{"id":1258,"date":"2015-08-09T15:28:41","date_gmt":"2015-08-09T13:28:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1258"},"modified":"2017-09-18T20:47:36","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:36","slug":"wider-den-akademischen-duenkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1258","title":{"rendered":"Wider den akademischen D\u00fcnkel!"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #0000ff;\"><em>\u201eSie k\u00f6nnen stolz sein auf das, was Sie geschafft haben. Aber Sie k\u00f6nnen nicht mit allen dar\u00fcber reden. Denn die, die das Gleiche auf geradem Weg erreicht haben, w\u00fcrden Ihre Leistung nie einsch\u00e4tzen, geschweige denn w\u00fcrdigen k\u00f6nnen \u2026\u201c<\/em> <\/span>Es war Mitte der 80er Jahre, als mich eine Professorin in Berlin f\u00fcr das Thema sensibilisierte, das Holger Zsch\u00e4pitz heute in der \u201eWelt am Sonntag\u201c unter der \u00dcberschrift <span style=\"color: #003300;\"><strong>\u201eElite kann man kaum lernen\u201c<\/strong> <\/span>im Interview mit Soziologieprofessor Michael Hartmann er\u00f6rtert &gt; <a href=\"http:\/\/url9.de\/WHq\">http:\/\/url9.de\/WHq<\/a><br \/>\nDas Thema hat Konjunktur, seit <strong>Marco Maurer<\/strong> 2013 in der ZEIT eine Titelgeschichte dar\u00fcber schrieb.<strong> <span style=\"color: #003300;\">\u201eIch Arbeiterkind\u201c<\/span> <\/strong>bekannte er \u2013 und dr\u00f6selte inzwischen die Misere unserer Bildungsungerechtigkeit in seinem Buch \u201eDU BLEIBST WAS DU BIST\u201c auf (Droemer 2015). Es schildert die Hindernisse von jenen, die \u00fcber die Ebene ihrer Eltern hinauswachsen wollen. Fr\u00fcher sprach man vom \u201eStallgeruch\u201c, der einem anhafte, egal, in welche Positionen und zu welchen Weihen man zu gelangen versuchte oder gar gelangt war.<br \/>\nAber schon das Wort \u201eStallgeruch\u201c klingt nicht gerade nach Akademikerhaushalt. Wird man in so einen hineingeboren, ist es eher die Ausnahme, sich f\u00fcr einen Handwerksberuf zu entscheiden. Aber warum ist bei uns das Handwerk nicht so hoch angesehen wie Berufe, f\u00fcr die ein Studium unabdingbar ist? In der Schweiz ist es \u201ev\u00f6llig in Ordnung\u201c, wenn Kinder von Professoren einer Lehre den Vorzug vorm Gymnasium geben. In Deutschland grassiert akademischer D\u00fcnkel.<br \/>\nDieser hat auch in den Medien immer mehr Raum gegriffen. Die entsprechende Weltsicht ist dann eben wieder nur mit Ihresgleichen kompatibel und deckt andere Perspektiven nur mangelhaft (gelegentlich \u201evon oben herab\u201c) ab. Ein wichtiger Hinweis vielleicht f\u00fcr jene, die um die Zukunft des Journalismus f\u00fcrchten, von dem Marco Maurer schreibt, dass man sich ihn leisten k\u00f6nnen muss. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf, denn die Verdienstm\u00f6glichkeiten sind in diesem Beruf h\u00f6chst unterschiedlich verteilt, und das Mithaltenk\u00f6nnen h\u00e4ngt wiederum von der \u201ePolsterung\u201c durch die Herkunftsfamilie ab.<br \/>\nDoch wir leisten uns nicht zuletzt auch in der Medizin Akademiker, die auf Leute eingehen m\u00fcssen, von deren Hintergrund und Bezugssystemen sie null Ahnung haben. Wie soll da Verst\u00e4ndigung oder Heilung gelingen? Stormlinienf\u00f6rmiges Karrieredenken schm\u00e4lert die Wahrnehmungs- und Kommunikationspraxis! Wer sich aufs Vorw\u00e4rtskommen konzentriert, kann mit seinen Antennen nicht in anderen Mileus unterwegs sein und so seinen Horizont ver<em>breit<\/em>ern. Horizonterweiterung &#8211; nur zielgerichtet, alles andere w\u00e4re &#8220;Zeitverschwendung&#8221;.<br \/>\nAuf seiner Homepage stellt Marco Maurer Prominente vor, die es trotz \u201ebildungsfernem Hintergrund\u201c an die Spitze geschafft haben &gt; http:\/\/www.marcomaurer.de\/an-die-spitze-gekampft\/ Unter anderem Au\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier, Bahn-Chef R\u00fcdiger Grube, Psychologie-Professorin Elsbeth Stern. \u00dcbereinstimmend das Credo, dass es schwer war. Dies liegt nicht an individuellen Gegebenheiten, sondern gesellschaftlichen Strukturen, wie Maurer in seinem Buch anschaulich belegt. Es zeigt auch Ans\u00e4tze auf, die Besseres erm\u00f6glichen. Gew\u00fcnscht h\u00e4tte ich mir noch ein Glossar, das diese Ans\u00e4tze oder Quellen dar\u00fcber konzentriert auflistet.<\/p>\n<p>Marco Maurer. <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Du bleibst was du bist. Warum bei uns immer noch die soziale Herkunft entscheidet<\/span>.<\/strong> 381 Seiten, Droemer, 2015,18 \u20ac.<a href=\"http:\/\/www.dubleibstwasdubist.de\"> http:\/\/www.dubleibstwasdubist.de\/<\/a> Hier gibt der Autor \u00fcber das Buch in einem Video Auskunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSie k\u00f6nnen stolz sein auf das, was Sie geschafft haben. Aber Sie k\u00f6nnen nicht mit allen dar\u00fcber reden. 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