Mai 30 2017

Nach dem Mord ein Bier im „Hirsch“?

Autor: . Abgelegt unter Kultur,Literatur

An der Universität Leipzig gibt es eine Namensberatungsstelle. Dort arbeitet Gabriele Rodríguez, die einzige Namenforscherin Deutschlands, die sich auf Vornamen spezialisiert hat. Eltern und Standesämter können bei ihr die Zulässigkeit, Schreibweise oder Geschichte von Vornamen prüfen und sich beraten lassen. Sie weiß auch um die Vorurteile gegenüber Vornamen wie Kevin oder Maximilian. Nicht nur um sie zu entkräften hat sie nun das Buch „Namen machen Leute – Wie Vornamen unser Leben beeinflussen“ geschrieben. Es erscheint am 19. Juni 2017 bei Komplett-Mediea.

Nicht nur junge Eltern suchen mitunter lange, bis sie sich für einen Vornamen für das erwartete Kind entscheiden. Auch Roman-AutorInnen haben manchmal ihre liebe Not und verwerfen diese und jene Namen, weil sie möglichst die richtigen Assoziationen provozieren wollen. Denn: Namen verknüpfen wir mehr oder weniger automatisch mit einem oder mehreren Attributen – meist unbewusst. Wie Komplett-Media vorab beschreibt, geht das „sogar so weit, dass Lehrer Kevin und Justin nicht nur weniger zutrauen als Alexander oder Maximilian, sie benoten sie mitunter auch schlechter. Und das bei gleicher Leistung. Aber wer kommt auch auf die Idee, sein Kind Bierstübl, Pumuckl, Schnuckelpupine und Usedom zu nennen? Zwei dieser Namen wurden übrigens tatsächlich zugelassen. Bitte raten Sie doch, welche ;-)“

Andere Namensfindungsprobleme tun sich bei der Bezeichnung der Location auf, wenn ein Roman entsteht. Lasse ich die Akteure an fiktiven Orten auftreten oder konkret in Aalen auf der Ostalb, wo ich mich auskenne und den Brunnen beschreiben kann, in den das Mordopfer fällt? Könnte da die Stadt etwas dagegen haben? Lasse ich den Bösewicht als Stammgast im „Hirsch“ einer realen Gemeinde verkehren oder sieht dadurch dessen Wirt sein Image beschädigt? Kann das quengelnde Kind der Protagonistin mit einem Hamburger bei Mc D… erst beruhigt und dann krank werden oder ruft das deren Rechtsanwalt auf den Plan?

Mit dieser Problematik beschäftigt sich u. a. Hans Peter Roentgen in seinem Blog, wo es auch noch weiterführende Hinweise gibt, weshalb ich hier vorerst nicht viele Worte dazu mache. https://hproentgen.wordpress.com/2017/05/27/marken-und-namen-in-romanen/

Nach derart strapaziösen Überlegungen ist Erholung angesagt – zum Beispiel mit einem Buch. Dass dies wie Medizin wirken kann, haben Wissenschaftler an der Yale Univerity erforscht. Sven Stillich schrieb darüber im ZEIT-Magazin: /www.zeit.de/2017/10/literatur-lesen-gesundheit-studie

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Mrz 15 2017

Memoiren: Jürgens Jugendstreiche und Marthas Mundgeruch ungefragt verewigen?

Autor: . Abgelegt unter Kultur,Literatur

Wann darf ich eine Person ohne ihr Wissen in meinem Lebensrückblick erwähnen? Das ist eine häufige Frage, wenn jemand seine Erinnerungen verschriftlichen will. Es geht um das Allgemeine Persönlichkeitsrecht und wie sich das mit der Meinungsfreiheit und der Freiheit der Kunst vereinbart. Dazu bat ich Marcus Remmele, Rechtsanwalt aus Stuttgart, um ein Interview. Er antwortete mit einem Essay:

♠ Wer sein Leben, seine Erlebnisse und Erfahrungen in persönlichen Memoiren festhält, spricht oft auch über andere Personen, die dabei eine wichtige Rolle spielen. Je nach dem was berichtet wird und gerade dann, wenn es nicht so positiv ist, kann sich die Frage stellen, ob es bei der Veröffentlichung zu Problemen und rechtlichen Auseinandersetzungen kommen kann. Wenn das passiert, können dabei Streitigkeiten mit ungewissem Ausgang und Schadensersatzforderungen, Gerichts- und Rechtsanwaltskosten drohen. Hier ein Überblick, welche Punkte in solchen Fällen eine Rolle spielen können.

Von Meinungsfreiheit, Freiheit der Kunst und dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht

Wenn einzelne Person in Geschichten, Berichten oder Kommentaren eine Rolle erkennbar werden, dies aber nicht wollen, stehen sich unterschiedliche Interessen gegenüber. Das betrifft ganz grundsätzliche Rechte der Beteiligten.

Nach dem Grundgesetz steht jedem zu, seine Meinung frei zu äußern und das auch in Texten festzuhalten. Journalisten können sich zudem auf die Pressefreiheit berufen. In Einzelfällen kann auch die Öffentlichkeit daran interessiert sein, Informationen zu erhalten, zum Beispiel bei politischen Ereignissen. Dementsprechend hat nach dem Grundgesetz auch jeder das Recht, sich aus frei zugänglichen Quellen zu informieren. Romane, Fantasiegeschichten, Karikaturen, Satire und ähnliches werden auch durch die Freiheit der Kunst ermöglicht.

Auf der anderen Seite steht das allgemeine Persönlichkeitsrecht jedes einzelnen, mit dem jeder selbst entscheiden kann, ob und inwieweit er die Öffentlichkeit an seinem Leben teilhaben lassen möchte. Dieses Recht kann im Einzelfall auch wichtig werden, da je nach Information das Image und der Ruf einer Person nachhaltig beeinträchtigt und dauerhaft geschädigt werden können. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht kann verletzt sein, sobald Informationen über einen Betroffenen ohne dessen Einwilligung weitergegeben oder veröffentlicht werden. Als rechtliche Möglichkeiten gibt es dagegen zum Beispiel Unterlassungsansprüche, um eine (weitere) Veröffentlichung zu verhindern oder Schadensersatzansprüche für eingetretene Schäden.

Rechtliche Beurteilung von Konflikten

Bei Konflikten wird quasi in einer Bestandsaufnahme abgewogen, wer sich auf welche Rechte berufen kann und welche Interessen im Einzelfall stärker sind und sich durchsetzen. Bei Äußerungen über andere Personen spielt dabei die Unterscheidung zwischen Meinungsäußerungen und Tatsachenbehauptungen eine zentrale Rolle.

Meinungen beinhalten ein persönliches Werturteil, dem man sich entweder anschließen oder es eben anders sehen kann. Da das Recht auf freie Meinungsäußerung ein wichtiges Grundrecht ist, ist es auch entsprechend weit gefasst. Zulässig sind deshalb Äußerungen völlig unabhängig davon, ob sie von anderen als nützlich, wertlos oder überflüssig eingestuft werden. So ist es grundsätzlich zulässig, das Verhalten anderer Personen zu kritisieren und dabei auch „deutliche Worte“ oder einen „schärferen Tonfall“ zu benutzen. Die Grenze dabei ist erreicht und wird überschritten, wenn nicht mehr eine sachliche Auseinandersetzung im Vordergrund steht, sondern es darum geht, andere öffentlich herabzuwürdigen oder zu beleidigen, was regelmäßig der Fall ist, wenn andere mit Schimpfwörtern angegangen werden.

Tatsachenbehauptungen sind dagegen Äußerungen, die objektiv nachprüfbar sind. Weil die Behauptung von Tatsachen stärker wirken können als subjektiv geprägte Meinungen, gibt es dazu auch engere Grenzen. Können Äußerungen das Ansehen von Personen beeinträchtigen, kann das als üble Nachrede strafbar sein, wenn die Richtigkeit von behaupteten Tatsachen im Zweifelsfall nicht nachgewiesen werden kann, bei der absichtlichen Verbreitung falscher Tatsachen als Verleumdung. Wenn Informationen über eine Person zwar zutreffen, kann der Betroffene dennoch ein berechtigtes Interesse daran haben, dass diese nicht öffentlich werden.

Das allgemeine Persönlichkeitsrecht sichert jedem einzelnen einen Bereich zu, in dem private und intime Informationen geheim bleiben sollen. So muss es jemand beispielsweise nicht hinnehmen, dass eine Krankheit, an der er leidet, offenbart wird oder dass Details aus seinem Liebesleben bekannt werden. Anders kann das sein, wenn an diesen Informationen ein Interesse der Öffentlichkeit bestehen kann, so etwa, wenn eine Person in einer exponierten Stellung Verantwortung hat und sich die Frage stellt, ob sie dieser mit einer eingetretenen schweren Krankheit noch gerecht werden kann oder wenn Verbindungen zwischen Personen politische oder gesellschaftliche Bedeutung haben könnten. Es spielt auch eine Rolle, ob sich jemand freiwillig in den Fokus der Öffentlichkeit begeben hat. Ein bekannter Politiker muss zum Beispiel mehr „hinnehmen“ als eine Person, die weniger oder gar nicht in der Öffentlichkeit steht oder stand. Das gleiche kann der Fall sein, wenn Personen den Kontakt zu den Medien bewusst suchen.

Der Schutz der Persönlichkeit des Einzelnen endet auch nicht mit dem Tod. Auch nach dem Tod hat jede Person noch einen Anspruch auf Achtung. Dabei geht es in erster Linie darum, dass Darstellungen oder Berichte die Ehre und Würde des Verstorbenen nicht verletzen. Negative Informationen können das natürlich eher bewirken als positive. Entscheidend ist der Aussagegehalt der Informationen sozusagen im „Gesamtpaket“. Je nach Zielrichtung oder Schwerpunkten kann ein Eindruck über eine Person bei einem Leser entstehen oder auch bewusst erreicht werden.

Im Einzelfall können Nuancen entscheiden über die Rechtslage und den Ausgang eines möglichen Rechtsstreites. Verlässliche Prognosen lassen sich in vielen Fällen nicht aufstellen. Eine Richtschnur kann sein, dass im Zweifel eher Meinungen, also zum Beispiel persönliche Eindrücke und Bewertungen geäußert werden sollten als bloße Tatsachen zu behaupten, da hierfür der geschützte Bereich weiter ist. Im Idealfall willigen Betroffene einer Veröffentlichung ein. Um mögliche Konflikte zu vermeiden, empfiehlt sich ggf. vorab die Klärung rechtlicher Fragen und die Einschätzung von Risiken. ♠

Herzlichen Dank an Marcus Remmele!

Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Marken-, Design- und Urheberrecht und wirtschaftsrechtlichen und medienrechtlichen Fragen. www.ra-remmele.de / www.facebook.com/raremmele

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Feb 03 2017

„Es reicht nicht, den Verstand zu füttern“

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Die Sehnsucht, sich als Teil des Universums zu begreifen, macht neugierig auf den Einfluss der Planeten-Konstellation. Die Astro-Lebensberaterin Tina Peel kann aus dem Zusammenspiel von  Planeten und sog. Aspekten Informationen zur Orientierung gewinnen. Was muss man für eine Analyse angeben? Genügt der Geburtstag?

Tina Peel: Zur Berechnung eines Horoskops braucht es Geburtsdatum, exakte Geburtszeit, den Geburtsort – zusätzlich den Wohnort fürs aktuelle Solarhoroskop.

Tierkreiszeichen, Häuser, Aspekte & Co. Das klingt irgendwie kompliziert. Wie lange hast Du gebraucht, um das alles zu studieren und Vorhersagen machen zu können?

Die Ausbildung beanspruchte bis zum Diplom zwei Jahre – jeweils einen Abend pro Woche und immer wieder ganze Wochenenden.  Nach drei Monaten begann ich jedoch begeistert am Subjekt zu üben – und merkte rasch, dass es nicht reicht, sich den Mund fusselig zu reden und den Verstand zu füttern. Also besuchte ich parallel dazu die Lebensberaterausbildung. Die komplette Aus- und Weiterbildung dauerte rund zehn Jahre. Doch am meisten lernte ich, als ich nach etwa sieben Jahren selbst begann, Menschen in Kursen und Ausbildungen über längere Entwicklungsphasen zu begleiten.

Auf Deiner homepage https://goo.gl/6EHymA sprichst Du von Lektionen, die in jedem Leben aufgetischt werden.

Es sind zwölf Hauptthemen, die jedem von uns im Alltag im Laufe des Lebens immer wieder begegnen, die uns herausfordern und schulen. Jeder, der sich mit dem Leben befasst, kommt auf diese Themen, auch wenn er mit Astrologie nichts am Hut hat. Es sind die Archetypen, die Carl Gustav Jung entdeckt, beziehungsweise wiederentdeckt hat, denn sie waren immer da, seit es Menschen gibt.

Etwa zehn Prozent gaben in einer repräsentativen Umfrage des Offenbacher Marplan-Instituts an, dass sie sich ein Horoskop von einem professionellen Astrologen erstellen ließen. Bearbeitest Du überwiegend Einzelanfragen?

Es ist eine Mischtätigkeit. Phasenweise sind es mehr Beiträge für Printmedien, dann wie jetzt wieder mehr Beratungen und Analysen.

Gelegentlich veröffentlichst Du auch Bücher – zuletzt einen spirituellen Fantasyroman.

Genau! Mein jüngster Titel „Ohne Beipackzettel fürs Leben“ befasst sich mit verschiedenen Metamorphosen, die ein Mensch im Laufe seiner seelischen Entwicklung durchmachen kann.

Die Wochen- oder Monatsprognosen, die ich in einer Zeitschrift finde, umfassen nur wenige Zeilen. Wahrscheinlich computergenerierte Texte. „Handarbeit“ ist sicher exklusiver?

Ich persönlich verwende diese kleinen Texte gern dazu, mit ein paar treffenden Worten den Leser zu motivieren, zum Nachdenken und Lachen zu bringen. Und das ist für mich definitiv ein gutes Gefühl.

Würdest Du Deine Hauptaufgabe im Motivieren sehen?

Hauptaufgabe ist es, die Leute nach innen zu führen, zu ihren Lösungen und Erkenntnissen. Ich bin eine Art Reiseleiterin ins unsichtbare Innere.

Du hilfst darüber hinaus Leuten, die aus ihren Träumen Erkenntnisse ziehen wollen – ein ganz anderer Zweig Deiner Lebensberatung.

Ja, die Traumdeutung verwende ich ebenfalls seit Jahrzehnten als spannendes und nützliches Werkzeug zur Selbsterkenntnis. Seit kurzem biete ich online ein Selbstcoaching zur Traumdeutung als Direktdownload an, bis Ende Februar noch zum Sonderpreis: http://astro-lebensberatung.ch/traumdeutung-to-go.html

Ergänzung: Unsere Unterhaltung fand großenteils auf facebook statt. Dort duzt man sich – ohne Ausnahme. Tina Peel und ich haben verabredet, dies beizubehalten. Persönlich kennen wir uns (noch) nicht. Tina Peel ist 56 Jahre alt und lebt im Kanton Bern  in der Schweiz.

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Jan 19 2017

Vom Eiferertum und der Informationsauswahl, für die laut Thomas Kliche jede/r selbst verantwortlich ist

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik

Deutschland arbeitet sich ab am gewählten US-Präsidenten. Politische Beobachtung und Einschätzung sind wichtig. Aber hier ist nicht nur Eifer im Spiel, sondern es schwingt Eiferertum zwischen den Zeilen mit. Wovon zeugt das?

Wenige Tage vor Amtsantritt dieses US-Präsidenten sagt der scheidende deutsche Präsident Gauck in seiner Abschiedsrede „Demokratie ist kein politisches Versandhaus“. https://goo.gl/GqZhZI (1) Was mich natürlich sofort daran erinnert, dass bei fast jeder Debatte um journalistische Sorgfaltspflicht und Qualitätssicherung danach gefragt wird, wie Hol- und die Bringschuld verteilt sind. Ist es an der Zeit, diese Frage auch in der Politik zu diskutieren?

Um in dem Bild zu bleiben: im Versandhaus bestellt der Endverbraucher, was man haben will. Das Management kann durch Werbung Bedarf wachkitzeln, neue Produkte einführen und so mit der Zeit Schritt halten. Es wird aber immer nur das im Sortiment haben, das sich rentiert. Anders als die Medien. Sie müssen mehr tun, als das Erwartete zu liefern. Sie halten möglichst umfangreich vor, was passiert, fassen zusammen, gewichten, erklären und kommentieren. Das Sortiment an Vorkommnissen ist unkalkulierbar. Im Journalismus sind die Speicher immer übervoll.

Die Fülle in der Politik ist ebenfalls kaum übersehbar. Lobbyisten bedrängen sowohl Politiker als auch Journalisten. Ihr Fachwissen ist willkommen, ihr Drängen auf Einfluss muss uns „Politikkunden“ in dauerhaftes Misstrauen bugsieren. (siehe dazu > A) Aufgabe der Politik ist, nicht nur die Musik zu spielen, die bestellt wird. Antennen, die über den Tellerrand hinaus ragen, sind oft schwierig zu vermitteln, ungeliebt, aber unverzichtbar. Unabhängigkeit zu beweisen ist mag schwierig, darf aber nicht unmöglich sein. Das gilt auch für die Verpflichtung, laufend Transparenz herzustellen.

Politik- und Medienkunden stehen diesen Prozessen gegenüber und haben die Qual der Wahl. Denn Dunstkreise trennen sich ab. Die Macht tritt nicht einheitlich auf, auch wenn alles Gesagte oft wie ein Einheitsbrei wirken mag. Wie sich informieren? Einige markige Worte dazu möchte ich empfehlen. Sie sind dem Interview zu entnehmen, das Neon (Stern) mit dem Politikpsychologen Thomas Kliche führte: „Jeder hat eine Verantwortung für den Scheiß, den er liest!“ Er ging auf die Entwicklung ein, dass ein Medienmix die Basis ist, aus der sich die Rezipienten ihre Informationen herauspicken. goo.gl/mIehw9 (2) Hierzu würde ich gerne noch mehr Theorien/Ansichten lesen!

Obwohl ich in der Regel für „nah ran“ plädiere, kann ich vor diesem Hintergrund nicht empfehlen, die Rede des AfD-Funktionärs Björn Höcke am 17.1.17 in Dresden nachzuhören, auch wenn Sascha Lobo viele Links dazu in seiner Kolmne bei Spiegel-Online setzt. https://goo.gl/58fbLe (3) Man dreht auch hier zum x-ten Mal am altbekannten Rad – sowohl Lobo als auch Höcke. Und warum soll man sich die Zeit mit Sätzen totschlagen wie: „Wir müssen nichts weniger als Geschichte schreiben, wenn es für uns Deutsche und für uns Europäer noch eine Zukunft geben soll. Wir können Geschichte schreiben, tun wir es.“ (Höcke) Den Widerkäuern etwas Neues entgegensetzen hilft m. E. mehr, als das Widergekäute ständig zu betrachten und zu bekritteln. Ladenhüter mögen sich kurzfristig gut verkaufen, aber die Zukunft haben sie nicht gepachtet.

Und dass Politik kein Versandhaus mit herkömmlichen Kundenservice ist, sondern von unserem Input lebt sowie hinaus gehende Visionen zur Zukunftsgestaltung prüfen muss, kann man nicht oft genug in Erinnerung rufen. Es ist nicht damit getan, Politik zu delegieren und dann allenfalls ihre Defizite zu monieren. Vielleicht sollten dazu noch mehr Menschen das Buch „Das hohe Haus“ von Roger Willemsen lesen (S. Fischer Verlag – siehe dazu > B). Dabei befällt einen sehr leicht das Verlangen, den VolksvertreterInnen substanziell beizustehen. Wer dabei noch an „Geschichte schreiben“ denkt, ist nicht ausgelastet, hat sich nicht tief genug eingelassen auf die vielfältige Materie. Er bleibt wohl anfällig für das anfänglich erwähnte Eiferertum.

A > Die Lobbyarbeit zu kontrollieren hat sich www.lobbycontrol.de vorgenommen, eine Initiative für Transparenz und Demokratie e.V. – Interessenten können deren aufschlussreichen Newsletter beziehen!

B > »Man denkt, alle Welt schaut auf dieses Haus. Und dann findet man so viel Unbeobachtetes.« Roger Willemsen (1955 – 2016) Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament. ISBN: 978-3-10-092109-3, € 19,99 – Aus dem Klappentext: Ein Jahr lang sitzt Roger Willemsen im Deutschen Bundestag – nicht als Abgeordneter, sondern als ganz normaler Zuhörer auf der Besuchertribüne im Berliner Reichstag. Es ist ein Versuch, wie er noch nicht unternommen wurde: Das gesamte Jahr 2013 verfolgt er in jeder einzelnen Sitzungswoche, kein Thema ist ihm zu abgelegen, keine Stunde zu spät.

1 > http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/gaucks-letzte-rede-als-bundespraesident-der-mutmacher-nimmt-abschied/19271376.html /1.17

2 > http://www.stern.de/neon/wie-dem-postfaktischen-begegnen–thomas-kliche-im-interview-7279744.html / 17.1.17

3 > http://www.spiegel.de/netzwelt/web/bjoern-hoecke-rede-offenbart-gesinnung-kolumne-von-sascha-lobo-a- html#spRedirectedFrom=www&referrrer=http://m.facebook.com /18.1.17

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Dez 11 2016

Postfaktisch / MEZIS / Kurse 2017

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Alltag,Literatur

Für dieses Jahr ist der letzte Kurs gehalten – neue Termine 2017 siehe unten. Damit ist zwar rein faktisch die Luft etwas raus, wenn auch postfaktisch die Ideen sprießen (ja sogar „wuchern“), weil viele Impulse mich erreicht und bereichert haben. Allein: die Zeit drängt, das Jahr zu Ende zu bringen. Mit manchem Kopfschütteln zwar, worüber ich mich hier eigentlich ausschütten möchte, was aber wiederum aus Zeitnot unterbleibt. Nur mit LINKs kann ich „wuchern“, immer in der Hoffnung, dass meinen LeserInnen die Zeit reicht, diese aufzurufen.

Zum Auftakt einer zum Wort des Jahres > postfaktisch. Hier kann man sich über diverse Ansichten und Erklärungen dazu informieren: https://www.perlentaucher.de/9punkt/2016-12-10.html?nle_id=6916 Und weil es im letzten Posting um Bettelbriefe und Unterstützungswürdiges ging: Ja, den „Perlentaucher“ kann man unterstützen, er leistet nützliche Arbeit, ich lasse mich darüber via Newsletter informieren.

Sehr nützlich ist auch die Arbeit von MEZIS. Das ist die Abkürzung für „Mein Essen zahl‘ ich selbst“, ein Zusammenschluss unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte, von deren Aktivität ich in diesem Blog schon berichtete. Nun hat MEZIS zum Thema „Leben – Eine Kostenfrage?!“ getagt und ein Manifest für bezahlbare Medikamente und eine bedarfsgerechte Arzneimittelforschung beschlossen, hier nachzulesen: https://www.mezis.de/

EIN Kopfschütteln möchte ich aber doch ausbreiten: als ich Mitte November bei einem Facharzt anrief und um einen Termin fürs Frühjahr bat, erhielt ich zunächst die Antwort: „Wir sind 2017 aber schon ausgebucht.“ Wenn ich schlapp gewesen und schockiert geschwiegen hätte, wäre ich also leer ausgegangen. Das scheint so zu sein wie bei Betrieben, die die festen Wartungstermine ihrer Stamm-Kundschaft im Kalender stehen haben und darüber hinaus eigentlich Kundenabwehr betreiben. Womöglich, um auf Notfälle reagieren zu können? Nein, sagte mir ein anderer Facharzt: Wenn Sie akut was haben, müssen sie ins Krankenhaus. Dazu passt dann die Debatte um das Verhalten in den Notfallpraxen der Krankenhäuser – sowohl das der PatientInnen als auch das des diensthabenden Personals. Es ist überall schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen, und genau hinsehen (differenzieren!) macht Mühe!

Kreativ Schreiben > KURSE 2017:

Aichwald: 11.3. (Sa); Kurs: 22.3. / 17.5. / 5.7.2017 (Mi)

Nördlingen: 25.3. / 6.5.2017 (Sa)

Ostfildern: 16.3. / 27.4. (Do)

Schorndorf: 8.3. / 29.3. / 10.5. / 31.5. / 28.6. (Mi)

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Nov 25 2016

Geldbeutel, geh auf für Wissenspflege

Autor: . Abgelegt unter Allgemein/Politik,Kultur

Wie zahlreiche Absender von sog. Bettelbriefen, die ab Mitte November in unsere Haushalte schneien, appelliert Wikipedia derzeit an die Wohltätigkeit. Die Wissenspflege müsste den Usern doch etwas wert sein?! Man verbindet mit ihr „Ehrenamt“, eine aufrichtige Freiwilligen-Community, die sich dem Allgemeinwohl verschrieben hat. Jedem einzelnen kostenfrei zugänglich und meistenteils nützlich. Da geht einem doch das Herz auf, oder? Und der Geldbeutel dazu …

Dass es sich nicht ganz so verhält mit der Selbstlosigkeit des Wikipedia-Konstrukts hat nun die FAZ recherchiert und veröffentlicht > http://url9.de/XSf Zwar werden wir lediglich um Unterstützung in der Größenordnung von einer Tasse Kaffee gebeten, aber es nimmt sich schon merkwürdig aus, wenn diesem Ansinnen gegenüber ein Vermögen von 92 Millionen Dollar steht, mit dem die Wikimedia Stiftung in Amerika, Wikipedias Muttergesellschaft, wirtschaften kann.

Kurzum – wie bei jedem Spenden-Begehren ist es gut, wenn man sich mit einem Blick hinter die Kulissen vergewissern kann, ob das, was man wirklich unterstützen möchte, auch wirklich dringend ein Geschenk braucht. Und vor allem: wofür. Denn bekanntlich fördert eine sorgsame Umverteilung die wünschenswerte Gerechtigkeit, den Ausgleich zwischen Habenden und Nichthabenden. Das Zauberwort heißt auch hier „Transparenz“. Dafür steht ein vielfältig qualitätsgesicherter Journalismus. Für dessen Erforschung und Entwicklung man übrigens an anderer Stelle Spenden einbringen kann.

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Okt 16 2016

Kabarett ist mehr als Witze zum Lachen & Vorsicht bei Mundart im Text / Herbsttermine

Autor: . Abgelegt unter Kultur,Literatur

Sissy Perlinger machte gerade Bühnenpause, als ich partout eine Kabarettveranstaltung als Geburtstagsgeschenk brauchte. Wer trat statt dessen in Reichweite auf? Wenn man mit einem Namen nichts verbindet, vermittelt evtl. Youtube Programmausschnitte. Und man soll ja Unbekannten auch eine Chance geben; jede/r hat mal klein angefangen.

Wir landeten bei einem Duo, das bereits seit mehreren Jahren Säle füllt. Einiges war auch ganz witzig. Es ist nicht so, dass wir nicht gelacht hätten. Aber manchmal sahen wir uns doch über den Brillenrand (die Stirn leicht gekräuselt) etwas ratlos an. Wir waren an rechtschaffene Comedians geraten. Kabarett ging anders!

Es gibt sehr gute Comedians. Olav Schubert zähle ich dazu. Oder ist er mehr Satiriker? Schon lange suche ich nach einer Definition, die die Unterschiede zwischen den „Spaßmachern“ und den Kabarett auf den Punkt bringt. Nun habe ich endlich aus dem Mund von Werner Schneyder in der Talkshow „3 nach 9“ eine schlüssige gehört: „Kabarettisten machen einen Witz, um etwas zu erhellen; sie nehmen das Lachen in Kauf, aber Verblüfftsein genügt. Comedians machen einen Witz, damit die Leute lachen.“ (14.10.2016) Schneyder, Jahrgang 1937, nennt sich übrigens einen „Universaldilettanten“ und „hauptberuflichen Meinungsträger“.

Die Liste deutscher Comedians ist lang – siehe > http://www.comedy-shows-tickets.de/deutsche-comedians-liste-who-is-who Einige Namen – wie Dieter Nuhr und Urban Priol –  sind sowohl unter den Kabarettisten als auch unter den Comedians aufgeführt. Kann sein, dass diese Künstler nicht nur „erhellen“, sondern auch jene ansprechen, die lediglich ihre Lachmuskeln trainieren wollen. (Oder man nimmt es mit den Kategorien nicht allzu genau.)

Wer es schon mal versucht hat, weiß, dass es nicht einfach ist, witzig zu schreiben. Bei den Printmedien – man sieht ja weder Mimik noch Gestik – werden Glossen gelegentlich missverstanden. Bei Mundart-Texten erwartet man eher, dass etwas auf die Schippe genommen wird. Doch Mundart will gekonnt sein – schreiberisch gekonnt.

Apropos Mundart, Jargon und sonstige Färbungen. Sie sind gelegentlich sinnvoll, um Protagonisten authentisch auftreten zu lassen. Dazu empfehle ich eine Diskussion bei der „Textwache“ über „Slang, Modewörter und Jugendsprache – Wie umgangssprachlich sollte oder kann ein Text sein?“ >  http://www.textwache.de/textwache-diskutiert/oktober-2016/

Für die Herbstkurse „kreativ schreiben“ sind Anmeldungen möglich in

  • Ostfildern für den 8. & 29.11.2016 sowie in
  • Nördlingen für den 19.11. & 10.12.2016 (jeweils VHS)
  • Der Kurs ist Schorndorf ist schon gestartet und kann noch eine/n „Spätberufene/n“ aufnehmen beim 2. Teffen am 9.11. – Näheres unter > http://journalismus-und-mehr.com/lesehimmel.php

 

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Sep 26 2016

Inspirationen und Vorbilder

Autor: . Abgelegt unter Sonstiges

„Wenn deine Taten für dich sprechen, unterbrich sie nicht!“ Dieser Satz von Henry J. Kaiser, ein US-amerikanischer Industrieller (1882-1967), ließ mich aufhorchen: wo sind heutzutage Unterbrechungen nicht an der Tagesordnung? (Und weil es Energie kostet, den Faden immer wieder aufzunehmen, kommt dieser Blog leider viel zu oft zu kurz.) Wobei mehrere Taten parallel für mich sprechen können und ich die eine mal zugunsten der anderen unterbrechen muss und umgekehrt.
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Ich gebe zu, dass ich gerne Sprüche sammle und daraufhin überprüfe, wie sie sich weiterspinnen lassen, ob sie sich als Themenanregung für einen meiner Kurse „kreativ schreiben“ eignen.

Wie ich feststellte, denke ich oft sehr lange an Weisheiten herum, die haarscharf neben Binsenweisheiten liegen – also Selbstverständlichkeiten, die normalerweise wenig
Aufmerksamkeit erregen. Als einen solchen habe ich „Ein Weg entsteht dadurch, dass man ihn geht.“ von Stendhal identifiziert.

Das nenne ich Pionier-Denken! Abgewandelt ist es ebenso brauchbar: „Ein Text entsteht, indem man ihn schreibt.“ Diesmal eine wirkliche Binse. Doch man kann nicht erwarten, ständig das NonPlusUltra zu entdecken oder zu erfinden! Hürden und Erwartungen abbauen und einfach los! Jeder Gedanke, den man mal gedacht hat, hinterlässt im Gehirn eine Spur. Wenn man also öfter an „Eis, hm, lecker“ denkt, dann verbreitert sich die Spur zur Eisdiele (zunächst im Kopf) kontinuierlich. Das lässt sich nutzen. Denn wer schreibt und merkt, man muss nicht perfekt sein, schreibt öfter und gewinnt Spaß am Verbessern, Verfeinern, Vervollkommnen.

Und natürlich gibt es Landkarten, auf denen man nach Wegen gucken und sie ggf. in der Praxis überprüfen kann: wie sind die beschaffen, wo führen sie hin? Was hat Stendhal (gestorben 1842) geschrieben und würde es (in welcher Form?) in unsere Zeit passen? Was gefällt mir so gut, dass ich es adaptieren möchte? Adaptieren heißt so viel wie anpassen bzw. übertragen – zum Beispiel in ein anderes Jahrhundert mit gewandelten Konfliktstoffen oder einen Roman zu einem Drehbuch fürs Fernsehen umarbeiten.

Inspirationen und Vorbilder – Kreative haben dafür feine Antennen. Ihre eigene Handschrift wird darüber nicht verloren gehen.

T i p p s :   Treffsicher Figuren konzipiert hat Roland Kraus in „Hurenballade“. Dreizehn Stories. Balaena Verlag. Meine Rezension > http://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=22424 – Mit Grimms und Andersens Märchen „Update“ wartet der Mechandel Verlag auf, den die Apothekerin Charlotte Erpenbeck nebenberuflich mit viel Engagement betreibt. Gelegentlich schreibt sie auch Anthologien aus. http://www.machandel-verlag.de

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Aug 11 2016

Flurfunk & Impulse von der Spülmaschine

Autor: . Abgelegt unter Literatur,Sonstiges

„Wenn ich nochmal jung wär …“ Das ist das Titelthema der ZEIT diese Woche. Ich kenne nur die Vorschau, in der es heißt: „Ich sehe was, was du nicht siehst – 25 Prominente erzählen von ihren späten Einsichten, die für Jüngere heute hilfreich sein können.“ Herrje, wieder so ein zeitloses Thema, das man zu jeder Jahreszeit platzieren kann …

Aber ja! Nur her damit! Ich sammle solch zeitlose Themen für meine Kurse! Mit einigen kreativen Gernschreiberinnen traf ich mich gestern zu einer außerordentlichen Sitzung. Wir wollten der Idee, eine öffentliche Lesung zu veranstalten, auf den Grund gehen. Herausgekommen ist jede Menge lockere Plauderei, bei der wir viel gelacht haben. Ja, Gernschreiberinnen lachen meiner Erfahrung nach oft und aus vollem Herzen, sind weder „gestrige“ Blaustrümpfe, noch abgehobene TheoretikerInnen! Eines unserer zeitlosen (Plauder-) Themen war „Spülmaschine aus- und einräumen in Partnerschaften“. Das gibt jede Menge her, wie wir feststellten. Und keine Erfahrung ist wie die andere!

Einsichten vermitteln, die überraschen und auch noch unterhaltsam sind, verdient eine gute Note in der professionellen Schriftstellerei. Doch haben natürlich jene Bücher oder Kurzgeschichten die Nase vorn, die ihren LeserInnen großen Freiraum für eigene Phantasien (Projektionen und Schlüsse) lassen.  Nichts ist nervtötender, als felsenfeste Weisheiten haarklein und als unverrückbar serviert zu bekommen. Ähnlich nervtötend ist die abschätzige, aber wenig originelle Schmähung „Wer schreibt, der bleibt“ – nach dem Motto: Ihr habt ja eh nix Lohnendes zu sagen und damit ab in die Mottenkiste der blasierten FaslerInnen und überflüssigen MöchtegerndichterInnen.

Die Jagd nach Geschichten ist groß und alt und kommt nicht aus der Mode. Wer kennt ihn nicht – den „Flurfunk“? Auch da kann man sich bestens unterhalten, manchmal auch gruseln. Sehr lebendig wird es, wenn es um Beziehungen geht. „Hast du schon gehört …“ hat meist kein Haltbarkeitsdatum und ist oft durch keinerlei Gegenrecherche „dingfest“ gemacht. Trotzdem hören wir gerne zu. Wir spinnen Gehörtes auch gerne weiter. Manches regt uns gelegentlich zu neuen Geschichten an, die zu guter Letzt evtl. ganz anders geartet sind – vielleicht mit einer Pointe enden, die so unverwechselbar ist, dass sie sich einprägt.

Der „Flurfunk“ hat es leichter als eine Lesung, sofern er Brisantes verbreitet und Tag für Tag für neue, aufregende Nahrung sorgt. KünstlerInnen der Malerei- und Skulptur-Szene haben es leichter mit ihren „EndverbraucherInnenn“ als GeschichtenschreiberInnen, die das Stillsitzen ihres Publikums erfordern. Skulpturen kann man fotografieren, ein Gemälde mit nach Hause tragen und an die Wand hängen – was tut man mit gehörter Prosa? Richtig! Wem sie gefällt, der fragt, ob er sie gedruckt (oder neuerdings auf CD) erwerben kann. Und weil der Schritt zum Büchlein (ob auf Papier oder auf Scheibe) etliches an Aufwand bedeutet, sammeln wir lieber noch mehr Geschichten, bevor wir uns in das Abenteuer Lesung stürzen. Themen haben wir ja genug. Siehe Spülmaschinen-Twist.

Und was fiele mir zur Weitergabe in punkto „Wenn ich nochmal jung wäre …“ ein? Ich bereue, dass ich nicht Tagebuch geschrieben habe als junge Volontärin bei der Lokalzeitung, denn „die Geschichte hinter der Geschichte“ wäre heute in vielen Fällen ein lesenswertes Zeitzeugnis. Mit der Frische der Jugend festhalten, was einem zu denken gibt, wo Widersprüche klaffen, wo sinnvolle Wendungen zum Greifen nahe sind und wodurch sie letztlich verfehlt werden – es ist nicht mit der Sicht von damals rückholbar. Und inzwischen wirkt das damals Verstörende, Aufschreckende oder Bewunderte sehr viel selbstverständlicher dank jahrelanger Sozialisation in den Furchen des „Erwachsenwerdens“, in den Fängen der fortschreitenden Berufserfahrung oder „Karriere“.

Ansonsten reizt mich das Gedankenspiel, nochmal jung zu sein und andere Verhaltensweisen dafür zu überlegen oder gar zu empfehlen, gar nicht. Weniger unbedarft und dadurch weniger vorlaut zu sein? Gerade das hat es doch gebracht damals! Vielleicht hätte ich während der Schulzeit von meinen Eltern dazu genötigt werden sollen, ein Instrument zu lernen, weil das heute der Nutzung meiner Gehirnhälften dienlich wäre. Aber ob mich das nicht zum Bockigsein gebracht hätte, weiß ich beim besten Willen nicht zu beurteilen, weil ich mich in das Kind von damals nicht mehr hineinversetzen kann. Ich weiß nur, zusätzlicher Unterricht in Mengenlehre (die damals noch nicht üblich war) ging schief, weil ich seine Notwendigkeit nicht einsah und er mir deshalb lästig war. Die Lehrerin bei uns auf dem Dorf bot ihn übrigens gratis an für jene, von denen sie annahm, dass es sich für diese lohne …

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Aug 02 2016

Kopfkino: Namen sind nicht Schall und Rauch!

Autor: . Abgelegt unter Literatur

Neulich im Kurs „kreativ schreiben“ hieß eine Protagonistin „Renate“. Sie war etwa um die 28, so dass ich die Verfasserin der Geschichte fragte, ob ihr ein nicht in „jüngerer“ Vorname einfalle, denn alles hat seine Zeit – auch die Mode der Vornamen wechselt. Später sah ich im Internet nach: „Renate“ hatte Hochkonjunktur zwischen 1937 und 1954, in meinem Geburtsjahr war er bereits auf Rang 11 abgerutscht.

Namen sind nicht Schall und Rauch, sie beschwören gewisse Assoziationen herauf. Unter „Fatima Faulhaber“ stelle ich mir eine andere Figur vor als unter „Siegfried Samstag“ oder „Isabelle Freudichdrauf“. Es ist deshalb eine gute Übung, Namen um der Assoziationen willen zu erfinden, und daraus Mini-Geschichten entwickeln. Diverse Portale geben im Internet über beliebte Vornamen Auskunft, zum Beispiel > http://www.beliebte-vornamen.de/ Bestimmt klicken das werdende Eltern häufig an, aber es gibt auch für GernschreiberInnen jede Menge her. Zumal man auch Bedeutungsforschung treiben kann und auf Assoziationen zu Prominenten stößt. Es geht ja immer darum, das Kopfkino zu „füttern“:

Mit „Don Quichotte“ verbindet man den Kampf gegen Windmühlen, „Werther“ steht für die Epoche „Sturm und Drang“, Goethe und Selbstmord incl. etlicher Nachahmungstaten. Bei „Alice“ spazieren die Gedanken ins „Wunderland“ oder zu „Emma“ bzw „Feminismus“. Harte Prüfungen, Niederlagen und Durchhaltewillen kennzeichnen Scarlett O’Hara in dem Kultfilm „Vom Winde verweht“.

Apropos Niederlagen: „Vom Scheitern und Wiederaufstehen“ haben die 9. Nordwalder Biografietage als Überschrift gewählt und starten damit am 23.9.2016 ab 14 Uhr im Rathaus Nordwalde. Zum Thema „Shit Happens – aus Fehlern lernen“ hält Dr. Christoph Mandl, Uni Hohenheim, die Einführungsrede. Zusammen mit Prof. Dr. Andreas Kuckertz erstellte er die Studie „Gute Fehler. Schlechte Fehler“, die Ende 2015 erschien. Die Veranstaltung orientiert sich an dem Modell der sogenannten Fuck-up-Nights. Diese Bewegung nahm 2012 in Mexiko ihren Anfang, um das Scheitern von StartUps öffentlich zu teilen. Näheres zu den Nordwalder Biografietagen > http://www.biografische-kommunikation.de/

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