{"id":239,"date":"2009-10-15T10:42:49","date_gmt":"2009-10-15T08:42:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=239"},"modified":"2017-09-18T20:47:44","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:44","slug":"scharze-hautfarbe-ist-gefahrlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/239","title":{"rendered":"Schwarze Hautfarbe ist gef\u00e4hrlich"},"content":{"rendered":"<p>N\u00e4chste Woche kommt der Film in die Kinos \u201eG\u00fcnter Wallraff: Schwarz auf wei\u00df. Eine Reise durch Deutschland\u201c. Der Journalist hatte sich als Somalier schminken lassen und allerlei Fremdenfeindlichkeit und Rassismus am eigenen Leib erfahren. Gestern erz\u00e4hlte er davon am Stand der \u201eZEIT\u201c auf der Frankfurter Buchmesse.<\/p>\n<p>Unter anderem wollte Wallraff eine Wohnung in K\u00f6ln mieten. Eine Vermieterin benahm sich artig, zeigte ihm die R\u00e4ume. Die anschlie\u00dfenden Miet-Interessenten stammten aus dem Filmteam und verwickelten die Dame in ein Gespr\u00e4ch \u00fcber den Schwarzen, der sich soeben verabschiedet hatte. Schnell wurde klar, dass die Wohnung f\u00fcr Menschen mit schwarzer Hautfarbe nicht zu haben ist. Dabei half es auch nichts, dass die Vermieterin das Aussehen mit jenem von Seal, dem prominenten S\u00e4nger und Publikumsliebling (Ehemann des Models Heidi Klum), in Verbindung brachte \u2013 die Farbe rief unwiderrufliches Entsetzen bei ihr hervor. Sp\u00e4ter stimmte sie sogar zu, dass ihre heimlich gedrehten Aussagen im Film ver\u00f6ffentlicht werden d\u00fcrfen. Offenbar f\u00fchlt(e) sie sich in ihrer Haltung so sicher, dass sie keine Kritik f\u00fcrchtete bzw. vermutlich mit zustimmenden Kommentaren von Gleichgesinnten rechnete.<\/p>\n<p>Das l\u00f6ste in mir eine R\u00fcckblende aus: 1971 hatte ich mir als Sch\u00fclerin f\u00fcr einen Aufsatzwettbewerb voller Enthusiasmus f\u00fcr eine Welt ohne Grenzen und Ausgrenzungen eine Umfrage zu Ressentiments gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern ausgedacht und die Ergebnisse dargelegt. Ein Frage lautete: W\u00fcrden Sie einem Farbigen ein Zimmer vermieten? (Im gleichen Jahr brachte Klaus Staeck das Plakat mit der Zeichnung von Albrechts D\u00fcrers Mutter heraus \u2013 provokante Frage: W\u00fcrden sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?) Ich kann mich noch an hei\u00dfe Debatten erinnern, die letztlich in der Frage an meine Eltern gipfelte, ob sie mich versto\u00dfen w\u00fcrden, wenn ich einen Mann mit anderer Hautfarbe heiraten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich musste mich noch nirgendwo wegen meines Wei\u00df-Seins \u201ebew\u00e4hren\u201c, bin aber froh und dankbar, wenn ich im Ausland aufgrund von Formfehlern, zu geringen Sprachkenntnissen oder sonstiger \u201eAndersartigkeit\u201c nicht schief angesehen oder gar angegriffen werde. Von der Aktion S\u00fchnezeichen besitze ich seit Jahren den Aufkleber \u201eAlle Menschen sind Ausl\u00e4nder. <strong>Fast \u00fcberall.<\/strong>\u201c Beklommen frage ich, ob all die Jahre des Einstehens f\u00fcr Toleranz wirkungslos waren.<\/p>\n<p>Wallraffs Arbeit w\u00fcnsche ich, dass sie Lust entfache am Genau-Hinsehen und Kritisch-Nachfragen. Deutschland w\u00fcnsche ich, dass nachwachsende Journalisten das gewissenhafte \u201eWallraffen\u201c erlernen und somit Blicke auf die Republik aus vielerlei Perspektiven erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Praktische \u00dcbung auf der Heimreise: Vorurteilssuche im eigenen Hirn auf dem Bahnsteig half Distanz \u00fcben gegen\u00fcber den Unw\u00e4gbarkeiten, vor denen man nie sicher sein kann &gt; Welcher der Umstehenden w\u00fcrden mich ohne Bedenken umrempeln, wer Andersfarbige herabw\u00fcrdigen, wer entschlossen Schw\u00e4chere bei Gefahr in Schutz nehmen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>N\u00e4chste Woche kommt der Film in die Kinos \u201eG\u00fcnter Wallraff: Schwarz auf wei\u00df. Eine Reise durch Deutschland\u201c. Der Journalist hatte sich als Somalier schminken lassen und allerlei Fremdenfeindlichkeit und Rassismus am eigenen Leib erfahren. Gestern erz\u00e4hlte er davon am Stand der \u201eZEIT\u201c auf der Frankfurter Buchmesse. 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