{"id":1064,"date":"2013-12-08T23:15:46","date_gmt":"2013-12-08T21:15:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1064"},"modified":"2017-09-18T20:47:37","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:37","slug":"koestlich-ghost-konrad-sein-tabu-job","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1064","title":{"rendered":"K\u00f6stlich: Ghost Konrad &#038; sein Tabu-Job"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\">Aufregend klingt der Titel nicht:<strong> <span style=\"color: #ff0000;\">\u201eDer Bearbeiter\u201c<\/span><\/strong>. Wir haben es hier aber mit einem Roman zu tun, der es faustdick hinter den Ohren hat! Einem geschmeidigen Roman, der mit wenig Personal auskommt, uns leichtf\u00fc\u00dfig unterh\u00e4lt und oft schmunzeln l\u00e4sst, ohne dass seine Ironie aufdringlich w\u00e4re. Das Subtile an dem Stoff ist, dass wir ein St\u00fcckchen \u201eUntergrund\u201c erfahren, denn der \u201eBearbeiter\u201c ghostwritert f\u00fcr Menschen, die an Hochschulen und Universit\u00e4ten einen Titel erlangen m\u00f6chten. Und so ist es logisch, dass er sich \u201eBearbeiter\u201c nennt, statt \u201eDoktormacher\u201c, denn in dem Gesch\u00e4ft darf niemand zugeben, je eine\/r der Beteiligten gewesen zu sein.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das Unaufgeregte hat also System. <strong>Ghostwriter<\/strong> sind das Gegenteil von jenen, die sich in den Vordergrund dr\u00e4ngen. M\u00f6gen sie \u00e4chzen und st\u00f6hnen unter ihrer Arbeit, sich ihrer Macht bewusst sein \u2013 im Grunde verdingen sie sich in einem ziemlich eng anliegenden Korsett. Zumal <em>Konrad Richter<\/em>, dem wir 287 Seiten lang \u00fcber die Schulter schauen d\u00fcrfen. Er kennt n\u00e4mlich seine Kunden nicht einmal, sie werden ihm vermittelt. Das hat Vor- und Nachteile. Der Schutz der Anonymit\u00e4t f\u00fcr Auftraggeber und -nehmer ist lukrativ f\u00fcr den Vermittler, die K\u00e4rrnerarbeit im Verh\u00e4ltnis dazu schlecht bezahlt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Autor Wolfgang Klinghammer kennt sich in dem Gesch\u00e4ft aus, arbeitet selbst aus Ghost \u201eauf verschiedenen Gebieten\u201c. In einem Interview mit <em>Jenapolis<\/em> r\u00e4umte er ein, dass der Roman teilweise autobiografisch angelegt ist, will ihn aber in erste Linie als \u201eWissenschaftssatire\u201c verstanden wissen. Denn der Wissenschaftsbetrieb mit all seinen Eitelkeiten und seiner Obrigkeitsh\u00f6rigkeit bekommt geh\u00f6rig sein Fett weg. Hierzu sei das k\u00f6stliche Probekapitel \u201eHabermas\u201c <a href=\"http:\/\/www.derbearbeiter.de\/\">www.derbearbeiter.de\/<\/a> empfohlen \u2013 14,5 Minuten kann man sich hier einh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Seitenhiebe gibt es aber auch auf ein Intelligenznetzwerk, das \u201ePi\u201c (es k\u00f6nnte sich in unmittelbarer Nachbarschaft von \u201eXing\u201c tummeln), das jeden mit einem IQ von 130 und mehr willkommen hei\u00dft. Und weil Ghosts ja im stillen K\u00e4mmerlein writern (wenn sie mal nicht Bibliotheken durchk\u00e4mmen und kostbare Zeit am Kopierger\u00e4t verbringen), streckt Konrad hier neugierhalber seine F\u00fchler aus. Auch das ist eine vergn\u00fcgliche Schiene, die dem Buch einige W\u00fcrze hinzuf\u00fcgt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00dcberhaupt: Wo geht die Reise hin, wie entwickelt sich der Held? Schreiben ist ein sehr einsames Gesch\u00e4ft, \u00fcber das man in diesem Fall nicht einmal kommunizieren darf. Wird er gef\u00e4hrlich und l\u00e4sst jemanden auffliegen? Dann adieu Broterwerb hinter den Kulissen! Denn Diskretionsverletzungen sprechen sich in dieser Branche unweigerlich herum. Trotzdem ist da ein Spiel mit dem Feuer, das als Lesebeschleuniger funktioniert. Und noch etwas umkreist schlie\u00dflich den eher zur\u00fcckhaltenden Konrad Richter, so dass wohltemperierte Spannung aufkommt und wir auf ein Happyend hoffen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><em><span style=\"color: #0000ff;\">Ein wichtiges Buch, das ein Tabu unverkrampft beschreibt, unverzagt den Finger in mehrere Wunden legt und damit die Mundwinkel frohgemut nach oben zieht.<\/span> <\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wolfgang Klinghammer: Der Bearbeiter. Paperpack: 287 Seiten, Macciato-Verlag, ISBN 978-3-940721-16-7, EUR 16,50<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Interview zur T\u00e4tigkeit eines Ghostwriters<\/strong> &gt; http:\/\/www.jenapolis.de\/2011\/04\/interview-mit-einem-jenaer-ghostwriter\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufregend klingt der Titel nicht: \u201eDer Bearbeiter\u201c. Wir haben es hier aber mit einem Roman zu tun, der es faustdick hinter den Ohren hat! Einem geschmeidigen Roman, der mit wenig Personal auskommt, uns leichtf\u00fc\u00dfig unterh\u00e4lt und oft schmunzeln l\u00e4sst, ohne dass seine Ironie aufdringlich w\u00e4re. Das Subtile an dem Stoff ist, dass wir ein St\u00fcckchen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[1,7],"tags":[656,660,657,664,662,658,661,659,663],"class_list":["post-1064","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-kultur","tag-bearbeiter","tag-eitelkeit","tag-ghostwriter","tag-jenapolis","tag-macciato-verlag","tag-tabu","tag-titelgier","tag-wissenschaft","tag-wolfgang-klinghammer"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1064"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1064\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1069,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1064\/revisions\/1069"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}