{"id":1583,"date":"2018-12-25T14:20:34","date_gmt":"2018-12-25T12:20:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1583"},"modified":"2018-12-26T12:35:55","modified_gmt":"2018-12-26T10:35:55","slug":"wissen-was-in-den-koepfen-vorgeht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1583","title":{"rendered":"Wissen, was in den K\u00f6pfen vorgeht"},"content":{"rendered":"<p>Die Grundstimmung ist nicht einheitlich. JedeR von uns begegnet Menschen, die ganz unterschiedlichen Pr\u00e4gungen und Einfl\u00fcssen unterliegen. Einer jener Vordenker, deren Impulse ich sehr sch\u00e4tze, m\u00f6chte seine Gedanken verbreitet wissen, auf die er in seinem Weihnachts-Newsletter hinweist:\u00a0Gerald H\u00fcther fasst unter der \u00dcberschrift <span style=\"color: #0000ff;\"><strong>&gt;&gt;\u00a0Die frohe Botschaft ist doch l\u00e4ngst\u00a0verk\u00fcndet. Warum nur harret sie ihrer\u00a0Wahrhaftigwerdung so furchtbar lang? &lt;&lt;<\/strong><\/span>\u00a0zusammen, was ihm am Herzen liegt. Nachzulesen hier:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.gerald-huether.de\/free\/Weihnachtsbotschaft_2018.pdf\">https:\/\/www.gerald-huether.de\/free\/Weihnachtsbotschaft_2018.pdf<\/a><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite gibt es BILD. Das Blatt f\u00fcttert uns nach wie vor mit fragw\u00fcrdigen &#8220;Wahrheiten&#8221; und legt irrige Schl\u00fcsse nahe. Seine Verkaufszahlen gehen zwar zur\u00fcck, und R\u00fcgen vom Deutschen Presserat gab es auch wieder. Doch sollte sich niemand t\u00e4uschen: diese &#8220;Botschaften&#8221; finden sehr leicht Einlass in Gehirne, die das gesamte Wirrwarr unserer Republik satt haben und nach Vereinfachung streben.<\/p>\n<p>BILD-Denkschemata durchleuchtet der BILD-Blog, dessen Beobachtungen man abonnieren kann. \u00dcber das Jahr 2018 haben die BloggerInnen einiges herausgefunden, das man einfach wissen sollte f\u00fcr den Fall, dass man Leuten diskutiert, die BILD regelm\u00e4\u00dfig konsumieren:\u00a0<a href=\"https:\/\/bildblog.de\/105347\/muslimische-woelfe-sofort-abschieben-das-jahr-in-bild\/\">https:\/\/bildblog.de\/105347\/muslimische-woelfe-sofort-abschieben-das-jahr-in-bild\/<\/a><\/p>\n<p>Dass ich auch auf Facebook (fb) vertreten bin, habe ich an dieser Stelle schon einmal erw\u00e4hnt. Am Jahresende finde ich es lohnend, nachzusehen, was ich des Postens f\u00fcr wert befunden habe. (fb kann man auch als eine Art &#8220;Archiv&#8221; nutzen.) In meinem T\u00e4tigkeitsbereich wichtig ist das Projekt<span style=\"color: #0000ff;\"><strong> &#8220;Frauen z\u00e4hlen&#8221;<\/strong><\/span>, f\u00fcr das u. a. die Schriftstellerin\u00a0Nina George in einer Vielzahl von Medien warb &#8211; beispielsweise in NDR &gt;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/Nina-George-ueber-Projekt-Frauen-zaehlen,journal1556.html?fbclid=IwAR1SZZVAleVmSfw32iIo02ikU0THGH3nKdoVbVKBTU_ADL5HsBVpiuqytl8\">https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/Nina-George-ueber-Projekt-Frauen-zaehlen,journal1556.html?fbclid=IwAR1SZZVAleVmSfw32iIo02ikU0THGH3nKdoVbVKBTU_ADL5HsBVpiuqytl8<\/a><\/p>\n<p>Es geht um die Sichtbarkeit von Frauen im Literaturbetrieb, die mein Kurs &#8220;kreativ schreiben&#8221; in Schorndorf bei seiner Lesung am 17.10.2018 <span style=\"color: #0000ff;\"><strong>&#8220;Mit Texten zum Olymp \u2013 Nobelpreise an Frauen&#8221;<\/strong><\/span> ebenfalls zum Thema machte. Unterst\u00fctzt wird das Projekt von der Universit\u00e4t Rostock, wo man sich leicht einen \u00dcberblick \u00fcber die Leitfragen und Ergebnisse verschaffen kann &gt;\u00a0<a href=\"http:\/\/www.xn--frauenzhlen-r8a.de\/\">http:\/\/www.xn--frauenzhlen-r8a.de\/<\/a>\u00a0(Einen Auszug aus meiner Begr\u00fc\u00dfungsrede dokumentiere ich unten.)<\/p>\n<p>Kurse 2019 sind hier online &gt;\u00a0<a href=\"http:\/\/journalismus-und-mehr.com\/lesehimmel.php\">http:\/\/journalismus-und-mehr.com\/lesehimmel.php<\/a><\/p>\n<p>Auf fb bin hier hier anzutreffen &gt;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/renate.schauer.94\">https:\/\/www.facebook.com\/renate.schauer.94<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Bleiben Sie weiterhin in Auseinandersetzung <\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">mit den widerstreitenden Elementen der Gesellschaft!<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Das w\u00fcnsche ich mir \/ Ihnen \/ Euch f\u00fcr 2019!<\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366;\">Auszug aus der Begr\u00fc\u00dfungsrede &gt; Lesung am 17.10.2018<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #800080;\"><strong>Mit Texten zum Olymp \u2013 Nobelpreise an Frauen\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Wie sichtbar sind schreibende Frauen in unserer Gesellschaft? Welche Rolle spielten und spielen Literaturnobelpreistr\u00e4gerinnen?<\/p>\n<p>Mir fiel Doris Lessing ein. Lag nicht in den 80ern ihr \u201eGoldenes Notizbuch\u201c auf meinem Nachttisch? Hatte sie nicht den Nobelpreis erhalten? Ebenso Pearl S. Buck, deren Roman \u201eDie gute Erde\u201c mich in meiner Jugend begeisterte?<\/p>\n<p>Ich holte mir das \u201eGoldene Notizbuch\u201c aus der B\u00fccherei und konnte nichts mehr damit anfangen. Die Euphorie von damals wollte sich nicht wieder einstellen. 37 Jahre waren vergangen. Und in der Summe ganze 56 Jahre,\u00a0seit das Original auf den Markt kam.<\/p>\n<p>Die Zeiten \u00e4ndern sich und wir uns mit ihnen. <strong>Das ist Merksatz Nr. 1!<\/strong><\/p>\n<p>Doch vor ca. drei Jahren packte mich Lessings Roman \u201eDas f\u00fcnfte Kind\u201c, der gleichwohl 30 Jahre auf dem Buckel hat. Ein auswegloses Familiendrama, das mich nicht aus den Klauen lie\u00df. Obwohl hier ein unglaubliches Monster die Nerven strapaziert, fand ich diesen Stoff weniger d\u00fcster als \u201eDie Atemschaukel\u201c von Herta M\u00fcller. Ich qu\u00e4lte mich durch dieses Buch und hatte hinterher das Gef\u00fchl, etwas Wichtiges gelesen zu haben \u2013 mehr nicht.<\/p>\n<p>Um beim Tragischen zu bleiben: Die dokumentarische Prosa von Swetlana Alexijewitsch \u00fcberzeugt durch eine hohe Pr\u00e4senz, die mich sofort f\u00fcr diese literarische Form einnahm. Erreicht wird das mit einer Vielfalt von Perspektiven und Facetten, was zum Beispiel in \u201eGespr\u00e4che mit Lebenden und Toten\u201c zum Ausdruck kommt. Dieses H\u00f6rspiel handelt von dem Reaktorungl\u00fcck 1986 in Tschernobyl. Die wei\u00dfrussische Preistr\u00e4gerin ist auch Journalistin.<\/p>\n<p>Vielleicht erkl\u00e4rt das meine N\u00e4he zu ihr.\u00a0Sie transferiert Katastrophen und gesellschaftliche Umw\u00e4lzungen auf eindringliche Art und Weise. Keine leichte Kost!<\/p>\n<p>Als <strong>Merksatz Nr. 2 <\/strong>formiert sich<strong>: <\/strong>Wertvolle Literatur muss nicht immer gefallen.<\/p>\n<p><strong>Merksatz Nr. 3<\/strong> lautet: Es gibt wenig Literatur, die ihre Faszinationskraft \u00fcber viele Epochen hinweg beh\u00e4lt. Und diese Literatur muss nicht immer preisgekr\u00f6nt sein.<\/p>\n<p>Denn viele andere Schriftsteller*innen h\u00e4tten den Literaturnobelpreis ebenfalls verdient gehabt. Man denke nur Leo Tolstoi \u2013 \u201eKrieg und Frieden\u201c \u2013 oder an Simone de Beauvoir usw.<\/p>\n<p>Es gibt Preise, zu denen wird man vorschlagen. Und Preise, um die man sich bewerben muss. Weitreichende Recherchen ergaben, dass Frauen bei all diesen Preisen bisher zu kurz kamen. Auch beim Literaturnobelpreis, f\u00fcr den die Jury Vorschl\u00e4ge aus aller Welt einholt. Eine schwierige und langwierige Prozedur, die man im Internet nachlesen kann.<\/p>\n<p>1901 wurde der Preis erstmals vergeben. Seither erhielten ihn 99 M\u00e4nner und nur 14 Frauen. Trotzdem: Wie sich die Zeiten \u00e4ndern, l\u00e4sst sich an den Jahreszahlen ablesen: seit 1991 \u2013 also in den letzten 27 Jahren \u2013 haben acht Frauen diese noble Auszeichnung erhalten, im Zeitraum zuvor, der mehr als dreimal so lang war (n\u00e4mlich 89 Jahre), erhielten ihn nur sechs.<\/p>\n<p>Die 14 Literaturnobelpreistr\u00e4gerinnen nun ein wenig ins Rampenlicht zu holen, ist unser Plan f\u00fcr diesen Abend. (\u2026) Der Nobelpreis an sich soll ja \u201edenen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den gr\u00f6\u00dften Nutzen geleistet haben\u201c. So wollte es Alfred Nobel. Der Literaturnobelpreis ist mit etwa 775.000 \u20ac dotiert.<\/p>\n<p>Vom verflossenen Jahr ist hier die Rede. Doch jeder Preis wirkt l\u00e4nger.<\/p>\n<p>Er erm\u00f6glicht das Weiterschreiben unter besseren Bedingungen.<\/p>\n<p>Viele B\u00fccher h\u00e4tten ohne Stipendien oder sonstige finanzielle Zuwendungen nicht entstehen k\u00f6nnen. Doch um eine Auszeichnung zu erhalten, muss man nicht nur gut, sondern auch pr\u00e4sent bzw. bekannt sein.<\/p>\n<p>Es ist also entscheidend, wie viele B\u00fccher von Autorinnen ver\u00f6ffentlicht und entsprechend beworben und rezensiert werden. Sind die Entscheidungsebenen in Verlagen und Feuilletons noch immer m\u00e4nnerdominiert? Ein Kritiker soll mal \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dfert haben: \u201eEin Frauenbuch ist ein Buch, das ich als Mann nicht verstehe.\u201c Wird Literatur von Frauen als \u201eGed\u00f6ns\u201c von vorn herein in die zweite Reihe gestellt? Verlagsvertreter schw\u00e4rmen aus, um Buchh\u00e4ndler zu \u00fcberzeugen, welche Werke sie sich auf Lager legen sollen. Es gibt eine gro\u00dfe Anzahl an Beteiligten, die an den Schrauben im Literaturbetrieb drehen!<\/p>\n<p>\u201eFrauen z\u00e4hlen\u201c hei\u00dft die Pilotstudie, die die \u201cSichtbarkeit von Frauen im Literaturbetrieb\u201c untersucht. Erste Ergebnisse wurden letzte Woche auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.<\/p>\n<p>2036 Buchbesprechungen in 69 deutschen Medien wurden im M\u00e4rz 2018 ausgewertet.<\/p>\n<p>Von M\u00e4nnern verfasste B\u00fccher werden h\u00e4ufiger rezensiert als jene von Frauen. Das Verh\u00e4ltnis ist 2 zu 1. Fest steht: <strong>M\u00e4nner schreiben am liebsten \u00fcber M\u00e4nner!<\/strong><\/p>\n<p>Nun zur\u00fcck zum Literaturnobelpreis. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es immer wieder Kritik an den Entscheidungen. Manche Vergaben heben besonders anspruchsvolle Texte bzw. Werke oder Lebenswerke hervor, andere scheinen politisch konnotiert zu sein.<\/p>\n<p>Wir meinen, es kommt auf den Zeitgeist an und darauf, wie die Jury zusammengesetzt ist. Wenn wir die 580 Literaturpreise in Deutschland nehmen, sind die Jurys nur zu 23 Prozent mit Frauen besetzt, sagt PEN-Zentrums-Mitglied Nina George.<\/p>\n<p><strong><em>Es beginnt also schon weit unter dem Level des Nobelpreises<\/em><\/strong><strong>,<\/strong> dass die Pr\u00e4senz von Frauen und damit die Aufmerksamkeit f\u00fcr Frauen zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Grundstimmung ist nicht einheitlich. JedeR von uns begegnet Menschen, die ganz unterschiedlichen Pr\u00e4gungen und Einfl\u00fcssen unterliegen. Einer jener Vordenker, deren Impulse ich sehr sch\u00e4tze, m\u00f6chte seine Gedanken verbreitet wissen, auf die er in seinem Weihnachts-Newsletter hinweist:\u00a0Gerald H\u00fcther fasst unter der \u00dcberschrift &gt;&gt;\u00a0Die frohe Botschaft ist doch l\u00e4ngst\u00a0verk\u00fcndet. 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