{"id":1295,"date":"2016-01-05T23:13:15","date_gmt":"2016-01-05T21:13:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1295"},"modified":"2017-09-18T20:47:35","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:35","slug":"jenseits-der-willkommenskultur-ist-es-wichtig-fremdes-korrekt-benennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1295","title":{"rendered":"Jenseits der Willkommenskultur ist es wichtig, Fremdes korrekt benennen"},"content":{"rendered":"<p>Fremdes l\u00f6st Vorbehalte aus. Wie ich damals als Tochter eines Dresdners und einer Sudetendeutschen, die ich in Mittelfranken aufwuchs. Ich geh\u00f6rte zu den wenigen, die in dem 400-Seelen-Dorf hochdeutsch sprachen. Meine Mutter war Hausfrau, Nur-Hausfrau \u2013 auch ein seltenes Ph\u00e4nomen im Ort, wo jede helfende Hand auf dem Feld oder im Stall gebraucht wurde. Also war ich \u201everd\u00e4chtig\u201c, weil meine Sozialisation von dem Orts\u00fcblichen abwich und ich mich in Einigem von den Kindern in meiner Umgebung unterschied.<\/p>\n<p>Die \u201eTradition\u201c, zwischen allen St\u00fchlen zu rangieren, setzte sich fort, als ich mehrfach den Wohnort wechselte in einer Zeit, wo Bodenst\u00e4ndigkeit noch an der Tagesordnung war. \u00dcberall andere Dialekte und Sitten! Ich immer<strong><em> erkennbar als Zugezogene<\/em><\/strong>. Als \u201eSp\u00e4tberufene\u201c kam ich zum Journalismus und ergatterte ein Volontariat \u2013 ganz ohne \u201eVitamin B\u201c, was schon damals als Rarit\u00e4t galt. Endg\u00fcltig wurde ich zur Exotin, als ich in den 80ern BTX (Bildschirmtext) f\u00fcr einen Verlag installierte und ausprobierte. Wer was auf sich hielt in der Zunft, schimpfte leise bis leidenschaftlich auf die &#8220;Neuen Medien&#8221;, f\u00fcr die Geld locker gemacht wurde, das man eigentlich f\u00fcr personelle Verst\u00e4rkung in den Print-Redaktionen h\u00e4tte gut gebrauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wurde ich argw\u00f6hnisch be\u00e4ugt, weil ich Lust auf \u00d6ffentlichkeitsarbeit hatte und dazu im Gesundheitswesen eine geeignete Anstellung fand. Die Seiten des Schreibtisches wechseln \u2013 wer tut denn sowas! Als Freiberuflerin und Ghostwriterin passte ich dann schlie\u00dflich in gar keine Schublade mehr. KollegInnen zeigten mir h\u00e4ufig die kalte Schulter, weil sie in ihrer Spur geblieben waren und mit meinem beruflichen Diskussionsbeitr\u00e4gen nichts anzufangen wussten.<\/p>\n<p>Heute sticht ein derart bewegtes Berufsleben nicht mehr ins Auge, immer mehr Menschen k\u00f6nnen von wesentlich grelleren Berufsabenteuern berichten.\u00a0 Unsere Gesellschaft ist bunt und wechselfreudig geworden, keiner klebt mehr an der Scholle, Auslandaufenthalte sind schon in der Jugend \u201enormal\u201c, und es sind gen\u00fcgend Zuwanderer gekommen, die von wesentlich schicksalhafteren Wendungen gepr\u00e4gt sind und kulturell eine weite Strecke der Ann\u00e4herung vor sich haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000080;\"><em>Zuwanderer, Fl\u00fcchtlinge oder Asylsuchende?<\/em><\/span><\/p>\n<p>Doch halt \u2013 sagt man \u201eZuwanderer\u201c? Angesichts unterschiedlicher Zuwanderungssequenzen macht mich die Vielfalt m\u00f6glicher Bezeichnungen unsicher bei der Wortwahl. So bin ich dankbar, dass es ein Glossar gibt, das die \u201e<span style=\"color: #000080;\"><strong>Neuen deutschen Medienmacher<\/strong><\/span>\u201c im Dezember 2015 entwickelten und online stellten. Die \u201eFormulierungshilfen f\u00fcr die Berichterstattung im Einwanderungsland\u201c m\u00fcssen meines Erachtens aber nicht JournalistInnen vorbehalten bleiben. Denn sich korrekt auszudr\u00fccken verleiht jedem Menschen das Gef\u00fchl, \u201eauf der H\u00f6he der Zeit zu sein\u201c. Und es ist gut, wenn JournalistInnen auch hier Orientierungshilfe geben!<\/p>\n<p>Zum Glossar &gt; <a href=\"http:\/\/www.neuemedienmacher.de\/download\/NdM_Glossar_www.pdf\">http:\/\/www.neuemedienmacher.de\/download\/NdM_Glossar_www.pdf<\/a><\/p>\n<p>Bilder im Kopf ausl\u00f6sen &#8211; Fremdes ist geradezu pr\u00e4destiniert dazu, sofern die Abwehrhaltung dagegen die Fantasie nicht v\u00f6llig l\u00e4hmt. Wenn man die falschen Begriffe hat, k\u00f6nnen sich auch leicht falsche Bilder einschleichen. Es ist nicht falsch, wenn angesichts der &#8220;Karriere zwischen allen St\u00fchlen&#8221; Assoziationen aufblitzen wie: &#8220;Abstand halten!&#8221;, Mi\u00dfgunst, Bestandssicherung &#8230; Genau deshalb ist mir angesichts des Ringens um die richtige Integrationspolitik die R\u00fcckschau mit den Anpassungsschwierigkeiten aller Beteiligten eingefallen. Es gibt keine &#8220;Moral von der Geschicht'&#8221; &#8211; doch bin ich davon \u00fcberzeugt, dass gegenseitiges Zuh\u00f6ren und die richtige Wortwahl es leichter machen, einander zu respektieren oder gar zu verstehen. Ein langer Atem geh\u00f6rt in jedem Fall dazu.<\/p>\n<p>Und das sind die Neuen Medienmacher: <a href=\"http:\/\/www.neuemedienmacher.de\/\">http:\/\/www.neuemedienmacher.de\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fremdes l\u00f6st Vorbehalte aus. Wie ich damals als Tochter eines Dresdners und einer Sudetendeutschen, die ich in Mittelfranken aufwuchs. Ich geh\u00f6rte zu den wenigen, die in dem 400-Seelen-Dorf hochdeutsch sprachen. Meine Mutter war Hausfrau, Nur-Hausfrau \u2013 auch ein seltenes Ph\u00e4nomen im Ort, wo jede helfende Hand auf dem Feld oder im Stall gebraucht wurde. 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