Monatsarchiv für März 2011

Mrz 27 2011

Stalking – strafbarer Terror

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Sonstiges

Ingrid Pfeifer beschreibt, wie eine Bekanntschaft aus dem Stadium der Unbeschwertheit pervertiert wird in bedrohliche Überwachung, Gängelung, Verfolgung. Das ist nicht nur kaum auszuhalten, sondern auch ein Straftatbestand. Nämlich Stalking, gegen das man Anzeige erstatten kann. Auch der Weiße Ring hilft den Opfern. Sie haben es nämlich nicht leicht. Denn meist will der Stalker ein letztes Gespräch, zum x-ten Mal alles klären, wirbt um Verständnis, bittet um Verzeihung, gelobt Besserung. Er will es immer wieder und mit Mechanismen, die mürbe machen.

Leicht haben es die Opfer auch deshalb nicht, weil sie sich in der Regel schämen, jemanden ins Vertrauen zu ziehen. Sie kapseln sich ab, weil sie denken, es sei nicht nachvollziehbar, in welche Situation sie geraten sind und wie das überhaupt passieren konnte. So hat auch Ingrid Pfeifer über Gebühr lange geschwiegen, bevor sie ihr Umfeld am Arbeitsplatz informierte, obwohl der Stalker sie auch während der Arbeitszeit belästigt hatte und keinem verborgen geblieben war, das es ihr zunehmend schlechter ging.

Ingrid Pfeifer beschreibt ihre Selbstzweifel sehr gut, das Zurückstecken der eigenen Interessen und Bedürfnisse aus Ratlosigkeit und Resignation. Ihre Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden könnte, war relativ früh erloschen. Trotzdem quält sie sich mit dem Durchhalten – irgendwann wird der Mann doch ihr „NEIN“ akzeptieren und sich zurückziehen. Dem war leider nicht so.

Die Autorin hat vor Gericht gegen ihren Peiniger gewonnen. Heute hilft sie mit ihrem Netzwerk http://gemeinsam-gegen-stalking.de Opfern zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Am Ende ihres Erlebnisberichtes gibt sie in ihrem Buch Auskunft über die Definition des Begriffs, über die Gesetze gegen Stalking und über erste mögliche Schritte, wenn man sich wegen eines Stalkers oder einer Stalkerin in Bedrängnis fühlt.

Ein lesenswertes Buch: Ingrid Pfeifer: „Stalking – (m)ein Leben im Kreislauf der Angst!“ Erfahrungsbericht und Ratgeber, 13,90 €, Books on Demand 2010, ISBN 978-3839166376.

Die Dunkelziffer der Betroffenen ist groß. Vorläufig geht man von ca. 30.000 Stalking-Opfern in Deutschland aus. Sie leiden an psychischen Beeinträchtigungen, was sich auf ihre Arbeitsfähigkeit, ja den Gesundheitszustand schlechthin auswirkt. Ingrif Pfeifer in sat 1/Bayern: http://bit.ly/hShbxQ

Und das schrieb der FOCUS darüber: http://bit.ly/aGPeIL

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Mrz 20 2011

Was erscheint als selbstverständlich und was verrät dies über das Selbstverständnis?

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Sonstiges

Staunen mit offenem Ausgang. Das betrifft zweierlei:

1)      Wie die Gelassenheit der Japaner hierzulande thematisiert wird. Das ist schon fast peinlich. Als könnten wir nicht glauben, dass Andere ihre Katastrophen anders verarbeiten als wir mit unserer Mentalität. Oder als dürfte es nicht wahr sein, dass Verhaltensmuster, die uns vertraut sind und einleuchten würden, anderswo einfach ausbleiben …

2)      Wie schwungvoll „abschalten jetzt!“ Konjunktur hat. Man kann diesen Appell an jeder Ecke unterschreiben. Der Zeitpunkt ist günstig. Das Bauchgefühl von VIELEN fließt hier zusammen. Erst die Welle „nukleares Restrisiko ist vertretbar – Entsorgung wird schon gut gehen“, dann die Welle „nur ohne Kernkraft können wir unseren Nachkommen die Erde guten Gewissens übergeben“. Was ist mit dem Wohlstandsrisiko? Werden die Leute sich kloppen, wenn plötzlich Verzicht angesagt ist? Wann wird das diskutiert?

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Mrz 02 2011

Ungenaues Denken & Erregungspegel sind eine unheilige Allianz

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Der angehimmelte Minister ist zurückgetreten. Dies einzuordnen hilft der Beitrag von Professor Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler, in MEDIA > http://bit.ly/gc1BvF. Die Fragen um den Plagiatsskandal führen unweigerlich zu BILD, da dieses Leitmedium dem angeschlagenen Minister bis zuletzt lautstark die Stange hielt.

Warum nimmt ein Medium so eindeutig Partei? Um die Fanseele zu spiegeln? Um den Erregungspegel in eine Auflagensteigerung umzumünzen? Die Rolle der Medien kam im Fall Guttenberg schon einmal ins Gerede. 2009 ging es um seine wirtschaftlichen Erfahrungen. Damals war er Wirtschaftsminister und hatte – wie Panorama aufdeckte – nur geringfügige praktische wirtschaftliche Erfahrungen – auch wenn er der Öffentlichkeit etwas anderes weismachen wollte. Siehe >> http://bit.ly/SaARv Andere Medien hatten das nicht so genau hinterfragt, was in dem Beitrag kritisiert wird. Sie saßen der Aussage des Ministers auf, die flächendeckend verbreitet wurde.

BILD ist nicht mehr so verpönt wie einst. Das merkt man schon daran, dass das Blatt markante Köpfe wie Alice Schwarze für seine Kampagnen gewinnt. Als das Blatt unlängst einen Korb von der Band „Wir sind Helden“ bekam, erregte das Aufsehen. In deren Absage heißt es: „Die Bild­zei­tung ist ein ge­fähr­li­ches po­li­ti­sches In­stru­ment – nicht nur ein stark ver­grö­ßern­des Fern­rohr in den Ab­grund, son­dern ein bös­ar­ti­ges Wesen, das Deutsch­land nicht be­schreibt, son­dern macht. Mit einer Agen­da.“ (Den ganzen Text nachlesen kann man unter http://bit.ly/fTwRZy – als Schlagzeile wurde bekannt „Ich glaub, es hackt“.)

Wohlan – vielleicht gibt es ja doch eine neue Debatte über Glaubwürdigkeit und wie wichtig sie ist. Sowohl was den Charakter von Medien als auch was den von PolitikerInnen betrifft?! Ungenaues Denken richtet jedenfalls Schaden an!

In diesem Zusammenhang sehr empfehlenswert: „Journalismus nach der Krise – Aufbruch oder Ausverkauf?“. Der Band, unterstützt von der Stiftung „Wertevolle Zukunft“, lotet Unschärfen, Untiefen und Ungereimtheiten aus. 22 Chefredakteure und Medienexperten wurden von zwei jungen Insidern – Anne Kunze und Felix Rohrbeck – befragt. Mehr dazu > http://bit.ly/eqjt0D

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