{"id":1341,"date":"2016-08-11T01:15:39","date_gmt":"2016-08-10T23:15:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1341"},"modified":"2017-09-18T20:47:35","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:35","slug":"flurfunk-der-impuls-von-der-spuelmaschine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1341","title":{"rendered":"Flurfunk &#038; Impulse von der Sp\u00fclmaschine"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWenn ich nochmal jung w\u00e4r &#8230;\u201c Das ist das Titelthema der ZEIT diese Woche. Ich kenne nur die Vorschau, in der es hei\u00dft: \u201eIch sehe was, was du nicht siehst \u2013 25 Prominente erz\u00e4hlen von ihren sp\u00e4ten Einsichten, die f\u00fcr J\u00fcngere heute hilfreich sein k\u00f6nnen.\u201c Herrje, wieder so ein zeitloses Thema, das man zu jeder Jahreszeit platzieren kann \u2026<\/p>\n<p>Aber ja! Nur her damit! Ich sammle solch zeitlose Themen f\u00fcr meine Kurse! Mit einigen kreativen Gernschreiberinnen traf ich mich gestern zu einer au\u00dferordentlichen Sitzung. Wir wollten der Idee, eine \u00f6ffentliche Lesung zu veranstalten, auf den Grund gehen. Herausgekommen ist jede Menge lockere Plauderei, bei der wir viel gelacht haben. Ja, Gernschreiberinnen lachen meiner Erfahrung nach oft und aus vollem Herzen, sind weder &#8220;gestrige&#8221; Blaustr\u00fcmpfe, noch abgehobene TheoretikerInnen! Eines unserer zeitlosen (Plauder-) Themen war \u201eSp\u00fclmaschine aus- und einr\u00e4umen in Partnerschaften\u201c. Das gibt jede Menge her, wie wir feststellten. Und keine Erfahrung ist wie die andere!<\/p>\n<p>Einsichten vermitteln, die \u00fcberraschen und auch noch unterhaltsam sind, verdient eine gute Note in der professionellen Schriftstellerei. Doch haben nat\u00fcrlich jene B\u00fccher oder Kurzgeschichten die Nase vorn, die ihren LeserInnen gro\u00dfen Freiraum f\u00fcr eigene Phantasien (Projektionen und Schl\u00fcsse) lassen. \u00a0Nichts ist nervt\u00f6tender, als felsenfeste Weisheiten haarklein und als unverr\u00fcckbar serviert zu bekommen. \u00c4hnlich nervt\u00f6tend ist die absch\u00e4tzige, aber wenig originelle Schm\u00e4hung \u201eWer schreibt, der bleibt\u201c \u2013 nach dem Motto: Ihr habt ja eh nix Lohnendes zu sagen und damit ab in die Mottenkiste der blasierten FaslerInnen und \u00fcberfl\u00fcssigen M\u00f6chtegerndichterInnen.<\/p>\n<p>Die Jagd nach Geschichten ist gro\u00df und alt und kommt nicht aus der Mode. Wer kennt ihn nicht \u2013 den \u201eFlurfunk\u201c? Auch da kann man sich bestens unterhalten, manchmal auch gruseln. Sehr lebendig wird es, wenn es um Beziehungen geht. \u201eHast du schon geh\u00f6rt \u2026\u201c hat meist kein Haltbarkeitsdatum und ist oft durch keinerlei Gegenrecherche \u201edingfest\u201c gemacht. Trotzdem h\u00f6ren wir gerne zu. Wir spinnen Geh\u00f6rtes auch gerne weiter. Manches regt uns gelegentlich zu neuen Geschichten an, die zu guter Letzt evtl. ganz anders geartet sind \u2013 vielleicht mit einer Pointe enden, die so unverwechselbar ist, dass sie sich einpr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Der \u201eFlurfunk\u201c hat es leichter als eine Lesung, sofern er Brisantes verbreitet und Tag f\u00fcr Tag f\u00fcr neue, aufregende Nahrung sorgt. K\u00fcnstlerInnen der Malerei- und Skulptur-Szene haben es leichter mit ihren \u201eEndverbraucherInnenn\u201c als GeschichtenschreiberInnen, die das Stillsitzen ihres Publikums erfordern. Skulpturen kann man fotografieren, ein Gem\u00e4lde mit nach Hause tragen und an die Wand h\u00e4ngen \u2013 was tut man mit geh\u00f6rter Prosa? Richtig! Wem sie gef\u00e4llt, der fragt, ob er sie gedruckt (oder neuerdings auf CD) erwerben kann. Und weil der Schritt zum B\u00fcchlein (ob auf Papier oder auf Scheibe) etliches an Aufwand bedeutet, sammeln wir lieber noch mehr Geschichten, bevor wir uns in das Abenteuer Lesung st\u00fcrzen. Themen haben wir ja genug. Siehe Sp\u00fclmaschinen-Twist.<\/p>\n<p>Und was fiele mir zur Weitergabe in punkto \u201eWenn ich nochmal jung w\u00e4re \u2026\u201c ein? Ich bereue, dass ich nicht Tagebuch geschrieben habe als junge Volont\u00e4rin bei der Lokalzeitung, denn \u201edie Geschichte hinter der Geschichte\u201c w\u00e4re heute in vielen F\u00e4llen ein lesenswertes Zeitzeugnis. Mit der Frische der Jugend festhalten, was einem zu denken gibt, wo Widerspr\u00fcche klaffen, wo sinnvolle Wendungen zum Greifen nahe sind und wodurch sie letztlich verfehlt werden \u2013 es ist nicht mit der Sicht von damals r\u00fcckholbar. Und inzwischen wirkt das damals Verst\u00f6rende, Aufschreckende oder Bewunderte sehr viel selbstverst\u00e4ndlicher dank jahrelanger Sozialisation in den Furchen des \u201eErwachsenwerdens\u201c, in den F\u00e4ngen der fortschreitenden Berufserfahrung oder &#8220;Karriere&#8221;.<\/p>\n<p>Ansonsten reizt mich das Gedankenspiel, nochmal jung zu sein und andere Verhaltensweisen daf\u00fcr zu \u00fcberlegen oder gar zu empfehlen, gar nicht. Weniger unbedarft und dadurch weniger vorlaut zu sein? Gerade das hat es doch gebracht damals! Vielleicht h\u00e4tte ich w\u00e4hrend der Schulzeit von meinen Eltern dazu gen\u00f6tigt werden sollen, ein Instrument zu lernen, weil das heute der Nutzung meiner Gehirnh\u00e4lften dienlich w\u00e4re. Aber ob mich das nicht zum Bockigsein gebracht h\u00e4tte, wei\u00df ich beim besten Willen nicht zu beurteilen, weil ich mich in das Kind von damals nicht mehr hineinversetzen kann. Ich wei\u00df nur, zus\u00e4tzlicher Unterricht in Mengenlehre (die damals noch nicht \u00fcblich war) ging schief, weil ich seine Notwendigkeit nicht einsah und er mir deshalb l\u00e4stig war. Die Lehrerin bei uns auf dem Dorf bot ihn \u00fcbrigens gratis an f\u00fcr jene, von denen sie annahm, dass es sich f\u00fcr diese lohne \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWenn ich nochmal jung w\u00e4r &#8230;\u201c Das ist das Titelthema der ZEIT diese Woche. 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