{"id":1085,"date":"2014-03-10T21:24:35","date_gmt":"2014-03-10T19:24:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1085"},"modified":"2017-09-18T20:47:37","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:37","slug":"hier-vielworterei-und-dort-unhoeflichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1085","title":{"rendered":"Vielworterei und andere Unh\u00f6flichkeit"},"content":{"rendered":"<p><!--[if gte mso 9]><xml>\n<w:WordDocument>\n<w:View>Normal<\/w:View>\n<w:Zoom>0<\/w:Zoom>\n<w:HyphenationZone>21<\/w:HyphenationZone>\n<w:PunctuationKerning\/>\n<w:ValidateAgainstSchemas\/>\n<w:SaveIfXMLInvalid>false<\/w:SaveIfXMLInvalid>\n<w:IgnoreMixedContent>false<\/w:IgnoreMixedContent>\n<w:AlwaysShowPlaceholderText>false<\/w:AlwaysShowPlaceholderText>\n<w:Compatibility>\n<w:BreakWrappedTables\/>\n<w:SnapToGridInCell\/>\n<w:WrapTextWithPunct\/>\n<w:UseAsianBreakRules\/>\n<w:DontGrowAutofit\/>\n<\/w:Compatibility>\n<w:BrowserLevel>MicrosoftInternetExplorer4<\/w:BrowserLevel>\n<\/w:WordDocument>\n<\/xml><![endif]--><\/p>\n<p><!--[if gte mso 9]><xml>\n<w:LatentStyles DefLockedState=\"false\" LatentStyleCount=\"156\">\n<\/w:LatentStyles>\n<\/xml><![endif]--><!--[if gte mso 10]>\n\n\n\n<style>\n \/* Style Definitions *\/\n table.MsoNormalTable\n\t{mso-style-name:\"Normale Tabelle\";\n\tmso-tstyle-rowband-size:0;\n\tmso-tstyle-colband-size:0;\n\tmso-style-noshow:yes;\n\tmso-style-parent:\"\";\n\tmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;\n\tmso-para-margin:0cm;\n\tmso-para-margin-bottom:.0001pt;\n\tmso-pagination:widow-orphan;\n\tfont-size:10.0pt;\n\tfont-family:\"Times New Roman\";\n\tmso-ansi-language:#0400;\n\tmso-fareast-language:#0400;\n\tmso-bidi-language:#0400;}\n<\/style>\n\n<![endif]-->Rabatt f\u00fcr Freundlichkeit \u2013 dar\u00fcber berichtete heute die Landesschau Baden-W\u00fcrttemberg vom Stuttgarter Karlsplatz. Ein Kaffee-Verk\u00e4ufer hatte die pfiffige Idee, seine Preise hochzusetzen, um dann aber auf das Zauberwort \u201ebitte\u201c zwei Euro Nachlass zu gew\u00e4hren. Dazu wurde mit einem Euro belohnt, wer das Gegen\u00fcber hinter der Theke mit einem \u201ehallo\u201c begr\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das muffige Deutschland hat so was anscheinend n\u00f6tig. Zuf\u00e4llig befragte Passanten sagten in Mikrofon und Kamera, sie f\u00e4nden das gut. Man sollte insgesamt viel freundlicher miteinander umgehen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Mich erinnerte das an die kurze Phase in meiner Kindheit, in der ich die Welt nach \u00fcberfl\u00fcssigen Worten durchforstete und diese von nun an weglassen wollte. Pl\u00f6tzlich sagte ich nicht mehr \u201eguten Morgen\u201c, denn was h\u00e4tte das schon bewirken k\u00f6nnen. Meine Mutter guckte zwar indigniert, \u00fcbersah meine Maulfaulheit aber gro\u00dfz\u00fcgig. Als ich nach mehreren Tagen nicht gespr\u00e4chiger wurde, lautete die These, ich sei eingeschnappt und w\u00fcrde auch wieder \u201eausschnappen\u201c.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das geschah auch bald, dennoch ist \u201esmall talk\u201c eine Kunst, f\u00fcr die ich ziemlich sp\u00e4t zu \u00fcben begann, denn in meinem Beruf als Journalistin entfielen alle F\u00fcllworte. Alles sollte kurz, knapp, eben \u201eknackig\u201c sein. Sprache als Gleit- oder Schmiermittel \u2013 wie bei Moderationen geboten \u2013 lernte ich erst, als ich in Vortr\u00e4gen darauf aus war, Aufmerksamkeit f\u00fcr ein Thema zu gewinnen. Sprache blieb f\u00fcr mich aber zuvorderst Transportmittel f\u00fcr Informationen, und noch heute unterschreibe ich die Maxime: Man hat eh genug damit zu tun, das Wesentliche zu erfassen und zu verarbeiten. Und Zeitungspapier ist teuer (und schwer, sch\u00f6nen Gru\u00df an die Austr\u00e4gerInnen!), man hat nicht unendlich viel Platz, um sich zu verbreiten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Doch es gibt auch die umgekehrte Unh\u00f6flichkeit \u2013 zu viele Worte. Damit meine ich jetzt nicht jene, die man unfreiwillig in der S-Bahn zu h\u00f6ren bekommt, weil alle Welt in Mobiltelefone plappert, was das Zeug h\u00e4lt. Auch nicht jene ZeitgenossInnen, die im Wartezimmer von MedizinerInnen ungefragt ihre Lebens- oder Leidensgeschichte auftischen. Nein, ich meine die ver\u00f6ffentlichte Vielworterei, die die Sinn-Erfassung erschwert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Lange genug haben sie mich ge\u00e4rgert &#8211; die Pressemitteilungen, deren Betreff mit dem Wort &#8220;Pressemitteilung&#8221; beginnt. Die halbe Zeile ist damit verbraucht, und ich wei\u00df immer noch nicht, worum es gehen soll in solchen e-Mails, die ja schnellstm\u00f6glich News unter die Leute bringen wollen. Seit letzter Woche lasse ich deren AbsenderInnen wissen, wie l\u00e4stig das ist. Darauf erhielt ich sogar schon freundlich-positive R\u00fcckmeldungen!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Brisanz von News ausbremsen mit dem langweiligen Wort \u201ePressemitteilung\u201c \u2013 immer wieder wundert es mich, dass Profis das \u00fcbers Herz bringen. Oder sind es gar keine Wort-Profis, die Pressemitteilungen verfassen, \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu verantworten haben? Klar: immer noch gilt die irrige Meinung: schreiben kann jeder! Es stimmt ja auch \u2013 irgendwie. Aber wenn ich etwas in die Welt posaunen will, muss das doch nach allen Regeln des Metiers geschehen, sonst verschmutzt es doch nur die Kommunikationskan\u00e4le, ohne sein Ziel zu erreichen. Das m\u00f6chte ich gerne zum Zwecke der H\u00f6flichkeit und Effizienz wieder ins Ged\u00e4chtnis rufen. Denn alles andere ist Zeit- und Energieverschwendung!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Noch nicht entschieden habe ich mich, ob ich mein Sprachgef\u00fchl jenen Laien aufdr\u00e4ngen m\u00f6chte, die in Internet-Foren den Platz f\u00fcr Nichtigkeiten in den \u00dcberschriften vergeuden, obwohl sie wom\u00f6glich etwas Wichtiges kundzutun h\u00e4tten. Sie posten unbedacht Headlines, bei denen sich mir die Fu\u00dfn\u00e4gel rollen. Weil alles Interesse schmerzhaft auf die Streckbank gezogen wird, als sei der\/die LeserIn an einer Sado-Maso-Folter interessiert. Anstatt schnell das Thema erfassen zu k\u00f6nnen, wurstle ich mich durch unn\u00f6tig viele Worte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Was soll zum Beispiel das Wort \u201eEinladung\u201c in der Rubrik \u201eAktuelle Veranstaltungen\u201c? eine Veranstaltung, die ohne G\u00e4ste stattfinden soll, w\u00fcrde doch hier nicht gepostet \u2013 oder? Und wenn dann noch ein \u201eEvent\u201c angek\u00fcndigt wird, wird es mir echt \u00fcbel! Denn alles ist ein Event, n\u00e4mlich ein Ereignis. Nur die Spezifizierung lockt wirklich: ist es eine St\u00e4dtereise oder ein Yoga-Wochenende? Auch eine Trauerfeier ist ein Ereignis oder der Abschied vom allseits beliebten Hausmeister im Hallenbad.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Unspezifische Begriffe sind des Hasen Tod. Augen und Verstand suchen, finden aber leider viel zu oft kein Futter f\u00fcr Ihre Vorstellungskraft. Ein Kuss kann ein Ereignis sein, ein Konzert oder eine Kundgebung. Aber von einer Kundgebung w\u00fcrde mich auch nicht interessieren, dass sie stattfindet, sondern wer spricht! &#8220;Kundgebung zum Frauentag&#8221; das ist f\u00fcr mich kein Magnet! Wenn aber zu lesen ist &#8220;Rita S\u00fc\u00dfmuth analysiert Wohlstandsentwicklung am \u2026 (Datum) in \u2026 (Ort), stachelt das meine Neugier an und ich lese weiter.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Was f\u00fcr ein \u201eEvent\u201c, wenn eine Schlagzeile mit der T\u00fcr ins Haus f\u00e4llt \u2013 und peng, alle fesselt. Und wie sch\u00f6n, dass der Wink mit dem Zaunpfahl \u2013 wenn das kleine W\u00f6rtchen \u201ebitte\u201c zwei symbolische Euro Wert wird \u2013 Sympathie ausl\u00f6st!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rabatt f\u00fcr Freundlichkeit \u2013 dar\u00fcber berichtete heute die Landesschau Baden-W\u00fcrttemberg vom Stuttgarter Karlsplatz. Ein Kaffee-Verk\u00e4ufer hatte die pfiffige Idee, seine Preise hochzusetzen, um dann aber auf das Zauberwort \u201ebitte\u201c zwei Euro Nachlass zu gew\u00e4hren. Dazu wurde mit einem Euro belohnt, wer das Gegen\u00fcber hinter der Theke mit einem \u201ehallo\u201c begr\u00fc\u00dfte. 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