{"id":1802,"date":"2021-05-20T13:36:05","date_gmt":"2021-05-20T11:36:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1802"},"modified":"2021-05-20T17:27:46","modified_gmt":"2021-05-20T15:27:46","slug":"auf-der-hoehe-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1802","title":{"rendered":"Auf der H\u00f6he der Zeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Der &#8220;Tag des Fremdworts&#8221; (heute) erinnert daran, dass die Welt noch nie einfach und leicht durchschaubar schien und man sich zu jeder Zeit ad\u00e4quat ausdr\u00fccken musste. ad\u00e4quat = angebracht, angemessen, entsprechend, geeignet.<br>Der Tag erinnert mich aber auch daran, dass ich fr\u00fcher Menschen bewunderte, die gerne und viele Fremdworte verwendeten. Das verhie\u00df einen gewissen Grad an Bildung, der als erstrebenswert galt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/spiegspieg-hell.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/spiegspieg-hell-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1356\" width=\"317\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/spiegspieg-hell-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/spiegspieg-hell-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/spiegspieg-hell-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/spiegspieg-hell.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Doch bald offenbarte sich hier ein zweischneidiges Schwert. Manche Menschen benutzten Fremdw\u00f6rter, um unter sich zu bleiben, als eine Art Ausweis f\u00fcr ihre Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Kaste. Kasten waren aber doch abgeschafft, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich als junge Volont\u00e4rin einen Artikel geschrieben hatte und er klang kompliziert, durfte er nicht in die Technik zur Weiterverarbeitung (wir tippten die Manuskripte an manuellen Schreibmaschinen auf Papier), bevor ihn unsere Raumpflegerin abends gegengelesen hatte. Ihre Berufsbezeichnung hie\u00df damals noch &#8220;Putzfrau&#8221;. Und erst wenn sie den Text verst\u00e4ndlich fand, durfte ich ihn in den Satz geben. Dann war ich stolz darauf, die richtigen Worte gefunden zu haben. Korrekturen waren manchmal n\u00f6tig und fielen dank ihres &#8220;Feedbacks&#8221; leicht. (Wer sagt eigentlich heute noch &#8220;R\u00fcckmeldung&#8221;?)<\/p>\n\n\n\n<p>Unvermeidlich bin ich inzwischen auch in die &#8220;Kaste&#8221; gerutscht, in der munter Fremdw\u00f6rter verwendet werden. Dennoch tut diese Pr\u00e4gung mit dem Stichwort &#8220;Putzfrau&#8221; weiterhin ihre Wirkung. Ich schlage \u00f6fter nach, wenn ich bei einem Fremdwort z\u00f6gere (oder stolpere), weil ich entweder a) seine Bedeutung nur &#8220;so ungef\u00e4hr&#8221; wei\u00df und\/oder b) es doch lieber so ausdr\u00fccken m\u00f6chte, dass das Fremdwort \u00fcberfl\u00fcssig wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Oft genug k\u00e4mpfe ich mit der Einsicht, dass es einer &#8220;Umstandskr\u00e4merei&#8221; gleicht, alles &#8220;\u00fcbersetzen&#8221; zu wollen. Aber die kritische Selbsthinterfragung, wann etwas Imponiergehabe, unreflektierte Routine oder zu hohem Grad notwendig ist, sch\u00e4rft meine Auseinandersetzung mit der Sprache laufend. Eine Leidenschaft, mit der ich gerne andere Autor:innen anstecken m\u00f6chte. Transparenz wird allseits reklamiert und ist ein Grundstein der Demokratie. Wie eine hoch angesehene Tugend, die als Leitmotiv verfolgt: &#8220;Auf der H\u00f6he der Zeit und dennoch verst\u00e4ndlich bleiben.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der &#8220;Tag des Fremdworts&#8221; (heute) erinnert daran, dass die Welt noch nie einfach und leicht durchschaubar schien und man sich zu jeder Zeit ad\u00e4quat ausdr\u00fccken musste. ad\u00e4quat = angebracht, angemessen, entsprechend, geeignet.Der Tag erinnert mich aber auch daran, dass ich fr\u00fcher Menschen bewunderte, die gerne und viele Fremdworte verwendeten. 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