{"id":1999,"date":"2025-07-14T01:27:18","date_gmt":"2025-07-13T23:27:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1999"},"modified":"2025-07-14T01:38:26","modified_gmt":"2025-07-13T23:38:26","slug":"aus-der-wueste-zu-bruecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1999","title":{"rendered":"Aus der W\u00fcste zu Br\u00fccken"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Anthologie &#8220;365 Tage Frieden&#8221; ist j\u00fcngst erschienen. Die Premiere-Lesung h\u00e4tte ich gerne in der Friedenswerkstatt Mutlangen e. V. platziert, doch nun wird sie voraussichtlich im April 2026 in Schorndorf stattfinden. Vorab ver\u00f6ffentliche hier meinen Beitrag in dem Werk, das 528 Seiten umfasst und leider ohne Inhalts- und AutorInnen-Verzeichnis auskommen muss. Herausgegeben haben es R\u00fcdiger Heins und Michael Landgraf. <br><br>Auf der einen Seite gibt es Aktionen gegen die Stationierung von Atomwaffen und ein noch h\u00f6heres Budet f\u00fcr die R\u00fcstung, auf der anderen Seite suchen wir nach L\u00f6sungen, um die Morde in Krisengebieten zu stoppen, wobei zu allerst immer die Ukraine genannt wird, die in Europa einem Angriffskrieg ausgesetzt ist, der die \u00dcbergriffigkeit des Aggressors f\u00fcrchten lehrt. Was kann man dem schriftstellerisch entgegensetzen? Ich versuche es mit einem M\u00e4rchen, da ich an die Wirksamkeit sanfter Worte ebenso glaube wie an Paukenschl\u00e4ge des Protests. <br><br><strong>Hier die Geschichte &#8220;Aus der W\u00fcste zu Br\u00fccken&#8221;<\/strong><br><br>Einsam stapft ein R\u00fcstungslobbyist durch die W\u00fcste und schimpft vor sich hin: \u201eDieser verdammte Frieden! Alles verloren. Nichts ist mir geblieben. Und niemand will mehr etwas von mir wissen.\u201c Da tritt ein Esel hinter windschiefem Gestr\u00fcpp hervor: \u201eGeht es Dir auch so? Schon seit Tagen sehe ich keine Menschenseele, weil keiner mehr fl\u00fcchtet vor Bomben und bewaffneten \u00dcberf\u00e4llen.\u201c Sie tun sich zusammen, vor ihnen undefinierbares Gel\u00e4nde. Die Hitze macht sie wortkarg, hin und wieder bleiben sie stehen und lauschen, ob alles still bleibt.<br><br>Nach einer Weile treffen sie einen Igel: \u201eEndlich traue ich mich wieder ans Licht, weil ich nicht mehr vor Leuchtraketen erschrecken muss.\u201c Der Lobbyist fragt: \u201eDu hast also einen Vorteil durch den Frieden?\u201c Verwundert entgegnet der Igel: \u201eJa. Du etwa nicht?\u201c Nun erz\u00e4hlt der Lobbyist, wie er die Partys auf h\u00f6chster Ebene vermisst, dass seine Frau auf und davon ist, weil sie seinen Beruf hasste, und dass er kein Ziel mehr habe. Tr\u00f6stend meint der Igel: \u201eWir k\u00f6nnen gemeinsam erbauliche Ziele suche. Mein erstes ist, meine Familie zu finden, die sich in Sicherheit gebracht hat.\u201c<br> <br>Kurz darauf kommen die drei Wanderer an eine Oase, an der \u00dcberlebende lagern, die sich gerne ihrer Ziel-Suche anschlie\u00dfen. Sie bringen ihre eigenen Vors\u00e4tze und Vorstellungen ins Spiel, denn auch sie hatten nachgedacht, wie das Leben sicherer und sinnvoller werden k\u00f6nnte. Unter den Neulingen sind nur wenige Kriegsgewinnler, die sich nach und nach \u00fcberzeugen lassen, dass eine bessere Zeit angebrochen ist. Mit jedem Schritt verliert sich ihr Zaudern, ob man nicht doch lieber in die gewohnte Zwietracht und Feindseligkeit zur\u00fcckfallen sollte.<br><br>So zieht die vergr\u00f6\u00dferte Gruppe weiter und begegnet bald wieder Menschen, die unterwegs sind, um eine Zukunft zu gestalten, in der Gegens\u00e4tze nebeneinander existieren k\u00f6nnen, ohne dass Blut vergossen und Verelendung erlitten werden muss. Sie will MeisterInnen im Br\u00fcckenbauen im Praktischen wie im Geistigen ausbilden und f\u00f6rdern, wohl wissend, dass Frieden nicht ohne stetes Bem\u00fchen haltbar ist.<br><br>An dieser Stelle kann die Erz\u00e4hlung enden, der folgende Verlauf ist bereits abzusehen; er darf der Zuversicht aller Eingeweihten \u2013 inklusive Leserinnen und Leser \u2013 \u00fcberlassen werden. Sogar der R\u00fcstungslobbyist verneigt sich vor der Macht der Tr\u00e4ume und Visionen und gewinnt Vertrauen in ausgleichende Gerechtigkeit. Der Igel findet zwar seine Familie nicht wieder, gr\u00fcndet jedoch eine neue und vers\u00f6hnt sich mit dieser unverhofften F\u00fcgung des Schicksals. Der Esel freut sich, als ihm die Patenschaft \u00fcber mehrere kleine Igelchen angetragen wird. Als die Sch\u00fctzlinge ihn nicht mehr als Spielgef\u00e4hrten brauchen, zieht er mit einem Zirkus um die Welt, um \u00fcberall f\u00fcr Respekt, Toleranz, und Mitgef\u00fchl zu werben.<br>* Erschienen bei Edition Maya, ISBN 978-3-930758-95-3, 24 \u20ac<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anthologie &#8220;365 Tage Frieden&#8221; ist j\u00fcngst erschienen. Die Premiere-Lesung h\u00e4tte ich gerne in der Friedenswerkstatt Mutlangen e. V. platziert, doch nun wird sie voraussichtlich im April 2026 in Schorndorf stattfinden. Vorab ver\u00f6ffentliche hier meinen Beitrag in dem Werk, das 528 Seiten umfasst und leider ohne Inhalts- und AutorInnen-Verzeichnis auskommen muss. 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