Monatsarchiv für Februar 2011

Feb 26 2011

Wer klaut, aber eine gute Figur macht, wird trotzdem angehimmelt?

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

„Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt!“ Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26.4.2008 („Welttag des geistigen Eigentums“). Nachzuhören unter http://bit.ly/hv40Xf

Nicht zuletzt deshalb erhielt sie am 24.2.2011 angesichts des skandalösen Verhaltens Karl-Theodor zu Guttenbergs von Doktoranden einen offenen Brief > http://bit.ly/ibazzb

Auch die Universität Bayreuth verurteilt den „Diebstahl geistigen Eigentums“ als ein Vergehen, „das weitreichende juristische Konsequenzen haben kann.“ > http://bit.ly/eVQk0N

Damit wäre eigentlich alles hinreichend geklärt – wären da nicht die Fans des Ministers, die sich von dem Etikett „Klau“ nicht einschüchtern sowie sich ihren Sympathieträger nicht entreißen lassen wollen. Ein Übersetzungsversuch: Endlich haben wir mal einen Politiker, mit dem wir ein wenig Glanz und Format verbinden – und nun wollen wir die Ernüchterung verweigern. Das ist die Crux, wenn man so wenig markante Persönlichkeiten hat, die die Basis in ihren Bann zu ziehen vermögen.

Heißt Bann nicht auch Blendung? Nicht unbedingt! Als einst niemand dem Bann Franz Josef Strauß’ ausweichen konnte, geschah das beileibe nicht, weil er ein unumstrittener Publikumsliebling war! In den 60er Jahren war es ein Highlight, hitzige Debatten im Bundestag am Radiogerät mitzuverfolgen. Man wartete gespannt auf die scharfzüngigen Beiträge von „Schmidt Schnauze“, die den Geist bei Freund und Gegner kitzelten, Respekt und Bewunderung auslösten. Unvergesslich auch die Einwürfe von Herbert Wehner. Kurz: Man hatte Persönlichkeiten, an denen man sich „abarbeiten“ konnte.

Sich „an etwas abarbeiten“ – das ist lange nicht mehr breitflächig geschehen. Stuttgart 21 bietet die Chance dazu. Jedenfalls wird es da augenfällig. Auf der anderen Seite die „Anhimmelung“ von K-T. zu Guttenberg. Die Yellow Press hat einigen Anteil daran.

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Feb 13 2011

Lierhaus – ein perfekt inszenierter Coup

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Sonstiges

„Musste das denn auch noch sein?“ Im Sinne von > das Vorherige hätte eh schon gereicht. „Und wenn er nein gesagt hätte?“ (Der Partner zum öffentlichen Heiratsantrag.) „Ja, hätte er sich das überhaupt leisten können??“ Sogar in Talkshows wurde darüber gefachsimpelt. „Das war doch sicher vor dem Auftritt abgesprochen …“ So der Trost an jene Mitfühlenden, denen es peinlich gewesen wäre, wären sie selbst in aller Öffentlichkeit zu einer Liebeserklärung genötigt worden.

Nicht nur die Yellow-Press hatte mal wieder ein Highlight. Das ging bis ganz unten durch. Der Effekt wird auch nicht so schnell verpuffen. Es würde mich nicht wundern, an einem Sandkasten vorbeizukommen und zwei Vorschulaltrige im Sandkasten rufen sich zu: Komm, lass uns Lierhaus spielen, das ist mein Mikro und Du bist der Bräutigam …

Dass dieses Spektakel zu Analysen anstiftet und welche Fragen es aufwirft, fasste Stefan Niggemeier in seinem Blog sehr gut zusammen: „Monica Lierhaus und der schöne Schein“ > http://bit.ly/eGK8EL. Niggemeier kommt auch in dem NDR-Zapp-Beitrag zu Wort, der die perfekte Medien-Inszenierung kommentierend aufs Korn nimmt > http://bit.ly/f3fZz7 („Die gut geplante Rückkehr von Monica Lierhaus“ von Sine Wiegers).

Wer mit der Öffentlichkeit spielt, setzt sich sehr unübersichtlichen Risiken aus. Das muss ein Profi wie Monica Lierhaus wissen. Alle Welt wünscht ihr, dass sie das auch genügend berücksichtigt hat.

Und ich wünsche mir, dass künftig die im Fernsehen üblichen „makellosen“ ProtagonistInnen von KollegInnen ergänzt werden, die ein Handicap haben (ob erkennbar oder nicht) bzw. die nicht dem strengen Schönheitsideal entsprechen (Gebiss, Falten, Figur). Nur so kann die Toleranz gegenüber allen NormabweichlerInnen Auftrieb erfahren, was bitter nötig ist.

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