Archiv für das Tag 'Vorurteile'

Mai 30 2017

Nach dem Mord ein Bier im „Hirsch“?

Autor: . Abgelegt unter Kultur,Literatur

An der Universität Leipzig gibt es eine Namensberatungsstelle. Dort arbeitet Gabriele Rodríguez, die einzige Namenforscherin Deutschlands, die sich auf Vornamen spezialisiert hat. Eltern und Standesämter können bei ihr die Zulässigkeit, Schreibweise oder Geschichte von Vornamen prüfen und sich beraten lassen. Sie weiß auch um die Vorurteile gegenüber Vornamen wie Kevin oder Maximilian. Nicht nur um sie zu entkräften hat sie nun das Buch „Namen machen Leute – Wie Vornamen unser Leben beeinflussen“ geschrieben. Es erscheint am 19. Juni 2017 bei Komplett-Mediea.

Nicht nur junge Eltern suchen mitunter lange, bis sie sich für einen Vornamen für das erwartete Kind entscheiden. Auch Roman-AutorInnen haben manchmal ihre liebe Not und verwerfen diese und jene Namen, weil sie möglichst die richtigen Assoziationen provozieren wollen. Denn: Namen verknüpfen wir mehr oder weniger automatisch mit einem oder mehreren Attributen – meist unbewusst. Wie Komplett-Media vorab beschreibt, geht das „sogar so weit, dass Lehrer Kevin und Justin nicht nur weniger zutrauen als Alexander oder Maximilian, sie benoten sie mitunter auch schlechter. Und das bei gleicher Leistung. Aber wer kommt auch auf die Idee, sein Kind Bierstübl, Pumuckl, Schnuckelpupine und Usedom zu nennen? Zwei dieser Namen wurden übrigens tatsächlich zugelassen. Bitte raten Sie doch, welche ;-)“

Andere Namensfindungsprobleme tun sich bei der Bezeichnung der Location auf, wenn ein Roman entsteht. Lasse ich die Akteure an fiktiven Orten auftreten oder konkret in Aalen auf der Ostalb, wo ich mich auskenne und den Brunnen beschreiben kann, in den das Mordopfer fällt? Könnte da die Stadt etwas dagegen haben? Lasse ich den Bösewicht als Stammgast im „Hirsch“ einer realen Gemeinde verkehren oder sieht dadurch dessen Wirt sein Image beschädigt? Kann das quengelnde Kind der Protagonistin mit einem Hamburger bei Mc D… erst beruhigt und dann krank werden oder ruft das deren Rechtsanwalt auf den Plan?

Mit dieser Problematik beschäftigt sich u. a. Hans Peter Roentgen in seinem Blog, wo es auch noch weiterführende Hinweise gibt, weshalb ich hier vorerst nicht viele Worte dazu mache. https://hproentgen.wordpress.com/2017/05/27/marken-und-namen-in-romanen/

Nach derart strapaziösen Überlegungen ist Erholung angesagt – zum Beispiel mit einem Buch. Dass dies wie Medizin wirken kann, haben Wissenschaftler an der Yale Univerity erforscht. Sven Stillich schrieb darüber im ZEIT-Magazin: /www.zeit.de/2017/10/literatur-lesen-gesundheit-studie

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Apr 08 2013

Schreiben über Verbrechen wider Vorurteile

Autor: . Abgelegt unter Kultur,Literatur

Verbrechen – das Geschehen vollzieht sich meist in einem kleinen Zeitschlitz, das Leben darum herum ist vielfältig wie bei anderen Zeitgenossen. Trotzdem hält sich das Vorurteil, Angeklagte müssten sich von den übrigen Menschen doch irgendwie unterscheiden.

Dass dem Staatsanwälte nicht nur in Ausnahmefällen widersprechen, könnte zur Verunsicherung unserer Trennlinien zwischen „Gut und Böse“ beitragen. In der Literatur hat es aktuell wieder ein Autor geschafft, den „Abgrund als Zwilling des Alltäglichen“ unverschnörkelt auf den Punkt zu bringen. Er heißt Ferdinand von Schirach und erzählt in seinen Stories „Carl Tohrbergs Weihnachten“ von logischen Entgleisungen.

Als Strafverteidiger ist er darin geübt, die mutmaßlichen Verfehlungen seiner Mandanten so nachvollziehbar zu machen, dass das Urteil darüber möglichst milde ausfällt. Erfreulich, wie er diese Erfahrung schriftstellerisch in gekonnten Minimalismus ummünzt, zu dem folgende Rezension verfasste:

>> Schicksalhafte Ungeheuerlichkeiten nehmen den Leser des Bändchens „Carl Tohrbergs Weihnachten“ gefangen. Jede Zeile verdichtet die Atmosphäre und strebt einem Resultat zu, das schlicht das Prädikat „passt“ verdient. Zwar erhofft man sich, dass Lebenswege sich an solchen Abgründen vorbeischlängeln, wie sie Ferdinand von Schirach in den drei Kurzgeschichten erzählt, doch man weiß von Anfang an, dass hier unausweichlich etwas aus den Fugen gerät. So ist man erschüttert und gleichzeitig auch eine Spur erleichtert, wenn …<<

Weiterlesen können Sie hier > www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=17731 – Ich wünsche viel Vergnügen samt Nachdenklichkeit bei der Lektüre!

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