Monatsarchiv für Oktober 2015

Okt 21 2015

Dieter Pfaff – und das spannende Bemühen um die Rechte der Schwächeren

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Erinnern Sie sich an Dieter Paff? Ja der, der sich in seinen Rollen – ob als unkonventioneller Psychotherapeut „Bloch“, als Kommissar Sperling oder als Anwalt („Der Dicke“) – immer für die „kleinen Leute“ einsetzte. Er starb im März 2013, doch jeden Dienstag lebt derzeit seine Idee fort, sozial schwachen kriminalisierten Bürgern anwaltlich zu ihrem Recht zu verhelfen. „Die Kanzlei“ heißt die Staffel; die am 8. September startete. Seit gestern beweinen Ehrenbergs Erben „serien-offiziell“ seinen Tod, an dem laut Drehbuch ein Unfall schuld ist.
Dr. Gregor Ehrenberg – so der Name des Anwalts – , der mehr schlecht als recht über die Runden kam, ist also mehr als zwei Jahre nach Pfaffs Tod nicht vergessen. Die Idee zur Sendung war Dieter Pfaffs „künstlerisches Baby“, das von den DarstellerInnen Sabine Postel, Herbert Knaup, Katrin Pollitt und Sophie Dal weiterhin gepflegt und gehegt wird. Über ihre Rollen und deren Entwicklung sprechen sie hier > http://www.ardmediathek.de/tv/Die-Kanzlei/Die-Hauptdarsteller-im-Interview/Das-Erste/Video?documentId=30439558&bcastId=30292384 > Das Interview ist bis zum 8.9.2016 verfügbar, während die homepage von „Der Dicke“ nicht mehr erreichbar ist. (Warum eigentlich? Muss die ARD im Netz Platz sparen?)
Für Schwächere/Hilfsbedürftige sich einzusetzen wird zunehmend schwierig, weil ein heftiger Gegenwind weht. (Vermutlich weil Massenbewegungen ab einer bestimmten Größenordnung so ratlos wie hilflos machen.) Keine Angst, ich öffne hier kein neues Fass zum Thema „Flüchtlinge“. Mich interessiert in erster Linie die Sprache, die in den ungezählten „Fässern“ um mich herum verwendet wird. Wenn ich diese aber kritisiere, wird schon das leicht missverstanden. Es kommt die Entgegnung, dass sich sowieso nur noch wenige Menschen trauen, sich laut zu äußern, weil sie ggf. in die „Nazi-Ecke“ abgefeindet werden.
Wenn ich jetzt milchmädchenmäßig eine Soap zu entwickeln hätte über die ungerecht Behandelten, dann müsste die vermutlich so gehen: Leute mahnen, dass man die Übersicht behalten und sich nicht vor lauter guten Willkommens-Absichten überschlagen sollte. Sie sehen Probleme und zu wenig Thematisierung derselben. Sie werden sofort als „anti“ gestempelt und kommen dadurch nur in einer vorgestanzten Rolle zur Geltung. Wehrlosigkeit lässt sie zu radikaleren Redewendungen greifen, was sie erst recht unter einem Licht erscheinen lässt, das sie nicht anstrebten. Der Strudel kreiselt immer weiter – am extremen Rand skandieren die Aufgebrachten „Lügenpresse“ – und damit ist die Lage verfärbt, weil diese Bezeichnung … Na ja, lassen wir das.
Die Soap würde aufgrund meiner Ungeduld jetzt kippen und in einer Puppenstube fortgesetzt, in der Dieter Pfaff – in welcher Rolle auch immer – mit Winnetou, Otto von Bismarck und Doris Lessing sowie Rosa Parks miteinander diskutieren. Als Assistentin würde ich ihnen Bella Block bzw. Hannelore Hoger an die Seite stellen, die je nach Bedarf die Rollen wechseln dürfte. Auf der Reservebank säßen Prof. Dr. Luise F. Pusch (seriöse Wissenschaftlerin und mit Sprache auf perfektem Fuß) und die junge Sophie Dal, die als Sekretärin in „Die Kanzlei“ in mehrerlei Hinsicht einfach unschlagbar ist und bestimmt auch hier eine positive Ausstrahlung hat. Geliebäugelt hatte ich noch mit Michail Gorbatschov, dessen Entwicklung mir aber die letzten Jahre schleierhaft geblieben ist. Ob eine Existentialistin wie Simone de Beauvoir sich unter dem Brennglas in der Puppenstube gut machen würde, will ich mir in den nächsten Tagen überlegen. Jede/r kann an Besetzung und Thema weiterspinnen.
Zum Thema „Weiterspinnen“
eignet sich übrigens noch eine Meldung aus der Huffington Post Deutschland (aus dem Hause Burda):

Was dieser Bürgermeister mit Flüchtlingen macht, überrascht alle

http://www.huffingtonpost.de/2015/10/20/was-dieser-burgermeister-mit-fluchtlingen-macht-uberrascht-alle_n_8339070.html?ncid=fcbklnkdehpmg00000002 – Die Geschichte wird sich bestimmt in mehreren Medien fortpflanzen und (hoffentlich!) noch auf ihren harten Kern hin geprüft, aber als Impulsgeber ist sie es schon jetzt wert, gepostet zu werden.

Wir alle – ja, auch ich bin „das Volk“, hihihihihi – lechzen nach AusnahmepolitikerInnen. Dass nun ausgerechnet der Oberbürgermeister jener Stadt dazu zählt, in der ich meine journalistische Laufbahn begann, könnte Anlass für eine weitere Geschichte in diesem Blog sein. Denn Geschichten hinter den offiziellen Geschichten gibt es genug. Nur „Lügenpresse“ – darauf sollten sich bitte alle verständigen – sollte weder als Thema ernsthaft erwogen noch als Schimpfwort gebraucht werden!

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