{"id":1867,"date":"2021-08-28T19:40:52","date_gmt":"2021-08-28T17:40:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1867"},"modified":"2021-08-29T18:43:38","modified_gmt":"2021-08-29T16:43:38","slug":"die-welt-immer-noch-nicht-passend-fuer-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1867","title":{"rendered":"Die Welt \u2013 immer noch nicht passend f\u00fcr Frauen"},"content":{"rendered":"\n<p>Kaum hatte ich meinen Beitrag <strong>\u201eKlo. Wo?\u201c<\/strong> gepostet, fiel mir <strong>\u201eDas Patriarchat der Dinge: Warum die Welt Frauen nicht passt\u201c<\/strong> von Rebekka Endler in die H\u00e4nde. Der \u00f6ffentliche Raum ist \u2013 so belegt sie \u2013 an den Bed\u00fcrfnissen von M\u00e4nnern ausgerichtet. Auf die Klo-Frage stie\u00df ich bei der Lekt\u00fcre gleich als erstes Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird geschildert, wie eine niederl\u00e4ndische Studentin 2015 f\u00fcrs \u201eWildpinkeln\u201c Strafe zahlen sollte und sich dagegen wehrte. Als sie dem Drang ihrer vollen Blase in einer gesch\u00fctzten Ecke nachgab, wurde sie von der Polizei beobachtet und war ca. 1,5 km vom n\u00e4chstgelegenen Sitzklo entfernt. Es hie\u00df damals, Frauen sei im Zweifelsfall zuzumuten, ein Urinal aufzusuchen, wobei die niederl\u00e4ndischen Modelle allerdings die Sicht auf das Hinterteil freigeben, wenn eine Frau in die Hocke geht. Ein Urinal w\u00e4re n\u00e4her gewesen, aber die Scham vermutlich nicht geringer.<\/p>\n\n\n\n<p>Frauen \u2013 so ist in diesem Kapitel weiter ausgef\u00fchrt \u2013 hatten sich fr\u00fcher nicht \u00fcber weite Strecken im \u00f6ffentlichen Raum aufzuhalten und wurden deshalb beim Bau von \u201eBed\u00fcrfnisanstalten\u201c kaum &nbsp;ber\u00fccksichtigt. M\u00e4nner seien \u00f6fter beim \u201ewilden\u201c Urinieren erwischt worden. Somit war die Notwendigkeit, sichtsch\u00fctzende Rundelle f\u00fcr sie aufzustellen, offenbar.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4nner werden auch heute noch am Waldrand und sonstigen Pl\u00e4tzen gesichtet, wenn sie ihr kleines Gesch\u00e4ft nicht bis zur n\u00e4chsten Toilette aufheben k\u00f6nnen. Wenn Frau dar\u00fcber witzeln oder schimpfen, wird ihnen gerne vorgehalten, sie seien nur neidisch, weil sie sich nicht so bequem erleichtern k\u00f6nnen. Man k\u00f6nnte dar\u00fcber mit einem Achselzucken hinweggehen, wenn das Netz von \u00f6ffentlichen Toiletten dichter w\u00e4re. Au\u00dferdem gibt es ja noch einen gravierenden Unterschied zwischen M\u00e4nnlein und Weiblein in dieser Angelegenheit: H\u00e4ufig m\u00fcssen Frauen daf\u00fcr bezahlen, ein \u201estilles \u00d6rtchen\u201c nutzen zu d\u00fcrfen, w\u00e4hrend M\u00e4nnern das nebenan gratis gew\u00e4hrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Mann das Ma\u00df aller Dinge ist (das formuliert auch der Dumont Verlag zu diesem Buch), kann das ganz sch\u00f6n gef\u00e4hrlich werden. Man denke nur an \u201eDiagnoseverfahren und medizinische Ger\u00e4te bis hin zu Dosierung von Medikamenten. Aber auch Die Dummys f\u00fcr Crashtests haben den m\u00e4nnlichen K\u00f6rper zum Vorbild \u2013 und damit das ganze Auto samt Airbags und Sicherheitsgurten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang ist auch der SPIEGEL-Bestseller <strong>\u201eUnsichtbare Frauen\u201c<\/strong> von Caroline Criado-Perez interessant. Sie legt (Klappentext) \u201edie geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Erhebung wissenschaftlicher Daten offen. Die so entstandene Wissensl\u00fccke liegt der kontinuierlichen und systemischen Diskriminierung von Frauen zugrunde und erzeugt eine unsichtbare Verzerrung, die sich stark auf das Leben von Frauen auswirkt. Beispiele aus Politik, Technologie, Arbeitswelt, Stadtplanung und medizinischer Forschung zeigen, wie Verzerrungen bei der Datenerhebung Frauen ausschlie\u00dfen.\u201c (btb) Ein spannendes Buch, fl\u00fcssig und alltagsnah geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gewaltige Ignoranz diesem Themenkomplex gegen\u00fcber bekommt schon Jahrzehnte Gegenwind. Der schwillt inzwischen vernehmlich an und fegt sie hoffentlich schleunigst auf Nimmerwiedersehen hinweg!<\/p>\n\n\n\n<p>Rebekka Endler. Das Patriarchat der Dinge: Warum die Welt Frauen nicht passt. 336 Seiten, 2021, DuMont Buchverlag, 22 \u20ac<\/p>\n\n\n\n<p>Caroline Criado-Perez. Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung ignoriert, 496 Seiten, 2020, btb Verlag, 15 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum hatte ich meinen Beitrag \u201eKlo. Wo?\u201c gepostet, fiel mir \u201eDas Patriarchat der Dinge: Warum die Welt Frauen nicht passt\u201c von Rebekka Endler in die H\u00e4nde. Der \u00f6ffentliche Raum ist \u2013 so belegt sie \u2013 an den Bed\u00fcrfnissen von M\u00e4nnern ausgerichtet. Auf die Klo-Frage stie\u00df ich bei der Lekt\u00fcre gleich als erstes Beispiel. 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