Archiv für die Kategorie 'Sonstiges'

Sep 26 2016

Inspirationen und Vorbilder

Autor: . Abgelegt unter Sonstiges

„Wenn deine Taten für dich sprechen, unterbrich sie nicht!“ Dieser Satz von Henry J. Kaiser, ein US-amerikanischer Industrieller (1882-1967), ließ mich aufhorchen: wo sind heutzutage Unterbrechungen nicht an der Tagesordnung? (Und weil es Energie kostet, den Faden immer wieder aufzunehmen, kommt dieser Blog leider viel zu oft zu kurz.) Wobei mehrere Taten parallel für mich sprechen können und ich die eine mal zugunsten der anderen unterbrechen muss und umgekehrt.
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Ich gebe zu, dass ich gerne Sprüche sammle und daraufhin überprüfe, wie sie sich weiterspinnen lassen, ob sie sich als Themenanregung für einen meiner Kurse „kreativ schreiben“ eignen.

Wie ich feststellte, denke ich oft sehr lange an Weisheiten herum, die haarscharf neben Binsenweisheiten liegen – also Selbstverständlichkeiten, die normalerweise wenig
Aufmerksamkeit erregen. Als einen solchen habe ich „Ein Weg entsteht dadurch, dass man ihn geht.“ von Stendhal identifiziert.

Das nenne ich Pionier-Denken! Abgewandelt ist es ebenso brauchbar: „Ein Text entsteht, indem man ihn schreibt.“ Diesmal eine wirkliche Binse. Doch man kann nicht erwarten, ständig das NonPlusUltra zu entdecken oder zu erfinden! Hürden und Erwartungen abbauen und einfach los! Jeder Gedanke, den man mal gedacht hat, hinterlässt im Gehirn eine Spur. Wenn man also öfter an „Eis, hm, lecker“ denkt, dann verbreitert sich die Spur zur Eisdiele (zunächst im Kopf) kontinuierlich. Das lässt sich nutzen. Denn wer schreibt und merkt, man muss nicht perfekt sein, schreibt öfter und gewinnt Spaß am Verbessern, Verfeinern, Vervollkommnen.

Und natürlich gibt es Landkarten, auf denen man nach Wegen gucken und sie ggf. in der Praxis überprüfen kann: wie sind die beschaffen, wo führen sie hin? Was hat Stendhal (gestorben 1842) geschrieben und würde es (in welcher Form?) in unsere Zeit passen? Was gefällt mir so gut, dass ich es adaptieren möchte? Adaptieren heißt so viel wie anpassen bzw. übertragen – zum Beispiel in ein anderes Jahrhundert mit gewandelten Konfliktstoffen oder einen Roman zu einem Drehbuch fürs Fernsehen umarbeiten.

Inspirationen und Vorbilder – Kreative haben dafür feine Antennen. Ihre eigene Handschrift wird darüber nicht verloren gehen.

T i p p s :   Treffsicher Figuren konzipiert hat Roland Kraus in „Hurenballade“. Dreizehn Stories. Balaena Verlag. Meine Rezension > http://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=22424 – Mit Grimms und Andersens Märchen „Update“ wartet der Mechandel Verlag auf, den die Apothekerin Charlotte Erpenbeck nebenberuflich mit viel Engagement betreibt. Gelegentlich schreibt sie auch Anthologien aus. http://www.machandel-verlag.de

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Aug 11 2016

Flurfunk & Impulse von der Spülmaschine

Autor: . Abgelegt unter Literatur,Sonstiges

„Wenn ich nochmal jung wär …“ Das ist das Titelthema der ZEIT diese Woche. Ich kenne nur die Vorschau, in der es heißt: „Ich sehe was, was du nicht siehst – 25 Prominente erzählen von ihren späten Einsichten, die für Jüngere heute hilfreich sein können.“ Herrje, wieder so ein zeitloses Thema, das man zu jeder Jahreszeit platzieren kann …

Aber ja! Nur her damit! Ich sammle solch zeitlose Themen für meine Kurse! Mit einigen kreativen Gernschreiberinnen traf ich mich gestern zu einer außerordentlichen Sitzung. Wir wollten der Idee, eine öffentliche Lesung zu veranstalten, auf den Grund gehen. Herausgekommen ist jede Menge lockere Plauderei, bei der wir viel gelacht haben. Ja, Gernschreiberinnen lachen meiner Erfahrung nach oft und aus vollem Herzen, sind weder „gestrige“ Blaustrümpfe, noch abgehobene TheoretikerInnen! Eines unserer zeitlosen (Plauder-) Themen war „Spülmaschine aus- und einräumen in Partnerschaften“. Das gibt jede Menge her, wie wir feststellten. Und keine Erfahrung ist wie die andere!

Einsichten vermitteln, die überraschen und auch noch unterhaltsam sind, verdient eine gute Note in der professionellen Schriftstellerei. Doch haben natürlich jene Bücher oder Kurzgeschichten die Nase vorn, die ihren LeserInnen großen Freiraum für eigene Phantasien (Projektionen und Schlüsse) lassen.  Nichts ist nervtötender, als felsenfeste Weisheiten haarklein und als unverrückbar serviert zu bekommen. Ähnlich nervtötend ist die abschätzige, aber wenig originelle Schmähung „Wer schreibt, der bleibt“ – nach dem Motto: Ihr habt ja eh nix Lohnendes zu sagen und damit ab in die Mottenkiste der blasierten FaslerInnen und überflüssigen MöchtegerndichterInnen.

Die Jagd nach Geschichten ist groß und alt und kommt nicht aus der Mode. Wer kennt ihn nicht – den „Flurfunk“? Auch da kann man sich bestens unterhalten, manchmal auch gruseln. Sehr lebendig wird es, wenn es um Beziehungen geht. „Hast du schon gehört …“ hat meist kein Haltbarkeitsdatum und ist oft durch keinerlei Gegenrecherche „dingfest“ gemacht. Trotzdem hören wir gerne zu. Wir spinnen Gehörtes auch gerne weiter. Manches regt uns gelegentlich zu neuen Geschichten an, die zu guter Letzt evtl. ganz anders geartet sind – vielleicht mit einer Pointe enden, die so unverwechselbar ist, dass sie sich einprägt.

Der „Flurfunk“ hat es leichter als eine Lesung, sofern er Brisantes verbreitet und Tag für Tag für neue, aufregende Nahrung sorgt. KünstlerInnen der Malerei- und Skulptur-Szene haben es leichter mit ihren „EndverbraucherInnenn“ als GeschichtenschreiberInnen, die das Stillsitzen ihres Publikums erfordern. Skulpturen kann man fotografieren, ein Gemälde mit nach Hause tragen und an die Wand hängen – was tut man mit gehörter Prosa? Richtig! Wem sie gefällt, der fragt, ob er sie gedruckt (oder neuerdings auf CD) erwerben kann. Und weil der Schritt zum Büchlein (ob auf Papier oder auf Scheibe) etliches an Aufwand bedeutet, sammeln wir lieber noch mehr Geschichten, bevor wir uns in das Abenteuer Lesung stürzen. Themen haben wir ja genug. Siehe Spülmaschinen-Twist.

Und was fiele mir zur Weitergabe in punkto „Wenn ich nochmal jung wäre …“ ein? Ich bereue, dass ich nicht Tagebuch geschrieben habe als junge Volontärin bei der Lokalzeitung, denn „die Geschichte hinter der Geschichte“ wäre heute in vielen Fällen ein lesenswertes Zeitzeugnis. Mit der Frische der Jugend festhalten, was einem zu denken gibt, wo Widersprüche klaffen, wo sinnvolle Wendungen zum Greifen nahe sind und wodurch sie letztlich verfehlt werden – es ist nicht mit der Sicht von damals rückholbar. Und inzwischen wirkt das damals Verstörende, Aufschreckende oder Bewunderte sehr viel selbstverständlicher dank jahrelanger Sozialisation in den Furchen des „Erwachsenwerdens“, in den Fängen der fortschreitenden Berufserfahrung oder „Karriere“.

Ansonsten reizt mich das Gedankenspiel, nochmal jung zu sein und andere Verhaltensweisen dafür zu überlegen oder gar zu empfehlen, gar nicht. Weniger unbedarft und dadurch weniger vorlaut zu sein? Gerade das hat es doch gebracht damals! Vielleicht hätte ich während der Schulzeit von meinen Eltern dazu genötigt werden sollen, ein Instrument zu lernen, weil das heute der Nutzung meiner Gehirnhälften dienlich wäre. Aber ob mich das nicht zum Bockigsein gebracht hätte, weiß ich beim besten Willen nicht zu beurteilen, weil ich mich in das Kind von damals nicht mehr hineinversetzen kann. Ich weiß nur, zusätzlicher Unterricht in Mengenlehre (die damals noch nicht üblich war) ging schief, weil ich seine Notwendigkeit nicht einsah und er mir deshalb lästig war. Die Lehrerin bei uns auf dem Dorf bot ihn übrigens gratis an für jene, von denen sie annahm, dass es sich für diese lohne …

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Jan 05 2016

Jenseits der Willkommenskultur ist es wichtig, Fremdes korrekt benennen

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag,Sonstiges

Fremdes löst Vorbehalte aus. Wie ich damals als Tochter eines Dresdners und einer Sudetendeutschen, die ich in Mittelfranken aufwuchs. Ich gehörte zu den wenigen, die in dem 400-Seelen-Dorf hochdeutsch sprachen. Meine Mutter war Hausfrau, Nur-Hausfrau – auch ein seltenes Phänomen im Ort, wo jede helfende Hand auf dem Feld oder im Stall gebraucht wurde. Also war ich „verdächtig“, weil meine Sozialisation von dem Ortsüblichen abwich und ich mich in Einigem von den Kindern in meiner Umgebung unterschied.

Die „Tradition“, zwischen allen Stühlen zu rangieren, setzte sich fort, als ich mehrfach den Wohnort wechselte in einer Zeit, wo Bodenständigkeit noch an der Tagesordnung war. Überall andere Dialekte und Sitten! Ich immer erkennbar als Zugezogene. Als „Spätberufene“ kam ich zum Journalismus und ergatterte ein Volontariat – ganz ohne „Vitamin B“, was schon damals als Rarität galt. Endgültig wurde ich zur Exotin, als ich in den 80ern BTX (Bildschirmtext) für einen Verlag installierte und ausprobierte. Wer was auf sich hielt in der Zunft, schimpfte leise bis leidenschaftlich auf die „Neuen Medien“, für die Geld locker gemacht wurde, das man eigentlich für personelle Verstärkung in den Print-Redaktionen hätte gut gebrauchen können.

Anschließend wurde ich argwöhnisch beäugt, weil ich Lust auf Öffentlichkeitsarbeit hatte und dazu im Gesundheitswesen eine geeignete Anstellung fand. Die Seiten des Schreibtisches wechseln – wer tut denn sowas! Als Freiberuflerin und Ghostwriterin passte ich dann schließlich in gar keine Schublade mehr. KollegInnen zeigten mir häufig die kalte Schulter, weil sie in ihrer Spur geblieben waren und mit meinem beruflichen Diskussionsbeiträgen nichts anzufangen wussten.

Heute sticht ein derart bewegtes Berufsleben nicht mehr ins Auge, immer mehr Menschen können von wesentlich grelleren Berufsabenteuern berichten.  Unsere Gesellschaft ist bunt und wechselfreudig geworden, keiner klebt mehr an der Scholle, Auslandaufenthalte sind schon in der Jugend „normal“, und es sind genügend Zuwanderer gekommen, die von wesentlich schicksalhafteren Wendungen geprägt sind und kulturell eine weite Strecke der Annäherung vor sich haben.

Zuwanderer, Flüchtlinge oder Asylsuchende?

Doch halt – sagt man „Zuwanderer“? Angesichts unterschiedlicher Zuwanderungssequenzen macht mich die Vielfalt möglicher Bezeichnungen unsicher bei der Wortwahl. So bin ich dankbar, dass es ein Glossar gibt, das die „Neuen deutschen Medienmacher“ im Dezember 2015 entwickelten und online stellten. Die „Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ müssen meines Erachtens aber nicht JournalistInnen vorbehalten bleiben. Denn sich korrekt auszudrücken verleiht jedem Menschen das Gefühl, „auf der Höhe der Zeit zu sein“. Und es ist gut, wenn JournalistInnen auch hier Orientierungshilfe geben!

Zum Glossar > http://www.neuemedienmacher.de/download/NdM_Glossar_www.pdf

Bilder im Kopf auslösen – Fremdes ist geradezu prädestiniert dazu, sofern die Abwehrhaltung dagegen die Fantasie nicht völlig lähmt. Wenn man die falschen Begriffe hat, können sich auch leicht falsche Bilder einschleichen. Es ist nicht falsch, wenn angesichts der „Karriere zwischen allen Stühlen“ Assoziationen aufblitzen wie: „Abstand halten!“, Mißgunst, Bestandssicherung … Genau deshalb ist mir angesichts des Ringens um die richtige Integrationspolitik die Rückschau mit den Anpassungsschwierigkeiten aller Beteiligten eingefallen. Es gibt keine „Moral von der Geschicht'“ – doch bin ich davon überzeugt, dass gegenseitiges Zuhören und die richtige Wortwahl es leichter machen, einander zu respektieren oder gar zu verstehen. Ein langer Atem gehört in jedem Fall dazu.

Und das sind die Neuen Medienmacher: http://www.neuemedienmacher.de/

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Nov 29 2015

Viel besser als gute Vorsätze oder nach Goethe: Wer ewig strebend sich bemüht …

Autor: . Abgelegt unter Literatur,Sonstiges

Sich selbst auf intelligente Weise Freiraum zu lassen, ist ein mächtiger Motor. Das schreibt Stephen Guise auf Seite 100 seines Ratgebers „Viel besser als gute Vorsätze: Wie Sie mit Mini-Gewohnheiten Maxi-Erfolge erleben“.* In einer Gesellschaft, in der man ständig nach Verbesserungen trachtet, finden Impuls- und Ratgeber reißenden Absatz. Es gibt da die Fraktion, die Zähl- und Messbares verbessern will, und eine andere, leisere, die nach Erkenntnissen Ausschau hält und offen ist für Intuition.

Der generelle Ansatz von Guise folgt der Weisheit, dass man nicht einen riesigen Berg auf einmal erstürmen kann, sondern ihn klugerweise in kleine Hügel abträgt und dann ein überschaubares Pensum wohl dosiert angeht und auch schafft. Das ist sehr anschaulich beschrieben, je nach Gemüt an manchen Stellen sehr „klein in klein“, auch mit Wiederholungen wird nicht gegeizt. Beate Brandt hat das Buch aus dem Amerikanischen übersetzt, der Autor brachte es in seiner Heimat 2013 im Selbstverlag heraus.

Der eingangs zitierte Satz hallte in mir lange nach. Was ist eine „intelligente Weise“, wer definiert, was mit „intelligent“ gemeint ist, kann ich mir Intelligenz vorgaukeln, um nicht genau hinschauen oder etwas anpacken zu müssen? Wo beginnt Freiraum auszuufern und in Öde zu enden? Jeder kennt vermutlich das Gefühl, nicht mehr zu wissen, was hinten und vorne ist, weshalb man überhaupt etwas zur Priorität erheben soll und warum das Leben trotz guter Vorsätze nicht so läuft, wie es sollte.

So legte ich „Seelenspur“** neben die Philosophie über das Vorwärtskommen durch Mini-Gewohnheiten. „Seelenspur“ ist eine Anthologie, zu der booksun, ein Stuttgarter Verlag, aufgerufen hatte. 80 Teilnehmer beteiligten sich an den Projekt, 41 davon finden sich nun gedruckt wieder in dem gut aufgemachten Band mit dem Untertitel „Wegeweisende Geschichten aus Alltag, Traum und Trance“, herausgegeben von Eva Cäcilia Otth. Verleger Peter Simon Fenkart rät in seinem Vorwort, die Geschichten mit Bedacht zu lesen: „Achten Sie darauf, welche Impulse sie bei Ihnen auslösen. Denn Ihre eigene innere Stimme wirkt mit beider Interpretation.“ Stimmt! Das tut sie bei jeder Begegnung im Alltag, bei jedem Film (ob im Kino oder im Fernsehen) sowie bei jeder Lektüre.

Hier besteht der „intelligente Freiraum“ sicher darin, womit man sich umgibt, womit man sich konfrontiert. Und dann der eigenen Intuition vertrauen zu lernen ist sicher nicht nur ein Fortschritt, sondern auch ein beglückendes Reife-Erlebnis. Obwohl die beiden Bücher völlig konträr anmuten, sind sie empfehlenswert und beißen sich keineswegs, wenn sie nebeneinander im Regal platziert werden.

* Viel besser als gute Vorsätze. Wie Sie mit Mini-Gewohnheiten Maxi-Erfolge erleben. 158 Seiten, Paperback, VAK Verlags GmbH, ISBN 978-386731164-9, € 12,95.
** Seelenspur. 2015, gebunden, 189 Seiten, ISBN 978-3941527157, € 19,95. Das Inhaltsverzeichnis ordnet die AutorInnen ihren Beiträgen leider nicht zu, ihre Kurz-Vita ist – meist mit Foto – unter http://seelenspur.ch/ abrufbar.

Eine aktuelle Empfehlung jenseits der Ratgeberliteratur ist ein Buch über moderne Liebesanbahnung von Ursula März: „Für eine Nacht oder fürs ganze Leben“:
Sich eine „bessere Hälfte“ anzulachen, kann ganz schön anstrengend sein. Warum sich also nicht helfen lassen? Dafür gibt es Agenturen oder Partnerbörsen im Internet. Wenn bei Verabredungen die Chemie stimmt, heißt das jedoch noch lange nicht, dass der ersehnte Funke überspringt beziehungsweise sich eine Verbindung „Für eine Nacht oder fürs ganze Leben“ anbahnt. Von fünf Dates unter dieser Spannung erzählt Ursula März in ihrem Buch mit diesem Titel.
Weiterlesen > http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=21264&p=42c3

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Dez 02 2012

Grenzen? Grenzen!

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Kultur,Sonstiges

Wenn es mal an der Zeit ist, auf den Beginn des 21. Jahrhunderts zurück zu blicken, könnte evtl. diese Episode mit vorweihnachtlichem Glanz in eine Sammlung aufgenommen werden:

Als sich alle Welt vernetzte und damit die entferntesten Regionen virtuell einander näher rückten, spielte Facebook eine Schlüsselrolle zwischen zwei Menschen. Über diese Internet-Plattform konnte man Schulfreunde wiederfinden, sich über Interessen und Hobbys austauschen oder aber flirten. Hier tummelte sich ein junger Mann, der eigentlich nicht mehr richtig daran glaubte, nach allerlei Enttäuschungen sein Herz noch einmal verschenken zu können. Doch zu seiner großen Überraschung erwischte es ihn im Sommer 2012 mit der Freundin seiner Chat-Partnerin. Nach einem ersten Kennenlernen wollte er sie bald heiraten und ihre kleine Tochter adoptieren. Danach sollen beide von Georgien nach Deutschland übersiedeln. „Der jetzt eingeschlagene Weg wird steinig und hart, aber die Liebe kann alles erreichen“, sagte der Mann mit Schmetterlingen im Bauch und freute sich, dass der Weg frei war für ein gemeinsames Weihnachten dank des Visums, das seine Angebetete erhielt.

So schlug die Liebe zwischen Europa und Asien eine Brücke …

Dr. med. Unbekannt

Obwohl man sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts also grenzenlos verlieben kann, markiert die die Bürokratie mancherorts immer noch krasse Grenzen. Die Beispiel-Geschichte geht so: Kommt eine Patientin in die Notfall-Praxis des Esslinger Krankenhauses. Es ist Samstag, ihr kann schnell geholfen werden, doch an der Rezeption stockt „ihr Fall“. Wer sollte den Notfall-Vertretungsschein bekommen? „Ah, Ihr Hausarzt ist gar nicht im Kreis Esslingen niedergelassen? Dann nimmt unser Computer seinen Namen nicht an. Deshalb müssen Sie ihm den Schein selbst vorbeibringen …“ Seltsames Gefühl, dass dein PC-Programm so enge Grenzen akzeptiert. Aber wie sagt nicht ein altes Sprichwort: „Wie der Herr, so dass G’scherr“? Jedenfalls stand auf dem Schein unter „weiterbehandelnder Arzt“ > Dr. med. Unbekannt.

Stones for ever

Grenzwertig sind sicherlich 500 Euro Eintrittsgeld für ein Konzert, dessen Karten dann trotzdem in sieben (7 !!!) Minuten ausverkauft sind. Geschehen in London, als die Rolling Stones ihr 50-jährige Jubiläum mit finanziell gut gestellten bzw. zahlungswilligen Fans feierten. „Es ist erstaunlich, dass wir das noch immer machen, und es ist erstaunlich, dass ihr immer noch unsere Platten kauft und zu unseren Shows kommt“, zititert die WELT Mick Jagger, der sich für die Treue seines Publikum bedankte. Er ist jetzt 69 Jahre alt, und Kollegen in der Rock-Welt sind laut den Zeitungsbericht gespannt, wann er sich mit seinen Jungs, die ja auch nicht jünger werden, in „ruhigere Gewässer“ zurückzieht.

Quelle: 26.11.2012 > www.welt.de/aktuell/article111497776/Die-Rolling-Stones-sind-immer-noch-da.html

Aber „Satisfaction“ kann man doch nie genug haben, oder?

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Jun 05 2012

Schreiben Sie Ihre Assoziationen!

Autor: . Abgelegt unter Sonstiges

Es gibt Fotos, zu denen fällt einem nichts ein. Bei anderen Motiven sprudelt der Geist. Mir war es unmöglich, an diesem Stein gleichgültig vorbeizuschlendern. Mein Auge wurde wie magisch angezogen!

Zur Abwechslung seien Sie an dieser Stelle herzlich eingeladen, Ihren Assoziationen freien Lauf zu lassen und sie mit uns zu teilen.

Unter den EinsenderInnen wird ein Buch verlost. Wann Einsendeschluss ist, verraten wir allerdings nicht. Dennoch der Tipp: Schieben Sie Anfälle von Phantasie nie hinaus, verhindern Sie nichts und halten Sie nichts für unmöglich!

Das Foto entstand im Findlingspark bei Weißwasser in Sachsen. Ich bin neugierig: Hat das Motiv nun eine beruhigende Wirkung oder kräftigt es den Geist, die Nerven, das Gemüt?

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Feb 12 2012

Memoiren wahrheitsgetreu oder ausgeschmückt?

Autor: . Abgelegt unter Literatur,Sonstiges

„Warum soll man die Wahrheit suchen, wenn jeder mit seiner gut leben kann?“ Ich weiß nicht mehr, von wem der Satz stammt, doch er bezog sich auf den Roman Das Blaue vom Himmel über dem Atlantik von Emma Braslavsky. Ein hervorragendes Buch, das ich so schnell nicht vergesse. Hier eine anschauliche Rezension darüber > http://bit.ly/x9UCmH

Das Buch erwähne ich deshalb, weil ich immer wieder gefragt werde, ob Memoiren denn wahr sein müssen. Ob man sich wirklich bis ins Kleinste erinnern können muss. Ob es unschicklich oder unlauter ist, etwas auszumalen oder wegzulassen, unwissentlich falsch darzustellen oder einfach zu übertreiben. „Es kommt darauf an“, leite ich gerne die Gewissenserforschung ein.

Dazu machte eine persönliche Erfahrung, die mich schmunzeln ließ. Wie ich bereits am 25. September 2011 in diesem Blog ausführte, ebnet eine „Zeittafel“ den Zugang zu Erinnerungen. (Sie finden diesen Beitrag, wenn Sie in das Suchfeld „Zeittafel“ eingeben.) Eines Tages sandte ich einige Fragmente aus meiner Zeittafel meinem Vater. Vielleicht könne er etwas ergänzen und finde etwas, das zu korrigieren wäre.

Und so kam es, dass eine feste Redewendung meiner Mutter plötzlich auf den Prüfstand kam. Sie hatte von mir als einjährigem Kind behauptet, dass ich bei Ruhestörungen nachts immer „senkrecht im Bett stand“. Ich hatte das Bild vor Augen: hochgeschreckt und von den Eltern gehalten, während unter uns die anderen Hausbewohner eine lautstarke „Party“ veranstalteten. Diese Szene darf als zentraler Punkt in unserer Familiengeschichte gesehen werden, denn ohne diese nächtliche Pein, die uns häufig zusetzte, hätten meine Eltern nie das Abenteuer „Hausbau“ auf sich genommen. Die Lärmenden konnten damals nicht beruhigt werden, denn es handelte sich um Lehrlinge des Braugewerbes, die aufgrund des Biers, das ihre Lebensgrundlage war, nachts zur Höchstform aufliefen und für Beschwichtigungen unerreichbar blieben.

Mein Vater meinte nun mehr als 50 Jahre später: „Das kann nicht stimmen, denn mit in dem fraglichen Alter konntest du noch nicht stehen.“ Verblüfft musste ich ihm Recht geben. Futsch war das schöne Bild mit „senkrechten Baby im Kinderbettchen“! Entweder die Formulierung meiner Mutter war lediglich im übertragenen Sinne zu verstehen oder ich erinnere mich nicht exakt an sie. Wie dem auch sei, es wird immer mehrere Möglichkeiten geben, eine Begebenheit, Örtlichkeit oder Handlung aufzufassen und zu formulieren.

Der ungeklärte Tod der Großmutter regt in dem o. g. Roman von Emma Braslavsky sechs Enkel zu Spekulationen an, die sehr unterhaltsam sind. Wir alle bekommen damit vorgeführt, dass jede und jeder sich seine Version der Geschichte zurechtlegt – unabhängig davon, wie sehr er oder sie der Wahrheit nahekommen will oder ob dies überhaupt zu bewerkstelligen ist.

Es gibt Menschen, die schreiben ihre Vergangenheit oder die ihrer Familie nieder, um dabei in alle Verästelungen vorzustoßen und Einzelheiten sowie den alles zusammenhaltenden Bogen offen zu legen. Andere wiederum haben diesen Anspruch nicht. Sie möchten erzählen. Dabei hangeln sie sich an ihren Erinnerungen entlang und räumen ein, dass ihre Fantasie manches Detail aus der Luft griff (weil es so gewesen sein könnte) oder Naheliegendes ergänzte (das nicht mehr exakt zu ermitteln ist) oder etwas ins Fiktive drehte (damit die Geschichte einen gewünschten „Dreh“) bekam.

Die Möglichkeit, Ungenaues oder Fabuliertes kenntlich zu machen, mag man nutzen oder auch nicht. Wie man damit die Vorstellung der Enkel und anderer RezipientInnen beeinflusst, steht auf einem ganz anderen Blatt. Grundsätzlich gilt (auch für jene, die ihre Zielgruppe fest umrissen haben): man schreibt für sich und muss mit dem Ergebnis zufrieden sein. (Und einige leisten sich dazu einen Coach oder Ghostwriter, um sich die Arbeit zu erleichtern.)

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Nov 17 2011

PR-Leute von eigenen Sprechblasen genervt

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Sonstiges

Welcher Trend zeichnet sich in der PR-Branche ab? Eine Umfrage dazu provoziert Schlagzeilen. Da wir alle unter dem Einfluss von Werbung und Imagekampagnen stehen, seien hierzu drei Quellen empfohlen.

Aufschlussreich präsentiert www.presseportal.de/pm/6344/2148738/ das Umfrage-Ergebnis. Überraschend vielleicht, dass sich die Branche von ihren eigenen Sprechblasen genervt sieht und das auch zugibt. Erfreulich, dass es ihr gut geht (Budget-Zuwächse werden erwartet) und sie – wieder einmal – dass Storytelling in den Focus rücken will.

Mit im Vorgrund sieht das Portal media.de, dass sich PR-Leute von „desinteressierten Journalisten“ gestresst fühlen und ihnen die Verteilerpflege lästig ist: http://bit.ly/rOuuut

Letzeres ist wahrhaft das Schwarzbrot des Berufs, Ersteres DIE Herausforderung schlechthin. Je nachdem, was damit gemeint ist. Landen zu viele Pressemitteilungen ungelesen im Papierkorb? Oder werden einfach Themen, die zwischen den Zeilen versteckt sind, von den Journalisten verschenkt? Mir ist letzteres oft aufgefallen. Natürlich ist es mit der dünnen Personaldecke in den Redaktionen zu erklären. Oder – was schon ärgerlicher ist – mit den Routinen, die nicht unbedingt ein Nachhaken vorsehen, wenn der Absender mit „PR“ zu tun hat.

Einen „Realitätsverlust der PR-Branche“ leitet Sascha Lobo aus dem Umfrage-Ergebnis ab. Er gibt den Sprachsensiblen, kritisiert Sprachverbiegungen und verweist auf den Radikalen Konstruktivismus. Letztlich befremdet er mit dem sagenhaften Gleichnis: „Die PR-Klage über ‚desinteressierte Journalisten’, das ist, als fordere man vom Staat eine Belohnung dafür, dass man gestern auf der Autobahn nicht zu schnell gefahren ist.“ http://bit.ly/w1HZXq

Wer über die Zunft der Journalisten weiterlesen möchte bzw. über einige ihrer herausragenden Vertreter, die negativ aufgefallen sind, kann das in KONTEXT tun >> Medientheater > http://bit.ly/sR6vIo (Thema „Journalistische Unabhängigkeit inbegriffen.)

 

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Mrz 27 2011

Stalking – strafbarer Terror

Autor: . Abgelegt unter Alltag,Sonstiges

Ingrid Pfeifer beschreibt, wie eine Bekanntschaft aus dem Stadium der Unbeschwertheit pervertiert wird in bedrohliche Überwachung, Gängelung, Verfolgung. Das ist nicht nur kaum auszuhalten, sondern auch ein Straftatbestand. Nämlich Stalking, gegen das man Anzeige erstatten kann. Auch der Weiße Ring hilft den Opfern. Sie haben es nämlich nicht leicht. Denn meist will der Stalker ein letztes Gespräch, zum x-ten Mal alles klären, wirbt um Verständnis, bittet um Verzeihung, gelobt Besserung. Er will es immer wieder und mit Mechanismen, die mürbe machen.

Leicht haben es die Opfer auch deshalb nicht, weil sie sich in der Regel schämen, jemanden ins Vertrauen zu ziehen. Sie kapseln sich ab, weil sie denken, es sei nicht nachvollziehbar, in welche Situation sie geraten sind und wie das überhaupt passieren konnte. So hat auch Ingrid Pfeifer über Gebühr lange geschwiegen, bevor sie ihr Umfeld am Arbeitsplatz informierte, obwohl der Stalker sie auch während der Arbeitszeit belästigt hatte und keinem verborgen geblieben war, das es ihr zunehmend schlechter ging.

Ingrid Pfeifer beschreibt ihre Selbstzweifel sehr gut, das Zurückstecken der eigenen Interessen und Bedürfnisse aus Ratlosigkeit und Resignation. Ihre Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden könnte, war relativ früh erloschen. Trotzdem quält sie sich mit dem Durchhalten – irgendwann wird der Mann doch ihr „NEIN“ akzeptieren und sich zurückziehen. Dem war leider nicht so.

Die Autorin hat vor Gericht gegen ihren Peiniger gewonnen. Heute hilft sie mit ihrem Netzwerk http://gemeinsam-gegen-stalking.de Opfern zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Am Ende ihres Erlebnisberichtes gibt sie in ihrem Buch Auskunft über die Definition des Begriffs, über die Gesetze gegen Stalking und über erste mögliche Schritte, wenn man sich wegen eines Stalkers oder einer Stalkerin in Bedrängnis fühlt.

Ein lesenswertes Buch: Ingrid Pfeifer: „Stalking – (m)ein Leben im Kreislauf der Angst!“ Erfahrungsbericht und Ratgeber, 13,90 €, Books on Demand 2010, ISBN 978-3839166376.

Die Dunkelziffer der Betroffenen ist groß. Vorläufig geht man von ca. 30.000 Stalking-Opfern in Deutschland aus. Sie leiden an psychischen Beeinträchtigungen, was sich auf ihre Arbeitsfähigkeit, ja den Gesundheitszustand schlechthin auswirkt. Ingrif Pfeifer in sat 1/Bayern: http://bit.ly/hShbxQ

Und das schrieb der FOCUS darüber: http://bit.ly/aGPeIL

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Mrz 20 2011

Was erscheint als selbstverständlich und was verrät dies über das Selbstverständnis?

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Sonstiges

Staunen mit offenem Ausgang. Das betrifft zweierlei:

1)      Wie die Gelassenheit der Japaner hierzulande thematisiert wird. Das ist schon fast peinlich. Als könnten wir nicht glauben, dass Andere ihre Katastrophen anders verarbeiten als wir mit unserer Mentalität. Oder als dürfte es nicht wahr sein, dass Verhaltensmuster, die uns vertraut sind und einleuchten würden, anderswo einfach ausbleiben …

2)      Wie schwungvoll „abschalten jetzt!“ Konjunktur hat. Man kann diesen Appell an jeder Ecke unterschreiben. Der Zeitpunkt ist günstig. Das Bauchgefühl von VIELEN fließt hier zusammen. Erst die Welle „nukleares Restrisiko ist vertretbar – Entsorgung wird schon gut gehen“, dann die Welle „nur ohne Kernkraft können wir unseren Nachkommen die Erde guten Gewissens übergeben“. Was ist mit dem Wohlstandsrisiko? Werden die Leute sich kloppen, wenn plötzlich Verzicht angesagt ist? Wann wird das diskutiert?

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