{"id":1513,"date":"2017-12-10T14:20:42","date_gmt":"2017-12-10T12:20:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1513"},"modified":"2017-12-11T23:46:52","modified_gmt":"2017-12-11T21:46:52","slug":"facebook-der-ueberblick-ueber-das-gespeicherte-gelingt-nie-vollstaendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1513","title":{"rendered":"facebook: Der \u00dcberblick \u00fcber das Gespeicherte gelingt nie vollst\u00e4ndig!"},"content":{"rendered":"<p>Interview ? <span style=\"color: #ff0000;\">Mein Ausstieg vom Ausstieg auf Facebook<\/span> ?<\/p>\n<p><em>Hans-Dirk Reinartz ist Palliativarzt und unterst\u00fctzt als \u201eLebenslotse\u201c Menschen mit Krebserkrankungen \u201eihrer Zukunft mehr Leben zu geben\u201c. Viele seiner Beitr\u00e4ge auf Facebook (fb) vermitteln Eindr\u00fccke von dem Sch\u00f6nen und den N\u00f6ten in der Ukraine, wo er seit 2012 lebt. Vor dem Jahreswechsel 2016\/17 k\u00fcndigte er seinen Ausstieg aus fb an, wollte dort seine Spuren l\u00f6schen und nicht mehr \u00fcber diese Plattform erreichbar sind. Dieser Ausstieg war nicht von Dauer. \u00dcber diese doppelte Wende unterhielt ich mich via Skype mit ihm.<\/em><\/p>\n<p><strong>Warum wolltest Du den Ausstieg aus fb?<\/strong><\/p>\n<p>Ich nutzte und nutze kein Pseudonym, war also erkennbar und habe toleriert, dass fb, google &amp; Co. eine riesige Datenkrake sind. Ich dachte, ich nutze die Vorteile und muss deshalb auch die Nachteile in Kauf nehmen, f\u00fchlte mich fast wie zu Hause auf fb. Doch dann merkte ich, die wissen viel mehr \u00fcber mich, als ich jemals geglaubt habe. Es kommt dazu, dass ich in einem politisch instabilen Land lebe und mich sehr eindeutig auf Seiten der Ukraine positioniere f\u00fcr eine demokratische Entwicklung in eine europ\u00e4ische Richtung. Fanatiker quittierten dies mit Hasstiraden.<\/p>\n<p><strong>Das spitzte sich zu?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Deshalb wollte ich nicht l\u00e4nger ungesch\u00fctzt auf dem Pr\u00e4sentierteller sein. Erstens, weil nicht absehbar ist, wer diesen Kampf hier gewinnt und mir wom\u00f6glich irgendwann am Zeug flicken will. Zweitens m\u00f6chte ich in meinem Beruf arbeiten und auf meine online Beratungen konzentrieren, anstatt als politische Person wahrgenommen zu werden. Deshalb wollte ich zum 31.12.2016 einen Schnitt machen. Mein Ausstieg war sauber geplant, ich hatte mich aus allen Gruppen verabschiedet, meine eigenen Gruppen und Seite gel\u00f6scht und nichts mehr geliked usw.<\/p>\n<p><strong>Wie lange warst Du inaktiv?<\/strong><\/p>\n<p>Etwa den ganzen Dezember 2016. Zum 31.1.2017 wollte ich mich abmelden. Doch mir kam zu Bewusstsein, wen alles ich \u00fcber fb kennengelernt und wiedergefunden hatte. Als Beispiel m\u00f6chte ich eine Jugendfreundin nennen. Sie hatte ich aus den Augen verloren und konnte dank fb an unsere fr\u00fchere Verbindung ankn\u00fcpfen. Und kurz nach unserer virtuellen Wiederbegegnung stirbt ihr Mann innerhalb einer Woche. Ich konnte ihr mit meiner Erfahrung als Palliativarzt und dar\u00fcber hinaus beistehen, denn die psychologische Seite kommt bei so einem Schicksalsschlag in der herk\u00f6mmlichen medizinischen Versorgung eher zu kurz.<\/p>\n<p><strong>\u201e\u2026 eher zu kurz\u201c ist zur\u00fcckhaltend formuliert. Aber auf diese Seite Deines Wirkens kommen wir in einem gesonderten Interview zu sprechen. \u2013 Was hat sich seither f\u00fcr Dich auf fb ge\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Ich blieb, weil ich das Verbindende von fb nicht missen m\u00f6chte, zog jedoch angesichts der Nachteile, die auf der Hand liegen, Konsequenzen: Meine politischen \u00c4u\u00dferungen habe ich zu 99,9 Prozent zur\u00fcckgeschraubt. Zur\u00fcckliegende \u00c4u\u00dferungen tilge ich.<\/p>\n<p><strong>Wie geht das?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bekomme jeden Tag eine Erinnerung, was ich vor einem oder vor zwei, drei usw. Jahren gepostet habe. Das ist eine Funktion von fb. So kann ich meine politischen Postings aus der Vergangenheit l\u00f6schen. Ich like auch kaum noch, denn das kann man nicht mehr rekapitulieren.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfe Zur\u00fcckhaltung?<\/strong><\/p>\n<p>Ich verkrieche mich nicht, agiere aber mit einer anderen Wachsamkeit. Wenn Du fb verl\u00e4sst, wei\u00dft du nicht, was fb \u00fcber dich gespeichert hat. Du kannst z. B. ein halbes Jahr nach einem Ausstieg dein Profil wieder reaktivieren und schwupps ist alles wieder da. Das hei\u00dft: die l\u00f6schen es nicht. Es existiert noch irgendwo. Kein Mensch wei\u00df, was die damit machen.<\/p>\n<p><strong>Betrifft das auch die Chat-Nachrichten?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, die werden \u2013 soweit ich wei\u00df \u2013 auch gespeichert. Eine Unterhaltung dar\u00fcber, dass man verschlafen hat aufgrund n\u00e4chtlichen Hundegebells wird wohl weltweit wenig Echo hervorrufen, aber wenn mir jemand schreibt, er habe an einem bestimmten Ort 1000 russische Soldaten stationiert gesehen, wird das unter Umst\u00e4nden auf beiden Seiten als brisant registriert.<\/p>\n<p><strong>Verstehe. Was ist geblieben? <\/strong><\/p>\n<p>Die Haltung, dass der \u00dcberblick \u00fcber das Gespeicherte keine Vollst\u00e4ndigkeit erlangen kann. Mehrere Seiten \u00fcber private und politisch\/kulturelle Projekte habe ich gel\u00f6scht. Ich habe f\u00fcr mich innerlich einen RESET gemacht und beschlossen, mit dem alten Profil bei fb zu bleiben \u2013 trotz weiter vorhandener Datenschutzrisiken. Ich habe meine alten Kontakte behalten, jedoch l\u00f6sche ich jene, mit denen ich keine irgendwie geartete \u00dcbereinstimmung habe. Privat und beruflich wird mehr getrennt, der Fokus liegt auf medizinischen Themen, um als Arzt wahrgenommen zu werden. Private Infos aus dem politischen Leben teile ich so gut wie nicht mehr.<\/p>\n<p><strong>Und beruflich? Ist das nicht heikel \u00fcber fb?<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber fb kann ich Menschen erreichen und sie k\u00f6nnen mich erreichen. Das war einer der Gr\u00fcnde auf fb zu bleiben. Beruflich bin ich sowieso \u201e\u00f6ffentlich\u201c unterwegs und das ist gut so! Neue Seiten und neue Gruppen von mir werden kommen, allerdings nur noch im beruflichen Umfeld. Meine Gruppen mit privaten und politischen Themen bleiben gel\u00f6scht.<\/p>\n<p><strong>Wir unterhalten uns jetzt \u00fcber Skype. Wie sicher ist das?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin Arzt, kein Fachmann f\u00fcr Aussagen in diesem Bereich. Wobei wir uns dar\u00fcber im Klaren sein m\u00fcssen: wenn ein Geheimdienst etwas abh\u00f6ren will, wird er es schaffen \u2013 egal wo. F\u00fcr meine beruflichen Leistungen pr\u00fcfe ich Webinar-Plattformen auf ihre Abh\u00f6r-Sicherheit.<\/p>\n<p><strong>Wie waren die Reaktionen zum Wiedereinstieg?<\/strong><\/p>\n<p>Wesentlich positiver, als ich gedacht hatte. Ich bekam viele Likes und die R\u00fcckmeldung, dass viele meine Postings \u00fcber die Ukraine vermissen w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Was ist die Quintessenz der Selbsterfahrung?<\/strong><\/p>\n<p>Datenschutztechnisch war das L\u00f6schen ein gutes Gef\u00fchl. Mutma\u00dflich war ich nicht mehr so angreifbar. Aber es stellte sich auch das Gef\u00fchl ein, es w\u00fcrde schwieriger, \u00fcber e-mail, \u00fcber Skype, \u00fcber Telefonate Kontakte zu halten, zu pflegen oder erst aufzubauen. Sorge \u00fcber mangelnden Datenschutz und gl\u00e4serne Menschen auf der einen Seite und Wunsch nach privater \/ beruflicher Kontaktpflege auf der anderen Seite waren ein unhaltbarer Spagat. Die Entscheidung fiel zugunsten der Kommunikation mit Toleranz der Datenschutzprobleme. Im Endeffekt bin ich froh \u00fcber den Prozess meiner Entscheidungen. Meine jetzigen pers\u00f6nlichen Vorteile wiegen eindeutig mehr als die Nachteile.<\/p>\n<p><strong>Gibt es jetzt eine ausgefeilte Selbstzensur? <\/strong><\/p>\n<p>Der Begriff ist f\u00fcr mich interessant. Ich w\u00fcrde es f\u00fcr mich aber als \u201eSchreibdi\u00e4t\u201c bezeichnen. Im Sinne von \u201eIch halte Ma\u00df\u201c. Weiterhin will ich \u00fcber die Situationen hier vor Ort schildern, aber im Vergleich zur fr\u00fcher, \u00fcberlege ich mir heute bei jedem Posting, ob dies es wert ist, mich auf diese Weise zu zeigen.<\/p>\n<p><strong>Vieles bewegt Dich, Du bist auf vielen Themenfeldern zu Hause.<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Ich \u00e4u\u00dfere mich zuk\u00fcnftig bevorzugt zu medizinisch-psychologischen Themen und zu Fragen um Leben und Tod, Lebensplanung, Philosophie etc.\u00a0 Besch\u00e4ftigung mit Sterben geh\u00f6rt in die Mitte des Lebens! Das Berufliche wird sich auf meiner Webseite abspielen: <a href=\"https:\/\/hansdirkreinartz.com\/\">https:\/\/hansdirkreinartz.com\/<\/a><\/p>\n<p><em>Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch. Zu Deiner T\u00e4tigkeit als Lebenslotse planen wir ein separates Interview.<\/em><\/p>\n<p><em>(Auf fb duzt man sich. Wir haben das dar\u00fcber hinaus beibehalten.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview ? Mein Ausstieg vom Ausstieg auf Facebook ? Hans-Dirk Reinartz ist Palliativarzt und unterst\u00fctzt als \u201eLebenslotse\u201c Menschen mit Krebserkrankungen \u201eihrer Zukunft mehr Leben zu geben\u201c. Viele seiner Beitr\u00e4ge auf Facebook (fb) vermitteln Eindr\u00fccke von dem Sch\u00f6nen und den N\u00f6ten in der Ukraine, wo er seit 2012 lebt. Vor dem Jahreswechsel 2016\/17 k\u00fcndigte er seinen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[1,6],"tags":[1023,1026,186,1024,1021,1025,1022],"class_list":["post-1513","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-alltag","tag-datenkontrolle","tag-datensicherheit","tag-facebook","tag-lebenslotse","tag-palliativarzt","tag-spuren-loeschen","tag-ukraine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1513","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1513"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1513\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1519,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1513\/revisions\/1519"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1513"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1513"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1513"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}