Monatsarchiv für Juni 2010

Jun 17 2010

Brot für die Hungrigen oder nicht?

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag

„Wenn ich einem Hungrigen ein Stück Brot gebe, bin ich ein Heiliger, wenn ich frage, warum er kein Brot hat, bin ich ein Kommunist“ (hab‘ die Quelle leider gerade vergessen).

Gefunden habe ich diesen Satz in einem Kommentar zur taz-Diskussion „Schaden die Tafeln den Armen?“ Vom Überfluss was abgeben oder warten, bis sich die Zeiten ändern und es kein Gefälle mehr zwischen Habenden und Habenichtsen gibt?

Eigentlich sollte es ein gutes Gefühl auslösen, wenn noch Überfluss zu verteilen ist. Aber … Es gibt so viele Abers in der Sache, dass man laut aufstöhnen möchte. Natürlich darf die Frage gestellt werden: „Wer ruht sich worauf aus?“ Aber nur weil mir die Rahmenbedingungen zuwider sind, den Überfluss einfach vernichten, um der Politik nicht ihre Untätigkeit zu erleichtern? Brot, Wurst, Milch usw. wegwerfen, weil man niemanden dazu verführen will, immer auf Geber zu hoffen/zu setzen?

Wenn ich einfach das unschuldige Brot ansehe, das im Supermarkt oder in der Bäckerei übrig bleibt und noch jemandes Hunger stillen könnte, denke ich an die Ähren auf dem Felde. Wieviel Sonne, Regen, Hege und Pflege sie brauchen, um zu gedeihen. Wie viel in ihre Weiterverarbeitung investiert wird. Schöpfung und Mensch haben schon kräftig Hand in Hand gearbeitet (wobei der Mensch auch Teil der Schöpfung ist), bevor ein Brot aif die Ladentheke gelangt. Wieso es vergammeln lassen, anstatt sich dankbar vor der Erde zu verbeugen, die es hervorgebracht hat? Wenn ich mich vor der Erde verneige, muss ich mich aber auch von jenen verneigen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Manchmal vielleicht auch vor unzulänglichen Politikern?

Die Fragen zu dem Thema lassen sich nicht ausdiskutieren. Doch die Achtung vor den einzelnen Getreidekörnchen ist es, die die Besinnung bringt!

Ein Kommentar

Jun 03 2010

ff-Erfolg: Sägt sich „Print“ im Netz selbst ab?

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag

Mitten hinein in die Furcht vorm Zeitungssterben platzt die Nachricht, dass das „ff“ läuft wie geschmiert. „ff“ ist ein politisches Nachrichtenmagazin in Südtirol, dass dort von 30 Prozent der Bevölkerung gelesen wird. Die Erfolgsgeschichte erzählt ff-Direktor Kurt W. Zimmermann am 2. Juni 2010 in der Weltwoche.

Sie sei auf Geldmangel zurückzuführen, hebt er hervor: „Als ab 2004 alle Medienhäuser voll ins Internet investierten, hatte der ff-Verlag kein Geld.“ Sonst hätte man sicher auch Gratisangebote ins Netz gestellt. Heute habe man wieder Geld, vermeide es aber trotzdem, sich „selber elektronisch konkurrenzieren“. Unter www.ff-online.com sind nur wenige Artikel frei und ohne Einschränkungen abrufbar, bei den übrigen lautet der Bescheid, man solle das Magazin abonnieren.

Zimmermann verweist auf der Economist und das Wall Street Journal, die sich im Netz ähnlich zugeknöpft geben und nicht wie andere Blätter Auflageneinbußen zu beklagen haben. Und er sieht seine Konzentration auf „Print“ nicht zuletzt durch das Defizit von Spiegel online bestätigt, das „der Marktführer im Internet-Journalismus (…) 2009 (…) – sechzehn Jahre nach seiner Gründung“ einstecken musste. Die Doppelstrategie – sowohl printmäßig als auch im WWW präsent zu sein – erfordere hohen Aufwand. Zimmermann sieht das Entweder-Oder-Prinzip an Boden gewinnen. (2.6.10 www.weltwoche.ch/index.php?id=538451).

Die Schweizer Wochenzeitschrift Weltwoche fährt auch die Linie: wenige Appetit-Happen sollen davon überzeugen, AbonnentIn zu werden und dann gratis Zugang zu den Beiträgen im Netz zu erhalten. Nicht mal gegen Bezahlung kann man in den Genuss einzelner elektronisch publizierter Weltwoche-Artikel kommen – wie bei „ff“.

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Jun 02 2010

„Dieser Text ist mir was wert“

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag

Es ist so viel von Werten die Rede und man soll sie hoch halten. Wie geht das eigentlich? Im zwischenmenschlichen Bereich kann man sich freundlich bedanken, sich für einen Gefallen revanchieren, eine kleine Aufmerksamkeit schenken. Für eine nette Geste, für großzügiges Entgegenkommen, für einen nützlichen Tipp.

Es gibt Tipps und Orientierungshilfen, die von vorn herein etwas kosten. Individuelle Beratung bei der Verbraucherzentrale, beim Anwalt oder bei einer Psychologin/Ärztin zum Beispiel. Darüber hinaus gibt es eine Fülle von Informationen gratis. Sie alle müssen irgendwie querfinanziert werden. Das heißt, aufgrund einer anderen Geldquelle muss es sich der Informant leisten können, sein Wissen, seine Reportage usw. kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Es ist eine Binsenweisheit, dass niemand etwas zu verschenken hat. Trotzdem hat im Journalismus die (Selbst-) Ausbeutung von je her einen Fuß in der Tür. Da die Einnahmen aus den Inseraten bei den gedruckten Medien schon längere Zeit sinken, gehen immer mehr Verlage dazu über, ihre Artikel im Internet gegen Bezahlung anzubieten.

Warum eigentlich nicht etwas honorieren, das einen „bereichert“? Okay – bei knappem Geldbeutel mag jeder eingesparte Cent wertvoll sein. Doch nicht alle Schnäppchenjäger beziehen niedrige Einkünfte. Andererseits: Wer sich einmal mit dem Bezahlsystem geplagt hat, weil er unbedingt einen bestimmten Artikel lesen wollte, dem mag die Lust auf gerechte Entlohnung des Angebots vergangen sein.

Doch an komfortableren Bezahlmöglichkeiten wird gebastelt und gefeilt. In absehbarer Zeit dürften wir zwischen unterschiedlichen Modellen wählen können. Einstweilen kann zu diesem Thema einen „Mehrwert“ erfahren, wer sich mit dem sozialen Mikro-Bezahlsystem Flattr auseinander setzt, das sich noch in der Versuchsphase befindet: http://www.taz.de/6/hilfe/flattr/ („To flatter“ bedeutet auf Deutsch „schmeicheln“.)

Während bei Flattr noch nicht jede und jeder mitmachen kann, gibt die Tageszeitung „taz“ ihren Leserinnen und Leserinnen Gelegenheit zur freiwilligen monetären Wertschätzung ihrer Artikel im Netz. Nach der Lektüre eines Artikels leitet das Bekenntnis >> Dieser Text ist mir was wert: [taz-Kto] << zur Konto-Angabe, die einem mit folgenden Worten entgegenlächelt:

Schön, dass Ihnen der Artikel gefällt. Um unsere Arbeit zu honorieren, können Sie diese Bankverbindung verwenden: … Bestechend einfach!

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