{"id":1048,"date":"2013-10-17T00:18:57","date_gmt":"2013-10-16T22:18:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/?p=1048"},"modified":"2017-09-18T20:47:37","modified_gmt":"2017-09-18T18:47:37","slug":"diese-autorentraeume-moebeln-geist-und-seele-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.journalismus-und-mehr.com\/index.php\/archives\/1048","title":{"rendered":"Diese Autorentr\u00e4ume m\u00f6beln Geist &#038; Seele auf!"},"content":{"rendered":"<p>Kleines Brainstorming vorneweg: Was wollen AutorInnen? <span style=\"color: #ff0000;\"><b>Gelesen werden!<\/b><\/span> Eine naheliegende Antwort, doch sicher gibt es auch Geschriebenes, das nur erleichtern soll (n\u00e4mlich die\/den VerfasserIn, etwa in einem Tagebuch) oder unbesehen etwaiger LeserInnen dokumentieren soll (beispielsweise den Unfallhergang, die Rednerliste zum Empfang des neuen Chefs). Bringt man das Wort <span style=\"color: #ff0000;\"><b>\u201eAutorentr\u00e4ume\u201c<\/b><\/span> ins Spiel, geht ein <em>ganz anderes Fenster vor dem geistigen Auge auf, das in eine abwechslungsreiche Landschaft f\u00fchrt<\/em>. Stichworte dazu: erz\u00e4hlen, unterhalten, \u00fcberraschen, fesseln, aufkl\u00e4ren; die Welt ber\u00fchren, irritieren, verbessern oder bereichern; sich ausdr\u00fccken, entwirren und mitteilen; selbst entdeckt, ver\u00f6ffentlicht, respektvoll behandelt und angemessen bezahlt werden; Bestseller landen, Aufsehen erregen, Ruhm erlangen &#8211; und obendrein immer wieder &#8230; einfach nur schreiben, ohne Blockade, je nach Thema\/Auftrag oder frei mit Trends locker umgehen k\u00f6nnen und nicht automatisch auf eingef\u00fchrte Erfolgsfiguren reduziert zu werden etc.<\/p>\n<p>Wie trocken sich diese Aufz\u00e4hlung anf\u00fchlt! Als w\u00e4re damit das meiste gesagt. Doch das Lesebuch <b>\u201eAutorentr\u00e4ume\u201c<\/b>, herausgegeben von Petra Hartmann und Monika Fuchs, belehrt uns eines Besseren. Denn siehe da, die Autoren-(Traum-) Welt wird bunt und vielf\u00e4ltig dargestellt, aber auch nachdenklich, doppelb\u00f6dig, Ironie und Witz inbegriffen &#8230; Man mag diese Anthologie auff\u00e4chern und Einzelheiten herausgreifen \u2013 damit hat man aber noch l\u00e4ngst nicht den positiven Gesamteindruck vermittelt, f\u00fcr den das Buch hohes Lob verdient.<\/p>\n<p>Ja, es ist wie ein unvergesslicher Fu\u00dfabdruck, den die Herausgeberinnen und die AutorInnen in die Welt gesetzt haben. Das liegt an der Herangehensweise, der Auswahl der Beitr\u00e4ge, der liebvollen Aufmachung wie am Geleitwort von Tanja Kinkel (Gr\u00fcnderin der Kinderhilfsorganisation \u201eBrot f\u00fcr B\u00fccher e. V.\u201c, der ein Euro pro verkauftes Exemplar zuflie\u00dft), wie an den inspirierenden Anmoderationstexten zu jedem der 57 Kapitel. Sch\u00f6n ist, dass hier Anf\u00e4ngerInnen offenbar die gleiche Chance zuteil wurde wie Fortgeschrittenen und Routiniers. \u00a0Zu jedem Autor, jeder Autorin erfahren wir Einzelheiten, nicht ausufernd, aber orientierend.<\/p>\n<p>Es ist wirklich ein Lesebuch, das es gut vertr\u00e4gt, wenn man nicht kontinuierlich vorgeht, sondern sich immer wieder mal einen \u201eHapppen\u201c g\u00f6nnt (keine Einsendung durfte l\u00e4nger als 9.000 Zeichen \u00a0sein). Die Originalit\u00e4t in jedem Beitrag \u00fcberrascht wirklich! Freilich war zu erwarten, dass \u00fcber Schreibblockaden, unzug\u00e4ngliche Lektoren und ungl\u00fcckliche Lesungen erz\u00e4hlt w\u00fcrde. Aber da ist auch die Treppe, die wom\u00f6glich gar keine ist und mehr und mehr ins Rutschen ger\u00e4t, weil \u2013 so der Verdacht \u2013 sie aus Manuskriptseiten besteht, nur notd\u00fcftig zusammengehalten durch einen Teppich, der bei Betreten der gew\u00f6hnlichen Statik gehorcht \u2013 ausser der Traum macht eine Ausnahme. Oder da ist der Schreibblock, der sich unter der T\u00fcre durchschiebt, sich dem Schreiber aufdr\u00e4ngt, obwohl der gerade den Kanal voll hat mit Bier und sein Autorsein in diesem Moment keineswegs im Vordergrund steht. Verspielt wird es auch, wenn der Schweinehund mit dem Musenfresserchen und anderen Zunichtsmachern eine rabenschwarze Sitzung abh\u00e4lt. Wir halten allen Abenteuern und Fantasien Stand, bl\u00e4ttern nach dem n\u00e4chsten Traum, der wiederum einen anderen Aspekt beschert, so dass das Unerwartete die \u00dcberhand kriegt, der Bann nicht endet, in den das Buch die LeserInnenseele zieht. Da kann eine Geschichte durchaus auch ein zweites Mal genossen werden, ohne dass der Spa\u00df daran \u201eaufgew\u00e4rmt\u201c wirkt.<\/p>\n<p>Alb- und Wunschtr\u00e4ume sind hier in Kurzgeschichten, Gedichten, kleinen Dramen und Essays verpackt, oft blitzen auch Schnipsel der Realit\u00e4t durch. Feinsinnig und konsequent lektoriert. Ein Buch, das man gerne in die Hand nimmt, da es eine hohe Pr\u00e4senz von ausnahmslos allen Beteiligten ausstrahlt. Diese Qualit\u00e4t bleibt\u00a0\u00fcber alle 334 Seiten hinweg ohne Schwankungen gegenw\u00e4rtig, als sei diese Anthologie wirklich eine \u201eHerzensangelegenheit\u201c der Verlegerin!<\/p>\n<p><strong>Petra Hartmann &amp; Monika Fuchs. Autorentr\u00e4ume<\/strong>.\u00a0<strong>Ein Lesebuch. <\/strong>Verlag Monika Fuchs, 2013,\u00a0336 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-940078-53-7, 16,90 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleines Brainstorming vorneweg: Was wollen AutorInnen? Gelesen werden! 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