingeln bei ihm.<\/p>\n<p>Was geschieht? Es gibt mehrere M\u00f6glichkeiten. Entweder der Nachbar erz\u00e4hlt, was er gesehen hat oder er schweigt. Wenn er schweigt, w\u00fcrden Sie dann fragen: \u201eHast Du heute einen gr\u00fcnen Eisb\u00e4ren gesehen?\u201c Nein! Wie k\u00e4men Sie darauf, dass so etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches vorgefallen sein k\u00f6nnte? Sollte der Gesichtsausdruck des Nachbarn vermuten lassen, dass etwas Ungew\u00f6hnliches geschehen ist, w\u00fcrden Sie allenfalls fragen: \u201eWie war Dein Tag? Ist was passiert?\u201c<\/p>\n<p>Die Nachrichtensprecherin im Fernsehen wei\u00df immer mehr, als sie sagt, Zeitungsmacher m\u00fcssen ebenfalls eine Nachrichtenauswahl treffen. Was in der Sendung oder in der Zeitung nicht unterkommt, danach fragt schlie\u00dflich auch kaum ein\/e Mediennutzer\/in. Redaktionen sind Gatekeeper. Nur sie k\u00f6nnen im Auge behalten, was nicht an die \u00d6ffentlichkeit gelangt und ggf. nachhaken, was daraus geworden ist.<\/p>\n<p>In diesem Sinne haben Medien eine Bringschuld. Die Holschuld des B\u00fcrgers besteht darin, sich die Informationen zug\u00e4nglich zu machen, die auf dem Markt kursieren. Also die Zeitung zu kaufen oder das Radio bzw. den Fernseher einzuschalten.<\/p>\n<p>Neuerdings w\u00e4chst die Holschuld. Es gibt kaum mehr einen Beitrag im Radio oder im Fernsehen, der nicht aufs Internet verweist, wo weiter f\u00fchrende Informationen abrufbar sind. Printmedien machen es ebenso. Entlastet das die Redaktionen von dem Druck, eine Auswahl treffen zu m\u00fcssen? F\u00fcr ihre Bringschuld gibt es sozusagen ein \u201eSchlupfloch\u201c: Wer mehr erfahren m\u00f6chte, kann sich ja des Internets bedienen \u2026<\/p>\n<p>Wer ist in diesem System der &#8220;gr\u00fcne Eisb\u00e4r&#8221;. sprich die Au\u00dfergew\u00f6hnlichkeit schlechthin? Richtig: der Mensch ohne Internetzugang. Ja, es gibt ihn! Hoffentlich behalten die Medienschaffenden diese Spezies im Auge! Beispielsweise jene, die sich im vorger\u00fcckten Alter an keinen PC mehr gew\u00f6hnen m\u00f6chten. Oder jene, die schlicht die Kosten f\u00fcr die Nutzungsgeb\u00fchren nicht aufbringen k\u00f6nnen. Sie alle werden ausgespart, wenn es um die schnell dahin gesagte Verf\u00fcgbarkeit des gro\u00dfen Informationenpakets im WWW geht, das die Massenmedien als Fundgrube anpreisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar hat vor zwei Stunden einen gr\u00fcnen Eisb\u00e4ren mit Geweih gesehen. Keine 30 Meter von seinem Grundst\u00fcck entfernt. Ihnen ist der Anblick entgangen, denn Sie waren zu diesem Zeitpunkt beim Einkaufen. Nun kommen Sie nach Hause, haben ihrem Nachbarn ein Kilo \u00c4pfel mitgebracht und klingeln bei ihm. Was geschieht? 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